Mad Professor: Dubbing With Anansi

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Der verrückte Professor ist unermüdlich. Eigentlich sollte man meinen, dass er bereits alle in dieser Welt möglichen Dubs schon einmal produziert und gemixt hat. Aber nein, ihm fällt tatsächlich immer noch etwas Neues ein. Obwohl … als wirklich „neu“ lassen sich seine Dubs nicht mehr bezeichnen. Deuten wir es positiv: er ist seinem Stil treu geblieben. Das gilt auch für sein neues Werk: „Dubbing With Anansi“ (Ariwa). Es klingt wie alle anderen Werke des Mad Professors seit den frühen 1980er Jahren – und ist doch etwas Besonderes. Das liegt vielleicht an einigen vage vertrauten Riddims von z. B. Keith Hudson („Felt We Felt the Strain“), Dennis Brown („Want to Be No General“) oder Jammy’s („Sun is Shining“, „Johnny Dollar“), vielleicht aber auch an den vielen kleinen Referenzen an afrikanische Musik. Ganz sicher aber liegt es an den beiden Musikern: Horseman an den Drums – und vor allem der großartige Black Steel an nahezu allen anderen Instrumenten. Dem Album ist seine analoge Machart anzuhören. Trotz der typischen, oft hart und technisch anmutenden Soundeffekte des Professors, hat das Album Wärme und Seele. Hier blitzt die Virtuosität des verrückten Professors und die Spielfreude seiner Musiker wieder auf, die ich und viele Dub-Fans an Neil Frasers Frühwerk so schätzen. Den merkwürdigen Titel des Albums (der natürlich Bezug auf die afrikanischen Sounds des Albums nimmt) deutet der Professor auf seine ganz eigene Art: „Anansi ist ein mythischer Volksheld, der die Verschleppung aus Afrika überlebt hat. Er wird meist als halb Mensch, halb Spinne dargestellt und gilt als schlauester Bewohner des Dschungels. Im Studio ist Anansi niemand anderes als der Dubbing-Engineer“. Wenn man dabei den Professor vor Augen hat, so, wie er sich gerne darstellt, mit beiden Händen am Mischpult, die Finger wie Spinnenbeine über die Regler gespreizt, dann weiß man, wer hier der smarteste Engineer sein soll. Ich finde, er hat den Titel verdient.

Rating 4 Stars

Ein Gedanke zu „Mad Professor: Dubbing With Anansi“

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