Weeding Dub: Another Night Another Day

Mir geht es oft so, dass ich Steppers-Produktionen mit latenter Geringschätzung begegne. Zu vordergründig, nur auf den Effekt hin produziert, keine Verfeinerung, keine Komplexität, kurz: meiner Kennerschaft nicht angemessen. Und dann ertappe ich mich dabei, dass ich immer wieder genau diese Produktionen anklicke, wenn sich meine Mediathek vor mir öffnet. Das neue Album von Weeding Dub, „Another Night Another Day“ (Wise & Dubwise Recordings) ist genau so ein Fall. Eine Sammlung von elf Produktionen, neun davon in zwei oder mehr Versionen, allesamt straight forward und four to the floor, natürlich bass-heavy und oft erstaunlich schnell. Kurz: perfektes Dub-Soundsystem-Fuel und nichts, was man zuhause zum Kaffe hören würde … – Irrtum! Unerklärlicherweise sind diese durchaus harten Dubs alltagskompatibel. Vielleicht liegt die Verträglichkeit auch an den gelegentlichen Gast-Vokalisten, wie z. B. Dixie Peach (Jah Tubby’s), Shanti D (O.B.F.) oder Oulda, die sehr eingängige Melodien beisteuern oder – wie im Fall von Nish Wadada – sogar schönste Harmonien in den Track zaubern. Das Dub-Mixing ist ebenfalls durchaus harmonisch, ohne allzu extravagante Ecken und Kanten, ja fast schon traditionell. Romain Weeding macht hier also insgesamt einen wirklich guten Job – auch wenn die Aufregung, das Adrenalin und die warmen Schauer ausbleiben.

Meine Wertung:

Ein Gedanke zu „Weeding Dub: Another Night Another Day“

  1. „Mir geht es oft so, dass ich Steppers-Produktionen mit latenter Geringschätzung begegne. Zu vordergründig, nur auf den Effekt hin produziert, keine Verfeinerung, keine Komplexität, kurz: meiner Kennerschaft nicht angemessen.“
    Diesen Satz hänge ich mir als Poster in die Küche ;-) !
    Mir fällt es immer schwer, einigermaßen rational zu erklären, warum mir das eine gefällt und das andere manchmal nicht. Weeding Dub fand ich bisher auch nicht schlecht aber es lief doch eher unter „ferner liefen“. Ne Scheibe hab ich mir jedenfalls noch nicht gekauft.
    Aufgrund meiner langen Zeit, die ich nun schon teilweise exzessiv Reggae und Dub höre, müsste ich eigentlich „hard core“ sein. Aber gerade mit der sogenannten „hard core mucke“ habe ich so meine liebe not. Egal ob Dancehall oder Dub, „hardcore“ is mir zu 99,99 % schon immer zu öde, zu plump, zu eintönig und generell viel zu simple gewesen. Irgendein Wort fehlt da noch. Ach ja ! … „stupide“ könnte man noch sagen. So, jetzt hab ichs dem harten Kern aber mal so richtig besorgt ;-)
    Wenn nun jemand wie ich ( in ca. drei Jahren habe ich 40 jähriges ReggaeFanJubiläum ) nicht zum „harten Kern“ der Roots Dub Reggae – Enthusiasten gehört, freut es mich natürlich sehr, wenn das vor allem daran liegt, das „hard core“ auch meiner Kennerschaft eben nicht angemessen rüberkommt ;-)
    „Another Night Another Day“ klingt irgendwie gar nicht nach „hard core“ für mich. Oberflächlich war ich sogar ein wenig an Love Grocer erinnert. Es klingt auch irgendwie gar nicht so nach „1+0 – Musik“. Der Bass könnte sogar echt sein. Die Gründe, warum mir das Album gefällt hast Du aber schon wieder richtig auf den Punkt gebracht. Vergleicht man das Ganze beispielsweise mit einer Mango, so würde ich sagen, die Scheibe schmeckt mir wie das leckere, reife und saftige Fruchtfleisch um den Mangokern herum. Ich wüsste aber auch echt nicht, warum ich nur den harten drögen Kern essen und das schöne saftige und leckere Fruchtfleisch liegen lassen sollte. Dennoch würde es die Mango ohne harten Kern wohl nicht geben. Den harten Kern lasse ich aber gern für die anderen übrig ;-)

    Kaffee kann ich allerdings auch zu African Head Charge trinken ;-) ……………….. lemmi

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