Guiding Star Orchestra: Natural Heights

Es gab schon viele Versuche, Reggae, Dub und Jazz zusammen zu bringen. Man denke an „Nordub“, das Nils Petter Molvær letztes Jahr zusammen mit Sly & Robbie veröffentlichte, an Prince Fatty Meets Nostalgia 77, oder an das fantastische Album „Dub på Svenska“ von Tomas Hegert – und natürlich, nicht zu vergessen, fast alle Alben der Senior Allstars. Auffällig ist bei dieser Aufzählung, dass zwei der hier erwähnten vier Alben aus Skandinavien stammen. Gibt es dort eine bisher unerkannte, magische Verbindung von Jazz und Dub? Das soeben erschienene Album Natural Heights (DubShot Records) des aus Kopenhagen stammenden Guiding Star Orchestras stützt jedenfalls diese Vermutung. Auch hinsichtlich der Qualität reiht es sich in die nordischen Werke ein: Es ist schlicht und ergreifend eines der schönsten, harmonischsten, wohltuendsten Instrumental/Dub-Alben der ersten Jahreshälfte. Ich kann mich kaum satt hören an den gerade einmal sieben Tracks und ihrem betörenden Jazz-Vibe. Die Kopenhagener spielen einfach nur ganz normalen, instrumentalen Reggae, wunderschön arrangiert, mit fantastischen Bläsern und umwerfenden Melodien – und doch klingt es irgendwie nach Jazz, hat dessen natürlichen, leichten, organischen Sound. Mag sein, dass es daran liegt, dass dieses Album komplett ohne digitale Technik entstanden ist. Echte Instrumente, echte Musiker, echtes Magnetband – na ja, und via Internet-Stream dann zu mir. So kann’s gehen. Aber letztlich ist es ja auch egal, ob die Musik irgendetwas mit Jazz zu tun hat oder nicht. Ich liebe sie so oder so. Und das will etwas heißen, denn ich bin definitiv kein Verächter digitaler Musik. Ich bin kein Purist, hänge keiner orthodoxen Lehre des „richtigen“ und „wahren“ Dub an. Alles ist erlaubt, sofern das, was „hinten raus kommt“, wie unser Altkanzler es so schön formulierte, gut ist. Wobei das zu einer anderen und viel komplizierteren Diskussion führt: Was ist gut? Im vorliegenden Fall lässt sich diese Diskussion aber ganz pragmatisch abkürzen, denn gegen die erhebende Musik von „Natural Heitghts“ wird gewiss absolut niemand Einwände erheben.

Meine Wertung:

16 Gedanken zu „Guiding Star Orchestra: Natural Heights“

  1. Schönes Album, eine gute Horn-Section macht immer was her… erinnert mich sehr an Rico.
    Am Mix sollte man noch arbeiten… der ist platt & muffig und ich seh‘ nicht ein warum die Hi-Hat lauter als alle andere Instrumente sein muss (Natural Heights Dub).

  2. Greetings René,

    ich kann deinen Ausführungen uneingeschränkt zustimmen!
    Guiding Star Orchestra „Natural Heights“; Tomas Hegert „Dub på Svenska“ und Nils Petter Molvaer feat. Sly & Robbie, laufen bei mir auch überproportional häufig. Was alle dieser Alben gemein haben, ist diese unglaubliche Entspanntheit. Das ist genau die Mukke, die ich brauche, um runter zu kommen oder für ein relaxtes Frühstück. Dieses, leider etwas zu kurz geratene Album, hat wunderschöne Melodien und strahlt eine Ausgeglichenheit aus, die so ganz selten zu finden ist. Auch da stimmt wieder alles, was mein Dubherz so begehrt.

    Diese Nordlichter (Aurora borealis) sind soooo unglaublich schön und haben’s musikalisch echt drauf.

  3. Also wenn hier wirklich keiner Einwände hat, muss ich doch mal ein kleines Gegengewicht dranhängen, damit es nicht zu sehr Einseitig belastet wird und eventuell das Gleichgewicht verloren geht. Wenn es nur darum geht, zu relaxen und ein entspanntes Frühstück zu genießen, habe ich auch keine Einwände. Wenn ich mir aber mal wieder so richtig meinen
    DubSchädel durchpusten lassen möchte, dann reicht diese Scheibe allemal als Intro. Mir isses, wie auch die meisten Senior Allstars Sachen doch etwas zu seriös. Soll heißen, das sich wohl niemand darüber aufregen würde, wenn diese Musik den ganzen Tag im Fahrstuhl läuft. Für den Fall, das sich das jetzt zu giftig anhört, sage ich dazu, das ich nix dagegen habe, wenn im Fahrstuhl gute Musik läuft. Die Sache mit der Hi-Hat kann ich noch nicht bestätigen, da ich sowas wohl erst richtig merken würde, wenn ich auch ganz relaxt Zuhause auf dem Sofa abhängen würde und diese Scheibe sozusagen als Beruhigungstherapie aufgelegt hätte.
    Ok, ich wollte ja nur auch mal was sagen ….. als seriöse, zum Relaxen produzierte Scheibe sind die 5 Sterne schon Ok aber für eine durchgeknallte Dubextase würde ich keinen Punkt vergeben können.
    Was die „Aurora Duborealis“ betrifft kann ich auch nur zustimmen. Ganz besonders gefällt mir diese Sheya Mission Dub Scheibe in der „Deep In Dub“ Playlist. Die Vocalscheibe fand ich schon ziemlich gut aber ich hatte mir natürlich nix mehr gewünscht,als den Dub dazu. Steppers Freunde würden mich da wohl auch fragen, „ey du kleiner süßer Dubkopf, wo ist denn da bitteschön die Dubextase ?“ Also ich finde da sind richtig viele gute Ideen und auch Grooves für Dub vorhanden. Taugt für mich sowohl für – wenn auch entspannte – Dubextase als auch für excellente Fahrstuhlmusik.

    Ok, so langsam kennt ihr mich ja und ihr wisst, das ich das jetzt wieder ganz entspannt aus dem Bauch heraus geschrieben habe ……. es ist mein erster, ziemlich spontaner Eindruck und vielleicht hätte ich an einem anderen Tag zu einer anderen Uhrzeit etwas ganz anderes geschrieben.

    „XYZ The Devil Is Dead !“ ……………… lemmi

  4. „Wenn ich mir aber mal wieder so richtig meinen
    DubSchädel durchpusten lassen möchte, dann reicht diese Scheibe…“

    Uuuund genau deshalb haben wir für jede Gelegenheit einen passenden, geilen Dub parat. Es lebe die Abwechslung!

    1. „Uuuund genau deshalb haben wir für jede Gelegenheit einen passenden, geilen Dub parat. Es lebe die Abwechslung!“

      Yo !!! …………… ich habe keine Widerworte mehr ;-)

  5. Hey lemmi,

    bei Jonahgold (geiler Name – eigentlich eine Apfelsorte) muss ich dir auch 100%ig recht geben. Dieser Stockholmer Engineer blieb mit seinem Goldheart Label auch recht lange unter meinem Radar. Seine großen Vorbilder sollen übrigens auch „The Mighty Two (Joe Gibbs & Errol Thompson)“ sein.
    Irgenwie ruhen alle diese „Nordlichter“ einfach in sich selbst.

    Sicherlich kennst du auch bereits „Dub Steppers by Jonahgold“ aus 2019. Nein, keine brutalo dumpf Steppers, real good Dubbers ;-)

    1. Das Internet hat ja auch seine guten Seiten. Deshalb kann ich sagen „Nein die „Dubsteppers“ kenne ich noch nicht aber gleich ……………… ;-) „

    2. So schnell kann das gehen. Ich mache mich hier gleich vom Acker. Wochenende ! Aber ich habe mich erst mal schnell durchgeskippt und kann sagen, jo das passt auch. Allerdings scheint mir der Sound nicht ganz so ausgefeilt zu sein, wie bei „Sheya Mission In Dub“. Da klingt das noch ein bischen „smoother“ und „wärmer“ während bei Dub Steppers nicht so auf das entgültige Mastering geachtet wurde. Soweit mein spontaner Eindruck. Dennoch gefallen mir die Dubs auch sehr gut. Wobei wir dann schon wieder beim Thema Daweh Congo wären. „Ghetto Skyline“ finde ich richtig geil. Und den kompletten Dub dazu gibt es bei „Deep In Dub“. Für mich auch ganz großes Kino !!!

      So, ab gehts ! Schönes Wochenende……………….. lemmi

  6. Greetings,

    kennt jemand von euch den bereits 2012 auf tragische Weise verstorbenen schwedischen Reggae Produzenten und Dubmaster Tom „Internal Dread“ Hofwander. Habe mal im Dubblog gesucht aber René war er anscheinen bisher auch nicht aufgefallen, jedenfalls tritt er im Blog niergends in Erscheinung.
    Kurz & gut: Internal Dread war DER Dubmaster Schwedens

    1. Bin gerade am Recherchieren über die schwedische Reggae Szene und mach mal bisschen name dropping:
      Kultiration; Iya Karna, Dubadown; Internal Dread & The Reggaetarians

  7. Der Internal Dead hat gute Produktionen gemacht… etwa die (auch Dub-)Alben von den Reggaeterians.
    Geht so in Richtung Urban Tribe Stockholm, die ich sehr schätze… Steel Pulse-Klone. Von letzteren gibt’s aber meines Wissens nach kein Dub-Album.

    1. Seine Dubalben sind noch alle analog und das kannst du den Produktionen auch gleich anhören. Er pflegte sehr enge Beziehungen zu Dennis Bovell und LKJ für die er auch bei deren Konzerten das Live-Mixing übernahm. Dennis Bovell soll ihm das Engineering/Mixing beigebracht haben.
      Wieder eine Entdeckung!

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