RazTek Roots

Ich höre die Traditionalisten schon wettern: Das sei doch seelenlose Computermusik. Keine Atmosphäre, kein Sound, kein Wasauchimmer. Da muss ich aber mal vehement widersprechen: Stimmt, der Sound ist zu hundert Prozent digital, die Arrangements maximal simpel und dann besteht das Debut-Werk der beiden Kalifornier auch noch aus nur vier Rhythms (von denen es aber immerhin je zwei Versions gibt). ABER! Hört ihr nicht den Vibe langer Sound System-Nächte widerhallen? Spürt ihr nicht die dunkle Magie des Bass? Versinkt ihr nicht im Rausch der Beats? Vielleicht muss man die Atmosphäre von Sound System-Sessions um vier Uhr morgens erlebt haben, um der Musik von RazTek Roots auf ihrem gleichnamigen Album etwas abgewinnen zu können. Ich liebe es. Allerdings bin ich echt von den Socken, dass dieser lupenreine UK-Soundsystem-Steppers-Dub tatsächlich aus dem sonnigen Kalifornien stammt. Ich muss meine Klischeevorstellungen offenbar endlich mal ad acta legen.

Meine Wertung:

60 Gedanken zu „RazTek Roots“

  1. Nuja, wer’s mag… aber eines sei noch angemerkt: Ein bisserl Echo macht noch keinen Dub, das sind bestenfalls Instrumentals. Für mich ist der Begriff „Dub“ generell viel zu weit gegriffen und misinterpretiert. Das ist ein Phänomen, das gerade im Reggae-Genre weit verbreitet ist; es gibt keine verbindlichen, allgemein gültigen Normen. Was da heute z.B. alles als „One Drop“ bezeichnet wird ist erstaunlich. Es wäre doch an der Zeit, das Genre endlich mal musikwissenschaftlich zu schubladisieren… aber nicht mal diesen Stellenwert gesteht man ihm zu… weder hier noch sonstwo und schon gar nicht auf der UWI meines Wissens nach. Mögt ihr mich bitte korrigieren, danke!

    1. Greetings

      @gtkriz
      ich bin absolut bei dir, mir gefällt auch nicht alles, das wär‘ auch schlimm, wenn es so wäre. Alles ist eine Frage des Geschmacks und wem’s gefällt, bitte….

      „Ein bisserl Echo macht noch keinen Dub, das sind bestenfalls Instrumentals“.
      Das heißt nach deiner Vorstellung sind genau die allerersten Dubs – Die Blaupausen, aus denen sich letztendlich der heutige Dub entwickelt hat – „bestenfalls Instrumentals“. Ich stimme dir zu, dass ganz zu Beginn das Instrumental war, das Tubby, Perry, Errol Brown, Errol Thompson und wie sie alle heißen dann veredelten.
      Ohne diese bahnbrechenden Aufnahmen jedoch, wäre möglicherweise der heutige Dub in dieser Form nie entstanden.

      „es gibt keine verbindlichen, allgemein gültigen Normen“.
      Wo liegt da das Problem, brauchen wir denn tatsächlich in der Kunst Normen und was würde sich dann verbessern?

      „Es wäre doch an der Zeit, das Genre endlich mal musikwissenschaftlich zu schubladisieren…“
      Und genau diese „musikwissenschaftlichen Schubladen“ wären der Tod für dieses von uns so verehrte Genre. Genau das finde ich persönlich so faszinierend und auch spannend, dass sich Dub in fast allen Musikrichtungen – sei es Jazz, Klassik, Oper, Ethno etc. – immer weiter entwickelt hat, nie richtig Stillstand war und es so gut wie keine Grenzen gibt. Ich persönlich sehe Dub auch als eigenständiges Genre an, das nicht zwingend mit Reggae verbandelt sein muss. Ohne diese offene Haltung gegenüber dem Dub hätten wir einiges – danke René für deine Empfehlungen – nie zu Ohren bekommen oder wäre so nie entstanden. Meinetwegen darf Dub gerne so vielschichtig und unberechenbar bleiben…
      Ich befürchte, dass die Kreativität der Künstler mit diesem Schubladendenken extrem eingeschränkt wäre. Kunst generell braucht weder Schubladen noch Grenzen, denn beides engt ein und ist meines Erachtens kontraproduktiv.

      Einer meiner Lieblingssprüche;
      Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und es ging.

      In diesem Sinne wünsche ich ein schönes Wochenende

      Stay tuned

      1. Tja, da ist sie wieder, die Frage, was Dub eigentlich genau sei. Im Vergleich zu anderen Genres spielt Dub hier m. E. eine Sonderrolle, denn er ist einerseits dadurch definiert, dass das Mischpult zum Instrument und Musik durch eine bestimmte Form des Mixes zu Dub wird. Andererseits ist Dub dadurch durch bestimmte Rhythmen, Arrangements, Melodien und Spielweisen definiert (z. B. Reggae, instrumental, Bass, Offbeat, etc.). Erstere Definition ist grundsätzlich Genre-unabhängig, letztere nicht. Ich glaube, dass wir hier nur dann von „Dub“ sprechen, wenn beide Definitionen gleichzeitig erfüllt sind. Die Schublade existiert also längst in unseren Köpfen.

        Allerdings lässt sich aus meiner Sicht die Schublade wiederum in zwei Stil-Fächer teilen: 1. Der klassische jamaikanische Stil (Tubby, Jammy, Scientist) und 2. der UK-Stil, in den späten 1980er Jahren von Jah Shaka geprägt. Der Jamaika-Stil ist m. E. „verspielter“, lebendiger, leichter und sehr stark durch den Mix bestimmt. Der UK-Stil ist viel repetitiver, hypnotischer, bassbetonter.

        Ich glaube, dass sich einige unserer Diskussionen daraus ergeben, dass wir jeweils Vertreter dieser beiden Fächer der gleichen Schublade sind. Lemmy ist z. B. definitiv ein Vertreter von 1, während ich (auch) große Sympathien für 2 habe ;-).

        Generell muss ich aber sagen, dass ich es sehr begrüße, dass unser kleines Sub-Genre „Dub“ vielfältig genug ist, um Stile auszubilden. Das macht die ganze Sache doch zusätzlich interessant, oder?

  2. @ „schubladisieren“: Ich meine dass das eine dem anderen nicht widerspricht – es gibt sie, die Musikwissenschaften, und es hat der musiklischen Kunst und dem musikalischen Freigeist keinen Abbruch getan. Warum also unserem Genre nicht die akademische Ehre erweisen? Hier würde gleichzeitig auch ein Grundstein für eine ausgezeichnete Lehre gelegt werden, die mir mehr als notwendig escheint.

    @ „was ist Dub“: Die Intention und das Wesen des Dub ist es, der Grundidee des Originals durch Bearbeitung eine völlig neue Richtung und Dramaturgie zu geben und damit etwas Neues – als verwandt erkennbares, aber doch eigenständiges – zu erschaffen. Hier findet sich die Kunst und das Können abseits vom Handwerklichen – hier Echo und da Hall hingegen ist keine Kunst sondern nur ein „im richtigen Moment den Regler hochfahren / den Knopf drücken“. Allein schon deshalb schliesst sich Dub als Selbstzweck aus weil es keinen Vergleich zum Original gibt. Das kann man als genreübergreifendes Konzept verstehen; tatsächlich wird es meines Wissens nach aber nur im Reggae angewandt. Freilich kann man mit Mischpult und Delays fette Grooves produziern und das ist auch fein so… aber Dub ist das nicht. Dub ist eine Idee, eine Geschichte, der Twist eines Plots, eine Antwort, eine Frage, und man könnte die allseits bekannten Dub-Meister durchaus als eine Art Spin-Doctors bezeichnen. Würde man Dub als eine Wissenschaft definieren, so wäre es wohl keine Musikwissenschaft sondern eine Geisteswissenschaft.

  3. Eigentlich sehe ich mich ja nicht als Traditionalisten aber hier bei RazTek Roots fühle ich mich schon fast als orthodoxer fundamentalist. Ich höre schon zu lange Dub Music und meine Hörgewohnheiten lassen einfach diese sterilen, minimalistischen Klänge nicht so gut rein. Und dann auch noch von einer sterilen Version eine noch sterilere DubVersion hintendran. Sorry René aber es wird nicht passieren, das ich dieses Sound Erlebnis um vier Uhr Morgens erleben werde, denn bei dieser Art von Dub schlafe ich ein. Da is mir viel zu wenig mystische Magie dabei. Ich sehe es im Grunde genau umgekehrt wie Du. Nicht in allen Punkten aber gerade was die hypnotische Wirkung betrifft, kann Uk-Dub da bei mir nix erreichen. Bei einigen vielen Tunes von African Head Charge beginnt sich mein Körper aber schon regelrecht aufzulösen, weil das Musikerlebnis mich quasi in fremde Welten hineinhypnotisiert. Ich habe extra dieses krasse Beispiel genommen, weil man da auch wieder diskutieren könnte, ob das überhaupt Dub ist. Ich mach mir da keinen Kopf, denn wenn sich bei mir dieses ganz spezielle Dub-Gefühl einstellt, dann ist das für mich Dub. Trotzdem ist der DUB, der auf Reggae beruht der Originale und wird auch immer der beste Dub sein. Jedenfalls empfinde ich das so.
    Eine klare wissenschaftliche Definition für Dub möchte ich persönlich eigentlich auch nicht, da es die Freiheiten, DIE FREIHEIT VON DUB ! ( letztenendes meine Freiheit ) einschränkt und in gewisse „vorbestimmte“ Bahnen lenken könnte. Und genau da, is bei mir auch das Haar in der Suppe. Ich finde das gerade der UK-Steppers-Dub auf jegliche Freiheiten verzichtet. In keiner Dub-Spielart finde ich ein dermaßen eingezwängtes und immer wiederkehrendes Klang-bzw. Groove-Korsett, wie beim UK-Steppers-Dub. Minimalismus und Geradlinigkeit im stoischen Schritt gegen die Wände von Babylon. Kann man so machen aber diese „Kampftechnik“ erinnert mich doch sehr daran, wie man zu Napoleons Zeiten Krieg geführt hat. Einfach aufeinander zu marschieren und ballern was geht. Ich stehe mehr auf List und Tücke gepaart mit Fantasie und Einfallsreichtum ( Granny Nanny ) ohne den Gebrauch von stumpfen Waffen.
    Bei all meiner Kritik an UK-Steppers-Dub bin ich aber am Ende doch wieder bei René. Denn ich begrüße es auch sehr, das DUB im Grunde extrem vielfältig ist.Das macht die Sache wirklich zusätzlich interressant. Aber das heist ja nicht, das mir alles gefallen muss. Ich versuche ja auch immer nur zu erklären, warum mir dieses oder jenes gefällt oder eben nicht.

    Mein Fazit : Es ist DUB, wenn ich es sage ;-) …………………… lemmi

  4. Kommt schon, was habt Ihr gegen eine wissenschaftliche Aufbereitung? Das ist ja kein Käfig, der Musik einsperrt und unveränderlich festlegt oder Fantasien und Weiterentwicklungen abtötet. Ich weiß nicht woher diese Vorurteile oder gar Ängste kommen – mir fällt auch nichts ein, wo das schon jemals passiert ist. Bremst Forschung und Lehre Weiterentwicklung? Ganz im Gegenteil: Sie fördern und fordern Auseinandersetzung & Weiterentwicklung, heben die Kunst auf ein höheres Level und geben ihr auch in der allgemeinen Wahrnehmung einen wesentlich besseren Stellenwert.

    Ich finde diesen Diskurs sehr interessant, weil es Berührungsängste sehr gut darstellt und ein Manko aufzeigt. Ich bin auch gerne bereit, meine Ansicht zu revidieren – bräuchte dazu aber handfeste und nachvollziehbare Gegenargumente.

  5. Greetings,

    eigentlich wollte ich mich zu diesem Thema nicht mehr äußern, weil ich mir wirklich nichts davon verspreche, wenn Dub eine akademische Weihe/Ehre erhält. Was soll das bringen und warum soll Dub deshalb auf ein höheres Level gehoben werden? Dass Dub nichts für den Massengeschmack ist, haben wir alle in unserem eigenen Bekanntenkreis bereits leidlich feststellen müssen. Wir sind mit unserem Musikgeschmack Exoten und daran würde auch Dub als Geisteswissenschaft nichts ändern. Das ist meine Meinung oder hört man jetzt mehr Klassik, bloß weil es an Universitäten gelehrt wird? Sicherlich nicht.

    Ich halte es wie Lemmi entweder der Dub – von wem auch immer – gefällt mir oder nicht und dazu brauche ich keine wissenschaftliche Abhandlung über Dub.
    Mit einer glasklaren, wissenschaftlich fundierten Definition was nun tatsächlich Dub ist oder nicht, wird diesem Genre ein Korsett angelegt und das will ich nicht.

    René bringt es oben treffend auf den Punkt, es ist doch eine tolle Sache „dass unser kleines Sub-Genre „Dub“ vielfältig genug ist, um Stile auszubilden. Das macht die ganze Sache doch zusätzlich interessant“. Dafür Daumen hoch!!!
    Da rennt man bei mir offene Türen ein.

    Wer glaub, dass seit 2018 die Unesco-Kulturorganisation Reggae zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt hat – worüber ich mich wie ein kleiner Junge gefreut habe – deshalb irgendjemand mehr oder bewusster Reggae hört, irrt. Das ist ein Trugschluss, in meinem Bekanntenkreis jedenfalls konnte ich keine Veränderung in deren Hörverhalten oder Musikgeschmack feststellen.
    Nur wir haben jetzt ein Argument mehr, weshalb wir diese Musik lieben. Hätten wir das aber wirklich gebraucht, ich denke nicht…

  6. Ich verstehe natürlich, dass es für den Konsumenten selbst nicht viel Sinn macht, jenseits des eigenen Horizonts zu denken. Freiheit war schon immer mit Ängsten verbunden, und darum geht es ja im Kern bei jeder Weiterentwcklung. Unser Glück dass Tubby & Co diese Schere nicht im Kopf hatten und mutig den entscheidenden Schritt gewagt haben :-)

  7. Ich habe keine klaren Gegenargumente gegen eine wissenschaftliche Aufbereitung. Ich glaube aber, das eine wissenschaftliche Definition von Dub ähnlich schwer ist, wie die momentane Frage im Fussball, ob und was denn nun genau ein Handspiel ist. In gewissen Grenzbereichen wird man sich da wohl auch immer über die Auslegungssache streiten.
    Andererseits, bin ich auch für eine ganz klare wissenschaftlich definierte Abgrenzung von DUB und dubstep. Ich persönlich brauche die nicht, weil ich habe ja das absolute DubGehör ( tsss ) aber es gibt so manch einen, der bei einer DubVeranstaltung auch dubstep hören möchte und demjenigen müsste man dann sagen, das dubstep nur den Namen Dub geklaut und für die eigenen Zwecke verwurstet hat und deshalb nix mit Dub zu tun hat. Nun will ich mich hier nicht als den absoluten experten aufspielen, denn ich höre Musik nur in meiner Freizeit aber so wie ich das mitbekommen habe, waren die frühen Sachen, die unter dem Namen Dubstep gelaufen sind, noch ziemlich lupenreiner Dub. Und diese Banausen haben diese Musik dann immer mehr entfremdet, so daß sogar DubstepFans das nicht mehr als Dubstep erkennen wollten. bzw. konnten. Das wichtigste ist immer, das es nicht kommerziell wird, denn dann wird Dub oder egal welche MUsik auch immer nur noch oberflächlicher Musikschrott. So wie bei Techno und HipHop schon längst geschehen. Das ist aber dann wider schlecht für die Künstler, denn ohne Kommerz, keine Kohle. Bei Wikipedia gibt es ja schon so Versuche, Dub in Worte zu fassen und manch einer hat schon die Gleichung „Dub=Bass“ hergeleitet aber so richtig überzeugt hat uns das ja auch noch nicht.

    @ „was ist Dub“: Die Intention und das Wesen des Dub ist es, der Grundidee des Originals durch Bearbeitung eine völlig neue Richtung und Dramaturgie zu geben und damit etwas Neues – als verwandt erkennbares, aber doch eigenständiges – zu erschaffen.“

    Das wäre ja schon mal eine Möglichkeit, das in Worte zu fassen. Andererseits würden dann ja sehr,sehr viele Dubs nicht mehr dazu gehören. Dub Syndicate, Dubblestandart, Dub Spencer und viele andere wären ja dann gar kein Dub, weil das Original ja schon der Dub ist. Dennoch muss ich sagen, Dub Syndicate, Dubblestandart, Dub Spencer und co. hören sich sehr dubbig an.

    Also für mich persönlich wäre eine allgemein gültige Definition von Dub geradezu unmöglich. Ich kann echt nur sagen, entweder es fühlt sich so an oder eben nicht.

    „Musik ist irgendwann mal in einen großen Topf voll mit Zaubertrank gefallen. Seitdem hat sie übermenschliche Kräfte und wird Dub genannt“.

    Nunja, die sache mit der „Freiheit von Dub“ und so, war natürlich die Formulierung eines „DubPatrioten“ und ich sehe es eigentlich auch so, das eine wissenschaftliche Definition von Dub kein Käfig ist, der die Musik einsperren würde.

    Im Grunde haben wir das doch aber auch schon ganz gut analysiert. Es gibt :

    Old School Dub / Neo Dub / Vocal Dub / Uk-Dub / Industrial Dub / DubstepDub / Experimental Dub und all jene Dubs, die ich jetzt vergessen habe ……

    „Dub ist das willkürliche, spontane aber vor allem, gekonnte Zusammenführen oder auch Trennen aller oder einzelner Tonspuren eines kompletten Musikstücks. Dabei können auch die Vocals als ganzes oder in einzelnen Sequenzen, bis hin zum einfachen Selbstlaut mit eingeschliffen werden. Jedes Instrument ( auch die Stimme ) hat dabei seine eigene Tonspur, mit der der Engineer alles machen kann, was technisch möglich ist. Jede einzelne Tonspur kann durch eine Fülle von möglichen Effekten ( z.B. Hall, Echo, Samples u.s.w. ) bis zur Unkenntlichkeit verfälscht werden, was aber genau der Reiz an der Sache ist. Man muss die Verfälschung hier nicht als etwas negatives Betrachten, sondern als eine Art Legierungsbestandteil für besonders wertvollen Edelstahl mit hochqualifizierten Eigenschaften.
    Pionier dieser Kunstfom war der Jamaicaner King Tubby gefolgt von anderen Forschern wie Scientist, Prince Jammy und natürlich Lee“Scratch“ Perry, der den Vorteil hatte, das er wohl schon mal Kontakt mit Aliens hatte, denn sein psychodelisches Level wurde bis heute nicht mehr übertroffen. Wenn auch ein gewisser Adrian Sherwood aus England das gleiche Level erreichen konnte. Dazu kam der technische Fortschritt, so das sich der Sound und die Möglichkeiten zusätzlicher Tonspuren und Effekte weiter enorm verbesserten. Heute ist Dub quasi die Zusammenführung aller Gravitationswellen aus dem gesamten Universum und ist damit universell und perfekt geeignet, mit den Aliens eine hammergeile Party zu feiern. Für Menschen, die ungern auch mal die eigene Kontrolle verlieren wollen, is das nix. Außerdem ist es von großem Vorteil, wenn man für diese Musik nicht nur die Ohren aufmacht, sondern das ganze Gehirn frei macht und öffnet.“

    Jetzt lacht nicht ! Ich habe nur mal versucht, das ein für alle mal zu klären ;-) …………………. lemmi

  8. Während ich schrieb, wart ihr ja auch schon wieder ganz fleißig !

    Eins muss ich auch sagen, ich habe mich ebenfalls wie ein kleines Kind über „das immaterille Weltkulturerbe“ gefreut.
    Mein Misstrauen gegeüber Babylon lässt mich aber auch gleich wieder zweifeln. Jetzt ist es Weltkulturerbe ! Macht man das nicht meistens mit Denkmälern aus einer fernen Vergangenheit ?

    Greetings ………….. lemmi

  9. „Musik ist irgendwann mal in einen großen Topf voll mit Zaubertrank gefallen. Seitdem hat sie übermenschliche Kräfte und wird Dub genannt“

    Ich finde das eine nicht nur schöne und gelungene, sondern auch treffende Definition von Dub: Ein Musikstück wird in ein anderes Musikstück verwandelt. Unter anderem auch durch einen Scientist :)

    Was Dub Syndicate, Dub Spencer, Dubblestandart & Co betrifft… das sehe ich tatsächlich nicht als Dub, hier wurde lediglich mit Dub-Techniken und -Effekten gearbeitet. Was das für mich bedeutet? Nichts, ich mag viele Stücke von denen, das ist alles innerhalb meines persönlichen musikalischen Horizonts. Natürlich könnte man jetzt genauer hinsehen und z.B. die Arbeitsweise von Style Scott und Adrian Sherwood analysieren und womöglich erstaunt feststellen, dass es sich doch um Dub handelt… aber das würde hier zu weit führen, meine ich.

    Interessante Diskussion… food for thought, danke!

    1. In der Tat eine interessante Diskussion. Habe auch noch mal nachgesonnen und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass die Zaubertrank-These nicht zutrifft ;-). Das Besondere an Dub ist m. E. nicht, dass aus einem Vocal-Stück durch Remix ein neues Stück wird, denn das gilt ja für alle Remixes aus allen Genres. Eine bestimmte Produktionstechnik macht nicht den Unterschied. Ob ein Stück aus Samples anderer Stücke (wie beim Hip Hop) oder durch Remixes oder Dub-Mixes entsteht, spielt keine Rolle. Das Mischpult im Dub ist eigentlich nichts anderes als ein weiteres Instrument, das so „gespielt“ wird, so dass bestimmte Klänge dabei entstehen.

      Daher bin ich davon überzeugt, dass Dub lediglich einganz normales Musikgenre ist, das durch typische Stilelemente definiert wird. Wie diese entstehen, ob analog oder digital, ob durch Remix oder ohne, ist hinsichtlich der Genre-Zuordnung nicht von Bedeutung.

      Innerhalb des Genres-Stils „Dub“ gibt es aber feinere Differenzierungen, wie z. B. Steppers oder Old School, etc.

      Kurz: Dub ist ein ganz normale Musik-Genre, wie Jazz oder Hip Hop. Typische Stil-Elemente des Genres können auch in anderen Genres genutzt werden, wie etwa beim Dub-Techno (der bei Juno z. B. einfach auch unter „Dub“ kategorisiert wird) der Fall ist. Das ist aber m. E. nichts weiter, als eine unsaubere Verwendung der Genre-Bezeichnung.

  10. Greetings

    Da erzählt mir doch glatt jemand etwas von Freiheit, Ängsten, eigenem Horizont und Schere im Kopf.
    Meine Generation hat für ihre Freiheit und Überzeugung gekämpft, ist auf die Straße oder Barrikaden gegen Atomkraftwerke, Atomendlager, atomare Sprengköpfe, Wal- und Robbenschlachten, Waldsterben, Abtreibungsparagraphen etc. gegangen auch auf die Gefahr hin, dass man einen Knüppel zwischen die Augen bekam, den Tag in Polizeigewahrsam verbrachte oder die Augen mit Tränengas verätzt waren, die man dann den ganzen Tag mit Borwasser spülen musste. Wir haben uns gegen fast alles was heute selbstverständlich ist, auflehen müssen. Das ging bei Kleinigkeiten wie der Musik, Haare und Kleidung los. Heute ist doch alles normal, Dreadlocks, löchrige Hosen, bunte Haare und und und, die Liste wäre endlos.

    Möglicherweise bin ich deshalb so vehement gegen starre Normen, Zwänge und Vorschriften, welche die Freiheit des Einzelnen, hier des „Dubgedankens“, einengen.
    Nein, Tubby hatte keine Schere im Kopf, er hatte sie in der Hand, denn die Technik damals – auf Jamaika sowieso – war Lichtjahre von der heute entfernt. Das war noch echtes Gefrickel. Mir fällt spontan eine LP von I-Roy ein, „Musical Shark Attack“, da ist auf der einen Seite die Ton- auf der anderen die Musikspur. Oder das Ganze war nur in Mono, z. B. Mowells A1 Dub. Daran sieht man, wie spartanisch gearbeitet wurde.
    Wenn die Geschichte des Dub wirklich stimmt, wie sie überall berichtet wird, dann war es eh ein glücklicher Zufall, der die Entwicklung des Dub voranbrachte. Außerdem sollte man den wirtschaftlichen Aspekt nicht aus den Augen lassen, das Recyclen sei es als Dub, Instrumental oder Toast war eine billige Variante des Produzenten das Produkt ein weiteres Mal Gewinn bringend an den Mann zu bringen. So selbstlos waren die Produzenten bekanntlich nicht, die Musiker wurden mit ein paar JA-Dollars abgespeist, das war’s. Die Urheberechte haben sie gleich mitverkauft.

    Dub Syndicate, Dub Spencer und wahrscheinlich der ganze ON-U Zirkus, Aldubb etc. sind also kein Dub. Was soll ich dazu sagen? Gott sei Dank gibt es dann doch noch Köpfe, die da anders drauf sind, keine Mauer im Kopf haben und die Entwicklung des Dubgedankens vorantreiben und weiterentwickeln. Ich rede hier auch nicht von Dubstep, Drum & Bass und dem ganzen Schmodder.

    Nur Querdenker und keine Nonkonformisten haben die Menschheit voran gebracht, schon deshalb bin ich gegen Regeln, Vorschriften und Normen auch in der Kunst und im Dub sowieso. Dub hat sich in den knapp 50! Jahren auch ohne verbindliche, allgemein gültige Normen weiterentwickelt und auf ein höreres Level gebracht.
    Man kann tatsächlich aus allem eine Wissenschaft machen aber wem nützt es?

    In der Klassik z.B. wurden zahlreiche Komponisten bei der Uraufführung ihrer Kompositionen ausgebuht, nur weil sie mit ihren Werken gegen bestehende Regeln und Normen verstoßen haben. Wie René schon sagte, wir haben die Schubladen bereits im Kopf.

    Sorry Leute, das musste auch mal gesagt werden.

    In Dub We Trust

    „das immaterille Weltkulturerbe“
    Dass es sich da um ein zweischneidiges Schwert handelt ist mir klar. Immerhin wurde Reggae, einer „Nischenmusik“, eine unglaubliche Ehre zuteil, was ich nie für möglich gehalten hätte. Nur Denkmälern aus einer fernen Vergangenheit wird diese Ehre entgegengebracht, aber Reggae hat es wesentlich schneller geschafft. Babylon ist da erstaunlicherweise wesentlich früher eingeknickt. Warum auch immer.

  11. Hehe, je schlechter die Musik desto besser die Party ! Is doch toll, was RazTek Rootz hier für eine Welle geschlagen hat. Nein, schlecht ist die Musik ja nicht, nur nicht ganz so gut halt.
    Also lieber RasVorbei ( warum eigentlich … Vorbei ? ) das sollten wir wirklich nicht vergessen, was Deine Generation für unsere Gesellschaft geleistet hat. Diesbezüglich habe auch ich mich ganz persönlich in dieses schön gemachte Nest hineingelegt. Seit geraumer Zeit ( genau seitdem ich auch einer geregelten Arbeit nachgehen musste ) bröckelt es leider wieder ein bischen, weil man wohl dem Drang nach Freiheit, Menschlichkeit und Gerechtigkeit in gewissen Abständen neuen Nachdruck verleihen muss. Ich gebe zu, das meine Generation und ganz speziell ich in diesem Schlaraffenland groß geworden sind und ich fühle mich in Sachen „Revolution“ und Widerstand ziemlich eingelullt. Kurz um, mir geht es gut, auch wenn es leider doch passiert ist, das unsere BRD es tatsächlich übers Herz gebracht hat, unsere Wochenarbeitszeit von 38,5 Std auf 40 stunden zu erhöhen. Ohne Lohnausgleich versteht sich. Sowas geht schon in Richtung Diktatur. Naja, was soll es auch sonst sein ? Wir leben ja schließlich im Finanzfaschismus wo die Welt von Finanzdiktatoren regiert wird. Ich könnte da auch schon wieder ein unqualifiziertes Buch drüber schreiben. Deine Generation, ich will euch jetzt nicht auf die sogenannten 68er reduzieren aber nehmen wir mal die Demos gegen den iranischen Shah. Wenn ich das falsch verstanden habe Sorry ! aber ich habe das so in Erinnerung, das iranische Anhänger des Shahs gegen die deutschen Demonstranten mit Knöppeln vorgegangen sind. Natürlich haben die zurückgeknüppelt und unsere polizei hat dann, den iranischen „Shahinisten“ geholfen, unsere Demonstranten niederzuknüppeln. Stuttgart 21 Gegnern, die friedlich demonstriert haben, wurde unter anderem auch schon mal ein Auge mit nem Wasserwerfer rausgeschossen……
    Solange sich die regierungen – zB. bei jeder Neujahrsansprache – nicht für die nächsten 1000 Jahre für dieses Üble Vorgehen gegen das eigene Volk entschuldigen, gehe ich zu keiner Wahlurne ( auch wenn ich mich das nächste mal doch wider breitschlagen lasse ). Duisburg war auch eklatantes Polizeiversagen oder vieleicht sogar genau so geplant. Verfahren eingestellt, was sonst. In Bersenbrück, wird man sogar als Bahnreisender von Bullen mit kläffenden Drogenhunden gestapomäßig untersucht, nur weil man auf ein Reggaefestival gehen möchte. Pfui Teufel ! Nyabinghi ! Boom A Yeh ! kann ich da nur sagen. Alles arbeitet auf die totale Überwachung hin. Bald sind in öffentlichen Toiletten Kameras in den Schüsseln installiert, damit sie kontrollieren können, ob sich die Rosette auch einwandfrei öffnet, bevor der Bolzen kommt. Ah, tschuldigung …. der koleriker in mir…..
    Ja, große Fresse kann ich bieten aber bei der nächsten Demo muss ich bestimmt wieder Arbeiten. Ich bin echt kein Freund von Gewalt aber ich wünschte mir, das meine Worte so viel Kraft hätten, das jeder Politrickser, jede Finanzheuschrecke und eigentlich „alle, die keinen Dub mögen,“ nach einem „Vortrag“ von mir nach hause gehen und sich selbst eine Kugel in den Kopf schießen. Leider verfüge ich nicht über diese Magie.

    Ich weiß nicht, ob ich jetzt nicht wieder etwas über das Ziel hinausgeschossen bin. Vielleicht verstoße ich gegen die AGBs vom DubBlog …… ich werde es ja sehen, ob ich meinen Kommentar morgen noch hier lesen kann. Ich fühle mich ja selbst etwas unqualifiziert und naiv in meinen Ausführungen aber ich muss zugeben, das mir das Spaß macht.

    „Lets break down the formular“ ( Pete Townshend ) ………………………….. lemmi

  12. “ Dub ist ein ganz normales Musik-Genre ………… “

    Sorry, ich schon wieder. Ich weiß ja nicht, ob und wie meine Art von Humor hier so ankommt und ob sie überhaupt als Humor wahrgenommen wird aber ich kann mir echt gut vorstellen, das der Satz “ Dub ist ein ganz normales Musik-Genre ………… “ gegen die AGBs vom DubBlog verstößt ;-)

    Greetings ………… lemmi

  13. Liebe Leute,
    ich sag’s nochmal weil ich es wichtig finde: Wissenschaft und Forschung engen nicht ein, schnüren kein Korsett oder bremsen Schöpfung und Entwicklung – ganz im Gegenteil, gerade hier wird Entwicklung und Freigeist und die Suche nach ‚unentdecktem Land‘ gefördert. Und, bitteschön, ganz wichtig: Gerade in der Wissenschaft und der Forschung ist es wichtig, Querdenker zu sein und jenseits des Etablierten zu arbeiten. Nicht umsonst ist das Credo „die Wissenschaft ist frei“. Dass das nicht nur ein schöner Satz ist beweist die Geschichte und der Alltag. Schwieriger wird’s dann, wenn es darum geht, von wem und wie neue Erkenntnisse angewandt werden. Aber das ist eine andere Geschichte und betrifft nicht mehr die Wissenschaft.

    @ René: Wenn die Produrtionstechniken allgemein Anwendung finden, was sind denn dann die typischen Stilelemente, die Dub definieren und so von anderen Genres wie Reggae unterscheiden? Ich meine wir hören und wissen (meist) was Dub ist, haben aber nicht wirklich eine schlüssige Erklärung warum das so ist… oder doch? Das Bauchgefühl kann’s ja wohl nicht sein… ich vermute das keiner wirklich in Worte fassen kann was Dub ist, und entsprechend ist es nicht vermittelbar – was wiederum zu einem Dasein unter der Wahrnehmungsschwelle führt, was wiederum der Kreativität und somit dem Output schadet. Die Katze, der Schwanz usw. usf.

    Das könnte uns auch weiterhelfen in der Frage, warum etwas von manchen als Dub wahrgenommen wird, von anderen hingegen als solcher vehement abgelehnt wird…

  14. Hi Lemmi,richtig du hast es erfasst, die Generationen, die meiner folgten, haben es sich in der Hängematte bequem gemacht und die Früchte geerntet, die wir gesät haben. Da liegt aber auch schon das Problem, Stillstand ist Rückschritt, ich kann/konnte das auch an meinen Kindern beobachten. Wenn die von der Schule erzählt haben, saß ich nur Kopf schüttellnd dabei und konnte mir häufig die Bemerkung nicht verkneifen, dass das zu meiner Zeit nicht möglich gewesen wäre. Solche Pauker hätten wir als Klasse so fertig gemacht, dass sie sich bereits um 9:00 Uhr morgens, das Schlussläuten um 13:00 Uhr herbeigesehnt hätten. Wir waren einfach nicht so träge und haben alles mit uns geschehen lassen. Wir haben auch alles hinterfragt und nicht einfach konsumiert. Heute kann ich immer wieder beobachten, dass man nicht mehr agiert sondern nur noch reagiert.
    Niemand geht mehr in Deutschland auf die Straße, wenn seine Rechte beschnitten werden. Im Berufsleben traut sich niemand mehr seine Fresse (sorry, ist aber so) aufzumachen. wenn aus der 35 Stundenwoche eine 40 Stundenwoche wird, wird die Kröte geschluckt. Im Gesundheitswesen soll man am Besten gleich alles aus der eigenen Tasche zahlen. Die Rente wird immer knapper und und und. Auch hier gäbe es hunderte von Beispiele.
    Aber niemand rührt sich, nein, das stimmt so nicht. Es tut sich was in der Jugend (Freitagsdemonstrationen) und das ist Balsam für meine Seele. Allem Anschein nach werden die Missstände immer übler und die heutige Jugend hat den Knall – endlich – gehört.
    Die letzten Jahre musste ich immer wieder sehen, wie fast alles, wofür wir kämpften, langsam aber offensichtlich den Bach runter ging.

    Dieser Polizeiwillkür ist man immer mehr ausgesetzt, auch ich wurde schon vor einem Black Uhuru und einem Hans Söllner (natürlich, der…) Konzert mit einem Becher in der Hand ins Dixiklo geschickt – natürlich unter Aufsicht.
    Klar, wer Reggae oder Söllner hört, der …. Alles Klischees!

    Die totale Überwachung haben wir bereits überall, ich versuche mich so gut es geht davor zu schützen. Ich zahle nicht mit Karte sondern bar, habe kein Pay-Back Gedöns, surfe inkognito, benutze kein Windows… Kurz, da wo ich es selbst noch in der Hand habe, mache ich es denen so schwer es geht. Wir lasen noch alle George Orwell’s 1984 und konnten uns gar nicht vorstellen, dass so etwas möglich sein kann. Heute wissen wir, es geht noch viel perfider und wir sind mittendrin.

    It takes a revolution to make a solution. Too much confusion, so much frustration.

    Sorry René, habe versucht mich so kurz wie möglich zu halten und Themen nur angerissen.

    zur Frage:
    Eigentlich wollte ich als Verballhornung Ras DaVorbei benutzen. Habs aber nicht übers Herz gebracht ;-)

    Uffbasse, Dub is Dub un fäddisch, würde Bülent Ceylan sagen ;-)))

  15. Das war zwar an René gerichtet aber ich hätte da auch schon in paar Widerworte. Ich verstehe Dich so, das Du meinst, wenn Dub wissenschaftlich erfasst ist und es gar eine wisenschaftliche Definition dazu gibt, würde es mehr in der allgemeinen Bevölkerung wahrgenommen werden, bzw. könnte sie dann mehr damit anfangen. Sorry, wenn ich das anzweifele aber ich tue das nicht, weil ich glaube das Du Unrecht hast, sondern weil ich den Musikgeschmack der Leute kenne. Die meisten haben nämlich gar kein eigenes Musikempfinden. Erst wenn ein Musikstück im Radio rauf und runter läuft und sozusagen von der Gesllschaft akzeptiert wird, bekennen sie sich auch mal dazu und glauben das dann gut zu finden. Red Red Wine finden „alle“ immer noch ganz toll, weil es im Radio akzeptiert wurde aber „One in Ten“ will keiner hören.
    Ich glaube nicht, das Silbermond oder Junimond ( oder wie auch immer ) so viel gehört wird, weil es wissenschaftlich erfasst ist, sondern weil sich die Menschen damit sicher fühlen nichts „falsches“ zu hören. Für mich ist das ganz klar, wenn jemand sagt, „och ich höre eigentlich alles gern, was so im Radio läuft, ich brauche keine Platten Cds oder Playlists“ dann hat der/die/das keinen eigenen Musikgeschmack bzw. zumindest keine wirkliche Leidenschaft für Musik.
    Hauptsache es ist nicht ganz ruhig im Raum und man hört irgendwelche Gräusche.
    Ich wollte jetzt aber das Radio nicht komplett vertäufeln. Da gibt es schon auch gute Musik aber die wird immer erst dann gespielt, wenn der Mainstream DSDS anschaut.
    Da fällt mir noch ein, das die Bezeichnung eines Musikstils schon oft ausgehebelt wurde. Nix gegen die Rolling Stones aber soweit ich weiß, nennt sich das Rocken Roll was die da machen. Also ich muss sagen, ich höre da kein Rocken Roll …… jedenfalls ist kein Vergleich mit dem Rocken Roll von z.B. Elvis möglich.

    Tschüss, bevor es wieder so lang wird …………. lemmi

  16. High RasVorbei, was is hier eigentlich los ? Habt ihr alle nix zu tun ?

    Klischees haben meiner Meinung nach schon ihre Berechtigung. Jedenfalls wird auch nach meiner Beobachtung nirgends so viel Cannabis geraucht, wie auf Reggae Konzerten und Festivals.

    Aber ich sehe das Problem dabei nicht. Warum wird Cannabis immer noch so verteufelt und der scheiß Alkohol ( außer Bier ) immer noch beworben. Cannabis fördert körpereigene Botenstoffe und macht besonnen. Alkohol ist ein dem menschlichen Organismus völlig fremdes Nervengift und macht meistens aggressiv. Ist aber legal ! Schon wieder ein Grund, warum ich Politrickser nicht für Zurechnungsfähig halte. Alles so kleine sachen, weswegen ich manchmal ausrasten könnte. Abrer zur Beruhigung und zur Besinnung gibt es ja was. Leider illegal.

    Naja, nirgends passt die Bezeichnung eines Landes besser als bei uns …..,
    BRD – Bananenrepublik Deutschland

    Ich geh ins Tor ………….. lemmi

  17. Wer glaubt, dass seit die Unesco-Kulturorganisation Reggae 2018 zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt hat, deshalb irgendjemand mehr oder bewusster Reggae hört, der irrt. Auch im Radio gibt es seither immer noch keinen „Reggae-Tag“ o.ä.
    Das habe ich bereits gestern gesagt und es bleibt auch weiterhin meine Ansicht. Niemand hört deshalb Klassik, nur weil an der Uni darüber doziert.
    Das ist leider nun mal so.

    Selbst wenn wir heute eine 100% wissenschaftlich wasserdichte Definition für „Dub“ fänden, würde es morgen immer noch ein „Sub-Genre“ bleiben. Auch ein „Dub-Lehrstuhl“ an der Uni würde an dieser Situation absolut nichts ändern.

  18. Nee, Lemmi

    diese leidige Hanf Diskussion werde ich sicherlich nicht auch noch aufgreifen. Auch da war meine Generation Vorreiter. Ich weiß, was du mir sagen willst…;-) You’re so right
    Das kapieren Die in Berlin, früher in Bonn, nie.

    Stay tuned

  19. Was soll ich sagen… man darf schon ein wenig weiter denken als bis zur eigenen Nasenspitze. Das mehr Reggae gehört wird wegen der UNESCO-G’schicht ist utopisch und auch nicht die Absicht dieser offiziellen Anerkennung, Gleichsetzung und Schutzes. Es ist auch genau diese Kurzsichtigkeit, die Reggae in die heutige Bredouille gebracht hat – die Visionäre haben sich abgewandt, und ohne die geht’s nun mal nicht, wie die Reggae-Geschichte bewiesen hat.
    Ich bin immer wierder betroffen wenn ich Rolling Stone & Konsorten lese und es ist keine einzige Kritik von einem Reggae-, geschweige Dub-Album drinne. Ich bin aber auch nicht verwundert, die Qualität ist heute unter aller Sau und nur einige wenige können es sich leisten, handwerkliche Qualität zu liefern… und das sind dann nun mal die immer wiederkehrenden Grammy-Preisträger. Dann gibt’s da auch die Grabschaufler á la Reggaeville, die auch nicht die Spur von Objektivität erkennen lassen und das Genre der Lächerlichkeit preisgeben (als ob das die Jamaikaner nicht eh schon erledigen)…

    oooops… und schon bin ich am jammern… sorry – ich bin halt ein Kind der glorreichen Zeiten und unfreiwilliger Zeuge des stetigen Untergangs :)))

    1. Sorry, welches Problem hast du bitteschön mit deiner Nasenspitze?
      Ich kann deiner Argumentation absolut nicht folgen. Das Problem des Reggae liegt nicht in der Kurzsichtigkeit des Einzelnen und auch nicht, dass sich Visionäre abgewandt haben, sondern, dass seine Hauptprotagonisten entweder viel zu früh gestorben sind, ermordet wurden oder sich zu Tode gesoffen oder gekokst haben.
      Das Vakuum, welches nach Bob Marleys Tod im Reggae entstanden ist, wurde nie mehr vollständig ausgefüllt. Sicherlich gab es ein paar hoffnungsvolle Künstler und Bands, die sich dann leider von der Industrie haben kaufen lassen oder sich so zerstritten haben, dass sie nicht mehr gemeinsam auftreten wollten. Das war dann das Ende.
      Außerdem haben sich die Zeiten grundlegend geändert, wer liest denn heute noch Printmedien, wer hört noch Radio? Selbst Tonträger werden nicht mehr verkauft wie in den Siebzigern oder Achtzigern. Heute ist doch Musik immer und überall verfügbar. Wir mussten uns noch die Hacken ablaufen, um das gewünschte Album irgendwo aufzutreiben. Einen spezialisierten Reggae-Versand gab es ebenso wenig. Und du erzählst mir was vom Niedergang des Reggae

      Schau dir doch mal diese peinliche Grammy Vergabe an, da bekommt ein Lee Perry für sein übles E.T. Album einen Preis, für seinen Beitrag in den Siebzigern oder Lebenswerk hätte ich verstanden. Vom Marley Nachwuchs mal ganz abgesehen. Das kann doch weder ein Insider noch ein Außenstehender nachvollziehen und eine Werbung für den Reggae ist es außerdem nicht.

      Ein Kind der glorreichen Zeiten, dann müsstest du die Veröffentlichung von Meisterwerken wie Natty Dread, Blackheart Man, Garvey‘s Ghost, Flesh Of My Skin, Pick A Dub, Heart Of The Congos, Superape, Best Dressed Chicken mitbekommen haben.
      Glückwunsch und willkommen im Club.

  20. Yeah Mann, ein Dub Lehrstuhl an der Uni. Den Professor dafür gibt es ja schon längst. Stelle mir grad vor, Ich sitze im Hörsaal und Vorne schraubt Mad Professor live and direct einen geilen Dub zusammen. Unter solchen Umständen hätte ich dann auch gern studiert und bestimmt meinen Doctor gemacht. So schraube ich halt an Vakuumanlagen rum. Is auch ganz nett aber kommt keine geile Musik raus.
    Hey gtkriz, jetz komm schon. Den Untergang hatten wir doch eigentlich überwunden und sind besser draus hervorgegangen als jemals zuvor. Ich glaube zu wissen, das Du Wiener bist, bzw. dort lebst oder gelebt hast. Und wenn ich das richtig mitbekommen habe, gibt es in Österreich ein Gesetz, was so schräg formuliert wurde, das sich das Cannabisverbot quasi gar nicht durchsetzen kann. Jetzt mal ganz leihenhaft gesprochen. Hier in der BRD kommt man sich vor, wie ein Mensch zweiter Klasse und schaut zu, wie sich die Menschheit um uns rum in der ganzen Welt ( außer in noch schlimmeren Bananenrepubliken, wo sie Homosexuelle sogar per Gestz töten lassen wollen ) zu gewissen Anlässen ne schöne Tüte reinzieht.
    Naja, ich jammere halt auch gern auf hohem NIveau. Aber ich würde unsere Angie gern mal fragen, wie sie überhaupt das Abitur geschafft hat. „Cannabis gehört nicht zu unserer Cultur“ und deshalb vergiften wir uns hier lieber mit Alkohol oder was ? Ich könnte echt schon wieder losrennen und …… ihr wisst schon.

    „Burn down the walls before they build up on I“ ( Singers & Players ) ………….. lemmi

  21. @ Ras Vorbei
    Das sehe ich nicht so… wenn Reggae als Genre ein grundlegendes Problem hat, dann liegt es nicht am Tod von diesem oder jenem Künstler. Das mag ein großer Verlust für die Fans sein, aber ein Genre dümpelt deshalb bestimmt nicht unter der Wahrnehmungsschwelle herum. Obejktiv gesehen sind die Lücken die Marley, Tosh & Co hinterlassen haben bei weitem nicht so schwerwiegend wie die Lücke, die ein Chris Blackwell hinterlassen hat. Ohne ihn wäre Reggae lediglich ein 2-Insel-Phänomen und in der heutigen Form (so schlecht die mittlerweile auch geworden ist) überhaupt nicht denkbar. Die großen Erfolge der 70er und 80er – ohne Blackwell undenkbar. Der wird ja mitunter gern als Monster dargestellt, aber die Leut‘ zehren heute noch von den Erfolgen, die er Ihnen und anderen ermöglicht hat. LSP nur als Beispiel – ohne Blackwell damals wie heute eine Nullnummer.

    Was die Grammys betrifft, so sind die imo relativ gut nachvollziehbar: Hier wird das Genre bzw. die jahresaktuellen (eingereichten) Alben unter „objektiven“ Gesichtspunkten betrachtet, sprich da gibt’s keine Fan-Bonuspunkte. „objektiv“ in Anführungszeichen, weil’s da natürlich schon Halb-Ungereimheiten und Hürden gibt… die gelten aber auch für die anderen Genres und gleichen sich somit aus. Und objektiv gesehen ist es natürlich schon so: Ja, das Album von Ziggy ist am besten produziert., Oder das von Stephen halt. In der Reggae-Inzucht-Gemeinde sieht man das verständlicherweise anders, da zählt reine Subjektivität, leider.

    ja, die glorreichen Zeiten… das beste daran war eigentlich, dass man die Alben/Singles auf Vinyl in der ursprünglichen Abmischung (oder der von CB zugelassenen Abmischung :) hören konnte, von den JA-Pressings mal ganz zu schweigen. Jeder, der das 70er Vinyl von „Exodus“ gehört hat, weiß, dass die Thunderdrum in „Natural Mystic“ den Magen verflüssigt hat. Heute ist sie auf CDs oder in Streams kaum mehr wahrnehmbar. Macht mich auch ein wenig traurig dass die jüngeren Leute diese monumentalen Klänge nicht mehr hören können… das Klangspektrum wart eine essentielle Seite des Reggae (und des Dub).

    @ lemmi
    ja, das liegst du schon richtig mit Wien und so. Aber ich hab wirklich überhaupt keine Ahnung wie das bei uns mit Cannabis ist, ich bin und war nie Konsument, Recreational drugs sind so gar nicht meins. So ein klarer Kopf dekt sich dann schjon gern mal von oben bis unten durch und hinterfragt und prüft ständig dass was er liebt… Dub.

  22. High gtkriz !

    Das mit Chris Whiteworst ( so hat Peter Tosh ihn genannt ), ich nenne ihn auch lieber Chris Blackwell stimmt meiner Meinung auch zu 100% ! Bekannt und berühmt werden Musiker, Künstler wohl im allgemeinen nur durch finanzielle Unterstützung und eben Connections in der Musikindustrie. Mit Bob Marley war das wohl genauso wie mit allen anderen.
    Er wurde im Radio gespielt. Der mainstream hört heute noch nur die Songs, die im Radio gespielt wurden und manchmal auch noch werden. Natürlich gibt es auch immer noch die vereinzelten Freaks, die Bab Marley und seine Zeitgenossen heute noch für sich entdecken und eventuell wird damit bei ihnen auch die Reggaemylitis ausgelöst ( eine sehr angenehme unheilbare Krankheit ). Aber so lange Reggae eine gesellschftskritische Musik ist und bei vielen ungebildeten Mammis als die Einstiegsdroge schlechthin gilt ( wer Reggae hört kifft auch, denken ja viele ), wird es im Radio und in der öffentlichkeit so gut unterdrückt wie es eben geht. Nix gegen die Mammis, die sich zu recht um ihre Kinder sorgen aber Reggae hat da nix mit zu tun. Das zu erläutern würde jetzt echt den Rahmen sprengen.
    Jedenfalls muss ich Dir im Fall „recreational“ wiedersprechen. Bei mir stimmt das soweit, weil ich generell keine kreative, künstlerische Ader in mir habe. Aber jemand, der von Haus aus kreativ ist, wird seine Kreativität steigern und in ganz spezielle Gefilde vorrücken. Lee“Scratch“ Perry war zugedröhnt bis unter die Hutschnur und alle die seine Musik kennen, halten Ihn für genial. Ich habe über Jazz gelesen, das er erst richtug gut und ausgefallener wurde, als die Musiker sich einen reingezogen haben. Die geilste Kunst ist auf bewusstseinserweiternden Drogen entstanden.

    Is alles nicht wirklich fundiert recherchiert von mir und es gibt bestimmt auch immer wieder die Ausnahme von der Regel
    aber sogar die Neatles haben Searget Pepper … erst aufgenommen, nachdem sie das Kiffen für sich entdeckt haben.
    Wenn ich das richtig gelesen und vor allem auch richtig in Erinnerung habe. Meine Erfahrung ist so, wenn man faul ist, wird man noch fauler und wenn man kreativ ist, wird man noch kreativer. Aber auch wenn man faul ist, arbeitet das Gehirn weiter und ob du es glaubst oder nicht, ich reflektiere mich selbst auch am besten, wenn ich was geraucht habe.

    ( Kann aber auch alles Einbildung sein aber das erwähne ich jetzt hier nicht ) ……………………….. lemmi

  23. Was… Ihr kennt’s die Neatles nicht? :-)

    Die große Leistung vom Blackwell ist, dass er das Potential von Rocksteady und Reggae erkannt hat und den Jamaikanern den Weg ins internationale Business geebnet hat. Da hat man nach knallharten internationalen Regeln gespielt und keine local runnings („soon come, mi bredrin, soon come“) mehr zugelassen. Diejenigen, die das ohne wenn und aber mitgemacht haben, sind groß geworden. Dass das der Blackwell auch (oder vorwiegend) aus eigennützigen Gründen gemacht hat, steht wohl außer Zweifel. Was man nicht unerwähnt lassen sollte: Blackwells Erfolge haben auch die großen Konkurrenzlabels, Agenturen und Veranstalter dazu verführt, auf den neuen Goldesel Reggae zu setzen. Die Rechnungen sind voll aufgegangen, bis nach dem Tod Marleys sich zu viele Künstler (und deren Labels) mit zu vielen und schlecht auf den Weltmarkt zugeschnittenen Releases auf den Thron setzen wollten. Als dann noch Dancehall mit seinen spezifischen jamaikanischen Inhalten und Eigenheiten Einzug gehalten hat, war’s aus mit der internationalen Anerkennung und das Genre ist zum Special-Interest-Programm verkommen. Ein gewisser Größenwahn und der Unwillen zur Innovation und Weiterentwicklung hat da bestimmt auch seinen Teil dazu beigetragen. Ein wichtiger Faktor ist imo auch, dass es aufgrund der technologischen Entwicklung (siehe ProTools & Co) quasi mit einem Schlag die Möglichkeiten gab, dass musikalische Laien ohne jegliche oder nur geringfügiger Ausbildung unaufwendigst Musik produzieren konnten. Wie sich das dann anhört wissen wir alle :-(

    Ich würde übrigens veralteten Medien wie Radio, TV und Print oder physischen Tonträgern keine große Bedeutung mehr zugestehen. Das (musikalische) Leben spielt sich heute im allgemeinen ganz woanders ab. Wir älteren Semester haben das freilich noch ganz anders in Erinnerung…

    @ recreational drugs: Die mögen die Fantasie beflügeln, aber ich bezweifle ob man damit vor ort im Studio wirklich seinen Part rasch & einwandfrei auf’s Band (bzw. auf die SSD) bringen kann…

  24. Sorry, wenns so aussieht als ob ich immer das letzte Wort haben will ( obwohls stimmt ).

    Aber Zweifel an „The Healing Of The Nations“ kann ich nicht zulassen ;-)

    Ich meine zu wissen ( hab ich auch wieder in irgendeinem Reggaebuch gelesen ) das Dub durch Zufall entstanden ist, weil irgendein bekiffter Engineer den Regler für Hall oder war es Echo auf der Snare-Drum vergessen hat runter zu schieben oder zu drehen. Die haben sich da wohl auch ein bischen erschrocken aber fanden den Effekt so geil, das er zum festen Bestandteil von Reggae und ganz besonders Dub wurde.
    Ja, ich weiß niemand hat gesagt das der Engineer was geraucht hat aber der Verdacht liegt schon nahe und vor allem passt es doch so schön in mein Weltbild. Außerdem würde das bedeuten, das Dub = Echo oder/und Hall und das alleine macht ja eben doch noch keinen Dub wie wir zu wissen glauben.

    Ansonsten gebe ich Dir in allen Punkten uneingeschränkt Recht.

    You are right mann ! ………………….. lemmi

    1. Naja… Dub ist ja mehr oder weniger aus einer Notwendikeit im 7″-business entstanden. Es könnt‘ aber gut sein, dass man erst nach einem Tüterl die Idee hatte nicht die ganze Vocal-Spur wegzuschalten, sondern doch noch scheinbar widersinnige Satzfetzen in den Mix reinzuziehen. Und dann wird halt jemand noch so ein neumodisches, (damals noch riesiges) Delay-Dingens aus Amiland mitgebracht haben und alle werden erstaunt rumgesessen sein und dem permanent schlaufenziehenden Echo-Band zugesehen haben. Und dann probiert man halt aus… so oder ähnlich wird’s schon gewesen sein, stell‘ ich mir vor :-)

  25. Wie auch immer, dafür das die Jamaicaner einfach das Instrumental oder eben den Dub auf die B-Seite gepackt haben,
    könnte ich sie auch schon wieder lieben ……………….

    1. Zu Chris Blackwell:
      Virgin und Trojan Records sollten wir auch nicht vergessen.

      Jamaika ist das beste Beispiel, dass sich Ganja auf die Kreativität positiv auswirken kann.
      Aus einem Titel vier Variationen (Original, Instrumental, Dub, Toast) zu basteln, da muss man erst einmal drauf kommen.

      Generell muss man sagen und Paracelsus hat da meiner Meinung nach recht. „Die Dosis macht das Gift“

  26. Nuja… Trojan war ja böse und hat die Originalaufnahmen mit grauenhaften Overdubs versehen, also verfälscht wenn man so will. Das hat der Blackwell bis zu einem gewissen Grad auch gemacht… aber nie so dreist wie die bei Trojan :) Virgin’s Frontline Label ist erst viel, viel später auf den mittlerweile bereits recht lukrativen Reggae-Zug aufgesprungen und hat zweifellos gute Releases losgelassen.

    Das mit den vier Variationen… nuja, eigentlich sind’s zwei. Das Instrumental ist ja immer Grundlage für das gevoicte Original, der Toast war eine sozusagen natürlich Entwicklung im Dance. Ein größerer Verdienst ist da imo schon der Discomix. / 12″ Version. Da streitet man sich ja wer da der Pionier war… die Jamaikaner waren hier sicherlich (mit) vorn dabei.

    Say no to drugs, kids :))))

  27. Ihr gebt aber auch immer wieder neue Anreize, das ich noch was schreiben muss.

    @ Say No To Drugs Kids : War doch erst gestern im Fernsehen. Neue Studien belegen, das der Alkoholkonsum zumindest bei den Kids erwähnenswert geringer geworden ist. Die sind also auf dem richtigen weg, so wie es scheint.

    @ Overdubs : Für mich das einschneidenste Beispiel ist „Stir It Up“ von Catch A Fire. Ich muss zugeben, das ich mindestens 15 Jahre lang nur die Version mit dem Keyboard bzw. Synthy am Anfang kannte und ich fand die immer und immer noch am allerbesten. Ohne dieses Keyboard fehlt mir was und zwar was Wesentliches. Das sollte jetzt aber auch kein Argument FÜR Overdubs sein. Aber es ist ( für meinen Geschmack ) auch nicht immer nur grauenhaft, sondern manchmal passt es wohl auch. So ganz schlecht kann das ja auch nicht sein, schließlich steckt da ja auch das Wort DUB mit drin ;-)

    Ich weiß auch erhrlich gesagt gar nicht immer, was alles „overgedubbed“ ist, da ich selten mehr als eine Version von einem Tune kenne aber oft denke ich das so ein gewisses gepiepe nur nachträglich drübergelegt worden sein kann.
    „Grauenhaft“ ist da noch ziemlich diplomatisch ausgedrückt. Ich würde es eher als Verbrechen und totale Geschmacksverirrung bezeichnen.

    Wir hatten das Thema hier ja schon mal ( jedenfalls ich ) und ich erwähne jetzt noch mal die Cuss Cuss original Version (?) von Lloyd Robinson (?) von Studio One. Auf einer meiner Scheiben, geht die am Ende in die DubVersion über und da haben die dann so ein gepiepe draufgelegt. Ich weiß auch hier nicht, ob das vielleicht sogar im Original so gewollt war oder ob irgendein hirnverbrannter Quacksalber diese eklatante Dummheit bzw. Sabotage betrieben hat. Dann habe ich erst sehr Spät in meinem Reggaeleben ein paar sehr geile Twinkle Brothers Scheiben nachgekauft. Zunächst war ich einfach nur völlig begesistert, bis mir das gepiepe so bewusst geworden ist, das ich die Scheiben am liebsten noch mal neu in Auftrag geben möchte. Ich höre nix anderes mehr außer gepiepe.

    Also würde ich sagen :

    Say No To Drugs and Overdubs ! ……………….. lemmi

  28. Ach das habe ich jetzt vergessen.

    @ Die Dosis macht das Gift : Ich will da jetzt gar nicht widersprechen aber bei Cannabis ist es doch so, das es egal ist, ob Du einen, fünf oder zwanzig Joints am Stück rauchst, Du kannst nicht mehr als stoned werden. Das Level bleibt gleich, bzw. geht, egal ob nun 1, 5 o. 20 Tütchens in eine sehr angenehme Müdigkeit über.
    Trotsdem kann es auch mal fatal sein, wenn man die Dosis in der jeweiligen Tüte, Pfeife u.s.w. noch nicht gewöhnt ist.

    Aber deswegen alles zu kriminalisieren ist Humbuk, denn schließlich kann zu viel Chilli am Essen auch nach hinten losgehen und zwar im warsten Sinne des Wortes ………….

    Greetings ……………. lemmi

  29. Greetings,

    das sehe ich etwas anders Lemmi, du kannst dich anturnen oder zuknallen. Das habe ich immer gesagt – auch zu meinen Kids – man kann sich auch antrinken oder betrinken. Wenn schon, finde ich ersteres besser.
    Auch ich habe früher Partys mitgemacht, da war alles so extrabreit, dass wirklich niemand mehr in der Lage war, sich zu vernünftig zu artikulieren, geschweige denn die LP umzudrehen. Und in dem Zustand leidet dann meiner Meinung nach auch die Kreativität extrem drunter.
    Ich gebe dir recht, dass es bei Ganja keine lethale Dosis gibt – sagt die Forschung, eine Alkoholvergiftung hingegen kann tödlich sein. Wir brauchen das nicht weiter auszudiskutieren, ich weiß Bescheid. Dessen darfst du dir sicher sein.

    „…alles zu kriminalisieren ist Humbuk, denn schließlich kann zu viel Chilli am Essen auch nach hinten losgehen…“ – so isses, du kannst dich an deiner eigenen Spucke verschlucken und abröcheln… Das Leben ist generell tödlich ;-))

    Trojan (1969!) hat nicht nur sondern auch übelsten „Fahrstuhlreggae“ auf den Markt gebracht und einige dieser Fehlgriffe sind auch heute noch meiner Sammlung. Gaaanz mies…die ersten „Rico“ Sachen und und und. Es gibt aber auch andere, sehr schöne Veröffentlichungen, wie z.B. Upsetters Africa’s Blood (1972) + Doulle Seven (1974), Jimmy Cliff (1969), BM & W African Herbsman (1973), Big Youth’s Screaming Target (1972).
    Diese Aufnahmen sind sicherlich authentischer als Blackwells Veröffentlichungen, denn auch der ließ reichlich overdubben. Wenn das alles stimmt, was man so las und liest. Auch Mr. Blackwell ließ dem klassischen Reggae reichlich Gitarren- und Keyboardsound bemischen und den Bass zurücknehmen, dass es für meine Generation leichter konsumierbar war. Immerhin sind wir mit heftigstem Gitarrensound groß geworden. Jimi’s Tod werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen. Ich bin tatsächlich beim Verlesen der Nachricht in der Tagesschau in Tränen ausgebrochen. Das war für viele unfassbar und unbegreiflich. Bei Bob Marley und Jerry Garcia’s Tod ging es mir ähnlich, aber das gehört nicht hierher.
    Bei IJahman – Haile I Hymn – für mich immer noch ein geniales Album – hat ein Steve Winwood (Traffic) Keyboads gespielt und die Mär geht immer noch, Eric Clapton hätte ein paar Gitarrenlicks beigesteuert. Egal, ob oder nicht, Haile I Hymn ist ein Reggaemeilenstein.
    Kurz und gut, Reggae wurde für den europäischen Musikgeschmack gründlich überarbeitet

    Eine Frage an @gtkriz:
    War Frontline nicht das „Billiglabel“ von Virgin. Oder haben nur sowohl da als auch dort Reggae veröffentlicht.

    Stay tuned…

  30. Meines Wissens… oder besser: meiner Erinnerung nach war Frontline *das* Virgin-Reggae-Sublabel. Billiglabel oder Wiederverwertungs-Outlet war’s imo nie, sowas würde man vermutlich auch nie den bedeutungsschweren Namen „Frontline“ geben (ihr wisst schon… die Brixton-Frontline). Das Virgin-Billiglabel war eine zweitlang Caroline Records (das bei Virgin ursprünglich eine andere Rolle hatte.

    Diese ganzen Label-G’schichten… da is‘ auch innerhalb der Labels soviel herumgeschoben, verkauft, wiederbelebt, fusioniert usw. worden, das ist nicht einfach durchschaubar (wenn überhaupt). Viele Re-Release sind ja auf einmal wieder auf dem Virgin-Label erschienen statt auf Frontline. Und da gibt’s ja auch noch die bauernschlauen Jamaicaner, die ein- und dasselbe Album mit geringfügigsten Änderungen an mehrere Labels verscheppert haben oder die Labels selbst es an andere lizensiert haben. Business halt.

    1. Vielen Dank für die prompte Antwort, hab auch ein bisschen gegoogelt und herausgefunden, dass Frontline gerade mal zwei Jahre existierte. Danach waren die Künstler wieder bei Virgin.

      1. Mir ist gerade eingefallen… es gab ja die „Virgin Frontline: All Time Reggae Classics“-Reihe (eh bekannt mit den gelb-orangen-Covers), wo sie die Frontline-Releases wiederverwertet / nochmal verscheppert haben… die waren günstig und haben vielleicht Deinen Eindruck von einem Billiglabel verursacht.

        Was ganz anderes: Schon das neue Dub-Album von Dactah Chando & Umberto Echo gehört? Grundsolide, wenn auch einige Dubs schon anderswo zu hören waren.

        1. Greeting,

          vielen Dank für die Empfehlung, die „Guardians Of Dub“ hatte ich noch nicht auf dem Schirm. Schöner klassischer Dub, der mich, wie auch das schöne Cover, an die glorreichen Scientist Zeiten erinnert. Läuft mir richtig gut rein.

          Stay tuned…

  31. Ich muss euch mal sagen, dass mich unsere ausufernde Diskussion um Dub, Gott und die Welt an dieser Stelle sehr, sehr gefreut hat. Jahrelang habe ich für Printmedien geschrieben und alle 5 Jahre mal einen Leserbrief bekommen. Ich habe mir immer gewünscht, zu erfahren, was meine Leser*innen so denken, wo sie mit mir überein stimmen und wo sie mir widersprechen. Und überhaupt: was sie eigentlich interessiert. Dass mit so einem Blog nun ein echter Dialog, ja sogar engagierte Diskussion möglich ist, macht mich glücklich. Dank an euch – und speziell an Lemmi, der hier unermüdlich kommentiert und für Diskussionsstoff sorgt ;-).

    1. Greetings,

      vielen lieben Dank René für deine Toleranz. Ich habe vielmehr befürchtet, dass du dieser Unterhaltung irgendwann einen Riegel vorschiebst, weil ich stellenweise weit über das Ziel oder das eigentliche Thema hinausgeschossen bin.
      Danke auch an Lemmi und gtkriz für die mit viel Herzblut geführte Diskussion, wir lieben einfach diese geile Musik!

      Stay tuned…

  32. Greetings, mich hat es auch sehr gefreut, nicht immer nur meine Kommentare zu lesen.
    Dieser DubBlog hier, ist für mich so etwas wie eine Oase der Freude im großen Netz der Langeweile und dem gefühlten Missbrauch meiner Seele durch Werbung und lauter belanglosem Zeug.
    Lemmi, suchte Dub … Lemmi fand den Dubblog … gtkriz fand ihn auch …. und damit fand Lemmi die universelle Deep In Dub Playlist von gtkriz.
    Ganz im Ernst, jetzt wo wir hier bei den Danksagungen angekommen sind, muss ich Dir gtkriz auch mal für Dein Angagement Danke sagen. Deine Playlist bei Spotify hat meinen Horizont in Sachen Dub extrem erweitert. Und Ihr wisst ja inzwischen, ich stehe sehr auf Horizonterweiterung ;-) Oft tut es auch weh, zu wissen, was es alles gibt und dann erfahren zu müssen, das man es nicht „BESITZEN“ sondern nur streamen kann. Von all den super geilen Dubs habe ich gefühlt nur ein Prozent in meiner hauseigenen Dubkiste. Aber nunja besser so als gar nicht. Wenn ich ehrlich bin, so würde ich heute auch nicht mehr nach Vinyl oder ähnlichem Zeugs fragen, denn das gestreame würde mir auch völlig reichen. Andererseits kann ich auch viele Tunes bei Spotify eingeben, die ich zuhause habe und bei Spotify nur ein Fragezeichen erscheint. Die haben auch nicht alles. Es ist also gut so, wie es ist. ( Oh, da ruft einer es gibt was zu essen …. bis denne )

    DUB rules ………….. lemmi

  33. Danke Dir, lemmi. Für Menschen wie Dich gibt’s die „Deep in Dub“-Playlist.

    Was das Streamen betrifft… das ist eine einfache Rechnung: 9,99 € im Monat ist wesentlich günstiger als eine (!) CD.
    Freilich fehlen gute und wichtige Dub-Alben bei Spotify, Apple Music und wie die Streaming-Dienste alle heissen. Aber so manches gibt’s auch als CD/Vinyl nicht (mehr). Das einzige was ich bei der gestreamten Musik wirklich vermisse: Die Linernotes mit Infos zu Musikern, Produzenten und Aufnahmestudios usw. Das fühlt sich so ähnlich an wie damals als die schönen Vinyl-Schallplattencover den kleinen CD-Heftchen weichen mußten… :(((

  34. Greetings

    @gtkriz:
    „Ich verstehe natürlich, dass es für den Konsumenten selbst nicht viel Sinn macht, jenseits des eigenen Horizonts zu denken“.

    „Das mag ein großer Verlust für die Fans sein…“

    Das sind zwei Zitate aus unserem Diskurs, welche in mir die brennende Frage aufkommen lassen, als was du dich in diesem „Reigen“ hier siehst oder habe ich da etwas übersehen/überlesen?

    Ich jedenfalls sehe mich sehr wohl als Konsument aber auch als Jäger, Sammler und Entdecker.
    Entdecker auch deshalb, weil ausgelatschte Pfade ziemlich langweilig sind und ich mich immer noch am meisten darüber freue, wenn ich – wie früher auch – durch Zufall über was völlig Neues, Ungehörtes und Unerhörtes stolpere.

    1. Die beiden Zitate sind jetzt aus dem Zusa<mmenhang gerissen und ich finde sie auf die Schnelle hier nicht wieder… aber ich sehe mich mittlerweile auch nur mehr als Konsument. Ich habe lange Jahre eine Reggae-Radiosendung gestaltet (bis ich die schlechte Qualität der Musik und die unfassbar blöden Lyrics nicht mehr verantworten konnte… man konnte ja kaum noch etwas on air spielen weil immer etwas Dummes gegen LGBTs, Frauen usw. gegrölt wurde), da war das natürlich anders. Dann hat aber die natürliche Entwicklung eingesetzt… zuerst hab' ich alle Jamaikaner aus meiner Audiothek rausgeschmissen, dann alle Sänger und was blieb war… Dub, und zwar der neueren Datums und mit Vorliebe non-jamaican (weil's da nicht soviel gibt und die Qualität mieist grottig ist).

      Ich schweife ab… die Zitate… mir fehlt der Konnex, aber ich könnte mir vorstellen, dass ich gemeint habe dass die Künstler jenseits des Horizonts denken müssen, nicht die Konsumenten. Oder so… ich weiß es nicht mehr :)))

      1. Greetings gtkriz,

        ich habe nochmal die Textstellen gesucht, dass du auch den gesamten Kontext nachvollziehen kannst.

        gtkriz sagt:
        6. Mai 2019 um 16:32 Uhr
        „Ich verstehe natürlich, dass es für den Konsumenten selbst nicht viel Sinn macht, jenseits des eigenen Horizonts zu denken“…

        gtkriz sagt:
        7. Mai 2019 um 23:50 Uhr
        „Das mag ein großer Verlust für die Fans sein…“

        Danke für deine Antwort, jetzt weiß ich mehr.

        Stay tuned…

  35. Kennt Ihr Frau Mittenreinschwätzer von Loriot ?
    Ich bin Herr Mittenreinschwätzer !
    Tut mir leid RasVorbei aber ich „geile“ mich gerade an dem Wort „Zufall“ auf. Mich stört es ehrlich gesagt sehr, das man vieles im Reggae und speziell im Dub nur zufällig entdeckt. Ich denke immer, das es doch gerade in Zeiten des I-netz möglich sein müsste, jeden aber auch wirklich jeden Tune, jede Neuerscheinung in einer Internationalen Liste abzuspeichern bzw. aufzulisten. Dann kann man sich immer schön die Rosinen nach eigenem Geschmack heraussuchen und hat nicht immer das Gefühl, die besten Dubs gehen mir doch wieder durch die Lappen. DubBlog,
    Deep In Dub Playlist und Irie Ites sind schon ganz gute Hilfen aber das allein sind ja schon drei komplett verschiedene Möglichkeiten und jede für sich ist ja auch bei weitem noch nicht vollständig. Da ich mich in erster Linie nur als Konsument sehe ( für Sammeln und Suchen habe ich keine Zeit ) wäre es am besten, wenn ich – sozusagen – alles auf einen Blick abchecken könnte. Es wurde mir hier allerdings auch schon verklickert, warum es das nicht gibt, bzw. warum es schwierig ist, das wirklich in die Tat umzusetzen. Leider habe ich vergessen, wo das Problem liegt.
    Naja, ich würde halt lieber systematisch vorgehen und nicht auf den Zufall hoffen müssen. Zufällig ist dann natürlich auch wieder besser als gar nicht.
    Sorry, das ich dazwischen „geredet“ habe ……………………… lemmi

  36. Greetings,

    ich könnte natürlich eine alte liebe Freundin zitieren, die vehement behauptet, dass es keinen Zufall gibt sondern Schicksal. Das ist Ansichtssache aber ich gebe zu, dass ich es auch mit dem „braven Soldaten Schwejk“ (antimilitaristischer, satirischer Schelmenroman von Jaroslav Hašek (1883–1923) halte, der als„behördlich anerkannter Idiot“;-)) sagte:“Es hat alles seinen tiefen Sinn!“

    Es war in den 70ern tatsächlich so, man hatte bestenfalls ganz vage/diffuse Vorstellungen was einen bei der oder jener LP erwarten könnte. Die Überraschung hatte man dann zu Hause wenn die Schallplatte endlich lief. Und dieses Entdeckergefühl ist heute flöten gegangen, weil ich fast alles im www. finden und streamen kann.
    Ich weiß heute noch ganz genau wie geflasht wir waren als das erste Mal „Tribute to the Emperor“ von Ras Michael & The Sons of Negus (Trojan 1976) lief. Gänsehaut…! Wir hatten keine Worte. Das ist heute kaum noch nachvollziehbar.

    So eine umfassende Liste ist eine schöne Idee, das würde viel Recherche erübrigen. Aber ich liebe das Stöbern und Entdecken. Das ist das Salz in der Suppe.
    Renés Tipps empfinde ich wie die Mundpropaganda früher, als Freunde als erstes fragten wenn man sich sah:“kennste schon die neue LP von ….?“

    Stay tuned….

    1. ja, war schon geil wenn man ein Jahr oder mehr auf die neue Platte von XXX gewartet hat und sie war dann endlich da und die Nadel auf’s Vinyl und… herrlich.

      Ganz anders als heute, wo Luciano & Co künstlerischen Dauerdurchfall haben, wenn man das überhaupt noch künstlerisch nennen darf… pure Beliebigkeit, null Originalität. *jammer, jammer… beklag, beklag* :)

      1. Da bin ich ganz bei dir, gtkriz. Die durchschnittlichen Reggae-Lyrics sind wirklich kaum zu goutieren. Ich stehe aber generell nicht auf Geschichten in Liedform. Dub erschien mir immer als das in Reinform, was ich am Reggae am meisten liebe: Den synkopierten Rhythmus und natürlich den Bass. Das will ich pur haben, und nicht als „Backing“ im Dienste des Gesangs.
        Die Zeiten, als man erst zuhause erfuhr, wofür man sein knappes Taschengeld gelassen hat, kenne ich auch noch. Da waren unvergessene Highlights dabei. Leider ebenfalls nicht vergessen habe ich aber auch die ganzen Reinfälle, für die ich in Summe ein Vermögen ausgegeben habe. Am schlimmsten waren JA-Importe, die von so schlechter Press-Qualität waren, dass man Angst um die Tonabnehmernadel haben musste. Kann ich heute gut drauf verzichten.
        Ich sehe den Verlust mehr darin, dass wir mittels Streaming den Musikkonsum ziemlich inflationiert haben. Früher musste ein Album mit 6 bis 8 Songs für einen Monat genügen. Mit diesem einen Album hat man lange Zeit gelebt und hat es deshalb auch ganz anders erlebt. Heute kann es passieren, dass ich eigentlich ganz gute Alben nur zwei mal abspiele und mich dann schon wieder neuem Material widme. Die Intensität des Musikerlebnisses ist verloren gegangen. Gewonnen haben wir Bequemlichkeit und natürlich quantitative Auswahl.

        1. Bei mir ist es der Bass… die Synkopen kreischen einem halt ins Gesicht „ich bin Reggae“. Aber der Bass, der ist schon sehr speziell im Reggae (Dub)… nicht weil er (ursprünglich) so dominant in den Vordergrund gemixt wurde oder weil er bei Dances eine erd-erschütternde Rolle spielt, sondern weil er von der Notenzahl sehr reduziert gespielt wird (da ist kein Ton zuviel) und das als eine extrem relaxte, sich hypnotische wiederholende Mantra (sozusagen). Flabba Holt, mehr braucht man wohl nicht zu sagen. Also ich bräuchte als Wiedererkennungsmerkmal die synkopierte Gitarre/Piano nicht. Aber dementsprechend stelle ich mir oft die Frage, ob z.B. Dubblestandart tatsächlich Reggae machen… extrem hektischer Bass, der Mann spielt eine Line mit unzählige Noten und von laid-back kann da keine Rede sein. Die Synkopen sind halt da, aber die könnte man auch der Helene Fischer unterjubeln… das würde aber noch lang keinen Reggae machen.

          An die JA Pressings habe ich auch gemischte Erinnerungen… wenn sie gut waren, waren sie extrem geil. Wenn sie schlecht waren, konnte schon mal die Nadel draufgehen. Oder das Label in der Mitte war total unzentriert draufgepappt… ich denk mir immer: heut machen Sie Werbung mit „180g Vinyl“… wer JA Vinyl kennt lacht sich krumm. Ich wußte manchmal nicht ob mein Plattenspieler das schwere Vinyl packt… ujnd dann haben Sie mitunter auch noch geeiert wie Sau… Memories!

          Mein JA-Vinyl Highlight war Bunny Wailer’s „Rock’n’Groove“… was für ein Sound… extrem gut gemischt, die langen Versionen (nicht die, die Shanachie Jahre später verstümmelt auf einer CD verscherbelt hat). Die Platte war fetzgeil und imo auch das Beste was Bunny Wailer je zu bieten hatte (und das trotzdem die Stücke textlich seicht waren).

          Ich denke mit dem ganzen Streaming und der Musik-Flut… meine größte Aufgabe bei der „Deep in Dub“-Playlist ist es nicht, stets die imo besten Neuerscheinungen draufzupacken… sondern die Playlist vom Müll zu befreien, der sich immer wieder einschleicht. Ich lege da einen doch strengen Maßstab an, allein es fehlt mir oft die Zeit zum Großputz… oder zum durchhören der neuen Tracks bevor ich sie der Playlist hinzufüge.

          Kurzum: In Zeiten der Überflusses darf man ruhig auch schon mal einen Standard festlegen und entsprechend wählerisch sein. Warum sich von 10 Tafeln Aldi-Schoki übergeben, wenn man statt dessen auch 5 Stück erlesene belgische Pralines geniessen kann.

          1. Mit „synkopierten Rhythmus“ meinte ich nicht nur die von Gitarre oder Orgel gespielten Off-Beats, sondern das typische Reggae-Pattern mit der Betonung auf 2 und 4 im Gegensatz zu Rock, z. B. mit der Betonung auf 1 und 3. Ich glaube, dass sich an diesem Unterschied die Geister scheiden. Ich könnte mir sogar vorstellen, das es eine genetische Disposition gibt, ob man 2/4- oder 1/3-süchtig wird.

            Der Bass ist dann der zweite große Faktor. Aber der Bass alleine – auch, wenn er minimal gespielt wird – macht nicht den Unterschied. Im Minimal-Techno oder Dubstep hast du auch hypnotischen Bass, ohne dass es uns begeistert, oder?

            Deine Beobachtung bzgl. Dubblestandart kann ich gut nachvollziehen. Übrigens habe ich auch Bunny Wailer’s „Rock’n’Groove“ als JA-Pressung im Regal und muss dir auch hier absolut beipflichten: Ist das Beste, was Bunny je aufgenommen hat. Habe ich mich früher nur nie zu sagen getraut, weil „Blackheart Man“ ja als sein Meisterwerk gilt und es hinsichtlich der Song-Qualität auch viel anspruchsvoller ist.

  37. „Rock’n’Groove“ rules big time!!!

    Das mit den Synkopen und dem Reggae-Pattern blick‘ ich nicht durch. Von welchen Instrument sprichst Du? Wenn wir von den Drums ausgehen, so ist Rubadub/Rockers z.B. 1 & 3, One drop 3, Steppers 1,2,3,4. Wenn Du Rock langsamer spielst hast Du einen astreinen 4/4-Takt (immer noch auf 1 & 3 betont), der ohne weiteres im Reggae als… nuja, Rockers durchgeht :) Das sind aber alles gerade Beats-Zähler und keine Synkopen. Git/Keys sind offbeat, könnte man aber als Synkopen zählen, weil außerhalb des geraden Taktes.

    Schwieriges Terrain… 100 Leut‘, 100 Meinungen. Wieder ein Fall für die Normierung, damit alle aufgrund einer gemeinsamen Basis übers gleiche reden können.

    1. ah ja, von wegen Bass noch: Ich hab von Minimal-Techno keine und von Dubstep kaum Ahnung, kann da nicht mitreden. Aber wenn ich die Worte „Techno“ und „Dubstep“ höre, verbinde ich damit keinen relaxten, hypnotischen Bass. Das ist doch alles eher sehr antreibend-hektisch… ich meine Dubstep-Bass klingt ja bisweilen wie Darmgeräusche bei explosiver Diarrhoe, wenn du verstehst was ich meine :)))

    2. Okay, um es jetzt nicht zu Musikwissenschaftlich werden zu lassen (davon habe ich nämlich leider auch keine Ahnung) nur noch so viel zu meinem Verständnis des Reggae-Rhythmus: Nach meinem Verständnis ist es die Phrasierung des Beats, die dafür sorgt, dass es nach Reggae klingt. Es geht dabei nicht nur um die Zählweise der Bass-Drum. Du kannst auch an einem Schlagzeug-Solo, also unter Ausblendung aller anderen Spuren (Gitarre, Keys, Bass) hören, dass ein Reggae-Beat gespielt wird – egal ob Rockers oder One-Drop. Es liegt – glaube ich – vor allem am Spiel auf den Hi-Hats, das für die Phrasierung sorgt. Im vollen Arrangement wird die Phrasierung dann durch das Offbeat-betonte Spiel von Gitarre und Keys noch zusätzlich verstärkt.
      Aber vielleicht sollte man diese Diskussion mal mit einem Schlagzeuger vertiefen. Ich kenne den Schlagzeuger der Senior All Stars ganz gut und werde ihn mal eingehend befragen.

  38. Hehe, ich habe ja auch keine Ahnung aber ich weiß bescheid ;-) ……
    Für mich ist es ( gefühlt ) lupenreiner Reggae, wenn Bass-Drum auf 1 kommt – ebenfalls auf der 1 das Thema der Bassline beginnt – und auf 3 haut dann die Snare-Drum zu. In die sogenannten Pausen also auf 2 und 4 hüpfen dann Riddimguitarre und / oder Keyboard ( manchmal auch die Bläser aber das kann ich nicht so gut ab ) . Wenn dann noch ein dezentes Klavier bzw. Keyboard den Ska-Riddim sozusagen als zusätzlichen Klangteppich im Background durchlaufen lässt, komme ich in Extase !!! Es gibt unzählige Beispiele aber im Moment fällt mir nur ganz sicher „Panic In Babylon“ von „Lee Perry“ ich glaube mit den White Belly Rats ein. Im letzten drittel des etwa 7 Minuten Stücks wird der Ska Riddim dazu „geschaltet“ und der Tune läuft ab da sozusagen mit Warp-Antrieb, also quasi mit gekrümmter Raumzeit im Starkstrommodus.
    Ich würde aber auch sagen, Du solltest da lieber den Schlagzeueger fragen.

    „Tuff Tuff Te Tuff“ ………………. lemmi

  39. Ja, gute Idee, René – bitte frag‘ auch gleich warum des letzte Album nicht auf Spotify gestreamt wird :)

    Das mt dem Drum-Patterns… bei einem One Drop ist das relativ eindeutig, weil der Musikwelt selten verwendet wird und quasi als „Markenzeichen“ des Roots-Reggae gilt (danke Carlton Barrett). Die anderen Patterns wie Rockers, Steppers sind tatsächlich universal und man könnte höchsten am Midtempo des Drum-Track (ohne Fills!) erahnen, dass es Reggae ist.

    Was die Hi-Hat betrifft, die ist tatsächlich bei vielen Reggae-Drummern synkopiert bis-zum-geht-nicht mehr (sozusagen :) Ein schönes Beispiel für klassische Reggae-Hi-Hat-Synkopen ist z.B. Carlton Barrett’s Spiel auf BMWs „Guiltiness“. Besonders sauber konnten diesen Pattern Style Scott spielen, aber der war ja generell extrem sauber unterwegs, auch vom Sound her. Seine Toms waren perfekt gestimmt, sein Timing war makellos. Ein anderes Beispiel für Synkopen im Reggae sind Santa Davis‘ „Flying Cymbals“… eine etwas spezielle Technik, aber eine zeitlang sehr im Trend (70er). Ein Beispiel für eine mittlerweile extrem einfach, nachlässig und dreckig gespielte Hi-Hat wäre Sly Dunbar – ich nehme es ist das Alter und die damit verbundenen Einschränkungen. Der gute Mann geht ja mittlerweile am Stock.

    Den Rimshot darf man auch nicht vegessen,. der wird im Reggae schon exzessiv und anders als in anderen Genres genutzt (Sly Dunbar), und die zweckentfremdete Timbales findet man eigentlich auch nur im Reggae soweit ich weiß (die fand ich immer besonders fetzgeil… siehe live Version von Black Uhurus „I love King Selassie“ auf „Tear it up“).

    Letztlich… die Fills. Eszessive Nutzung im Reggae, früher hat jeder Track mit einem Fill als Intro begonnen. Sly Dunbar war da enorm kreativ iund hat da etliche Signature-Fills erschaffen. Und die vom Carlton Barrett sind sowieso unvergessen *seufz*

    Was auch typisch Reggae ist, abseits von den Drums: Keys, und zwar nicht der Skank mit der Gitarre, sondern das Bubbling…siehe Earl Wya Lindo & Co.

    *boah* … and I could go on & on & on… s’Reggae halt.

    .

  40. Das Schlagzeugsolo von „Tear It Up“ !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Ich könnte jedesmal platzen vor Begeisterung !!!

    Bis denne …………. lemmi

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