20 Fragen an: Felix Wolter

Felix Wolter

Dein Name: Felix Wolter
Du lebst in: Hannover
Titel deines letzten Albums oder deiner letzten EP: „Dubvision III“, eine Album Compilation mit Dubtunes (eigenes und Material von Freunden), aus meinem Studio M7.
TVS – „Lovin Peace“ EP, mein Steppas Projekt

Was ist deine Definition von Dub? 
Es einfach mal „anders“ machen. Das Wundern und Verblüffen kultivieren. Aufbrechen von Hörgewohnheiten und Neubewertung von Ausgangsmaterial.

Was ist bei einem guten Dub unverzichtbar?
Die Grundatmosphäre.

Was unterscheidet einen guten von einem schlechten Dub?
Der Gute basiert auf Vibes, der Schlechte nur auf Technik.

Wie würdest du deinen Dub-Stil beschreiben?
Als Dubvisionist gehe ich „klassisch“ zu Werke. Ein Dub hat ein Original, im günstigsten Fall wohl bekannt. Dann machen neue Arrangements am Mischpult und das „Sichtbarmachen“ von Sub-tracks dem bewussten Hörgenuss nach Sinn.
Bei TVS arbeite ich anders. Hier entstehen elektronisch interpretierte Beats gleich als Atmosphäre auf denen man mit weiteren Elementen experimentieren kann. Interessant finde ich die Reibung zwischen elektronischen Sounds und Roots-Einflüssen.
Daneben arbeite ich noch an 2 artverwandten Downtempoprojekten, PFL und Chin Chillaz. Hier fließen noch weitere musikalische Essenzen mit ein. In diesem Fall funktioniert Dub als Schmelztiegel, der verschiedene Styles zu einem Neuen verbindet.

Wie sieht der Entstehungsprozess eines typischen Dub-Tracks von dir aus?
Trax durchlaufen verschiedene Stadien bei mir. Ich sammle Ideen in einem „backing pool“. Wenn ich das Gespür für den Song bekomme geht’s weiter. Jemand voiced den Song oder spielt Instrumental Overdubs drauf. Irgendwann ist der Track ein Song und/oder ein Dub. Dabei hetze ich nicht. Ich gebe dem Material soviel Zeit wie es benötigt.

Wann bist du mit einem von dir produzierten Dub zufrieden?
Wenn er fertig ist und ich weiß wo er Verwendung findet.

Was sind deine persönlichen Dub-Top 5-Alben?
Aswad: New Chapter Of Dub
Keith Hudson: Pic A Dub
King Tubbys: Meets Rockers Uptown
Scientist: Meets The Space Invaders
African Head Charge: My Life In A Hole In The Ground

Wer ist für dich der größte Dub-Artist aller Zeiten?
King Tubby produzierte einen wirklich einmaligen Sound. Durch seine Technikkenntnisse konnte er die Belastbarkeit der Geräte noch mal ganz anders ausloten als andere. Er hatte Geräte zum Teil selbst gebaut oder modifiziert. Das ergab ein Alleinstellungsmerkmal im Sound, das ihm ja auch den Titel „King“ einbrachte.

Und wer ist der aktuell interessanteste Dub-Artist?
Mad Professor finde ich sehr cool. Ein Album The Roots of Dubstep zu nennen und dann „wie immer“ britischen Roots Dub abzuliefern finde ich großartig. Aber diesen Humor verstehen nicht alle. Egal – für seine Interpretation von Money auf der Dubber Side of the Moon (Remixalbum von den Easy Star Allstars) kann ich ihn fett abfeiern. Da geht er so frech und anarchistisch zu Werke. Das hatte mich mal wieder echt beeindruckt.

Was ist für dich die musikalisch interessanteste Dekade? Warum?
Es gibt in allen Dekaden gute Musik. An den 70ern liebe ich natürlich den ursprünglichen Roots Reggae aus Jamaica. Die 80er stehen bei mir für Einflüsse aus UK, z.B. die Überlappungen von Dub und Punk. In den 90ern kam dann der UK Steppas und ab 2K ging es bei mir weiter mit Downtempo Dub.

Was ist dein aktuelles Lieblingsalbum?
Kiddus I: Topsy Turvy World. Ein sehr schönes Album, würde ich gerne mal was von dubben.

In welcher Form kaufst du deine Musik: Vinyl, CD, Download, Abo? Warum?
Gute Musik findet mich zum Glück immer  – egal in welcher Form.

Gelingt es dir, mit Musik deinen Lebensunterhalt zu bestreiten?
Ja, so ähnlich wie bei den Kollegen. Von meinen Dubproduktionen allein kann ich nicht alle Rechnungen bezahlen. Aber ich verdiene mit Musik meinen Lebensunterhalt. Zusätzlich zum Studio und Produktionen betreibe ich noch mit einem Freund das Digital Label „Time Tools Recordings“. Dort bin ich für das Sublabel „Perkussion & Elektronik“ zuständig, auf dem ich viele meiner Projekte veröffentliche. Daneben mach ich auch Remixe und Dubs für andere Artists. Z.Z. arbeite ich an der Licht- & Klanginstallation „Seelewaschen“, die hier in Hannover im Maschpark vom 15.6. bis 15.7. stattfindet. Das ist Ambientsound im urbanen Lebensraum. Bei diesem Projekt liegt die Gemeinsamkeit zum Dub auf dem Schwerpunkt der Entschleunigung.

Mit welchem Artist würdest du gerne einmal zusammen arbeiten?
Ich freue mich auf meinen nächsten Remix für die Kollegen von den Senior Allstars, die Sarah Winton (u.a. Sängerin von Nightmares On Wax) für die Vocals eines Trax gewinnen konnten. Sarah hatte schon mal Titel von Chin Chillaz gevoiced. Ich liebe ihre engelhafte Art zu singen und bin sehr gespannt auf ihren Beitrag.

Was ist deine besondere Stärke?
Meine Schwäche für Musik.

Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß?
Dass er mein Job ist.

Wovor graust es dir im Studio?
Demos. Ich hasse Demos und mache seit 30 Jahren keine mehr. Nichts hasse ich mehr, als einer bereits im Demo ausdefinierten Idee hinterher jagen zu müssen. Sie soll denn natürlich genauso ausdruckstark und spontan klingen, nur aber eben „in einem besseren Sound Format“. Rubbish – klappt nie wirklich überzeugend. Der Moment macht die Musik, nicht die Technik.

Wenn du gerade nicht an Dubs schraubst, was machst du dann am liebsten?
Kochen. Der Herd ist wie ein Mischpult und ein gutes Essen wie ein guter Dub.

Wie ist der aktuelle Gesundheitszustand von Dub?
Aus meiner Sicht ganz gut. Wir betreiben hier in Hannover seit ungefähr 3 Jahren 4 mal jährlich den „Liberation Skank“ Das ist ein Roots & Dub Dance mit Sounds & Members aus Hannover und Berlin wie Cham Panda, Chris Re-Ignation, Sandokan Intl., Tobi Dread und TVS/Dubvisonist. Alle Parties sind immer gut besucht. Wir spielen Roots Dub und British UK Steppers für ein wirklich interessiertes junges Publikum.

Wie siehst du die Zukunft von Dub?
Das „Liberation Skank“ Kollektiv macht Parties in einem Umfeld, das Wert auf Bewusstheit legt. Die Devise lautet: No slackness, pure vibes. Feiern mit Respekt, ohne Homophobie und Sexismus. Das finde ich klasse und mal wirklich modern.

 

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