David Harrow: Dub Journeys, Vol. 1: Oicho

Es gibt Dubs, die sind einfach nur schön. Mehr wollen sie auch gar nicht sein. Nicht super-hart, um ins Set von Marc Iration zu passen, nicht verkopft, um intellektuelles Renommee abzustauben, nicht eklektizistisch, um Genre-Connaisseuren zu schmeicheln und auch nicht authentisch, um Puristen zu gefallen. Die Tracks auf dem Album Dub Journeys, Vol. 1: Oicho von David Harrow gehören in die Kategorie der unaufgeregten, sich selbst genügenden, schönen Dubs. Entspannt, harmonisch, unaufdringlich fließen sie aus den Lautsprechern. Irgendwann merkt man, dass man sich in Gegenwart dieser Musik sehr wohl fühlt und beginnt, genauer hin zu hören, um sich schließlich zu fragen: David Who? Eigentlich müsste man ihn kennen, denn David Harrow treibt sich seit den 1980er Jahren im Music-Business herum. Angefangen im Industrial, arbeitete er mit Anne Clarke, später mit Jah Wobble und anschließend eine lange Zeit mit Adrian Sherwood. Während seiner Zeit bei On.U-Sound komponierte und produzierte er Tracks für Lee „Scratch“ Perry, Bim Sherman, African Head Charge’s und Mark Stewart. Dann ging’s weiter zu Andrew Weatherall und schließlich nach Neuseeland. Das Album „Dub Journeys, Vol. 1: Oicho“ (Dubmission) ist eine große Retrospektive seiner Produktionen, die immer noch frisch klingen und es verdient haben, wieder gehört zu werden.

Meine Wertung:

4 Gedanken zu „David Harrow: Dub Journeys, Vol. 1: Oicho“

  1. Greetings,

    es gibt Alben, die erschließen sich dem Hörer nicht nach einmaligem Hören. Manchmal braucht es – wie bei einigen ON-U Sound Produktionen auch – schon einige Zeit bis es funzt. So ging es mir jedenfals bei David Harrows „Dub Journeys Vol. 1 OICHO“. Wenn man jetzt noch im Hinterkopf hat, dass Harrow recht lange Zeit mit Adrian Sherwood zusammengearbeitet hat und dabei auch African Headcharge und Mark Stewart mitproduziert hat, dann wird der Zugang doch leichter. Oder für andere ist der Zug deshalb sofort abgefahren, weil kein!?! Dub – alles eine Auslegungssache. Aber keine Angst, vieles ist bei weitem nicht so vertrackt wie African Headcharge oder David Stewart.
    Diese 10 deepen, synthylastigen Tracks sind sehr lockere Soundcollagen und stammen aus David Harrow’s umfangreichen Backkatalog. Einige wurden neu abgemischt und/oder teilweise überarbeitet. Was mir extrem positiv auffällt sind die African Headcharge üblichen Repeater-Drumings in klassischer Nyahbinghi-Tradition. Für mich sind es tatsächlich die Percussions, die bei vielen Stücken fast schon im Vordergrund stehen und die auch den klanglichen Reiz ausmachen. „Darkerwood“ ist eine eindeutige Reminiszens an den großen Augustus Pablo.
    Da der Titel „Dub Journeys Vol. 1 OICHO“ darf man davon ausgehen, dass ein
    Vol. 2 in absehbarer Zeit folgen wird.

    Übrigens gibts auch eine Gemeinschaftproduktion „OICHO Dubclash“ aus 2015 mit Dr Dub. Dr Dub ist ebenfalls eng mit ON-U verbandelt.

  2. High René !

    Rewind ….. alles wieder auf Anfang.
    Das dicke fette Haar in der Suppe ist hier wieder einmal der Sound vom Bass. Ich gewöhne mich ja an fast alles aber wenn ich allein schon mit meinen Ohren sehen kann, das der Bass nicht gezupft sondern mit irgendeiner Taste gedrückt wird, bin ich nicht bgeistert. Dennoch bringt es Deine Rezension doch ganz gut auf den Punkt. „Entspannt, harmonisch und unaufdringlich.“ Kann ich nur bestätigen ! Fühle mich zumindest nicht ganz unwohl, schon allein, weil hier nicht so radikal gesteppert wird. Ja und ich habe sogar ein paar kleine Highlights für mich gefunden. „Arrowrooted“ krisselt echt richtig gut in meinem Dubschädel und „Happiier“ geht ab Minute 1:51 in nahezu lupenreinen On-U.Sound über. Nicht unbedingt was die Technik betrifft aber der Groove erinnert mich an African Head Charge, wenn sie mal wieder so richtig tief in den Keller gehen und nur noch „Dub für Erwachsene“ machen. Fragt mich nicht nach konkreten Beweisen oder gar Beispiele. Ich habe das mit On-U.Sound nur erwähnt, um mein Gefühl etwas besser zu beschreiben.

    ( Nur damit ihr nicht denkt, mir wäre etwas zugestoßen. Ich gebe hier ja fast zu allem meinen Kommentar und das auch immer wieder gerne. Aber das hier sind zunächst erst mal meine letzten Worte für die nächsten drei Wochen. Ich habs geschafft !!! UUUUUUURLAUB !!! Yes I )

    Greetings …………. lemmi

    1. Greetings Lemmi,

      your „famous last words“ for the next three weeks I reply, niiiice holidays and stay tuned.
      I will miss your comments :-(

  3. Ach da war ja wieder einer Schneller als ich ;-)

    “ Was mir extrem positiv auffällt sind die African Headcharge üblichen Repeater-Drumings in klassischer Nyahbinghi-Tradition“

    Diese Worte und diese Klarheit hat mir bei meinem Kommentar gefehlt. Da ich nicht von Dir abgeschrieben habe und Du auch einen Bezug zu African Head Charge findest, denke ich mal, das mein Unterbewusstsein gar nicht so falsch lag.
    Außerdem hatte René in seiner Rezi ja auch schon genug Andeutungen in Richtung African Head Charge gemacht.

    „Drumming is a language“ ………………… lemmi

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