Mai 10

Zur Feier seines neuen Albums “Chapter 2″ veranstaltet der Star der britischen Dubstep-Szene in Kooperation mit der Künstler-Plattform Talenthouse einen Remix-Contest für seine Fans. Benga lädt DJs, Remixer und Produzenten aus der ganzen Welt ein, ihren eigenen Spin auf die erste Single des Albums mit dem Titel ‘Forefather feat. Kano‘ zu geben.  Für den Wettbewerb werden die Original-Stems zur Verfügung gestellt. Jedes Genre, jeder Musikstil ist willkommen! Der Remix des Gewinners wird gemeinsam mit dem offiziellen Remix-Bündel veröffentlicht und auf allen offiziellen Online-Kanälen von Benga promotet. Das ist eine Riesenchance für Musiker, schlagartig bekannt zu werden. Zusätzlich gibt es $ 1.000.
Wer an dem Remix-Contest mit Benga teilnehmen möchte, muss seinen Track bis 30. Mai 2013 auf Talenthouse.com hochgeladen haben. Vom 31. Mai bis 07. Juni kann über die eingereichten Remixe in einem öffentlichen Voting abgestimmt werden. Der Votingsieger gewinnt 500 US-Dollar und jede Menge Promotion. Benga selbst wird gemeinsam mit Kano den Gewinner bestimmen!
Weitere Infos gibt es hier: http://bit.ly/10rIwPm

Nov 24

Mit einigen Jahren Verzögerung macht sich der Einfluss von Dubstep auf Dub nun zunehmend bemerkbar. Meist ist es lediglich der verzerrte Bass-Sound, der zitiert wird, aber es gibt auch weitreichenderen Einfluss wie z. B. bei der 2016 gegründeten und aus der Zukunft ins Jahr 2008 nach Berlin zurück gereisten Band Braintheft. Ihr soeben vorgelegtes Album “Berlintendo” verdankt dem Dubstep rund 40 Prozent seiner Inspiration. Weitere 40 Prozent dürften dem Bass-Sound eines Bill Laswell geschuldet sein. Die verbleibenden 20 Prozent sind schließlich echter Reggae-Dub. Und genau diese, hinsichtlich meiner Lieblingsmusik recht ungünstige Verteilung verleidet mir den ungetrübten Spaß an “Berlintendo”. Das Album besteht aus drei Teilen: dem “Studio Mode” (Studioaufnahmen), dem “Live Mode” (Konzertmitschnitt) und dem “Versus Mode” (Remixes), was insgesamt stolze 28 Tracks ergibt. Allen Stücken gemein ist ein entspannter, dunkler, teils verspielter, elektronischer Sound, der seine handgemachte Herkunft nicht leugnen kann. Doch trotz reichlich Schallwellen aus dem Frequenzkeller, fehlt dem Album der rechte Wumms. Mir ist die Musik zu verkopft, die Soundscapes zu langatmig und die Rhythms zu ideenlos. Wie so oft bei Bill Laswell, fehlt der Musik schlicht der Groove – von Melodien ganz zu schweigen. Alles das, was im klassischen Sinne “schön” ist an einem Dub, wird hier zugunsten atmosphärischer Klangwelten geopfert. Einfache, aber dadurch vielleicht bestechende, Ideen werden durch komplizierte Kompositionen, reichlich Breaks, Rhythmuswechsel und aufwändige Arrangements ersetzt. Doch viel ist nicht unbedingt mehr, sind die stärksten Ideen doch oft gerade die (scheinbar) einfachsten. Dummerweise sind sie auch am schwierigsten zu bekommen.

Feb 28

„Echo Beach präsentiert die erste Folge von „Space Is King“ (Echo Beach) – die logische Fortentwicklung des modernen Dub hin zum Dubstep“, so lässt das Hamburger Dub-Label verlauten und präsentiert einen Sampler mit Remixes bekannten Label-Materials. Beauftragt wurden ausschließlich britische Sound-Tüftler wie Adrian Sherwood, die G.Corp oder Rob Smith. Die Behauptung, Dubstep sei die „logische Fortentwicklung“ von Dub, ist mir in letzter Zeit des öfteren zu Ohren gekommen. Das Einzige, was mir an dieser These „logisch“ erscheint, ist, dass sie den Begriff „Step“ als „Next Step“ fehl deutet. Denn weder ist Dub der Vorläufer von Dubstep (wie Mad Professor behauptet – siehe letzte Ausgabe), noch ist Dubstep in irgend einer Weise „weiter“ entwickelt oder gar fortschrittlicher als Dub. Oder ist House etwa fortschrittlicher als Hip Hop? Latin fortschrittlicher als Country? (Okay, das könnte schon sein.) Oder Jazz fortschrittlicher als Rock? Beim Hören von „Space Is King“ bestätigt sich nur eine alte Erkenntnis: Dub ist universell. Er nimmt die Stilelemente des Dubstep locker in sich auf, so wie er es schon mit Elementen vieler anderer Genres getan hat (z. B. Drum & Bass, House, Minimal Elektronik etc.). Daher läuft in die Irre, wer „Space Is King“ für einen Dubstep-Sampler hält. Zu hören gibt‘s hier nämlich astreinen Dub, der allerdings den Blick über den Tellerrand wagt. Und genau deshalb ist der Sampler auch ziemlich klasse geworden. Vor allem die stoischen Remixe von Rob Smith aka. Smith & Mighty aka. Blue & Red aka. RSD sind grandios. Da bin ich sogar bereit, mir tausendfach gehörte Echo Beach-Klassiker von Carl Douglas („Kung Fu Fighting“), Ruts DC oder Martha & The Muffins im Remix erneut zu Gemüte zu führen. G. Corp sind es übrigens, die am konsequentesten auf den Dubstep-Wobble-Bass setzen. Klingt cool in Kombination mit Dub.

Dez 24

Der Name „Roommate“ war mir gänzlich unbekannt – bis ich das Album „Studio Dub Transmissions“ (Avocaudio) entdeckte und sofort davon hingerissen war. Ich glaube, um etwas zu mögen, bedarf es stets eines ausgewogenen Verhältnisses von Bekanntem und Neuem. Überwiegt das Bekannte, so wird es schnell langweilig, überwiegt hingegen das Neue, so erscheint es zuweilen unzugänglich. Was als bekannt und was als neu gelten darf, ist von der persönlichen Erfahrung abhängig. In meinem Fall trifft Roommate das perfekte Verhältnis. Seine Musik liegt genau am Treffpunkt von klassischem Reggae-Dub und Dubstep, so dass sich hier Altbekanntes und Vertrautes wunderbar mit neuen Einflüssen mischt. Jedes Genre für sich genommen wäre vielleicht nicht der Rede wert, aber die so perfekt ausgeklügelte Mischung der beiden ist hoch interessant. Wobei zu erwähnen ist, dass die Qualität des Albums nicht lediglich aus der (sehr nahe liegenden und trotzdem bisher kaum umgesetzten) Idee entspringt, Dub und Dubstep zu mischen. Die Qualität liegt vielmehr auch in der handwerklichen Meisterschaft, dies so überzeugend zu tun. Bei Justin McCauley (aka Roommate) handelt es sich nämlich ganz offensichtlich nicht um ein Dubstep-Kid mit Computerkenntnissen, das sich ein paar Tubby-Alben heruntergeladen hat. Im Gegenteil: den „Studio Dub Transmissions“ ist in jedem Beat anzuhören, dass ihr Schöpfer über eine fundamentale Reggae-Ausbildung verfügt und ein phänomenales Gespür für Sound und Timing besitzt. Dub-Puristen sei also die Sorge genommen, es hier mit stupidem Dubstep-Gewummere zu tun zu bekommen. Weder dies noch altgedienten UK-Steppers gibt es hier zu hören. Die „Studio Dub Transmissions“ sind in jeder Hinsicht frisch und innovativ, stecken voller Ideen, ohne experimentell, verkopft oder abgehoben zu sein. Es ist Musik für Bauch und Kopf gleichermaßen (wobei ein wacher Geist einem zugekifften vorzuziehen ist). Musik, die Dub-Hörgewohnheiten geschickt bedient, nur um sie zugleich sanft herauszufordern. Das Ergebnis ist ein innovatives, schönes Album, das man immer dann auflegt, wenn es um mehr als bloße Hintergrundbeschallung des Alltags geht.

Dez 17

Auch andere Reggae-Protagonisten scheint es zu wurmen, am Erfolg des Dubstep nicht richtig teilzuhaben. Daher dachte man sich bei Greensleeves (bzw. VP), man könne doch das wiederholen, was sich früher schon bei Jungle bewährt hat: Reggae-Tunes einfach mal im angesagten Stil remixen lassen. Und schon finden sich Busy Signal, Ding Dong, Mavado, Vybz Kartel, aber auch Veteranen wie Yellowman, Admiral Baily oder Barrington Levy im falschen Kontext wieder. Was Roommate bravourös meistert (s. o.), nämlich Reggae und Dubstep kongenial zu verbinden, wirkt auf dem Greensleevs-Sampler schematisch, lieblos und unpassend. Letztlich haben wir es hier mit reinen Dubstep-Produktionen zu tun, die meist lediglich Fragmente der originalen Reggae-Vocals als Dekoration benutzen. Heraus kommt also die Kombination eines sterilen Bass-Wummer-Beats mit, zu hektischem Staccato zerschnippelten, Dancehall-Vocals. Nicht wirklich spannend. Allerdings gibt es Ausnahmen: Die Uptempo-Dubstep-Interpretation Yellowmans „ Zungguzungguguzungguzeng“ aus dem Studio der Housepower Productions ist schon reichlich abgefahren, während der V.I.V.E.K.-Remix von Johnny Osbournes „Fally Ranking“ vertraut dubbig klingt. Aber damit rettet man nicht ein ganzes Album. Während Roommate das Beste beider Welten zu etwas Neuem zusammen fügte, hat Greensleeves ein Hybrid geschaffen, in dem die Bestandteile der Genres unvermittelt nebeneinender stehen bleiben. Das wird voraussichtlich weder Freunde des Reggae noch Dubstep-Fans überzeugen können.