Mrz 17

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Mit ihrem neuen Dub-Release On the Ground in Dub beweisen die Black Roots eindrücklich, dass es nicht möglich ist, aus einem langweiligen Vocal-Album ein spannendes Dub-Werk zu zaubern. Obwohl der Sound hervorragend ist und die Musiker sauber spielen, können weder die Rhythms noch die Melodien wirklich überzeugen. Sie plätschern uninspiriert daher. Das Mixing ist klassischer Old-School-Style und daher auch nicht sonderlich interessant. Ich bin jedenfalls nicht amused.

Wie Old-School richtig geht zeigen die Spahni‘s Dub Dancers mit Cabatterista. Hier gibt es klasse Dubs mit fetten Bläsern, Orgel-Soli und jeder Menge Spielfreude zu hören. Das macht Spaß!

Ein sehr schönes, soeben erschienenes Vocal/Dub-Abum ist Walls Of The City, auf dem Earl 16 in Kollaboration mit Manasseh zu hören ist. Es gibt vier schöne Songs im klassischen Earl 16-Style, gefolgt von stoisch-meditativen Dubs.

Mrz 15

 iLLBiLLY HiTEC ft. Longfingah

Euer Name: iLLBiLLY HiTEC
Ihr lebt in: Berlin
Titel eures letzten Album: Reggaetronics (Echo Beach)

Was ist eure Definition von Dub?
Für mich gibt es da irgendwie keine Definition. Dub ist grenzenlos, kann mit so ziemlich allen Musikrichtungen verschmelzen, und bietet einfach sehr viele Möglichkeiten, sich auszutoben. Das macht die Musik für uns so interessant.

Was unterscheidet einen guten von einem schlechten Dub?
Handwerklich sollte es stimmen, der Rest ist Geschmacksache.

Wie würdet ihr euren Dub-Stil beschreiben?
Wir haben ja generell viele Vocals in unseren Produktionen und setzen Effekte daher eher sparsam ein. Insgesamt ist unser Stil bis auf die Ausflüge in die Elektronik daher auch recht reggaelastig.

Wie sieht der Entstehungsprozess eines typischen Dub-Tracks von euch aus?
Das machen wir frei aus dem Bauch raus. Bis zum Endergebnis dauert es zwar meist recht lang, aber die erste Aufhänger kommt spontan. Higher Calling haben wir z. B. Ablauf, Melodie und Gesang sehr schnell fertig gehabt – das Finetuning hat dann aber echt noch ne Weile gedauert.

Wann seid ihr mit einem von euch produzierten Dub zufrieden?
Nie. Das ist doch immer so, oder? Wir kommen eher an einen Punkt mit jedem Song, wo man sich fragt ob es noch besser oder eher schlechter wird, wenn man weitermacht.

Wer ist der aktuell interessanteste Dub-Artist?
Aus Deutschland ist Aldubb sicher ganz vorne mit dabei. Live haben mich persönlich Kaly Live Dub aus Lyon sehr geflasht. Wir haben mit denen einmal in Bukarest gespielt – sehr gute Musiker und fette Performance.

Was hört ihr außer Dub?
Thomas kommt aus dem Hip Hop, Longfingah ist ein rightiger Reggae-Head. Ich komme eigentlich mehr aus dem Rock. Dass Dub und ähnliche Klänge unser musikalischer Mittelpunkt geworden sind, liegt wohl an der Breite der Möglichkeiten des Genres.

In welcher Form kauft ihr eure Musik: Vinyl, CD, Download, Abo? Warum?
Je nach Produktion bei mir persönlich sehr unterschiedlich. Aber Thomas hat fast nur Vinyl.

Gelingt es euch, mit Musik euren Lebensunterhalt zu bestreiten?
Es ist sehr knapp.

Mit welchem Artist würdet ihr gerne einmal zusammen arbeiten?
Da gibt es einige. Muss man mal abwarten, was sich da sowohl an den Vocals sowie an am Mischpult noch tut.

Was ist eure besondere Stärke?
Obwohl wir nur zu dritt auftreten, schaffen wir durch Longfingahs Gesang und die live Drums das Erlebnis eines Konzerts. Ausserdem ist unser Programm durch die verschieden Stile auch sehr abwechslungsreich. So können wir auf ganz unterschiedlichen Events spielen und Leute aus allen Ecken erreichen.

Was macht euch an eurem Job am meisten Spaß?
Die Tourneen und die daraus resultierenden Freundschaften machen uns sehr viel Spass und geben uns auch Energie und Ideen, das Projekt weiter zu entwickeln. Reisen lohnt sich immer!

Wovor graust es euch im Studio?
Bevor wir die Songs fertig produzieren, nehmen wir sie schon mit auf Tour. Dabei gewöhnt man sich an den fetten live Sound der Drums, die große PA und das vibrieren der Bühne. Im Studio klingt dann erstmal alles vergleichsweise trocken. Da erschreck ich mich jedes Mal.

Wenn ihr nicht gerade an Dubs schraubt, was macht ihr dann am liebsten?
Die Musik lässt uns momentan kaum Zeit für andere Dinge.  Thomas hat aber eine große Leidenschaft für Walkmans, Ghettoblaster und Sneaker. Aber Kochen steht bei mir ganz oben. Gutes Essen fetzt!

Welche Musik-Website steuerst ihr am liebsten an?
Soundcloud.

Wie sehr ihr die Zukunft von Dub?
In Deutschland ist die Szene momentan ja recht überschaubar, aber trotzdem gut aufgestellt. Ich denke da gibt es noch Potenzial. Einige Artist werden den Dub sicher bald weiter nach vorne bringen.

Mrz 15

Wer erinnert sich noch an die Asian Dub Foundation? Beim Hören des Debutalbums „Reggaetronics“ (Echo Beach) des Berliner Trios iLLBiLLy HiTEC werden bei mir jedenfalls spontan Erinnerungen wach an ihren schnellen, aggressiven Dub-Sound mit Gesang – oder besser gesagt: Rap. Die iLLBiLLYs machen, so viel wird klar, keine Gefangenen. Gleich vom ersten Track an versprüht das Album pure Energie. Das geht zwar auf Kosten von Groove und Bass-Vibes, bietet dafür aber einen Blick über den Dub/Reggae-Tellerrand hinaus in Richtung Elektronik, Dubstep, Breakbeat und Hip Hop. Irgendwie hört man dem Studioalbum an, dass die Band vor allem live ein Erlebnis ist – was vielleicht auch an dem analogen Sound des Schlagzeugs liegt; und an der Vocal-Begleitung: Die meisten Tracks featuren Longfingah der seine Lyrics rasend schnell über die Beats prügelt. Hier ist alles High Energy – mit nonchalanter Punk-Attitüde. Wer mal die Ohren freigeblasen braucht, sollte sie den iLLBiLLYs schenken.

Hörprobe bei iTunes

Mrz 10

Uhuru

Dubkey ist eines meiner Lieblings-Dub-Netlabels. Eigentlich ist jedes dort zum kostenlosen Download bereit stehende Album wert, in die persönliche iTunes-Bibliothek aufgenommen zu werden. Hier veröffentlichen wahre Dub-Idealisten, die gar nicht erst auf die Idee kommen, ihre Musik kommerziell zu vertreiben. Ihnen geht es schlicht darum, ihre guten Vibes mit so vielen Dubheads wie möglich zu teilen. Eine löbliche Einstellung, die vor allem dann an Wert gewinnt, wenn sich die hier verschenkte Musik mit Veröffentlichungen aus dem normalen Verkauf hinsichtlich ihrer Qualität messen lassen kann. Für das jüngste Album des Netlabels trifft das jedenfalls zu: „Uhuru“ (Dubkey) vom maltesischen Multiinstrumentalisten Mind‘s Eye Dub ist eine solide Produktion. Gute, originale Rhythms, nette Melodien und vor allem schönes Melodiakaspiel machen seine Musik aus. Das einzige Problem besteht darin, dass den Dubs ein paar Ecken und Kanten fehlen. Vor allem der Sound könnte definierter sein, der Mix mutiger und das Arrangement abwechslungsreicher. Kompositorisch stimmt aber eigentlich alles. Nur gelingt es Mind‘s Eye Dub nicht, die kompositorischen Qualitäten kraftvoll genug umzusetzen. Dadurch wirkt das Album etwas zu seicht und eintönig. Aber statt hier viel Theorie zu lesen, rate ich jedem: selbst anhören http://dubkey.com/dubkey012.html

Feb 28

MARTIN CAMPBELL & THE HI TECH ROOTS DYNAMICS

„These Albums feature ryhthm tracks from the Channel One (Uk) vaults, produced by Martin Campbell“, steht auf der Rückseite der Albumserie „Alien Dread In Dub With Martin Campbell & The Hi-Tech Roots Dynamics Vol. 1-3“ (Reggaeretro). Ein knapper Satz, der mich nachhaltig in Verwirrung stürzte. „Channel One UK“? Und wer ist eigentlich Martin Campbell? Eine Internet-Recherche später, kann ich mir nun zusammen reimen, dass Mr. Campbell, 1955 in Deutschland geboren und in Jamaika aufgewachsen, mit JoJjo Hookim befreundet ist und von diesem die Erlaubnis erhielt, in England ein Studio mit dem Namen „Channel One UK“ zu eröffnen, (das außerdem mit dem gleichen Equipment wie das Channel One Studio in Jamaika ausgestattet ist). In diesem Studio produziert Campbell schon seit etlichen Jahren Roots-Rhythms, die gelegentlich auch das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Wer die Rhtyhms einspielt? Keine Ahnung. Verwendet er womöglich Aufnahmen, die Hookim ihm überließ? Keine Ahnung. Aber wie dem auch sei, Campbells Sound ist dem des originalen Channel One Studios ausgesprochen ähnlich. Auch die Beschränkung auf den Stil der frühen 80er Jahre passt perfekt, denn wie die Rhythms der Roots Radics, sind auch Campbells Tracks fast in Slow Motion gespielt, minimalistisch arrangiert und von einem dominanten Bass beseelt. Diese Rhtyhms hat sich nun Andrew Passey, aka Alien Dread in seinem südenglischen Phat Dubz-Studio vorgeknöpft und durch die Echo-Kammer gejagt. Das Ergebnis ist „zu konventionell“ – wie mich ein Kollege wissen ließ. Da kann ich ihm in der Sache nicht widersprechen, wohl aber im Geschmacksurteil. Denn mir gefällt der konventionelle Sound ganz gut. Es ist schlicht idealtypischer Dub. An ihm ließe sich in einem Lehrbuch bestens das ganze Genre erklären. Da braucht es keine abgefahrenen Ideen. Hier hat ein Sound seine perfekte Verwirklichung gefunden. Er ist wie eine gute Pizza Margherita: langweilig aber köstlich.
Hörprobe Vol. 1
Hörprobe Vol. 2
Hörprobe Vol. 3