Sly & Robbie & Junior Natural: Militant Dub

Ich hatte schon ein wenig Angst vor dem neuen Dub-Album der Rhythm-Twins. Nachdem Sly & Robbie mich mit allen ihren selbst produzierten Dub-Werken der letzten Jahre bitter enttäuscht hatten, fürchtete ich, dass nun mit „Militant Dub“ (Tabou1) vom ideellen Sockel, auf den ich meine Helden seit je her gestellt hatte, wieder etwas mehr abbröckeln würde. Das wirklich geschmacklose Cover, auf dem deutlich ein Sly Dunbar mit einem Raketenwerfer zu erkenn ist, legte gar die Vermutung nahe, dass der Sockel womöglich komplett in sich hätte zusammen brechen können. Doch schon der erste Track „Militant“ mit seiner prägnanten Marsch-Snarre ließ ahnen, dass „Militant Dub“ sich nicht in die Reihe der Vorgänger stellen würde. Vielleicht waren es tatsächlich die Vibes des jungen schwedischen Sängers Junior Natural, – auf dessen letztjährigem Debut „Militant“ das vorliegende Dub-Werk basiert – die Sly & Robbie aus der Routine holten und zu neuen Ideen inspirierten. „Militant Dub“ ist unverkennbar Sly & Robbies „Taxi-Sound“ und doch sind die Tracks spannender, pointierter und deutlich eigenwilliger als das Taxi-Material der letzten Jahre. Auch der Mix ist weitaus inspirierter, als das, was Dartanyan Winston auf den letzten Alben abgeliefert hat. Diesmal hat er seine Finger zum Glück nicht im Spiel. Statt seiner zeichnet tatsächlich Robbie Shakespeare in Zusammenarbeit mit Steven Stanley dafür verantwortlich. Haben die beiden gut gemacht. Das Album ist zwar keine Offenbarung – wie z. B. Dubmatix „Overdubbed“, das auch auf Sly & Robbie-Material basierte – aber ein solides, unterhaltsames und klassisch-schönes Dub-Spätwerk der Rhythm-Twins. Wenn’s so weiter geht, wird der Sockel bald aus makellosem Granit bestehen.

Meine Wertung:

2 Gedanken zu „Sly & Robbie & Junior Natural: Militant Dub“

  1. High René !
    Definitiv keine Offenbarung ! Aber auch nicht zum Verreißen geeignet. Ich finde die Riddims ziemlich gut aber so richtig Bock auf Dub-Mixing hatten die beiden wohl immer noch nicht. Sehr spärlich und recht dezent, ja fast schon artig kommen die Effekte. Aber egal, passt schon ! Das ist bestimmt so ein Album, wo man erst nach mehrmaligem Hören merkt, wie wohltuend das doch alles wieder unter die Haut geht.
    Zum „geschmacklosen Cover“ muss ich gestehen, das ich das mit den Waffen gar nicht so anstößig finde. Mir ist es wesentlich lieber, Sly Dunbar schießt damit zum Beispiel aufs Kanzleramt ( damit Cannabis auch endlich als Teil unserer Kultur anerkannt wird und unsere Landesmutter nicht weiter so ein Blödsinn labert ), als wenn zum Beispiel der Is im Auftrag der weltweiten Geheimdienste auf Frauen und Kinder ballert, damit auch ja alle freiwillig nach der totalen Überwachung rufen und bereitwillig die zukünftigen Diktatoren „wählen“. Der weltweite Faschismus wird mir auch langsam zu gefährlich und ich würde mich wohler fühlen, wenn man dem was entgegensetzen könnte. Über gewaltfreien Widerstand lachen sich die Faschisten doch nur kaputt. Obwohl ( ? ) wenn ich es mir so genau überlege …… Hauptsache kaputt !!!

    MILITANT DUB against faschism …………………….. lemmi

    ( Ich hoffe, das ich jetzt nicht gegen die Zensur verstoßen habe )

  2. Das Cover ist gerade in der heutigen Zeit sowas von daneben. Die Musik… unauffällig wie schon seit Jahren bei S&R. Mir kommt vor – das ist halt die Pflicht, die Kür findet auf solch spannenden Experimenten wie mit Molvaer statt.

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