Philipp Greter: Logic Chaos

„Dub“ ist ja inzwischen keine eindeutige Genre-Bezeichnung mehr. Während wir darunter mit Soundeffekten gespickten, instrumentalen Reggae verstehen, gibt es Leute, die denken bei „Dub“ an Ambient oder dekonstruierenden Minimal Techhouse. Ist schon verrückt, dass so unterschiedliche Sounds die gleiche Genre-Bezeichnung tragen. Doch meist ist schon am Cover zu erkennen, welche Dub-Kategorie gemeint ist. Das Cover von Philipp Greters Album „Logic Chaos“ ist jedenfalls nicht eindeutig. Weder Reggae noch Techno. Und höre da: auch die Musik lässt sich gar nicht so leicht zuordnen. Mal haben wir es mit einer Neuinterpretation von Kruder & Dorfmeister zu tun und mal mit schönsten Offbeats. Philipp dazu lakonisch: „Am Rande ist das vielleicht etwas für die Dub-Szene, für Leute, die etwas Experimentelles wollen“. Macht die Sache damit aber auch nicht klarer. Warum ich das Album hier überhaupt bespreche? Weil Philipp der Keyboarder und Produzent von Dub Spencer & Trance Hill ist. Er ist das Schweizer Dub-Urgestein schlechthin. Und im Logic Chaos hört man bei jeder Note, dass der Mann seinen Dub in- und auswendig kennt. Alles groovt, schwingt, hallt und vibriert, wie es sein muss. Am Bass gibt es auch nichts auszusetzen. Und doch würde kein Sound System der Welt das Album auflegen. Also tun wir es, zuhause, auf dem Sofa und vertiefen uns in die fein ziselierten Soundscapes, hören analytisch mit dem Kopf, während der Bass unsere Eingeweide massiert. Das Album ist übrigens mit der Apple Software „Logic Pro“ und einem Effektgerät namens „Chaos Pad“ produziert worden. Interessant, oder? Hat auch was mit dem Namen zu tun.

Meine Wertung:

14 Gedanken zu „Philipp Greter: Logic Chaos“

  1. High René !

    Du verstrickst mich jetzt wieder in ein Netz aus Widersprüchlichkeiten meinerseits. Vor ein paar Tagen schrieb ich noch, das der International Observer mich langsam etwas langweilt, weil er vielleicht doch zu sehr AmbientDub macht. Und jetzt haust Du mir hier diese Scheibe um die Ohren. Ich weiß jetzt noch nicht, ob mich dieser Dub in ein paar Jahren eventuell auch langweilt aber im Moment und ganz besonders jetzt gerade, bin ich begeistert !!! Da ich durchaus auch Ohren für geilen Techno habe ( was auch immer das ist ) gefällt mir „Fire“ im Moment auf Anhieb am besten. „Sofasounds“ gefällt mir überhaupt nicht, weil ich da keinen Groove erkennen kann, bzw, weil mir der Groove da nicht zusagt. Alles andere ist auch richtig cool aber ich bin mir insgesamt noch nicht sicher, ob ich in erster Linie zu sehr vom Sound geblendet bin, denn der Sound ist hier gerade mal wieder ÜBERWÄLTIGEND !
    Auf jeden Fall gehöre ich mit zu den Menschen, die gern etwas Experimentelles wollen. Wichtig ist dabei immer, das am Ende etwas Interessantes herauskommt und hier scheint mir ein sehr guter Forscher am Experimentieren gewesen zu sein. Jetzt gerade fällt mir auf, das „Forest Groove“ auch voll mein Ding ist …… Augenblick bitte …….. ich muss kurz mal die Rewind Taste drücken …… Jo ! Das Groovt !!!
    Also nix für Ungut ……….. mir gefällt der „Scheiß“ ………. aber richtig !

    Forest Groove, gleich nochmal ! ………………. lemmi

  2. Chilliges Album in Richtung Rhythm & Sound… würd‘ ich mir beim Lesen als Hintergrundmusik laufen lassen.
    Übrigens gibt’s ein neues, feines Mato-Album: „Classical Dub“ (nomen est omen)

    1. Das Album habe ich auch heute entdeckt. Gefällt mir sehr gut. Es gibt noch ein paar spannende Releases, die ich aber erst später besprechen werde:
      The Nextmen vs. Gentleman’s Dub Club: Dub Versions
      Cookie Ranks: Digital Dub Clash
      Hermit Dubz: Pursuit of Balance
      Vibronics: Dubs on a Mission

      Und dann wäre da noch – zum Thema „Classical Dub“: Uly E. Neuens, Op’ra Dub.

      1. Au weiah !

        Ich glaube nicht, das ich zum opra dub einen guten Kommentar abgeben kann.

        Operngesang ist „Folter“ für meine Ohren. Wenn es nur gar nicht ginge, wäre es noch ok aber Oper geht minus.

        Soviel schon mal im Voraus ……………… lemmi

  3. High gtkriz !

    Rhythm & Sound ! ….. genau nach diesem Namen habe ich etwa ne halbe stunde lang in meinem Kopf gesucht aber in meinem Kopf sieht es im allgemeinen zu oft so aus, als wäre das Cover direkt aus meinem Kopf abfotografiert worden.

    Ok, auf zu Mato ……………… lemmi

  4. Auch wieder gut !
    Mato kann wohl keine schlechte Musik machen. Von dem gefällt mir alles ……. was ich kenne.
    Schöne knackige Riddims und immer ein Schlenker in ganz andere Gefilde. Sei es Filmmusik ( wenn ich nur an Star Wars denke, herrlich ) oder eben wie hier mit kleinen Anleihen aus dem Bereich der Klassik. Immer wieder ne Scheibe wert ……………. lemmi

  5. Mato kommt wohl dem klassischen Roots Radics/Junjo Lawes-Sound am nächsten. Hervorragende Produktion, würd‘ ich fast schon liebevoll nennen.

  6. Also, den muss ich jetzt aber doch noch loswerden. Wir reden hier ja zur Zeit wieder über richtig gute Dub-Scheiben und René hat auch schon einen Ausblick in die Zukunft gegeben. Mein Topfavorit in Sachen Dub ist zur Zeit und über noch viele Zeitzonen hinweg der „Spiritus Dub“ von Almamegretta. Der Name von Almamegretta ist mir hier und da schon mal auf Samplern aufgefallen aber nix hat mich so geflasht wie diese Scheibe. Ich erlaube mir mal, hier den Kommentar von irie-ites zu Zitieren :
    „Der Mix des Albums ist dabei von Effekt-Manierismen geprägt, die nichts von Zurückhaltung und Minimalismus halten. Prunkvolle, sowohl künstlich, als auch organisch klingende Effekte schmücken ihren Sound, der ganz deutlich von Adrian Sherwood inspiriert ist – in gewisser Weise kann man hier von einer Art turbogeladenen Dub Syndicate sprechen. Die, mit Lee Scratch Perry eingespielte „Music Evolution“, könnte somit, mit diesem stampfenden Beat und starken Groove, auch ganz gut aus dem Album „Time X Boom De Devil“ stammen.“

    Keine Zurückhaltung, kein Minimalismus und ganz klar von Adrian Sherwood inspiriert. Auch Paolo Baldini taucht hier wieder auf und zeigt, was er kann.

    Daraus ergibt sich nur eine kaotisch logische Schlussfolgerung :

    Lemmi ist begeistert !!!

    Ich bitte Philip Greter um Entschuldigung, das ich hier etwas über das Ziel hinaus geschossen bin ……………. lemmi

    1. Hab‘ nochmal in die Almamegretta Dub-Alben reingehört. Die neue Echo Beach-Compilation hat imo versucht das Beste zusammenzukratzen, die Tracks kommen mir aber mitunter gewollt anspruchsvoll produziert vor (z.B. „Dub Paper Box“) und dann stellt sich bei mir gepflegte Langeweile ein. Die regulären Dub-Alben von Almamegretta plätschern so dahin, hin und wieder glitzert’s („Music Evolution“) ansonsten driftet’s in die Bill Laswell-Beliebigkeit ab. Wer’s mag…

    1. Mal schauen, vielleicht ist es bei mir genau umgekehrt.
      Bisher war mir Almamegretta auch immer egal aber bei dieser Scheibe war ich schon vom Intro des Intros, also vom ersten Ton an begeistert. Als alter On.U- Sound Fan kann ich da wohl nicht aus meiner Haut. Bill Laswell finde ich auch langweilig. Obwohl es da so einige Aufnahmen mit Style Scott gibt, die ich inzwischen noch nicht mal mehr bei Youtube hören kann, weil sie aus dem Programm genommen wurden. Aber da hat ihm Style Scott vielleicht die Basslines vorher vorgespielt. Die Scheibe die ich kaufen konnte ist voll langweilig, obwohl Style Scott da auch mit dabei ist.

      Greetings …………. lemmi

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