I’m loving it: United Nations Of Dub-Weekender

Jah Shaka auf dem Unod-Weekender
Jah Shaka auf dem Unod-Weekender

Letztes Wochenende fand in dem Badeort Prestatyn in North Wales/UK der „United Nations Of Dub-Weekender“ statt. Organisiert von dem umtriebigen Dub-Tausendsassa I-mitri, war es das erste mehrtägige Festival des Dub, das je im United Kingdom statt fand. Das Lineup war beeindruckend: Jah Shaka bestritt mit eigenem Sound System den ersten Abend, den zweiten Abend teilten sich – ebenfalls mit eigenen Soundsystems – die Iration Steppas, King Earthquake und Kibir La Amlak. Für den Abschluss am Sonntag stand Aba Shanti-I auf dem Schedule, der aber krankheitsbedingt absagen musste. So spielten statt dessen Jah Tubby‘s, Young Warrior und Channel One um die Gunst der versammelten Dub-Gemeinde. Jeder, der schon einmal ein britisches Dub-Soundsystem live erlebt hat, wird wissen, das die Musik hier (trotz aller proklamierten Spiritualität) zu einer durch und durch körperlichen Angelegenheit wird. Die Bass-Druckwellen, die sich von den ca. vier Meter hohen Lautsprechertürmen der Soundsystems lösen, sind so gewaltig, dass sie nicht nur die Hosenbeine flattern lassen und die Lungenflügel in Schwingungen versetzen, sondern buchstäblich jeden Hohlraum des Körpers wie einen Resonanzkörper zum vibrieren bringen. So habe ich zum ersten Mal in meinem Leben meine Nasennebenhölen wahrgenommen – nicht unbedingt schön, aber eindrucksvoll.

Alle Soundsystems waren großartig. Sie spielten abwechselnd je drei Tracks zzgl. Rewinds und Versions. Während in der jeweils ersten Stunde alte Roots-Scheiben ihren Weg auf die Plattenteller fanden, gehörte der Rest der Nächte dem UK-Steppers-Sound, ohrenbetäubend laut, gewaltig und hypnotisch. Wird das erste Drittel eines Tracks mit weitgehend ausgewogenem Frequenzverhältnis gespielt, so gehört es zum Dub-Soundsystem-Ritual, dass unweigerlich der Punkt kommt, an dem der Soundman die Bassfrequenz zu hundert Prozent aufdreht und den Tänzern damit geradezu körperlich einen Tritt in den Hintern verpasst. Selbst die coolsten Dreadlocks können dann nicht mehr ruhig stehen.

Ort des außergewöhnlichen Geschehens war ein Veranstaltungshallen-Komplex im Zentrum eines typischen Feriencamps, wie sie im Laufe der 1950er Jahren die britische Westküste überzogen. Ursprünglich boten sie britischen Durchschnittsfamilien preiswerte All-Inclusive-Ferien mit Fünfbettzimmern in Reihen-Bungalows, direktem Zugang zum Strand und abends Entertainment im Spielkasino oder einer der Hallen. Da die goldenen Zeiten dieser Camps längst vorbei sind, öffnen sie ihre Pforten inzwischen liebend gerne auch so absonderlichen Gästen wie langhaarigen Dub-Jüngern aus aller Welt und stellen ihre Hallen in den Dienst einer Musik, welche die ursprünglichen Gäste solcher Anlagen schreiend hätten das Weite suchen lassen. So kam es, dass sich schätzungsweise 800 Dubheads, überwiegend aus dem UK, aber auch aus Frankreich, Italien, der Schweiz und sogar Japan (ich hatte den Eindruck, wir waren die einzigen Gäste aus Deutschland) in einer geradezu surreal wirkenden Szenerie, zwischen ungezählten Geldspielautomaten, Pommesbude, Campingshop, Jugendheim-Ambiente und türkis bestuhlten Mehrzweckhallen wieder fanden.

Neben der Soundsystem-Arena gab es noch zwei weitere „Floors“: die U. N. O. D.-Arena, in der verschiedene Dub-Artists (allerdings mit einer fest installierten PA) auftraten und der „Selector‘s Arena“, dem einzigen Raum mit Club-Feeling, in dem diverse Selectors sich in stündlichen Wechsel den Tonarm weiterreichten. Besonders beeindruckt hat mich der Auftritt von Alpha & Omega, bei dem Christine Omega live Bass spielte. Manassehs Gig mit Kenny Knotts litt unter der Konkurrenz der Soundsystems in der großen Arena und wurde – obwohl er absolut hörenswert war – nur von wenigen Zuhörern verfolgt, wo hingegen Steve Vibronics, Mungo‘s Hifi und die Bush Chemists den Soundsystems mit ihren eindrucksvollen Auftritten locker Paroli bieten konnten. Bei den Selectors hat mich vor allem Marek Bogdanski Dreadsquad mit seinem kunstvollen DJ-Set überzeugt.

Für 2014 ist bereits eine Fortsetzung des Weekenders geplant. Wir werden da sein!

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