Kemar „Flava“ McGregor: Traditional Dub

Sorry, aber mit dem Oeuvre von Produzent Kemar „Flava“ McGregor bin ich nicht vertraut. Im Web wird er als „Jamaican-american pop reggae producer“ geführt und in seiner Discographie tauchen unzählige Namen von Foundation Artists auf. Sein größer Coup ist wohl seine (recht schnulzige) Produktion für Sinead O’Connor. Auch Dubwise ist McGregor tätig. 2016 erschien sein Album „Veterans in Dub“, von dem er selbst sagt: „Der Mix ist mehr so Pop-Reggae. Die Platte ist seicht. Sie entspricht nicht der traditionellen Art, eine Reggae-Platte zu mixen.“ Kann sein, dass er dieses Defizit mit seinem neuen Dub-Album nun ausgleichen will, warum sollte er es sonst so nennen: „Traditional Dub“ (Kingston Songs)? Für meinen Geschmack ist seine traditionelle Art immer noch etwas seicht – was teilweise an den zugrunde liegenden Mainstream-Reggae-Produktionen liegen mag. Technisch handelt es sich allerdings in der Tat um sehr traditionelles Dub-Mixing. Es klingt uneingeschränkt nach „Made in Jamaica“. Die Rhythms sind unfassbar tight und das Mastering superb. Ebenfalls typisch jamaikanisch ist der Rückgriff auf bekannte Riddims. Spontanes Mitsummen der passenden Songs geschieht hier absolut unwillkürlich. Wenn ich es mir recht überlege, dann ist „Traditional Dub“ der perfekte Kandidat, um als idealtypisches, zeitgenössisches Dub-Album aus Jamaika angeführt zu werden. Es verkörpert alle Tugenden aktueller jamaikanischer Dub-Produktion und ist handwerklich über jeden Zweifel erhaben. Mich hingegen verlangt es dennoch nach mehr Spannung, Tiefe und Atmosphäre, weshalb meine Lieblings-Dubs schon seit Jahren aus Europa kommen. Aber es erfüllt mich mit Freude, dass Jamaika das viele Jahre vergessene Genre inzwischen wiederentdeckt, ihm neue Wertschätzung entgegen bringt und sich mit großen Schritten auf den Weg macht, der Musik zu neuem Glanz zu verhelfen.

Meine Wertung:

6 Gedanken zu „Kemar „Flava“ McGregor: Traditional Dub“

  1. 3 Sterne? Das geht wenn überhaupt nur als leise Hintergrundmusik in der Tikki-Bar des RIU Palace in der DomRep. Ein Album für den großen Rundordner, meine ich.

    1. Die drei Sterne gibt es für „tighte Rhythms“ und „superbes Mastering“. Kurz: Für handwerkliche Qualitäten. An der Kunst aber hapert es ;-)

  2. Ich kann das jetzt nur ganz oberflächlich kritisieren. Habe die Scheibe nur mal schnell durch-geskippt und muss sagen, das es wirklich sehr seicht klingt. Dennoch wird mir bei den riddims bzw. bei den Basslines immer noch ganz warm ums Herz. Nun kennen wir diese Riddims aber wohl alle schon in zig verschiedenen Versionen und ich brauche diese riddims, wenn dann nur noch in einer extrem aufgemotzten DubVersion, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellt. Bei „traditional Dub“ kommt es mir tatsächlich auch so vor, als wolle man Dub Music auch im Altenheim als Hintergrundbeschallung etablieren. Wie gesagt, habe ich nur oberflächlich reingehört aber besonders seicht kommt das Saxophon rüber. Is das Dean Frazer ? Der nervt mich schon ne ganze weile mit seinem Saxophon. Jetzt bringt er auch noch ne ganze Scheibe mit Saxophon in Sachen Dennis Brown raus. Ich bin da nicht sonderlich gespannt drauf. Aber naja, vielleicht verdächtige ich ja hier auch den falschen. Ansonsten ist es natürlich sowieso ne Frechheit von mir, Dean Frazer hier so zu mobben aber irgendwie spielt er mir seit einigen,vielen Jahren echt zu schnulzig. Wie heisst nochmal der Saxophonist von UB 40 ? Der „hatte“ es voll drauf. Ein besseres, frecheres und dubbigeres Saxophon habe ich sonst nie wieder gehört. Nun ja, das war allerdings auch früher ;-) …..
    Das Cover von „Traditional Dub“ gleicht allerdings auch wieder mehr so dem festgenagelten Turnschuh in der Ecke. Warum sollte man sich dafür allerdings noch groß Mühe geben, wo sich die ganze Information wahrscheinlich eh im Netz verflüchtigt.

    Ich verflüchtige mich ……………… lemmi

  3. Ach, ich hab´ da noch so einen Gedanken, den ich zwar lieber für mich behalten wollte aber irgendwie juckt es mir ( oder doch mich ? ) in den Fingern.
    Hat Jamaica den Dub wirklich wieder entdeckt oder machen die das nur, weil Dub in Europa „so angesagt“ ist. Ich habe oft den Eindruck, das Afrikaner, bzw. Menschen mit afrikanischen Wurzeln gar nicht so auf Dub stehen. Alle Afrikaner, die ich bis jetzt so kennengelernt habe, stehen da gar nicht so drauf und die legen das auch nicht auf. Zudem vermisse ich bei Dub-Sessions immer wieder auch ein paar Afrikaner. Meistens tauchen die da überhaupt nicht auf.
    Eventuell ist mein Horizont aber auch etwas zu eingeschränkt, um das allgemein so zu beurteilen. Ich höre aber auch immer wieder, das das Herb auf Jamaica im Grunde nix taugt…..

    Sorry, wenn meine Gedanken böse sind ………………. lemmi

    1. Vielleicht liegt deiner Beobachtung auch nur ein statistisches Problem zugrunde. Ich weiß nicht, wie groß in Deutschland der Anteil von Menschen (zentral-)afrikanischer Abstammung ist. Nehmen wir mal an, er läge bei drei Prozent. Bei einem Dub-Event müsste der Anteil dunkelhäutiger Besucher dann ähnlich hoch sein. Also „nur“ 3 auf 100!
      Aber davon abgesehen, befinden sich unter den Dub-Produzenten und vor allem auch den Soundsystem-Operatoren viele Menschen afrikanischer Abstammung. So z. B. bei den Iration Steppas, Channel One, Jah Shaka, King Earthquake, Dub Judah, Mad Professor, Young Warrior, etc.

  4. Stimmt ! Jetzt wo ich die Liste so gelesen habe, verstehe ich gar nicht, wie ich zu meinen Eindrücken gekommen bin. Mein ( geistiger ) Horizont ist wohl doch ziemlich eingeschränkt.

    Ich geh ins Tor ………………… lemmi

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