Tiburk: Some Good Days

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Man sagt mir nach, ich hätte was gegen Steppers. Um das mal klar zu stellen: Das stimmt ganz und gar nicht. Wie für jeden Sound, gibt es auch für Steppers den perfekten Ort, die perfekte Gelegenheit, die perfekte Stimmung. Meiner Ansicht nach, ist das natürliche Habitat von Steppers das Soundsystem. Zuhause auf dem Sofa funktioniert er aber auch – sofern die Lautsprecherboxen groß genug und die Nachbarn aus dem Haus sind. Dann kann es großen Spaß machen, Musik physisch zu erleben und im allumfassenden Bass-Allover zu versinken. Ärgerlicherweise gibt es aber viel zu wenig Steppers–Nachschub, der neben dem körperlichen Erlebnis, auch ein Mindestmaß an Unterhaltung für den Kopf bietet (ja, auch bei viel Bass kann man sich langweilen). Die meisten guten Produktionen fristen ihr Dasein auf Dubplates und werden nur live zum besten gegeben. Wer den Sound zuhause erleben möchte, kann in das Sammeln von 12“-Singles oder EPs einsteigen. Wer aber – wie ich – das Albumformat liebt, sitzt oft auf dem Trockenen. Hin- und wieder gibt es allerdings doch einen Lichtblick, der ein paar gute Stunden auf dem Sofa verspricht: „Some Good Days“ (Odgprog) von Tiburk zum Beispiel. Der Franzose liefert hier idealtypischen Steppers – hart, kompromisslos, mit wuchtigen Basslines – aber auch mit recht hübschen, kleinen Melodien, interessanten Arrangements, abwechslungsreichen Breaks und gewitztem Mix. Wenn er jetzt noch ein wenig vom Elektro-Synthie-Sound ablassen würde, wäre seine Musik perfekt – fürs Soundsystem und fürs Sofa.

Rating 4 Stars

Meine Wertung:

9 Gedanken zu „Tiburk: Some Good Days“

  1. Lemmi´s Dub-Conference Teil 1001 :

    Wiederholung, Aufarbeitung und Rache :

    Zunächst möchte ich Dir uneingeschränkt zustimmen, was Du hier mal wieder über den Steppas-Stile allgemein schreibst. Wenn man meine Kommentare dazu liest, könnte man meinen, daß ich Steppas sogar hasse. Das stimmt aber auch ganz und gar nicht. Es gibt viele Steppa-Dubs, auf die ich voll abgehe. Aber die haben eben nicht nur nen Bass, sondern auch ne Bassline. Ja und Bassline allein macht den Kohl auch nicht fett. Grooven muss die Bassline auch noch und zudem sollte sie eine gewisse Dub-Reggae-Magie vermitteln können. Das is dann alles schon gar nicht mehr so einfach und selbstverständlich zu bewerkstelligen. Schon gar nicht mit ein paar Mausklicks. Und ich wiederhole mich wahrscheinlich zum x-ten mal ( bis es der letzte verstanden hat ), wenn ich sage, daß ein Computer keine Dub-Atmosphäre erzeugen kann. Vielleicht kann man die einzelnen Spuren noch mit Pro-Tools erzeugen und wenn man musikalisch begabt ist, kann das auch schon ganz gut grooven aber der Mix muss ANALOG sein !!! Sonst nix Dub-Atmosphäre !!! Wenn ihr mir nicht glaubt, dann fragt die Dub-Wizzards a la Adrien Sherwood, Prince Fatty, Victor Rice, Mad Professor und Lee „Scratch“ Perry und ich bin mir sicher auch Umberto Echo und der Dubvisionist empfinden das nicht anders. Die ganze Dub-Produktion macht mit einem analogen Mischpult laut Dub-Produzenten auch viel mehr Spass, weil man viel spontaner agieren kann und weil man den Hebel sowie seinen Effekt auch viel besser spürt, als wenn man nur ne maus hin und her schiebt. Die ganze Handhabung ist viel lebendiger und nicht so steril und mühsam wie bei einem reinen computer-dub. Der einzige Vorteil, den diese art der Produktion hat ist, daß es wesentlich billiger ist. So, und es tut mir leid, daß all jene, die nach 1965 geboren wurden das nicht hören können …… naja, ich meine all jene, die mit Handy-klingeltönen aufgewachsen sind. Die kennen nur billig. Ich kann ja auch nix dafür aber ich kann diesen billigsound nunmal sehr gut von guter Musik ( die einfach ein gewisses Maß an Aufwand benötigt ) unterscheiden. Nicht weil ich so toll bin, sondern weil ich gute Musik – und wenn es nur gut produzierte Musik ist – seit meiner Geburt gewöhnt bin. Reggae gibt es seit etwa 1965 . Plus minus etwa drei Jahre. Die joung Generations lassen sich meiner Meinung nach zu billig abspeisen, weil sie einfach keine gute Qualität kennengelernt haben. Selbst die Ritzel an einem Fahrrad werden heute zutage absichtlich so billig wie möglich produziert damit sie möglichst bald wieder neugekauft werden müssen.
    Und jetzt noch ein paar Worte zu „some good days“. Ja, da sind ein paar hübsche kleine Melodien und auch ein paar abwechselnde Breaks aber interressante Arrangements habe ich noch nicht gefunden. Du schreibst ja auch selbst, daß er noch ein wenig mehr vom elektro-synthysound ablassen könnte. Ich möchte da noch einen draufsetzen und behaupten, daß die Qualität seit dem Pc-64 und dem Nintendo ( oder wie das heißt ) nicht besser geworden zu sein scheint ( is der Satz so richtig ? ). Beim reinhören habe ich jedenfalls ganz extrem die Dubatmosphäre – die selbst King Tubby schon vor 40 Jahren besser hinbekommen hat – vermisst. Es klingt steril und im Grunde musikalisch tot. Ich würde behaupten, das hier alles digital ist. Sowohl die Instrumente als auch der Dub-Mix. Deshalb klingt es kalt und tot. Sollte ich mich da irren, so hat er zumindest trotzdem irgendwas falsch gemacht.

    „I don´t like mondays“ ……………… lemmi

  2. Das mit den Dubplates stimmt. Da aber eh kaum jemand eine adequate Anlage zu Hause UND kompatible Nachbarn hat ist das wohl für die meisten ok so. Steppers auf nem 80€ Logitech System? Dann lieber Roots ausm Mittelwellenradio.

    Hier gibts trotzdem die neue Kanka:
    kanka-dub.bandcamp.com

  3. Auch das einfache symple Brennen bzw. die Zusammenstellung einer Lieblings-CD ( früher nannte man das : eine geile Cassette zusammenstellen ) geht mir mit dem Computer extrem auf das Skrotum. Auch hier fehlt mir vollkommen die Spontanität. Alles muss erst mal irgendwie auf die Festplatte. Dann stehen da lauter Namen von Liedern und Interpreten völlig steril in irgendeiner Tabelle. Diese muss man dann völlig anonym und wieder steril mit der Maus in irgendeine andere Tabelle verschieben. Egal, ob ich da nun irgendeinen Sound dazu auflege, den ich nebenbei höre, der ganze Vorgang fühlt sich irgendwie doch sehr nach Arbeit an und dauert letztenendes auch etwa eine Stunde oder mehr. Beim Aufnehmen einer Cassette war die Zusammenstellung immer schön spontan und man wahr sozusagen Live dabei und hatte schon während der Aufnahme einen Mega-Spass. Auch beim Brennen von CD´s war das mit einem analogen Mischpult und einem Brenner, der das analoge Brennen zulies immer noch ein großer Spass. Nur leider hat Babylon Industries uns ( und ganz besonders mich ) immer verarscht, indem sie einfach keine einheitlichen Cd-Rohlinge rausgebracht haben und inzwischen überhaupt keine Rohlinge mehr herstellen, die in meinem Brenner laufen. Sie wollen mich wieder nötigen, das ich mir alles neu kaufe um dann das selbe spiel wider mit mir zu treiben.

    Auch hier werden sich wohl einige fragen, was hat der alte Mann blos ? aber ich vermisse das alles so sehr, daß ich von morgens bis abends heulen könnte. Kommt mir bitte nicht, das das alles mit dem Computer genauso geht. Das stimmt einfach nicht. Dazu kommt noch, das viele von den neuen Computer-CD´s gar nicht in jedem Cd-Player laufen. Naja, ok, zugegeben, meine Cassetten laufen ja auch nicht in jedem CD-Player ;-).

    Ghetto Priest hat auch gerade in einem Interview gesagt, daß man sich eben an die Veränderungen anpassen muss. So gern wie ich ihn mag, so würde ich ihm gern sagen, daß das Bullshit ist. Im Gegensatz zum Klimawandel ( der vielleicht auch vom Menschen gemacht ist aber eben nur vielleicht ), sind diese Veränderungen aber vom Menschen gemacht und wenn wir Menschen erkennen, das die Veränderung ( scheiße ) ist, warum passen wir die Veränderungen dann nicht den Bedürfnissen der Menschen an ?!

    Sicher, wenn man das alles nicht anders kennt, weiß man auch nicht was man vermissen soll.
    Ich will den Computer auch nicht mehr abschaffen ( …. den kann man so schön volllabern ) aber ich bin sehr deprimiert und auch verärgert, daß ich nun eine meiner Lieblingsbeschäftigungen nicht mehr genießen kann. Babylon hat mir das weggenommen und keinen interressierts …….

    Ich will zurück in Mama´s Bauch ……………………. lemmi

    1. Ist doch alles halb so wild:

      Die Qualität bei Bandcamp ist exzellent. Bei youtube teilweise furchtbar, aber zunehmend erträglich. Aus den BC-Downloads (idealerweise flac aber selbst die 160k m4a-Dateien klingen eigentlich transparent) erstellt man mit wenig Aufwand CDs mit denen man machen kann was man will. Genauso kann man die Dateien am PC abspielen und meinetwegen mono auf 70er Jahre 1/4Spur Tonband recorden. Ich mache das auch… naja, nicht ganz. Ich habe einen kleinen Sony WM-D6C, so ne Art Reportergerät mit Kassette aber klanglich besser als die meisten Tapedecks die ich mal hatte. Der kommt dann an den Line-Out vom Mixer, und dann wird die Session 2x45min lang mitgeschnitten. Meistens ist dann bei der besten Stelle gerade das Band zu Ende. Wie früher.

      Das ist heute halt alles viel billiger als früher. Ich nenne das gerne „Demokratisierung der Mittel“. Nur deshalb können wir solche Randgruppenmusik überhaupt in der Vielfalt genießen ohne dauernd für viel Geld in der halben Welt Tonträger zu bestellen von denen jeder fünfte defekt oder gar nicht ankommt. Für die Mehrheit ist die Entwicklung halt ein Vorteil und somit setzt sich das durch. Übrigens nicht nur in Babylon sondern global überall…die Tauscherei ist Fluch und Segen aber das gehört eher nicht hierher.

      Der Vergleich mit dem Klimawandel hinkt aber gewaltig. Wer sich damit befasst (und etwas wissenschaftlichen Anspruch hegt, also nicht nur mit den Zahlen irgendwelcher Verschwörungsseiten rechnet sondern einfach mal vergleicht wieviel Wärme der Mensch jährlich durch fossile Energieträger freisetzt und wie das im Verhältnis zur durchschnittlichen Sonneneinstrahlung steht) kommt schnell zu dem Ziel dass viele Protagonisten Babylons davon profitieren dass viele glauben es sei nicht so schlimm. Ja, ähnliche Entwicklungen gibt es bei der Gegenseite auch. Allerdings ein paar (finanzielle) Größenordnungen darunter. Gehört aber erst recht nicht hierher ;)

      Von Kanka gab es übrigens auch schon CDs und Platten, von den letzten zwei Alben mangels Nachfrage wohl nicht mehr.

  4. Erst mal danke für Deine mitfühlenden Worte Ropp Auff !

    Ja, der Vergleich mit dem Klimawandel war insofern unglücklich, da es wohl echt so ist, daß der Mensch sogar das Klima beeinflusst. Eigentlich kam ich nur auf´s Klima, weil das für mich wirklich so etwas ist, wie höhere Gewalt. Auch wenn der Mensch nun die volle Verantwortung für den Klimawandel hat, so bleibt das für mich dann immer noch höhere Gewalt. Es scheint mir wesentlich schwieriger zu sein, das Klima dem Menschen anzupassen als die technische Entwicklung menschengerecht zu gestalten. So wird hoffentlich eher ein Schuh draus.
    Bandcamp hat tatsächlich einen super Service. Ich habe mich da gerade durch fast alle Alben von Kanka gekämpft und muss sagen, sooo toll finde ich es jetzt insgesamt auch wieder nicht. Aber es sind schon ein paar geile Snacks dabei. Es gibt sogar eine Cd bei irie records zu kaufen aber irgendwie finde ich die nicht so richtig gut.
    Ich hoffe mal, Du wolltest mich eigentlich eher aufrichten als mich noch mehr zu deprimieren aber ich muss Dir sagen, dein Tip mit dem WM-D6C schickt mich dann vollends auf die Bretter.
    Ich habe zwar von Cassetten gesprochen aber nur, um das Aufnahme-Gefühl und den damit verbundenen Spaßfaktor zu verdeutlichen. Ich will ja auch nicht mehr jeden Abend in den Keller gehen und nen Eimer voll Braunkohle nach oben schleppen um dann wieder mit Kohle zu heizen. Obwohl das ja auch eigentlich eine viel angenehmere Wärme macht. Also praktisch „analoge Wärme“ ;-).
    “ Für die Mehrheit ist die Entwicklung halt ein Vorteil und somit setzt sich das durch.“
    Dieser Satz ist leider 100%ig richtig und lässt mich dastehen wie den alten Trottel Don Quichotte, der es einfach nicht lassen konnte, ständig gegen abertausende von Windmühlen anzukämpfen.
    Ich weiß ja auch nicht, inwieweit ihr alle so diese Ausdrücke wie z.B. Babylon und JAH in euren eigenen Wortschatz übernommen habt. Ich benutze beide Worte täglich und das manchmal sehr oft am Tag. Leute, bei denen der Reggae nicht so doll eingeschagen hat, wie bei mir, mögen darüber meinetwegen auch schmunzeln aber für mich sind diese Worte Programm. Deshalb muss ich hier nochmal deutlich machen, daß Babylon für mich nicht räumlich begrenzt ist, sondern mindestens global, wenn nicht sogar universell. Es ist in meinem Kopf, in deinem Kopf ( ich bitte um Verzeihung für diese Unterstellung ) und in jedem Kopf. Es ist die Aufgabe eines jeden Menschen, jeden Tag gegen Babylon zu kämpfen. Die Moslems nennen das Dschihad, nur haben das leider nicht alle verstanden. Die glauben tatsächlich, Dschihad bedeudet : Tötet Frauen und Kinder ! Deshalb kann ich beim besten Willen nicht glauben, das diese ganzen Killer wirklich Moslems sind. Genauso, wie die Kreuzritter keine echten Christen gewesen sein konnten.

    Sorry Rene´, wenn ich hier wieder weit über das Ziel hinausgeschossen bin. Mindestens 99% gehören echt nicht hierher. Aber ich hab´ nunmal seit Geburt ( vielleicht sogar schon davor ) nen kleinen Hau weg. Deshalb höre ich so gern Dub. Das normale ist mir einfach zu öde.

    „Privatise the air“ ………………………… lemmi

    1. Ja nun, wenn auch in meinem Alltag nicht jeder versteht was mit Babylon gemeint ist, dann doch wenigstens hier?

      War alles lieb gemeint, auf jeden. Ich fühl mich selbst als Trottel, diesbezüglich. Bin zwar jetzt fast 20 Jahre mit Audiodateien (vor allem mp3) dabei, aber davor hatte ich natürlich Tapes. Und MiniDisc. Was ich Geld für Hardware und Medien aus dem Fenster geworfen habe bereue ich heute noch.
      Die Exklusivität ist praktisch komplett weg weil man alles mehr oder weniger Bekannte für lau bekommt und die Sucherei nach Schätzen auch nur ein paar EUR für nen Download entfernt liegt. Wie schon erwähnt, hat alles Vor- und Nachteile. Ich bevorzuge es die Vorteile zu genießen anstatt mich zu beschweren.

      Was du über Religionen und vor allem Extremisten sagst kann man so wohl unterschreiben. Leider sind viele meiner Heroes (z.B. die Bobo ‚Shanti, wie Capleton) auch nicht gerade politisch korrekt unterwegs. Als (im Rahmen der eigenen Möglichkeiten) reflektierter Mensch so jemanden live zu feiern hat schon was von Bigotterie…

      Kanka find ich trotzdem toll. Sein Album „Submersion“ ist so ein bisschen mein Einstieg ins Steppas-Subgenre gewesen. Und wie so oft spielte der Zufall eine große Rolle: zuerst finde ich das Album auf ner rumänischen Download-Seite, es läuft im iPod rauf und runter. Im selben Jahr spielt bei ner clandestinen Open Air Session ein mir flüchtig bekannter Selector die „Rome“ Vinyl auf ner ziemlich anständigen PA.

      Sowas prägt.

      Die CD hab ich natürlich längst auch „in echt“ :)

  5. Gehört auch nicht unbedingt hierher, vor allem weil Rene´ für die Tips zuständig ist. Aber kennt ihr Red Star Martyrs „Red Star Martyrs“ !!! ? Das schlimmste daran ist, das ich die nur zufällig entdeckt habe. Digital Release ( na wartet ich kriege euch noch ) …. kann man super bei FREE MUSIC ARCHIVE und/oder u.s.w. bei Dubophonic komplett in ( meiner meinung nach ) sehr guter Qualität durchchecken und im selben Moment voll drauf abfahren ;-).

    Alles dabei !!! Von Steppas ( Steppers ) bis hin zu original bombastic Dub Stile. Vor allem geile Basslines und auch sonst ne ziemlich gute Atmosphäre. Ich hab´ das zwar nicht allein zu bestimmen aber „so muss DUB“ !!! ( Aber was erzähl ich euch, ihr wisst das bestimmt alles schon längst …… )

    Greetings ………………….. lemmi

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