Dub

Dubblestandart: King Size Dub Special

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Von Echo Beach kommt eine geballte Ladung Dubblestandart: „King Size Dub Special“ (Echo Beach) – eine Doppel-CD mit 29 Tracks. Wahrlich King Size! Dabei handelt es sich allerdings nicht um neues Material der Wiener (darauf müssen wir bis Oktober warten), sondern um einen bunten Mix aus Dubblestandart-Klassikern, unveröffentlichtem Material und Remixes: „A colorful journey that ranges from lover’s reggae, dub poetry to dubstep and trap“, wie das Presseinfo schreibt. Und das stimmt tatsächlich. Die erste CD ist ein stilistisches Remix-Feuerwerk, das zeigt, was im Zeichen des Dub alles möglich ist. Bei der zweiten CD handelt es sich allerdings um ein Rerelease der EP „Holding You Close – Chapter 2“ mit 15 Remixes des gleichnamigen Dubblestandart-Marcia Griffith-Songs. Auch hier geht’s quer Beet, wobei Marcias Lyrics ein stark vereinheitlichendes und somit mäßigendes Element sind. Beide CDs zusammen ergeben ein über dreistündiges Paket virtuoser Dub-Music, die weit über den Tellerrad des Genres hinaus blickt. Typisch Echo Beach.

Rating 4 Stars

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Dub

Mad Professor meets Prince Fatty: In the Clone Theory

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Es ist die Zeit der generationsübergreifenden Dub-Konferenzen. Hatten wir zuletzt einen Dub-Gipfel in Jamaika: King Jammy meets Alborosie, so folgt nun das UK-Counterpart: „Mad Professor meets Prince Fatty in the Clone Theory“ (Evergreen Records). Originator und moderner Epigone treffen sich hier zum Schlagabtausch: Fünf Tracks steuert der Prof. bei, fünf der Prince. Und dann wäre da noch eine dritte Person, die einst im Ariwa-Studio an den Drums saß, heute aber als Deejay mit Prince Fatty tourt und vor wenigen Monaten ein Album bei ihm veröffentlicht hat: Horseman. Seine Rolle bei diesem Projekt bleibt allerdings ungeklärt – spielt er vielleicht die Drums auf allen Tracks? Das Cover zeigt ihn als Opfer der beiden verrückten Wissenschaftler, bei dem Versuch, die Clone-Theorie in die Tat umzusetzen. Das musikalische Ergebnis dieses Versuchs ist jedenfalls geglückt. Die Archivware des Profs harmoniert erstaunlich gut mit den eklektizistischen Fatty-Produktionen. Zusammen ergeben sie ein richtig angenehmes, wunderbar beseeltes Old School-Dub-Album, das ganz auf fancy Gimmicks, auf Basslawinen und digitale Spielereien verzichtet und uns schlicht und ergreifend nur eines bietet: Dub – pur, simpel, handgespielt und handgemixt. Okay, ich muss zugeben, dass mich andere Fatty-Produktionen mehr geflasht haben, und ich den Professor früher generell besser fand. Aber andererseits sind hier zwei meiner großen Dub-Helden am Werk und ich werde den Teufel tun, das nicht ausgesprochen gut zu finden.

Rating 4 Stars

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Vibronics: Return of Vibronics

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Steve Vibronic zählt zu den Urgesteinen der UK-Dub-Scene. Seit ihrem Aufstieg in den 1990er Jahren, ist er einer ihrer produktivsten Akteure – und vor allem einer, der heute noch am Ball ist. Dabei ist er sich und dem Steppers-Style treu geblieben, hat sich aber zugleich weiterentwickelt und seinen Sound stets angepasst und modernisiert. Sieben Jahre nach dem letzten Vibronics-Solo-Album unter eigenem Namen, feiert der Soundman aus Leicester mit „The Return of Vibronics“ (Scoops Records/Jarring Effects) nun sein Comeback – obwohl er eigentlich gar nicht lange genug Weg vom Fenster war, um von einer Wiederkehr reden zu müssen. Erst 2010 erschien sein Album „French Connection“, das in Kooperation mit französischen Artists entstanden war, und 2014 gab’s dann mit „Empire Soldiers“ ein Kolaborationsalbum mit Brain Damage. Steve ist also keineswegs eingerostet – was er mit seinem „Return“ auch eindrücklich unter Beweis stellt. Allerdings zählt er auch nicht zu den Feinmotorikern des Genres – so dass etwas Flugrost kein Problem wäre. Im Gegenteil: Der Name „Vibronics“ steht für harten, kompromisslosen Steppers, so wie ihn Soundsystems lieben. Entsprechend brachial ist Steves Return: Stoisch stampfen seine Drum-Beats durch Bassgewitter, die Hosenbeine flattern und Schädel vibrieren lassen. Die Energie seiner Dubs ist atemberaubend. Vor allem in der ersten Hälfte seines Albums gelingt es ihm, die rohe Gewalt seiner Drum & Bass-Arrangements in reizvollen Kontrast zu gesungenen Melodien zu setzen. So steuern z. B. die großartige Soom T aber auch Macka B, Madu Messenger oder Michael Prophet ein paar Lyrics bei. Vor allem Letzterer liefert mit „Searching for Jah“ einen richtigen Hit-Tune ab. Die rein instrumentalen Dubs der zweiten Albumhälfte könnten allerdings – nachdem sich der Bass-Überwältigungseffekt etwas verbraucht hat – durchaus noch etwas Esprit vertragen. Brutale Bass-Gewalt gepaart mit Witz und Klugheit – das wär doch mal was!

Rating 4 Stars

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Serendubity-Festival

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Reggae-Festivals haben wir in Deutschland inzwischen reichlich. Früher, als das Summer Jam noch auf der winzigen Loreley-Freilichtbühne statt fand, hätte ich niemals vermutet, das ein Reggae-Event so unglaublich wachsen könnte. Irgendwie hatte ich damals Reggae noch für Special Interest gehalten. Inzwischen ist mir bewusst: Im Sommer, open air, ist Reggae Mainstream! Ein Schicksal, das Dub wohl niemals ereilen wird. Obwohl … Ein erstes, amtliches Dub-Festival gibt es hierzulande schon: das Serendubity-Festival. Dieses Jahr findet es vom 24. bis 26. Juli, nördlich von Berlin, auf einem alten Militärflughafen, inmitten alter Düsenjets und grasbewachsener Hangar statt. Musikalisch schlägt das Festival den Bogen von klassischem Reggae-Dub, über Roots und Ska hin zu Dubstep, Jungle, Trap etc. Ich finde, das klingt nach einem interessanten Konzept. Aus dem Line-Up sind mir allerdings nur vereinzelt Namen bekannt (vor allem natürlich die Senior Allstars), was wahrscheinlich daran liegt, dass der Schwerpunkt bei deutschen und französischen Acts liegt, während die Veteranen aus dem UK erst mal zu hause bleiben müssen. Ich würde das Festival liebend gerne besuchen, muss aber leider wegen Urlaubs verreisen ;-). Am besten ihr geht mal hin und berichtet mir!

Website des Serendubity-Festivals
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The Senior Allstars: Dub from Jamdown – Darker than Blue

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Ein schlichtes, einfaches, unkompliziertes Album ist von den Senior-Allstars nicht zu erwarten. Ohne Konzept läuft bei ihnen nämlich gar nichts. Das fängt schon damit an, dass die Band Dub statt Reggae mit Gesang spielt – auch live. Ein Instrumentalalbum von Dub-Produzenten remixen zu lassen, die Dubs dann live als Album wieder einzuspielen, um sie schließlich mit Gesang zu versehen und erneut remixen zu lassen, klingt nach einem komplizierten Konzept, oder? Genau das steckt hinter den Alben „In Dub“, „What Next?“ und „Verbalized and Dubbed“. Im Vergleich dazu wirkt das Konzept hinter dem neuen Album „Dub from Jamdown – Darker than Blue“ (Echo Beach) auf den ersten Blick fast simpel: 2001 erschien auf Blood & Fire der von Steve Barrow und Mark Ainley zusammengestellte Sampler, „Darker than Blue: Soul from Jamdown 1973 – 1980“ mit Reggae-Reworkings von US-Soul Klassikern. Von diesem Sampler waren Markus Dassmann, Arne Piri, Gudze und Thomas Hoppe so angetan, dass sie beschlossen, die Stücke instrumental neu einzuspielen und ein neues Dub-Album der Senior Allstars daraus zu zaubern: „ Dub from Jamdown – Darker than Blue“ (Echo Beach). Oder einfacher ausgedrückt: Die Senior Allstars spielen die Stücke von Reggae-Artists nach, welche die Stücke von Soul-Artists nachgespielt haben. Alles klar? Es sind also Songs in der dritten Inkarnation. Na, wenn das mal nicht doch ein typisches Senior-Allstar-Konzept ist! Doch jedes Konzept ist nur so gut wie das, was hinten raus kommt – wie schon unser Bundeskanzler A. D. wusste. Tja, und das ist mal wieder der gute, alte, handgespielte, puristische, entspannte und leicht jazzige Sound der Allstars. Extrem präzise, reduced to the max, zugleich aber menschlich warm, organisch und stets leicht melancholisch – die Jungs haben ihren Stil gefunden. Und offenbar auch das richtige Material, um ihn einzusetzen: Songs wie „Baltimore“, „Aint no Sunshine“ oder „Why Can’t We Live Together“ klingen in ihrer Umsetzung einfach grandios.

Rating 5 Stars

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Dub

Vibration Lab: Brass Plant EP

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Im Dub gibt es zwei große Sub-Genres: 1. Der historische, jamaikanische Dub, basierend auf klassischen, handgespielten Reggae-Backings. Bei ihm steht der Mix im Vordergrund. 2. Der UK-Steppers-Dub, basierend auf digitalen Rhythms mit starker Betonung der Bassline sowie der four to the flour-Bassdrum. Hier steht das Bass-Erlebnis im Vordergrund. Eigentlich sind beide Stile inzwischen historisch und es stellt sich immer wieder die Frage nach dem Sound eines zeitgemäßen Dubs, der nicht Klischees bedient, sondern konzeptuell und ästhetisch auf der Höhe der Zeit ist und im Reigen moderner populärer Musik mitspielen kann. Darauf gibt es viele mögliche Antworten. Doch eine Antwort erscheint mir derzeit am überzeugendsten: die „Brass Plant EP“ (Reggae Roast) des Vibration Lab. Hinter diesem Namen stecken zwei Sound-Tüftler aus Bristol und London, die von sich behaupten, „Future Reggae“ zu produzieren. Mit einem Bein stehen sie im Reggae-Dub, mit dem anderen in aktueller, digitaler Bass-Music. Mit ihrer neuen EP ist ihnen ein großer Wurf gelungen. Ich bin der Meinung, dass es ihnen endlich geglückt ist, ihre Idee vom „Future Reggae“ in die Tat umzusetzen – obwohl es sich hier, streng genommen, um „Future Dub“ handelt. Im Zentrum ihrer Musik pocht das Herz des Dub, dunkel, stetig, energisch. Es treibt einen Strom an Bass durch den Organismus. Einen Tsunami an Bass, der an Fenstern und Türen rüttelt. Stoisch und repetitiv drängt er gegen Trommelfell, Bauch und Brust. Doch dann sind da noch die Reggae-fremden Sound-Elemente, die eher aus den Sphären elektronischer Club-Music stammen, sich aber kongenial in das Reggae-Fundament einfügen. Sie formen sich zu kleinen Melodien, teils winzigen Phrasen, die endlos wiederholt werden und sich schließlich zu einem komplexen, polyrhythmischen Ganzen von unglaublicher meditativer Kraft fügen. Präzise, druckvoll, dynamisch und wahnsinnig schön. Müsste ich jemandem erklären, was moderner Dub ist – ich würde diese EP vorspielen – in der Hoffnung, meine Zuhörer spontan zu missionieren und in das Lager der Dub-Enthusiasten zu locken. Als nächstes haben die beiden Vibration Lab-Jungs ein Album mit Linval Thompson in der Planung. Darauf bin ich mehr als gespannt.

Rating 5 Stars

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Chris Dubflow: Delay Construct

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2011 veröffentlichte der Schweizer Chris Dubflow sein Debut-Album „Echostream“ und ich war hin und weg. Damals schwärmte ich vom „repetitiv treibenden, leicht technoiden, elektronischen Dub à la Rhythm & Sound und Rockers HiFi“. Nun legt Chris sein neues Album vor: „Delay Construct“ (Everest) und macht damit genau dort weiter, wo er vor fünf Jahren aufgehört hatte. Der hypnotische, von warmen Synthie-Flächen getragene Minimal-Groove, könnte locker aus fünf Jahre alten Sessions stammen. Und genau damit habe ich nun – trotz aller Sympathie für seine Musik – Probleme. Vielleicht habe ich in der Zwischenzeit auch nur zu viel von diesem Minimal-Dub-Techno gehört, aber irgendwie ist bei mir die Faszination für diesen Stil auf der Strecke geblieben. Ich habe mich offenbar satt gehört an dem Synthie-Allover-Gewaber und hätte mir von Chris Dubflow eigentlich den nächsten Evolutionsschritt dieser speziellen Dub-Spezies gewünscht. Mal sehen, wohin ihn der Flow des Dub beim nächsten Mal treiben wird.

Rating 3 Stars

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