Marcel-Philipp: Morning Sessions, Vol. 1 & 2

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Dub ist tendenziell eine eher dunkle Musik. Magisch, mystisch, metaphysisch – tief und schwer. Doch wie wäre es mal mit der kompletten Antithese zu unserem Lieblings-Sound: Eine fröhliche, beschwingte, optimistische Musik, die zu einem sonnigen Sommermorgen auf dem Land passt? Hier ist sie: Marcel-Philipp: „Morning Sessions Vol. 1“ und „Morning Sessions Vol. 2“ (Ashera Records). Der junge Multiinstrumentalist aus Baden-Württemberg präsentiert uns hier 24 auf zwei Alben verteilte, so ungemein beschwingte Instrumentals, dass es eine pure Freude ist. Wer beim Hören der „Morning Sessions“ nicht die Sonne aufgehen spürt, muss unverbesserlicher Misanthrop sein. Sein Sound erinnert mich an jene Studio One-Aufnahmen, bei denen Jackie Mittoo in die Tasten griff und der Groove nur so strömte. Auch bei Marcel-Philipp spielt die Orgel eine Hauptrolle – direkt nach der Melodica, jenem Instrument, das untrennbar mit dem Namen Augustus Pablo verknüpft ist. Die ihrem Klang innenwohnende Einfachheit und kindliche Unschuld passen kongenial zu den schlichten und dadurch nur umso schöneren Melodien, die Marcel-Philipp ihr entlockt. Auch das Arrangement der meist an frühen Reggae erinnernden Uptempo-Beats der Instrumentals zeichnet sich durch Einfachheit aus. Wer will, könnte das für naiv und unterkomplex halten. Ich hingegen neige dazu, an dieser durch und durch optimistischen Musik einfach Spaß zu haben.

Rating 5 Stars

4 Gedanken zu „Marcel-Philipp: Morning Sessions, Vol. 1 & 2“

  1. Echt jetzt? Also ich weiß ja nicht, was Jackie Mittoo, Augustus Pablo oder Studio One mit dieser eindimensionalen Musik zu tun haben sollen. Mir fallen da eher Kaufhäuser und Fahrstühle ein.

  2. Vielleicht antworte ich jetzt auch zu schnell, denn komplett habe ich da noch nicht reingehört. Wenn man den link anklickt, passiert jedenfalls nix. Soundcloud rückt auch nix raus. Aber ich bin ja „computerfreak“ und habs trotzdem irgendwie gefunden.
    Ich glaube ja, mein Dubgeschmack unterscheidet sich doch ziemlich von Manfred, der ja wohl hauptsächlich auf die „alten Sachen“ steht.
    Ich wusste auch zunächst nicht, was ich unter „eindimensional“ verstehen soll. Beim reinhören spürte ich zunächst auch diese positive Grundstimmung, die vor allem durch die fröhlichen Basslines entsteht. Dann ist mir aber auch die „Eindimensionalität“ aufgefallen. Nun ist das aber so eine Sache, mit der Interpretation dieses Begriffs. Für mich kommt die Eindimensionalität dadurch zustande, daß es eben keine Dubdimension gibt. Wo ist da der Raum bzw. Space ? Ich nehme weder Hall noch Echo war. Da könnte man jetzt wieder über die Definition von Dub streiten aber im Grunde steht ja in Deiner Kritik auch nix von Dub, sondern von beschwingten Instrumentals als Antithese zu unserem Lieblingssound. Also sag ich jetzt mal ja, die Instrumentals gefallen mir und sie machen mich auch beschwingt aber als Dub ist das eindeutig zu brav. Magisch, mystisch, metaphysisch, tief und schwer soll er sein, damit ich mich extrem beschwingt fühle. Polizei und Regierung müssen sich davor fürchten, dann ist Dub erst so richtig gut.

    Dread, Beat and Dub …………………. lemmi

    1. Hi Lemmi, ich bin voll und ganz deiner Meinung. Das ist kein Dub. Muss es aber auch gar nicht. Ich finde, dass die Musik sehr schön handgespielt, organisch und vielschichtig klingt. Vielleicht schickt Marcel-Philipp ja irgendwann mal eine Dub-Version nach ;-). Als „eindimensional“ im Sinne von funktionaler Musik – so wie Manfred es sieht – empfinde ich die Morning Sessions überhaupt nicht. Da die Melodien sehr einfach und eingängig sind, kann beim flüchtigen Reinhören allerdings der Eindruck von allzu großer Schlichtheit entstehen.

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