Chronicles Dub Trio: Reflections

Wir schreiben das Jahr 2016, damals hießen The Dub Chronicles noch Chronicles Dub Trio und das erste, selbst produzierte Album „Reflections“ wurde im Dezember veröffentlicht.

Chronicles Dub Trio ist (seit 2018 ein Duo) eine kanadische Dubwise-Roots-Rock-Reggae-Band aus Toronto, die virtuos den Sound der goldenen Vintage-Ära des Reggaes zu bewahren sucht und äußerst intelligent mit Jazz verknüpft. Das Trio hat sich voll und ganz auf die Rockers-Ära spezialisiert. King Tubby und Augustus Pablo sind als Vorbilder zweifelsfrei auszumachen.

Der Gitarrist, Alexei Orechin, ein absoluter Meister seines Fachs, ist wegen der Virtuosität auf seinem Instrument in Torontos Reggae-Szene auch als „Mad Mon“ bekannt. Er absolvierte das Elite-Jazz-Studium an der Universität von Toronto und ist laut eigener Aussage sehr vom Gitarrenspiel eines Ernest Ranglin und Jimi Hendrix geprägt. Mit satten Akkorden und/oder flüssigen, jazzigen Gitarrenläufen spielt er schöne, gleichzeitig intensive Melodien, die in analogen Dub-Delays dahinschweben.

Der Schlagzeuger Craig Rattos ist das Rückgrat der Band und hat seinen ganz eigenen Groove. Craig ist sehr stark von einigen der größten Schlagzeugern in der Geschichte der Reggaes, Leroy „Horsemouth“ Wallace, Carlton „Carly“ Barrett und Lowell „Sly“ Dunbar beeinflusst. Beim Hören werde ich oft an Carly Barretts drumming erinnert – einfach fabelhaft.

Der letzte im Bunde ist Jonathan Rattos, Pianolehrer und der Multiinstrumentalist in der Band. Zusammen mit seinem Bruder Craig absolvierte er eine Bachelor Jazz-Ausbildung am Humber College in Toronto. Jonathan hat neben dem Reggae/Dub eines Augustus Pablo auch noch ein unüberhörbar, großes Faible für den klassischen, alten Jazz-Sound. Die schweren Basslinien erzeugt er mit dem left-hand-bass for keyboards. Zusätzlich spielt er sämtliche Tasteninstrumente (org; piano, melodica) und steuert bei Bedarf, wie hier beim alten doo-wop Klassiker aus 1957 von The Rays „Silhouettes“ auch die Vocals bei. „Silhouettes“ wurde im Laufe der Jahre von vielen Künstlern neu interpretiert, auch von Dennis Brown gibts eine Version. Das Rattos Bruder-Duo ist in Sachen Klangdichte vergleichbar mit Carly und Aston Barrett oder den Rhythm Twins Sly Dunbar und Robbie Shakespeare. Alles in allem eine höchst interessante Klangmischung, die das Chronicles Dub Trio hier gekonnt abliefert.

„Reflections“ wird ganz sicher all denen gefallen, die den Jazzeinfluss im Reggae und Gitarrenläufe à la Ernest Ranglin schon immer lieben. Hörts euch selbst an, ich kann nicht genug davon bekommen. Die Jungs sind wirklich eine Klasse für sich.

Meine Wertung:

4 Gedanken zu „Chronicles Dub Trio: Reflections“

  1. High Ras Vorbei !

    Nach dem ersten – aus Zeitnot – relativ schnellen Durchskippen der Scheibe war ich zunächst geneigt, zu schreiben,
    „die Scheibe gefällt mir“ aber ich weiß ja das du das unerträglich findest. Ich ja im Grunde auch, deshalb komme ich ja immer so schnell vom Thema ab. Du wirst sicherlich jetzt schon ( zu Recht ) generft sein, wenn ich hier nur von durchskippen schreibe. Aber so ist der Lauf der Dinge bei mir. Erst wird geskippt und dann entscheidet mein Bauch,
    ob ich da noch weiter einsteige. „Bad Boy“ gefiel mir gleich auf Anhieb, da es bei mir sofort dieses magische Gefühl auslöste, welches ich bei Dub so liebe. Beim oberflächlichen weiterskippen habe ich nichts schlechtes gefunden aber irgendwie ist die ganz große, spontane Begeisterung ausgeblieben. Jetzt läuft die Scheibe hier schon am frühen morgen erneut und ich stelle fest, das diese Scheibe keinesfalls nur geskippt werden darf. Die Klasse dieser Scheibe entfaltet sich erst, wenn man auch die innere Einstellung dazu hat. Für mich bedeudet das : Ein schönes kühles Bierchen, „die Füße sowas von hochgelegt, das es schon fast Kopfstand ist“ ( hallo erst mal, ich weiß gar nicht ob sies schun wussten ) und natürlich Candlelight. Dazu die üblichen Rauchschwaden, die an den Wänden ein triefendes Gemälde von Salvador Dali erzeugen. Candlelight ist eigentlich bis jetzt auch mein Favorit hier auf der Scheibe. Aber wie erwähnt, bin ich auch bei „Bad Boy“ voll dabei. Insgesamt empfinde ich die Scheibe als sehr entspannt. Daher würde hier auch keine himmelhochjauchzende „AlbumLaudatio“ von mir passen. Die Guitarre klingt für mich auch oft so, als ob Ernest Ranglin höchstpersönlich dabei gewesen wäre. ( ich schreibe jetzt hier nicht offiziell, das ich von Jimi Hendrix keine Ahnung habe, denn ich möchte nicht, das du wegen mir ganz plötzlich auf Toilette musst ;-) )
    Ja … und wenn ich nun doch noch unbedingt ein Haar in der Suppe finden möchte, dann würde ich sagen, das mir der eine oder andere Klavierpart hin und wieder etwas zu jazzig ist. Passiert mir auch manchmal bei Monty Alexander. Ist aber nix schlimmes.
    Die Jungs passen wunderbar in eine Reihe mit The Senior Allstars und Dub Spencer & Trance Hill, was nicht heißen soll, das sie irgendjemanden kopieren oder nacheifern – höchstens Ernest Ranglin oder Jimy Hendrix.

    Soviel erst mal von mir dazu ……………………. lemmi

  2. Hi lemmi,

    was soll ich jetzt noch sagen, nachdem du alles so treffend beschrieben hast?

    Genau so gings mir auch, zuerst flüchtig reingehört, naja, ganz nett. (Nett ist für mich der kleine Bruder von Sche**e – nein, hier nicht.) Da wir aber noch vom alten Schlag sind, habe ich dem Teil nochmal eine Chance und vor allem reichlich Zeit gegeben. Und siehe da, erst mit der gegebenen Zeit entfalltete sich das ganze Spektrum des Albums. Alles weitere hat der Dub-Connaiseur lemmi bereits sehr bildhaft geschildert.
    Ich persönlich mag die Jazz-Note des ersten Albums und die teilweise krachenden Gitarren-Riffs sehr gerne. Das zweite Album von den Jungs: „Chapter II: Marcus Garvey“ wird dir eventuell noch besser gefallen, da wurden einige Klassiker durch den Wolf gedreht, jedoch weniger jazzlastig. Candlelight haben sie exclusiv für dich auch noch mal drauf gepackt ;-)
    Mir persönlich gefallen Chronicle Dub Trio wesentlich besser, als The Dub Chronicles als Duo. Möglicherweise wegen der fetzigen Gitarre, die mich stellenweise auch an die Bad Brains erinnert.

    1. Das ist ja schön – wollte hier grad mal reinschreiben, dass die Rezension für mich nach „muss ich haben“ klingt. Und dann wird zum Vergleich meine eigene Band herangezogen. Lustig.
      Ihr schreibt „Scheibe“ – gibts die auf Vinyl?

      1. Hi Thomas,

        das Opus gibts leider nicht auf Vinyl, es ist lediglich als CD, digital download oder Cassette zu kaufen. :-(
        https://chroniclesdubtrio.bandcamp.com/album/reflections

        Für eine Vinyl-Veröffentlichung hätten sie die fast 64 Minuten Musik auch um fast 1/3 zurechtstutzen müssen oder eine Do-LP. Vielleicht gibts auch deshalb kein Vinyl, wer weiß?

        By the way, Glückwunsch zu euerem neuen Wurf: „Soul from Dubdown – Darker Than Blue“. Gefällt mir ausgesprochen gut!!!

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