Mad Professor: Electro Dubclubbing

Der Mad Professor hat wieder zugeschlagen. Unbeirrt veröffentlicht er regelmäßig Dub-Alben – so als lebten wir immer noch in den 1970er Jahren. Laut Discogs sind es über hundert Stück. Unglaublich. Nun also das neuste Werk aus seiner Echo-Kammer: „Electro Dubclubbing“ (Ariwa). Der Titel erinnert mich ein wenig an „The Roots of Dubstep“ von 2011, als er der jungen Generation mal zeigen wollte, wer hier der Originator sei. Das Cover von „Electro Dubclubbing“ jedenfalls lässt keinen Zweifel aufkommen, dass der verrückte Professor es auch mit Avicii und David Guetta et. al. aufzunehmen gedenkt. Hoch thront er mit seinen Turntables über der tanzenden Menge. But: „don’t judge an album by it’s cover“ – wie wir Reggae-Freunde ja ganz genau wissen. Inhaltlich hat „Electro Dubclubbing“ nichts mit Electro oder Club-Musik zu tun. Mad Professor liefert statt dessen seinen gewohnten Ariwa-Sound und zitiert aus den Ariwa-Vocal-Releases der letzten Monate. Also nix grundlegend Neues und auch nix sonderlich Beachtenswertes – leider. Allerdings muss ich immer wieder gestehen, dass der Mann wirklich virtuose Mixe abliefert. Aus meiner Sicht sogar die Besten seiner ganzen Zunft. Andererseits bekommt er die Leistung nicht richtig auf die Straße. Warum? Der Sound stimmt oft einfach nicht. Oder genauer: Das Mastering. Manche seiner Dubs bräuchten schlicht mehr Dynamik und außerdem mehr Bass. Außerdem neigt er – wahrscheinlich als Zeichen seiner Virtuosität – zur Überproduktion. Stärkere Kontraste würden gut tun. Aber egal. Mad Prof. ist eine Klasse für sich. Was ich hier betreibe, ist Klagen auf höchstem Niveau.

Meine Wertung:

3 Gedanken zu „Mad Professor: Electro Dubclubbing“

  1. Heute fehlt ein Chris Blackwell an allen Ecken und Enden – wie er die Musik in allen Belangen auf Vordermann gebracht hat, kann man mit Geld nicht aufwiegen. Man stelle sich vor Leute wie der Mad Professor hätten unter seiner Ägide eine behutsame Transformation wie BMW und viele andere Interpreten durchgemacht… die Musikwelt würde heute anders aussehen.

    Und ja, das Mastering ist hier (wieder mal) grausam… wenn der Rimshot lauter als die Snare und die wiederum lauter als die Kick ist, wenn sich ein penetrant lautes HiHat in den Kopf fräst anstatt der Bass im Bauch wummert … dann kann man den Sound abschreiben. Früher nannte man das „Radio Mix“ weil man den ohnehin massiv sound-komprimierenden Radiostationen entgegenkommen wollte – Dynamik ist im Radio verständlicherweise nicht erwünscht.

    Und dann wiederum… der Professor ist ja auch nicht unbedingt der innovativste Mixer…

  2. Na endlich ! Darf ich zu der Scheibe auch mal meinen Senf abgeben. Kennengelernt habe ich sie bei „Deep In Dub“ von gtkriz. Bei der Gelegenheit ein fettes „Big Up“ an gtkriz ! Hör blos nicht auf, die Playlist fortzuführen. Edu Satajah und Style Scott …. was ne geile Scheibe. Aber auch ohne Style Scott ist der Edu zumindest in Sachen Dub ne Wucht. Jedenfalls für mich.
    Ich muss gestehen, das ich bei der Mad Professor Scheibe doch stark aufhorchen musste, weil ich die Dubs einfach richtig gut fand. Ja und dann war die ja auch noch leibhaftig zu erwerben !
    Also gekauft und zuhause im heiligen Dreieck abgespielt.
    Ja ! Der Sound ! Dazu habe ich ne Verschwörungstheorie aber …. ich verschone euch. Nur soviel : sogar Jamaram haben einen besseren Sound !
    Was mir aber gleich sehr positiv aufgefallen ist, waren die Riddims bzw. die Art der Musik. Nach den ersten drei Dubs dachte ich auch : Der Mad Professor hat was an den Ohren aber die Musiker haben es ja wohl voll drauf. Das klein(mini)gedruckte auf den Covern lese ich schon lang nicht mehr aber hierbei musste ich dann doch mal nachschauen und siehe da…. Ein breites Grinsen verbreiterte sich zum Cinemascopemund von Julia Roberts. Ich war schon ein wenig stolz, das ich die Qualität der Musiker so gut erkannt habe. Dennoch habe ich was zu meckern.
    Der Sound ist echt keine pure Freude. Und leider ist die ganze Scheibe dann doch zu viel Steppers. Da fehlt so ein Dub, dessen Gravitationswellen so massiv sind, das deren Masse den Raum krümmt und sich nichts und niemand aus diesem Bann entziehen kann. Mit anderen Worten …. durch zu viel Steppers geht Magie verloren.

    1. Danke, Lemmi… die „deep in dub“ – Playlist wird weiter mit neuen Releases bestückt… momentan ist da saisonbedingt ziemliche Flaute, im Herbst gibts hoffentlich mehr Neues. Info am Rande: es gibt mittlerweile auch eine „deeper in dub“ (70s &80s dub) und eine „12 inches deep in dub“ (extended versions/discomixes) – playlist.

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