Various Artists Glitterbeat: Dubs & Versions 1

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Schon der Titel des Albums weckte meine Neugier: Glitterbeat: Dubs & Versions (Glitterbeat). Weltmusik ist nach Dub meine zweite große Leidenschaft – wie genial, wenn ein Album verspricht, beides miteinander zu verbinden. Ein Blick auf die Tracklist ließ die Neugier in reine Gier umschlagen: Dennis Bovell und Mark Ernestus (Rhythm & Sound) wurden da neben sechs weiteren Namen als Remixer aufgeführt. Also: Play! Den Start machte sodann Dennis Bovells Remix des malischen Sängers Samba Touré. Ein großartiges, ultra-langsames Stück, von typisch malischen Gesangsharmonien geprägt und von Bovell mit einer sich träge wälzenden Bassline und versprengten Offbeats unterlegt. Was für ein Auftakt! Mark Ernestus hat sich eine Afrobeat-Aufnahme von Ben Zabo vorgenommen. Von Reggae keine Spur mehr, lediglich ein paar Hall-Effekte lassen an Dub denken. Seine Rhythm & Sound-Produktionen im Kopf, hatte ich mir da etwas Anderes versprochen. Der nächste Remix stammt von Schneider TM, der sich des gleichen Materials wie Bovell angenommen hat, aber zu einem absolut konträren Ergebnis gelangt ist. Sein Track ist geprägt von stark synkopiertem Elektro-Sound und verzerrtem Gesang. Nächster Track ist ein Remix des Shangaan-Electro-Produzenten Tamala. Wie Bovell hat er dem Original seinen Lieblingsbeat verpasst – in seinem Fall Shangaan. Ich mag diesen neuen Style aus Südafrika sehr – obgleich er mit Dub & Versions nicht viel zu tun hat. Und noch ein toller Track: Harmonius Thelonius präsentiert eine Fusion aus schneller elektronischer Tanzmusik und Afrobeat. Auch hier stellt sich die Frage: Wieso unter der Überschrift „Dubs & Versions“? Wir haben hier eine paradoxe Situation: ich rezensiere hier ein Afrika-Sounds-Remix-Album, weil ich auf den Etikettenschwindel „Dubs & Versions“ hereingefallen bin – aber ich finde das Album so gut, dass ich es nicht übers Herz bringe, den Text einfach zu löschen. Ich möchte es euch Dub-Enthusiasten da draußen, daher wärmstens ans Herz legen. Es muss ja nicht immer Dub sein – auch wenn’s draufsteht.

Rating 4 Stars

4 Gedanken zu „Various Artists Glitterbeat: Dubs & Versions 1“

  1. Ja, bei dieser Scheibe juckt es mir ( oder mich ? ) auch in den Fingern, einen Kommentar abzugeben. Könnte allerdings in eine Grundsatzdiskussion über die Definition von Dub ausarten. Ich finde den Titel durchaus passend, zumal es ja gleich mit einem lupenreinen Dub von Dennis Bovell losgeht und auch ( ich glaube ) Track No.6 ist auch von bzw. mit Dennis Bovell und natürlich nicht nur deswegen auch ein sehr geiler Dub. Richtig „dubbig“ finde ich auch den Dub, wo der Gesang mit Autotune so verfälscht (bzw. verändert ) wird, daß es sich so anhört, als ob er durch ein Loch im Hals mit dem dazu gehörigen medizinischen Hilfsmittel kommt. Zunächst bekam ich da immer ein wenig Halsweh verbunden mit Kehlkopfkrebs-Paranoia aber die Atmosphäre die dieser Dub in meiner Wohnung oder sonstwo verbreitet ist schlichtweg DUB-Atmosphere und damit Horizonterweiterung pur.
    Ok, das mit der Definition von Dub, so wie ich das sehe, lasse ich jetzt erst mal weg. Nur soviel : Dub ist für mich in erster Linie eine Atmosphäre die ein ganz spezielles Gefühl auslöst. Dub ist also auch einfach nur ein Gefühl. Im grunde braucht es dafür nicht mal Hall oder Echo ( kommt mir aber bitte nicht ohne ), auch die riddims können sonst woher kommen ( Little Axe machen zum Beispiel Dub aus Blues !!! Großartig und Fantastisch ), Hauptsache es fühlt sich nach Dub an. Dieses Gefühl hat man oder man hat es eben nicht. Ok, ich merke selber, daß ich das auch nicht richtig auf den Punkt bringe ….. Dub ist für mich eben hauptsächlich grenzenlos. Es überwindet Grenzen im Kopf, Grenzen zwischen verschiedenen Musikstilen und am liebsten auch die Grenzen zwischen den Staaten der Welt. Auch der Raum an sich wird Grenzenlos und lässt sich nicht mehr so einfach durch Länge mal Breite mal Höhe definieren. Und die Tunes auf Glitterbeat, die sich nun auch für mich nicht mehr nach Dub anfühlen, sind dann eben die Versions, die ja auch im Titel der Scheibe vorkommen. „Dubs and Versions“ ….. passt schon …………. lemmi

    1. Tja, die Definition von Dub ist gar nicht so einfach. Ich finde aber eigentlich den Versuch von Neil Perch ganz gelungen: „Dub is psychedelic reggae – deconstructed and reinterpreted by the mixing engineer.“ Ist hier im Kontext zu lesen: http://dubblog.de/?p=1208

  2. Hehe, jo genau. Dub ist so etwas wie die Null in der Physik. Ein undefinierter Zustand, so etwas wie der Ereignishorizont …. die Unendlichkeit, da kommen die Gelehrten gar nicht mit klar.
    Psychedelic Reggae is auch nicht schlecht. Aber daß gerade Neil Perch von Zion Train das meint, wundert mich, denn bei Zion Train vermisse ich nur all zu oft den Psychoanteil. Ich finde Zion Train schon auch Ok aber insgesamt is mir das zu steppa-mäßig. Ich finde es gibt nichts langweiligeres als steppas-dub made in England und genau das feiert die „Dubscene wider mal am meisten ab. Die Franzosen sind da wesentlich fantasievoller. Wenn ich da nur an High Tone denke, wo ich dermaßen Bilder im Kopf bekomme, daß ich echt keinen Film mehr zu gucken brauch. Da fällt mir glatt ne Zusatzdefinition ein :

    DUB IST FANTASIE !!!

    ….. und wie der Upsetter ja auch zu gern betont hat : Dub ist Sex / Sex is Dub !

    Soll jetzt bloß nicht so rüberkommen, als wüsste nur ich, was Dub ist. Ich hab´ die DubConference gelesen und muss sagen, ihr habt alle recht und es is auch so.

    happy Greetings ………………….. lemmi

    1. „Die Null in der Physik. Ein undefinierter Zustand, so etwas wie der Ereignishorizont“ – Das ist mal ’ne originelle Definition. Finde ich gut.

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