Marcel-Philipp: Morning Sessions, Vol. 1 & 2

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Dub ist tendenziell eine eher dunkle Musik. Magisch, mystisch, metaphysisch – tief und schwer. Doch wie wäre es mal mit der kompletten Antithese zu unserem Lieblings-Sound: Eine fröhliche, beschwingte, optimistische Musik, die zu einem sonnigen Sommermorgen auf dem Land passt? Hier ist sie: Marcel-Philipp: „Morning Sessions Vol. 1“ und „Morning Sessions Vol. 2“ (Ashera Records). Der junge Multiinstrumentalist aus Baden-Württemberg präsentiert uns hier 24 auf zwei Alben verteilte, so ungemein beschwingte Instrumentals, dass es eine pure Freude ist. Wer beim Hören der „Morning Sessions“ nicht die Sonne aufgehen spürt, muss unverbesserlicher Misanthrop sein. Sein Sound erinnert mich an jene Studio One-Aufnahmen, bei denen Jackie Mittoo in die Tasten griff und der Groove nur so strömte. Auch bei Marcel-Philipp spielt die Orgel eine Hauptrolle – direkt nach der Melodica, jenem Instrument, das untrennbar mit dem Namen Augustus Pablo verknüpft ist. Die ihrem Klang innenwohnende Einfachheit und kindliche Unschuld passen kongenial zu den schlichten und dadurch nur umso schöneren Melodien, die Marcel-Philipp ihr entlockt. Auch das Arrangement der meist an frühen Reggae erinnernden Uptempo-Beats der Instrumentals zeichnet sich durch Einfachheit aus. Wer will, könnte das für naiv und unterkomplex halten. Ich hingegen neige dazu, an dieser durch und durch optimistischen Musik einfach Spaß zu haben.

Rating 5 Stars

Hollie Cook: Twice

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Ich muss es loswerden: Ich bin momentan völlig geflasht von Hollie Cooks neuem Album Twice. So eine abgefahrene, coole Kombination von superben, ultra-tight prodzierten Ska- und Reggae-Rhythms und Hollies heller, über den Dingen schwebender Stimme – das macht mich einfach glücklich. Und dann wären da noch die Streicher, die mich bei den Trojan-Produktionen der 70er total genervt haben – hier sind sie kongenial eingesetzt. Hinzu kommen einfach großartige Melodien und schöne, anrührende Texte. Das Beste aber ist, dass Twice als Showcase-Album konzipiert ist, Hollies Songs also nahtlos in eine Dub-Version übergehen. Klasse.
Dass Produzent Prince Fatty und Hollie Cook ein Winner-Team sind, haben sie ja schon auf Hollies Debut-Album bewiesen. Auf Twice übertreffen sie sich jetzt selbst.
Rating 5 Stars

Lee „Scratch“ Perry: Back on the Controls

Lee Perry

Es ist schon tragisch. Immer, wenn mir ein neues Lee Perry-Album auf den Tisch flattert, verspüre ich mehr Pflicht als Lust, es mir anzuhören. Lee Perry war einmal DER Innovator des Reggae. Der Urheber eines fantastisch komplexen, magischen und absolut einzigartigen Sounds, geboren aus der glücklichen Begegnung von analogem Studioequipment, begnadeten Musikern, viel Marihuana und noch mehr Rum mit einem ganz speziellen Genius, der im Kopf Lee Perrys (noch diesseits der Grenze zum Wahnsinn) beheimatet war. Gegen Ende der 1970er Jahre überschritt das Genie diese Grenze und Perry wurde zu dem verschrobenen, brabbelnden Kauz, dessen monotone Monologe seither auf ungezählten Alben oft drittklassiger Reggae-Bands zu hören sind. Bands, die versuchen, aus dem legendären Namen Perrys bis heute Kapital zu schlagen. Welch Absturz, welch tragisches Schicksal. Nun ein neuer Versuch: Seit rund einem Jahr arbeitete Daniel Boyle – ein wenig bekannter britischer Reggae-Produzent – mit dem Madman an einem neuen Album. Zuvor hatte er die Ausstattung von Perrys Black Ark-Studio akribisch nachgekauft und so lange mit ihr herumexperimentiert, bis ihm schließlich gelang, was zuvor noch niemand geschafft hatte: den legendären Sound aus Perrys bester Zeit zu reproduzieren. Nun liegt das neue Werk vor, zu dem Perry nicht nur den (nennen wir es mal) Gesang beisteuerte, sondern das er angeblich auch mitproduziert hat: Lee „Scratch“ Perry: Back on the Controls. Es ist ein Doppel-Showcase-Album mit 11 Vocal-Tunes und 11 Dub-Versions und erscheint dank einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne auch als CD und schön bebilderte Doppel-Vinyl-Ausgabe. Top oder Flop? Kein Zweifel: Es katapultiert sich auf den Rang des wohl besten Perry-Albums der Neuzeit – einen Rang allerdings, den es sich mit Adrian Sherwoods „Dub Setter“-Album von 2010 teilen muss. Daniel Boyle (der mir bisher noch nicht untergekommen war) und Perry haben hier ein amtliches Meisterwerk geschaffen, indem sie den Black Ark-Sound zwar kopieren, glücklicherweise aber darauf verzichten (mit einer Ausnahme) die alten Stücke neu aufzubrühen. Statt dessen gehen die beiden eigene Wege, präsentieren starke, eigenständige, mit warmen Bläsersätzen durchzogene Rhythms, dosieren Lee Perrys Gebrabbel sehr angemessen, entlocken ihm sogar einige gute Melodien und bieten als Bonus zudem noch fantastische Dub-Versions. Auch Perry scheint erkannt zu haben, dass er da etwas ganz Besonderes in den Händen hält, weshalb er sich dazu entschlossen hat, sein ehrenvolles Upsetter-Label wiederzubeleben, um dem Album eine würdige Heimat zu bieten. Willkommen zurück, Mr. Perry.
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Mishmash Vol. 1

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Alpha & Omega haben ein neues Album veröffentlicht: The Half That’s Never Been Told (Steppas Records). Ich kennen keinen Dub-Act, der seit so vielen Jahren produktiv ist, wie Alpha & Omega. Doch nicht nur das: sie sind seit rund 25 Jahren ihrem Stil so treu, dass es schwer fällt, neue Alben  und Wiederveröffentlichungen voneinander zu unterscheiden. The Half That’s Neve Been Told macht da keine Ausnahmen: bassschwer, düster grollend, monoton – genau so, wie wir es lieben.

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Die Resonators haben ihrem Album The Constant eine Dub-Version geschenkt und diese zusammen mit dem Originalalbum auf eine Deluxe Edition (Wah Wah 45s) gepackt. Ich habe schon die Vocal-Versionen geliebt. Die Dubs machen mich jetzt seelig.

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Noch nie hatte ich von Dub for Light gehört, aber das neue Album Mindset (Dan Dada) ist mir dann doch aufgefallen. Selten so minimalistischen Dub gehört. Wird gewiss nicht mein Lieblingsalbum, aber eine spannende Hörerfahrung ist es auf jeden Fall.

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Nicht nur der Sohn von Augustus Pablo macht Dubs, auch der Sohn von Jah Shaka, Young Warrior, ist im Dub-Business. Für sein Sound System hat er einige Tracks produziert, von denen nun 6 Instrumentals plus Dub-Versions auf dem Album Presents Dub Box (Jah Shaka) veröffentlicht zu hören sind. Natürlich Hardcore-Steppers, wie vom Vater gewohnt. Allerdings handelt es sich um recht simple, digitale Produktionen, die so klingen, als seien sie in einer Blechdose aufgenommen worden. Im Sound System geht das klar, auf dem Home-HiFi eher nicht.

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Wenn schon digitaler Dub, dann lieber so wie auf dem Album Mangrove Meets Ganjaman_72 in 5-Track Digital Dub Vol. 1 (Fast Forward Sound). Hier wird bewusst mit dem 8-Bit-Sound à la Jahtari gespielt – und zwar virtuos. 5 Tracks von Mangrove bietet das Album, die Ganjaman_72 in bester Shwocase-Manier um Dub-Versions ergänzt hat. Nice.

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Wie im Blog des öfteren zu lesen ist: Ich bin ein großer, großer Fan von Prince Fatty. In seiner Reihe Prince Fatty vs. tritt er nun gegen Mungo’s Hi Fi an (= Prince Fatty vs. Mongo’s Hi Fi (Mr. Bongo)). Was für ein Spaß! Hat zwar nicht viel mit Dub zu tun, ist aber trotzdem ein grandioses Old-School-Album im Stile der Digital-Dancehall der frühen 1990er Jahre. Absolut geeignet, um mal die Dub-Bass-Ablagerungen aus den Ohren zu blasen.

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Wo wir gerade bei Nicht-Dub-Alben sind: Chronixx Debut Dread & Terrible (Chronixx Music) gefällt mir richtig gut. Hat einen unwiderstehlichen Old School-Charme und bietet zudem noch drei schöne Dubs.

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So, einen hätte ich noch: Various Artists: Dub Tentacles, Vol. 5 (Fresh Poulp). Nach dem letzten, eher Dubstep-orientiertem Dub-Tentacles Vol. 4, ist das Netlabel nun wieder zu 100% Dub zurück gekehrt. Richtig so! Mit Ausnahme von Du3normal sind mir alle hier versammelten Dub-Acts unbekannt, ihr Sound gefällt mir aber trotzdem. Der Sampler bietet zwar nix aufregend Neues, ist aber trotzdem hörenswert – zumal er kostenlos zum Download bereit steht: http://www.fresh-poulp.net/releases/fpr070/

Ruts DC: Rhythm Collision Vol. 2

Ruts DC

1982 traf die britische Ex-Punkband Ruts DC zum ersten Mal den verrückten Professor in dessen Ariwa-Studio und nahm dort das Album „Rhythm Collision Vol. 1“ auf, das seit Bestehen des Labels Echo Beach dort rauf und runter gemixt wird. Nun, 31 Jahre nach diesem Werk, haben die verbleibenden Ruts-Mannen wieder bei Mad Professor angeklopft, um dort ein neues Dub-Album zu produzieren. Darüber dürfte sich Prof. Neil Fraser sehr gefreut haben (ebenso wie Echo Beach), denn selbst nach über drei Dekaden sollte der legendäre Name der Ruts noch eine Käuferschicht jenseits des Reggae-Stammpublikums mobilisieren können. Weniger gefreut hat sich der Professor aber wahrscheinlich darüber, dass seine ureigenste Profession, nämlich der Mix des Albums, gar nicht gefragt war. Diesen Job sollte Prince Fatty übernehmen. Nun liegt das vielversprechende Werk, „Rhythm Collision Vol. 2“ (Echo Beach), endlich vor – und ist gar nicht schlecht geworden. Okay, Enthusiasmus klingt anders. Letztendlich ist es eine Frage des Geschmacks. Mir kommt es eher wie ein Instrumentalalbum vor. Es ist bei weitem nicht so deep, wie ich mir ein modernes Dub-Album wünsche, andererseits ist es aber auch nicht so verspielt, wie ich es Prince Fatty durchaus zutraue. Statt auf puren Rhythm & Sound, setzten die Ruts DCs auf klassische Songstrukturen und authentischen Band-Sound. Und da kann man nicht meckern: Die Songs sind größtenteils wirklich gelungen und die Gastvokalisten (Tenor Fly, Molara, Aynzli Jones u.a.) durch die Bank sehr gut. Natürlich gibt es auch gute Dubs. Der Track „Sun and Stars“ ist so ein Fall. Von Prince Fatty wunderbar dekonstruiert, entschlackt und puristisch gemixt. Ebenfalls ein großer Old-School-Dub, der klingt, als hätte Scientist mit Augustus Pablo im Studio gesessen, ist der Track „Heavyweight Style“. Davon hätte ich mir mehr gewünscht.

My verdict: 31 years later – here it is: the new album from ex-punk-band Ruts DC. More instrumental than pure dub. But the songs are nice.
My rating: 6 (out of 10)
Check it out: Juno

David Rodigan bei der BBC

Rodigan

Meine Reggae-Sozialisierung habe ich zu großen Teilen einem Mann zu verdanken: David Rodigan. Er schickte in den 1980ern seine zweistündige Radioshow „Rodigans Rockers“ via BFBS in die Wohnzimmer hiesiger Reggae-Fans. Danach war er lange Zeit bei Kiss FM im Programm, das aber in Deutschland nicht empfangen werden konnte. Nachdem Kiss seine Reggae-Sendung auf immer unattraktivere Sendeplätze verschoben hatte (zum Schluss war  es Sonntagnacht um 0 Uhr), kündigte Rodigan und heuerte bei der BBC an. Heute lief seine neue Sendung zum ersten Mal. Hier in Deutschland lässt sie sich via Internet verfolgen – und sollte man sie verpassen, so kann man sie auf der BBC-Seite nachholen. Da werden Erinnerungen wach. Welcome Back!
Rodigan auf BBC 1Xtra

Dreadsquad: The Riddim Machine Versions

Versions

Mittlerweile entsteht nahezu überall in Europa vorzüglicher Reggae: Frankreich, England, Italien, Deutschland: alles große Reggae-Nationen. Neudings gehört auch Polen dazu. Den Verdienst daran trägt allein ein Produzent aus Lodz: Marek Bogdanski a.k.a. Dreadsquad! Seit 2001 hat er einige wunderbare, vor Energie sprühende Rhythms zusammengeschraubt, die musikalisch irgendwo zwischen Ska, Early Reggae und Dancehall angesiedelt sind. Im Laufe der Zeit wurden sie von einer Vielzahl europäischer und jamaikanischer Artists gevoiced (Ward 21, Tenor Fly, Top Cat, General Levy, U Brown, Milion Stylez, Lady Chann, Tipa Irie, Jah Mason, Perfect, Dr Ring Ding) und in Form von wenigen Solo-Alben und vielen Singles (die allerdings zu One-Rhythm-Samplern kompiliert wurden) veröffentlicht. Letztes Jahr erschien mit „The Riddim Machine“ ein Best Of Dreadsquad, das bei mir lange Zeit in Dauerrotation lief. Nun, ein Jahr später, erscheint – nein, leider nicht das dazu passende Dub-Album, sondern „nur“ ein Version-Album, mit den weitgehend ungemixten Rhythms. Es trägt den passenden Titel „The Riddim Machine Versions“ (Superfly Studio Poland) – und, was soll ich sagen: I’m loving it! Grandiose Instrumentals, bei denen es nicht verwundert, dass sie die oben genannten Artists zu hervorragenden Songs inspirierten. Neben Original-Kompositionen gibt es dort auch klasse Reworkings von Riddims wie Sleng Teng oder Stalag zu hören. Das macht Spaß! Jetzt warte ich nur noch auf das Dub-Album – oder wahlweise auf neues Material. Hauptsache Nachschub aus dem Osten.
Hörprobe bei Juno

Studio One Ironsides

Studio One Ironsides

Ich liebe die Musik aus Coxsones Studio One. Doch leider, leider habe ich meine nette, gar nicht so kleine Studio One-Kollektion im Laufe meiner nunmehr über dreißigjährigen Leidenschaft für Reggae so of gehört, dass mich die Songs – auch wenn sie noch so fantastisch sind – nicht mehr so richtig reizen. Doch nun hat das Souljazz-Label, dass sich in den letzten Jahren ja sehr um die Aufarbeitung des Studio One-Katalogs verdient gemacht hat, ein Album heraus gebracht, dessen Reiz ich vollkommen erlegen bin: „Studio One Ironsites“. Obwohl das Album auch einige der großen Studio One-Klassiker enthält, mischt es diese so geschickt mit rarem, nahezu ungehörtem Material, dass es für mich geradezu einer Neuentdeckung des guten alten Studio Ones gleichkommt.
Hörprobe bei iTunes

Freddie McGregor: Di Captain

Di Captain

Vor 50 Jahren begann die musikalische Karriere von Freddie McGregor. Bereits als siebenjähriger nahm er im Studio One erste Stücke auf – zunächst als Background-Sänger, später unter seinem eigenen Namen. Nun legt er nach achtjähriger Wartezeit ein neues Album vor, weitgehend produziert von C. & R. McLeod und seinem Sohn Stephen „Di Genius“ McGregor. Herausgekommen ist eine Mischung weniger mäßiger neuer Songs und einer Menge sehr schöner Cover-Versionen (George Benson, The Beatles, Bob Marley, Mighty Diamonds, Heptones und von sich selbst: F. McGregor). Insgesamt ein schönes Album. Die wenigen Schnulzen muss man einfach überhören.
Hörprobe bei iTunes

Horace Andy: Broken Beats

Normalerweise läuft es so: Jemand nimmt ein Album auf, veröffentlicht es, schickt anschließend die Tracks zu befreundeten Musikern, welche Remixes produzieren, die dann ca. ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung des Albums auf den Markt kommen. Es ist die gleiche Abfolge wie beim klassischen Dub-Album: erst die Gesangs-Version, dann die Dub-Versions. Doch ebenso wie der moderne Dub damit Schluss gemacht hat, das Derivat eines Gesangsalbums zu sein, so hat sich nun offensichtlich auch der Remix von einem bisher als zwingend vorausgesetzten „Original“ emanzipiert. Das Horace Andy-Album „Broken Beats“ (Echo Beach) ist nämlich direkt als Remix entstanden. Eine geniale Idee, die konsequent und bravurös umgesetzt wurde: Das Hamburger Label Echo Beach hatte Lust auf ein neues Horace Andy-Album mit einigen seiner klassischen Hits wie Skylarking, Money Money, Cuss Cuss sowie neuem Material und lud somit kurzerhand befreundete Dub-Acts und Remix-Produzenten wie Rob Smith, Dubblestandart, Fenin, Dub Spencer & Trance Hill, Felix Wolter u. a. ein, die Musik dazu beizusteuern. Doch statt auf alte Horace Andy-Aufnahmen zurückzugreifen, entstand das komplette Album neu. Der Clou: selbst Horace Andy sang seine Songs extra neu ein. Was als Kopf-Experiment hätte leicht in die Hose hätte gehen können, liegt nun als spannendes und betörendes Album vor, das konzeptuell wie musikalisch absolut State of the Art ist. Obwohl der individuelle Stil der beteiligten Musiker unverkennbar bleibt, fügen sich alle Tracks, die Vocal-Versions sowie die Dubs im zweiten Teil des Albums, zu einem geschlossenen Ganzen, das sich jenseits enger stilistischer Grenzen von Reggae und Dub bewegt. Vordergründig macht es das Album seinen Hörern nicht leicht. Beim flüchtigen Hineinhören wirken die Beats oft etwas sperrig, lassen sich keinen bekannten Kategorien zuordnen und bieten statt kraftvollem Wumms eher zurückhaltendes Understatement. Der wahre Schatz dieser Musik erschließt sich nämlich erst beim genauen Hinhören. Dann, wenn die ruhige Kraft der Beats und die in ihrer Komplexität verborgene Schönheit offenbar werden. Und genau dann ist man als Hörer unendlich dankbar, statt bekannte Styles wiedererkennend abzuhaken, in jedem der 15 Tracks neue Überraschungen zu erleben, neue akustische Entdeckungen zu machen und schließlich das (wieder) zu finden, wofür Dub eigentlich steht: Innovation.