Jim the Boss: Dub in HiFi

Das haben wir immer wieder: Sound-Ingenieure, die all ihr Können darauf verwenden, historische Sounds nachzuproduzieren. The master of them all könnte Jim the Boss sein. Er ging die Sache 2013 zielstrebig und planvoll an, vergrub sich in seinem Studio in New Jersey und bastelte so lange am Sound, bis es ihm gelang, den Klang des Reggae der frühen 1970er nahezu perfekt zu klonen. Natürlich nicht digital, sondern mit schönem, alten, angeranztem Analog-Studio-Equipment. Und siehe da, die Welt hatte auf seinen Reggae-Sound gewartet. Jim veröffentlichte 2016 die Sammlung seiner bisherigen Produktionen auf dem Dub-Album „Hudson Soul“ und stürmte damit die Genre-Charts bei iTunes und Beatport. Nun legt er nach mit „Dub in HiFi“ (Hudson Soul), und knüpft damit an „Hudson Soul“ an. Ist ja irgendwie auch logisch, dass es nicht Sinn eines Retro-Sounds sein kann, sich weiter zu entwickeln. Mich begeistert in solchen Fällen immer die handwerkliche Meisterschaft der Retro-Fetischisten, nicht aber das ästhetische Konzept. Warum Musik aufnehmen, die es schon gibt? Hier aber, muss ich gestehen, werde ich schwach: Ich finde nicht gut, was Jim da macht, aber ich bin ihm trotzdem verfallen. „Dub in HiFi“ klingt grandios, schön rau und kantig, enthält massenweise Zitate, denen nachzuspüren richtig Spaß macht und bietet darüber hinaus auch noch wunderbare Melodien. Übrigens gibt es das Album bei keinem einzigen Streaming-Dienst, dafür aber bei Bandcamp zum kostenlosen Download.

Meine Wertung: