Mrz 30
Jah Shaka auf dem Unod-Weekender

Jah Shaka auf dem Unod-Weekender

Letztes Wochenende fand in dem Badeort Prestatyn in North Wales/UK der „United Nations Of Dub-Weekender“ statt. Organisiert von dem umtriebigen Dub-Tausendsassa I-mitri, war es das erste mehrtägige Festival des Dub, das je im United Kingdom statt fand. Das Lineup war beeindruckend: Jah Shaka bestritt mit eigenem Sound System den ersten Abend, den zweiten Abend teilten sich – ebenfalls mit eigenen Soundsystems – die Iration Steppas, King Earthquake und Kibir La Amlak. Für den Abschluss am Sonntag stand Aba Shanti-I auf dem Schedule, der aber krankheitsbedingt absagen musste. So spielten statt dessen Jah Tubby‘s, Young Warrior und Channel One um die Gunst der versammelten Dub-Gemeinde. Jeder, der schon einmal ein britisches Dub-Soundsystem live erlebt hat, wird wissen, das die Musik hier (trotz aller proklamierten Spiritualität) zu einer durch und durch körperlichen Angelegenheit wird. Die Bass-Druckwellen, die sich von den ca. vier Meter hohen Lautsprechertürmen der Soundsystems lösen, sind so gewaltig, dass sie nicht nur die Hosenbeine flattern lassen und die Lungenflügel in Schwingungen versetzen, sondern buchstäblich jeden Hohlraum des Körpers wie einen Resonanzkörper zum vibrieren bringen. So habe ich zum ersten Mal in meinem Leben meine Nasennebenhölen wahrgenommen – nicht unbedingt schön, aber eindrucksvoll.

Alle Soundsystems waren großartig. Sie spielten abwechselnd je drei Tracks zzgl. Rewinds und Versions. Während in der jeweils ersten Stunde alte Roots-Scheiben ihren Weg auf die Plattenteller fanden, gehörte der Rest der Nächte dem UK-Steppers-Sound, ohrenbetäubend laut, gewaltig und hypnotisch. Wird das erste Drittel eines Tracks mit weitgehend ausgewogenem Frequenzverhältnis gespielt, so gehört es zum Dub-Soundsystem-Ritual, dass unweigerlich der Punkt kommt, an dem der Soundman die Bassfrequenz zu hundert Prozent aufdreht und den Tänzern damit geradezu körperlich einen Tritt in den Hintern verpasst. Selbst die coolsten Dreadlocks können dann nicht mehr ruhig stehen.

Ort des außergewöhnlichen Geschehens war ein Veranstaltungshallen-Komplex im Zentrum eines typischen Feriencamps, wie sie im Laufe der 1950er Jahren die britische Westküste überzogen. Ursprünglich boten sie britischen Durchschnittsfamilien preiswerte All-Inclusive-Ferien mit Fünfbettzimmern in Reihen-Bungalows, direktem Zugang zum Strand und abends Entertainment im Spielkasino oder einer der Hallen. Da die goldenen Zeiten dieser Camps längst vorbei sind, öffnen sie ihre Pforten inzwischen liebend gerne auch so absonderlichen Gästen wie langhaarigen Dub-Jüngern aus aller Welt und stellen ihre Hallen in den Dienst einer Musik, welche die ursprünglichen Gäste solcher Anlagen schreiend hätten das Weite suchen lassen. So kam es, dass sich schätzungsweise 800 Dubheads, überwiegend aus dem UK, aber auch aus Frankreich, Italien, der Schweiz und sogar Japan (ich hatte den Eindruck, wir waren die einzigen Gäste aus Deutschland) in einer geradezu surreal wirkenden Szenerie, zwischen ungezählten Geldspielautomaten, Pommesbude, Campingshop, Jugendheim-Ambiente und türkis bestuhlten Mehrzweckhallen wieder fanden.

Neben der Soundsystem-Arena gab es noch zwei weitere „Floors“: die U. N. O. D.-Arena, in der verschiedene Dub-Artists (allerdings mit einer fest installierten PA) auftraten und der „Selector‘s Arena“, dem einzigen Raum mit Club-Feeling, in dem diverse Selectors sich in stündlichen Wechsel den Tonarm weiterreichten. Besonders beeindruckt hat mich der Auftritt von Alpha & Omega, bei dem Christine Omega live Bass spielte. Manassehs Gig mit Kenny Knotts litt unter der Konkurrenz der Soundsystems in der großen Arena und wurde – obwohl er absolut hörenswert war – nur von wenigen Zuhörern verfolgt, wo hingegen Steve Vibronics, Mungo‘s Hifi und die Bush Chemists den Soundsystems mit ihren eindrucksvollen Auftritten locker Paroli bieten konnten. Bei den Selectors hat mich vor allem Marek Bogdanski Dreadsquad mit seinem kunstvollen DJ-Set überzeugt.

Für 2014 ist bereits eine Fortsetzung des Weekenders geplant. Wir werden da sein!

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Mrz 28

Live_In_Dub

Dub Spencer und Trance Hill stehen für einen sehr rockigen, psychedelischen und manchmal an Rockabilly erinnernden Dub-Sound. Dass sie diesen mit Hilfe von Umberto Echo auch mühelos live auf die Bühne transferieren können, beweist das soeben erschienene Live-Album „Live In Dub“ (Echo Beach). Da allerdings der Studio-Sound der vier Schweizer Jungs auch schon verdammt live klingt, leuchtet mir die Notwendigkeit eines echten „Live-Albums“ nicht unmittelbar ein – aber es schadet natürlich auch nicht. Der wahre Wert dieses Albums liegt jedoch viel mehr in den sechs Bonus-Tracks. Hier hat sich nämlich niemand Geringeres als Victor Rice einige Lieblingsstücke aus dem inzwischen recht umfangreichen Repertoire der Band vorgeknöpft und richtig spektakuläre Dub-Mixe daraus gezaubert. Der Mann versteht sein Handwerk. Ich hätte nicht wenig Lust, ein ganzes DS&TH-Remix-Album aus seiner Feder zu hören.

Mrz 24

Tribulation in Dub

Ashley ist ein anderer, interessanter, auf Dubkey vertretener Dub-Artist. Vor rund einem Jahr hatte ich an dieser Stelle sein Album „Land Of Dub“ sehr gelobt. Nun legt er sein zweites Album vor: „Tribulation In Dub“ (Dubkey). Dieses Album hat genau das, was Mind‘s Eye Dubs neuem, ebenfalls auf Dubkey veröffentlichtem Album „Uhuru“ fehlt, nämlich Ecken und Kanten und guten Sound. Aber andererseits fehlt Ashleys Werk wiederum das, was „Uhuru“ auszeichnet, nämlich schöne Melodien und solide Rhythms. Daher wird das Hören von „Tribulation In Dub“ von einem permanenten Defizit-Gefühl begleitet. Irgendwie fehlt hier der Kern der Sache, die Form ist zu groß für den eher spärlichen Inhalt. Schade, „Land Of Dub“ war da um Längen besser. Wer trotzdem selbst urteilen will: http://dubkey.com/dubkey011.html

Mrz 17

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Mit ihrem neuen Dub-Release On the Ground in Dub beweisen die Black Roots eindrücklich, dass es nicht möglich ist, aus einem langweiligen Vocal-Album ein spannendes Dub-Werk zu zaubern. Obwohl der Sound hervorragend ist und die Musiker sauber spielen, können weder die Rhythms noch die Melodien wirklich überzeugen. Sie plätschern uninspiriert daher. Das Mixing ist klassischer Old-School-Style und daher auch nicht sonderlich interessant. Ich bin jedenfalls nicht amused.

Wie Old-School richtig geht zeigen die Spahni‘s Dub Dancers mit Cabatterista. Hier gibt es klasse Dubs mit fetten Bläsern, Orgel-Soli und jeder Menge Spielfreude zu hören. Das macht Spaß!

Ein sehr schönes, soeben erschienenes Vocal/Dub-Abum ist Walls Of The City, auf dem Earl 16 in Kollaboration mit Manasseh zu hören ist. Es gibt vier schöne Songs im klassischen Earl 16-Style, gefolgt von stoisch-meditativen Dubs.

Mrz 15

Wer erinnert sich noch an die Asian Dub Foundation? Beim Hören des Debutalbums „Reggaetronics“ (Echo Beach) des Berliner Trios iLLBiLLy HiTEC werden bei mir jedenfalls spontan Erinnerungen wach an ihren schnellen, aggressiven Dub-Sound mit Gesang – oder besser gesagt: Rap. Die iLLBiLLYs machen, so viel wird klar, keine Gefangenen. Gleich vom ersten Track an versprüht das Album pure Energie. Das geht zwar auf Kosten von Groove und Bass-Vibes, bietet dafür aber einen Blick über den Dub/Reggae-Tellerrand hinaus in Richtung Elektronik, Dubstep, Breakbeat und Hip Hop. Irgendwie hört man dem Studioalbum an, dass die Band vor allem live ein Erlebnis ist – was vielleicht auch an dem analogen Sound des Schlagzeugs liegt; und an der Vocal-Begleitung: Die meisten Tracks featuren Longfingah der seine Lyrics rasend schnell über die Beats prügelt. Hier ist alles High Energy – mit nonchalanter Punk-Attitüde. Wer mal die Ohren freigeblasen braucht, sollte sie den iLLBiLLYs schenken.

Hörprobe bei iTunes