The Last Poets: Understanding what Dub is

Da wurde Reggae soeben von der UNESCO in den Status eines Welterbes erhoben, schon erweist ihm ein anderes hochrangiges Kulturgut die Ehre: The Last Poets. Selten hat Reggae so viele Feuilleton-Rezensionen gezählt wie aktuell durch das neue Album der legendären Band – und selten konnte unsere Lieblingsmusik damit so perfekt an ihren alten Markenkern als „Rebel Music“ anknüpfen. Was ist geschehen? Ziemlich genau 50 Jahre nach dem ersten Konzert der Last Poets (ein Konzert in Gedenken an Malcolm X in New York), und nach etlichen Alben quer durch Jazz, Funk und Hip Hop, erschien 2018, nach 20 Jahren Pause, mit „Understand What Black Is“ ein neues Werk der New Yorker Formation. Ein Reggae-Album! Die Feuilletons überschlugen sich vor Begeisterung: Die Wahl von Donald Trump hatte die inzwischen siebzigjährigen Rebellen, die als Begründer des Hip Hop gelten, wieder auf den Plan gerufen und sie zu heftigen verbalen Attacken auf Amerika veranlasst. Getragen vom Sound fetter Reggae-Beats. Auch wenn das eher konservative Blatt „Die Welt“ von „wohliger Hippie-Esoterik“ faselt, ist das schon ein beachtenswerter Vorgang. Reggae wird zur Basis eines prominenten Angriffs auf Nationalismus und Rassismus der USA. In einer Textzeile heißt es radikal: „Amerika ist ein Terrorist, das Töten war immer ein Teil des amerikanischen Masterplans“. Von Esoterik keine Spur. Was für Feuilleton-Redakteure neu und radikal erscheint, hat im Reggae eine lange Tradition. Dub Poets wie Oku Onuora, Linton Kwesi Johnson, Mutabaruka und Benjamin Zephaniah nahmen schon vor Jahrzehnten soziale Missstände, Diskriminierung und Rassismus auf Dub-Reggae-Beats unter verbalen Beschuss. Daher ist das Reggae-Bekenntnis der Last Poets eigentlich nur folgerichtig. 

Womit wir dann auch nach langer Vorrede endlich beim Thema Dub angekommen wären, denn zu „Understand What Black Is“ erschien mit Understand What Dub Is (Studio Rockers) jüngst die Dub-Version. Abgesehen davon, dass schon der Titel genial ist, handelt es sich nach langer Pause endlich mal wieder um ein Dub-Werk von Prince Fatty. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, er sei dem Reggae untreu geworden und in anderen Gefilden unterwegs. Aber nein. Offenbar waren er und sein Kumpel Ben Lamdin alias Nostalgia 77, nur mit den Produktionen für die Last Poets beschäftigt. Während bei den Poets stets das Spoken Word im Vordergrund steht, dreht sich bei der Dub-Version das Verhältnis um. Hier kommt die Musik voll zur Geltung – und sie hat es bei „Understand What Dub Is“ auch wirklich verdient. Fatty hat hier alles daran gesetzt, aggressive, militante Beats zu kreieren (von wegen „Hippie-Esoterik“!). Kraftvoll marschierende Drums, verziert mit den Percussions des jüngeren Poets-Mitglieds Baba Donn Babatunde, sowie wuchtige Basslines – u. a. eingespielt von Dub Judah. Fatty liefert einen beeindruckenden, spannenden Dub-Mix ab, der von heftigen Kontrasten lebt und selbst Mad Professor ein anerkennendes Nicken abtrotzen könnte. Geschickt gelingt es dem Prinzen, die pointiertesten Aussagen der Poets zwischen die Dub-Effekte zu platzieren, wodurch sie, meines Erachtens, sogar noch mehr Kraft entfalten, als bei den ursprünglichen Vocal-Versionen.

Meine Wertung:

17 Gedanken zu „The Last Poets: Understanding what Dub is“

  1. Greetings,

    die Grandfathers of Rap kenne ich bereits aus einer Zeit, da nahm ein gewisser Lightnin‘ Rod aka Jalal noch mit Jimi Hendrix einen Titel „Doriella Du Fontaine“ auf. Das war 1968 und die Welt war im totalen Aufruhr und Umbruch. (Studentenrevolten, Black Panther, Vietnam Krieg, Kalter Krieg…)
    Die original Last Poets gründeten sich am 19.05.1968 an Malcom X’s Geburtstag in Harlem.
    Das erste Album hieß „Last Poets“ und entstand unter wesentlicher Mitwirkung des Jimi Hendrix-Produzenten Alan Douglas. Das zweite Album „This Is Madness“ ist gekennzeichnet durch politischere Texte, was dazu führte, dass die Gruppe in der Folge vom CIA überwacht wurde. Jeder, der damals politisch engagiert war, kannte die Last Poets und/oder besaß die beiden Alben.

    Ein gewisser Adrian Sherwood brachte dann zuerst eine EP mit ganz neuen Aufnahmen von Jalal – „Mankind“ auf den Markt und veröffentlichte etwas später sogar von Jalal eine ganze CD – „On The One“.
    Jalaluddin Mansur Nuriddin starb leider am 04.06.2018 nach langem Krebsleiden.

    Umso überaschter war ich, als 2018 tatsächlich nach langer Zeit wieder ein neues Last Poets Album – „Understand What Black Is“ erschien. Und noch überraschter war ich, als dann Prince Fatty – „Understand What Dub Is“ mixte. Beide Versionen des Albums laufen bei mir immer als Showcase.

    Über Prince Fatty muss ich in diesem Dubblog niemandem etwas erzählen. Nur soviel, dass ich bis heute keine schlechte Veröffentlichung von ihm kenne und ich meine, alle zu kennen. Selbst seine Zusammenarbeit mit Hollie Cook gefällt mir außerordentlich gut.

  2. Na hoffentlich bin ich nach meiner Geschichte bei „Rainford“ als „Albumkritiker“ noch gefragt.
    Ich will ja auch gar nix kritisieren, sondern nur meine Begeisterung für diese Scheibe mitteilen. Obwohl sie mir durchweg, ohne Ausnahme 100 %ig gefällt, möchte ich besonders gleich den ersten Dub „Rain Of Terror“ hervorheben. Die „Ansagen-Schnipsel“ von den Poets passen wie der Bassballschläger ins Gesicht von Trump. Prince Fatties Mix ist wie immer genial aber diese BASSLINE !!! ….. diese BASSLINE !!!! da geht nix drüber ! Pure Begeisterung und unendlicher Stolz, das ich diese Scheibe Zuhause als Vinyl stehen habe. Egal, ob ihr das versteht oder nicht aber manche Scheiben muss ich einfach anfassen können, allein um zu wissen, das sie wirklich real sind.

    Solange es immer mal wieder solche Scheiben gibt, wird sich mein Enthusiasmus für Reggae und DUB nicht abschwächen. Das is mal ganz klar. Und im Moment habe ich wieder verstärkt das Gefühl das Reggae niemals sterben wird. Ich komme manchmal echt nicht drauf klar, das unsere Zeit hier begrenzt ist. Ich hoffe sehr, das wenn meine Seele nach meinem Tod durch das Universum schweben sollte und ich mich eventuell langweile irgendwo am Ende ein Ort auf mich wartet, wo diese Musik bis in alle Ewigkeit rauf und runter läuft.

    We´ ll be forever loving Dub ………………………. lemmi

  3. Das muss ich für die ON-U Sound Addicts noch ergänzen:

    Adrian Maxwell Sherwood brachte dann 1993 zuerst eine EP „Mankind“ mit ganz neuen Aufnahmen von Jalal auf den Markt und etwas später (1996) veröffentlichte AMS von Jalal eine ganze CD – „On The One“.
    Am Album waren als Players Of Instruments: Bonjo Iyabinghi Noah,
    Skip McDonald, Doug Wimbish, Keith Leblanc, David Harrow (Programming) beteiligt.
    Producer waren: Adrian Sherwood, Jalal & Skip McDonald

    Dass Adrian Sherwood in den 90ern Werke von Jalal veröffentlichte, als es um die Last Poets still wurde, zeigt ein weiteres Mal wie offen er gegenüber anderen Musikstilen ist. Berührungsängste hat dieses Genie wirklich null. Respekt, AMS ist absolut kein „Fachidiot“, was er seit Jahrzehnten immer wieder unter Beweis stellt. Ein Genre reicht ihm nicht…

  4. Greetings

    @René
    „Offenbar waren er (Fatty) und sein Kumpel Ben Lamdin alias Nostalgia 77, nur mit den Produktionen für die Last Poets beschäftigt“.

    Nein, dem war nicht so. Prince Fatty war wieder mal Hansdampf in allen Gassen. 2015 hatte er bereits das Reggae-Album „Applies“ von Cian Finn – ein irischer Songwriter – live im Studio aufgenommen und produziert. Mit von der Partie waren damals auch wieder ein paar illustre Gäste wie Max Romeo, Hollie Cook, Black Steel, Dub Judah sowie Horseman.
    Besagtes Album „Applies“ wurde dann 2018 von Prince Fatty im traditionellen Dub-Stil mit feinem Vintage Equipment auf analogem Tape klassisch abgemischt und es entstand ein – wie immer – sehr schönes Prince Fatty typisches Dub Album „Cian Finn – Applies In Dub“.
    Das Album soll sogar vom legendären Jah Shaka Soundsystem gespielt werden.

    Übrigens, Prince Fatty muss den Reggae/Dub bereits mit der Muttermilch absorbiert haben. Heute Morgen habe ich mich dabei ertappt, dass ich kurz der Meinung war, einen King Tubby Mix zu hören, was letztendlich ein Prince Fatty Tune war. Prince Fatty hat den klassischen Dub 1:1 verinnerlicht. Hammer!!!

    Was mir an Prince Fatty unter anderem auch sehr gefällt, ist seine Vielseitigkeit und Offenheit gegenüber anderen Musik-Genres (wie auch sein Vorbild Adrian Sherwood s.o.).

    2016 erschien „Dele Sosimi & Nostalgia 77 & Prince Fatty – You No Fit Touch Am in Dub“. Dele Sosimi spielte von 1979 – 1986 als Keyboarder in Fela Kuti’s legendären Egypt 80 und ist seither einer der aktivsten Musiker der Afrobeat-Szene weltweit. Seine Musik ist ein Mischung aus komplexen, sehr tanzbaren Funk-Grooves, traditioneller nigerianischer Musik (Hi-Life), afrikanischen Perkussions und reichlich „Jazz-Gebläse“. Auch diese Tunes wusste Prince Fatty genial durch die „Echo Chamber“ zu jagen.

    2018 hat er außerdem „Prince Fatty presenting Monkey Jhayam – The Rolê Of Monkey Man“ produziert. Monkey Jhayam, der auch schon mit Victor Rice zusammen gearbeitet hat, ist Singer/Songwriter und einer der prominentesten Toaster/MC der brasilianischen Sound System Kultur. Er repräsentiert die Stimme der Straße aus dem Osten São Paulo’s.

    Ich gehe mal stark davon aus, dass die beiden letzten Werke nicht unbedingt den Geschmack eines jeden Dubhead’s treffen, dennoch schadet es nix, mal reinzuhören.

    [Wissen ist Macht, nix wissen macht auch nix ;-)))]

    1. Ah, danke für die Aufklärung. „Applies In Dub“ ist komplett an mir vorbei gegangen. Dein Lob von Prince Fatty kann ich nur unterstreichen.

      1. Gerne doch,

        und wenn wir gerade beim Loblied singen auf Prince Fatty sind. René, kennst du Prince Fattys Erstling „Prince Fatty – The Best of Prince Fatty“ (Anvil LP) aus 2005?
        Das Album hat ein schwarz-weiß Cover und da sitzt so ein Milchgesicht (Prince Fatty) vor einem riesigen Mischpult mit reichlich Equipment im Hintergrund. Das Werk klingt wie ganz frühe orgellastige Aufnahmen von Lee Perry oder Harry J’s Liquidator aus den 60ern mit Jackie Mittoo an den Keyboards. Der Typ ist wirklich ein Phänomen. Freude und Hörgenuss pur…

        1. Nein. Ich bin erst mit „Survival of the Fattest“ eingestiegen. Auf jeden Fall lag er mit „The Best of Prince Fatty“ 2005 aus heutiger Sicht ziemlich daneben ;-)

          1. Das ist schon richtig, ich finde es doch schon richtig frech, wenn man seinen „Erstling“ gleich Best of…
            Englischer Humor eben

  5. @ Ras Vorbei,

    das kann doch alles nicht wahr sein. Das Ciann Finn Album war schon der Hammer ! Und wie immer hatte ich mir nicht mehr als den Dub dazu gewünscht. Und jetzt kommst Du und erzählst hier, das es den schon längst gibt. Also ehrlich, wenn man hier nur noch als Internet Detektiv mit Qualitäten zum Geheimagent solche Scheiben entdeckt, bin ich echt raus aus der Nummer. Naja, wie gut, das ich hier über den Dub Blog doch noch einige elementar wichtigen Informationen aus dem konspirativen Dub Cosmus bekomme. Jetz aber mal echt, ich verstehe die Musikindustrie nicht.
    Die Scheibe muss doch genauso als Vinyl raus, wie Zum Beispiel die mit Last Poets. Naja ich nehme an, die Musikindustrie hat sich eh schon längst ausgeklingt und alles basiert auf Eigenitiative der Produzenten.
    Eventuell steht Prince Fatty auch auf der Liste der illegalen Drogen, denn eins ist ja auch klar,
    Prince Fatty macht sofort süchtig.

    „Das Album soll sogar vom legendären Jah Shaka Soundsystem gespielt werden.“

    Na, das will ich aber hoffen, wie sollten die sonst Legendenstatus haben., bzw. behalten …………… lemmi

  6. Greetings Lemmi,

    „Cian Finn – This Applies In Dub“ so heißt das Teil richtig, ist bereits im Oktober 2018 erschienen und wurde leider irgendwie von uns allen sträflich übersehen.
    Aaaaaber, lieber spät als nie!

    Ich denke mal, dass an man meiner Schreibe auch die Begeisterung für Mike Pelanconi aka Prince Fatty erkennen kann. Für mich ist „Er“ auf jeden Fall Adrian Sherwoods Pendant. Es gibt doch immer wieder Lichtblicke!

    Viel Spaß beim hören und stay tuned…

  7. Tschuldigung, wenn ich nochmal nachfrage. Ist die Musik 2018 wirklich erschienen oder doch nur in Erscheinung getreten ?
    Wir alle haben das „sträflich übersehen“ ? Ja, noch nicht mal in der Universal-Dub-Bibliothek von gtkriz ist sie zu finden.
    Oder ich habe da den Durchblick verloren. ( Tut mir leid, wenn ich Dir Unrecht tue gtkriz, sollte es doch in Deiner Liste sein ……… tschuldigung ).
    Das meine ich aber genau, Sowas darf es nicht geben. Wenn nicht mal wir Reggaefanatisten und Dubheads die Informationen bekommen, was am Start ist, dann ist das Internet immer noch ne Mogelpackung für mich.
    Vielleicht sollte es spezielle Reggae Cookies geben. ( „Reggae Bruzzler“ zum Grillen gibt es ja tatsächlich auch schon. Is schon echt krass, was sich babylon so alles ausdenkt ).

    Aber na gut, „lieber Spät als nie“ das stimmt natürlich …………… lemmi

  8. Laut meinen Recherchen ist „This Applies In Dub“ am 10.Okt.2018 bei Emerald Isle Records erschienen.

    „Reggae Bruzzler“ zum Grillen gibt es ja tatsächlich auch schon. Is schon echt krass, was sich babylon so alles ausdenkt“.
    Was für ein Scheiß-Kommerz Schwachsinn, bloß weil ein Tröpfchen Hanföl (kein psychoaktives) drinnen ist.
    Das ist das Babylon Shitstem in seiner Reinkultur.

    1. Im Grunde muss ich mich schon wieder bei der ganzen Welt entschuldigen.

      Die Scheibe gab bzw. gibt es in meinem Stammladen IRIE RECORDS wunderbar als Vinyl Lp. Der Preis liegt nur leider über dem, was ich noch bereit bin für Musik auszugeben. Eine LP mit 10 Tunes bzw, Dubs die mehr als 26 Euro ( 52 DM ) kostet, finde ich nicht mehr so prickelnd. Trotzdem, will ich jetzt mal nicht an der falschen Stelle sparen. Ich finde nur, das man sich nun nicht auch noch an solche Preise gewöhnen sollte.

      Aber Geiz war noch nie geil also mache ich jetzt mal ne Bestellung ( Ich hoffe es ist noch nicht zu spät ) ………….lemmi

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