Roots Radics: 12 Inches Of Dub

Wir schreiben das Jahr 1980 und die 1978 von Errol „Flabba“ Holt (bass), Lincoln „Style“ Scott (drums) und Eric „Bingy Bunny“ Lamont (guitars) gegründeten Roots Radics waren innerhalb kürzester Zeit die gefragteste Session-Band im Channel One Aufnahmestudio von Kingston. Mit ihrem schweren, extrem verlangsamten Reggae gaben sie von 1980 bis 1984 unangefochten den Ton an. Henry „Junjo“ Lawes war in der Zeit einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste, Reggae- und Dancehall Produzent Jamaikas. Der Sound aus dem Channel One, wo die Roots Radics gerade die Revolutionaries als führende Studioband abglöst hatten, war frisch, neu und unverbraucht. Die Konstellation „Junjo“ Lawes, Roots Radics und ein gerade einmal 20-jähriger Hopeton Overton Brown aka Scientist war eine glückliche Fügung. Da passte wirklich alles perfekt.
Fast 40 Jahre später erscheint nun ein verschollen geglaubtes Album „12 Inches Of Dub„, das Dub-Pendant zu General Echos 1980er Greensleeves-Album „12 Inches Of Pleasure“. Produziert wurde das Set von der Reggae-Ikone Henry „Junjo“ Lawes und an den Reglern saß, wie zu der Zeit fast immer, der ehemalige King Tubby Protegé Scientist. Die Dub-Mixes wurden dann 1980 von „Junjo“ Lawes an Greensleeves geliefert, aber nie veröffentlicht und verstaubten in irgendeinem Archiv.
Jetzt ist endlich das Album doch noch auf dem Markt und zeigt die Roots Radics in der vollen Blüte ihres Schaffens. Sie klingen (noch) unverbraucht, roh, minimalistisch und Scientists Mixing klingt frisch und aufregend neu. Die Riddims zu den Dubs stammen von Künstlern und Alben aus „Junjos“ Stall. Wir hören unter anderem die Dubs zu: Barrington Levy („Fulfillment“), Wayne Jarrett („Dreadlocks Postman“), Flick Wilson („Yallas Pond“) und Little John („Tell Me What You Want To Be“). Übrigens, das Album enthält alternative Mixe zu Scientists „The Dub Album They Didn’t Want You To Hear!“ Jetzt blicke ich auch, weshalb Scientist seinem Album diesen seltsamen Titel gab.

Meine Wertung:

6 Gedanken zu „Roots Radics: 12 Inches Of Dub“

  1. Nachgedanke:

    Es war vielleicht ganz gut so, dass dieser Dub-Mix von Scientist (versehentlich?!) in der Versenkung verschwunden ist und nicht 1980/81 veröffentlicht wurde. Bei der Flut an Veröffentlichungen, die „Junjo“ Lawes damals über den geneigten Reggae-/Dubfan gekippt hat, wäre das Album möglicherweise in der Bedeutungslosigkeit versunken. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass meine Freunde und ich irgendwann dermaßen mit „Junjo“ Lawes Produktionen gesättigt waren, dass wir uns richtig freuten, wenn mal ein anderer Produzent (z.B. Linval Thompson) hinten auf dem Cover stand. Außerdem waren die Riddims der Roots Radics doch relativ ähnlich, dass irgendwann auch die Luft raus und das Gefühl des Neuen, Ungehörten verblasst war. Heute können wir uns wieder freuen, wenn solch ein verschollener Klassiker endlich veröffentlicht wird und wir noch einmal die (Weiter)Entwicklung des Dubs zu Ohren bekommen. Die Trademark-Riddims der Roots Radics, die knapp 40 Jahre später „klassisch“ genannt werden müssen, waren damals „the hottest shit in Reggae Biz“. Die schleppenden, trockenen aber auch schweren Beats, die den legendären Sound der „Junjo“-Produktionen in den 80ern ausmachten, sind hier schon alle zu bewundern.

  2. Alle, die mich bzw. meinen Musikgeschmack schon eine Weile kennen, wissen wahrscheinlich, das ich mit den sogenannten „Flying Simbals“ so gut wie überhaupt nicht klarkomme. Hier sind jetzt zwar keine klassischen „Flying Simbals“ an Bord aber dafür dieses „Instrument“, mit dem ich Style Scott leider schon viel zu oft in den Händen gesehen habe. Ich meine diese komische Raschel ( ich weiß gar nicht wie dieser „Schit“ heißt ) mit den vielen kleinen „flying simbals“, die in meinen Ohren so etwas wie eine Hyperakusis auslösen und den geilsten Dub in Schülermusik verwandeln. Vielleicht mag ich „des Ding“ deswegen nicht, weil ich damals im Musikunterricht zu den Schülern gehörte, die noch gar kein Instrument spielen konnten und deshalb entweder mit diesem Teil oder eben mit der Triangel abgespeist wurden. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, das ich bisher nicht den Eindruck gewonnen habe, das The Mighty Style Scott da bessere Töne rausgeholt hat als ich damals.
    So gern, wie ich die Riddims von „12 Inches Of Dub“ auch höre, würde ich mich doch immer wieder von diesen fliegenden, scheppernden Mücken a la „flying symbals“ gestört fühlen.

    Macht ja nix, denn es gibt mehr als genug andere Dubs, wo man diesen „musikalischen Fehler“ ;-) nicht gemacht hat.

    Greetings ……………….. lemmi

  3. Hi lemmi,

    das von dir beschriebene Teil nennt sich ganz einfach Schellenring und erinnert tatsächlich an den, so wird jedenfalls berichtet, von Carlton „Santa“ Davis erfundenen Flying Cymbals Sound.

    1. Alles klar Ras Vorbei !

      Danke für die Info ! Schellenring !!! ……. jetzt kenne ich meinen „Feind“ auch mit Namen. Aber mal ehrlich, sogar der Name klingt doch schon irgendwie zum weglaufen. Mich schüttelt es jedenfalls.

      Aber trotzdem, nix gegen „Santa“ …. er kann ja nichts dafür, das es Leute gab, die da voll drauf abgefahren sind.

      Es gibt ja auch viele, die sich Reggae sogar im Casio Sound ala Sleng Teng anhören können. Es steht mir wohl nicht zu, dafür eine ärtztliche Erklärung zu finden.

      Bin wohl heute wieder ein wenig arrogant und sehr von mir selbst überzeugt. Sorry dafür an alle, die gern sleng teng sound im nintendo style hören. Ich mag ja mehr die Version, die mit Didgeridoo gespielt wird.

      Greetings …………… lemmi

  4. Das sagte einmal Santa über den Flying Cymbal Sound in einem Interview:

    Ich war derjenige, der das zuerst aufgenommen hat, aber es war ursprünglich ein Teil von Soca. Als ich das in den 70ern spielte, wurde es wegen der Einstellung (striking the hi-hat for an open and closed effect), mit der ich spielte, populär. Ich habe es nicht Flying Cymbals Sound genannt, das war Bunny Lee. Ich habe es auf „None Shall Escape the Judgement“ von Johnny Clarke das erste Mal gespielt. Aber jahrelang wurde es im Calypso gespielt, wo der Akzent etwas anders war. Ich habe es nur aggressiver gespielt.
    Es ist immer noch ein wesentlicher Bestandteil des Reggae Drummings

    1. „None Shall Escape the Judgement“ von Johnny Clarke !!!

      Echt ? Da sind auch Flying Cymbals dabei ? Habe ich bisher noch nie wahrgenommen …… weil der Tune so gut ist, das ich darüber einfach hinweghöre ;-)

      Ja, manchmal muss ich halt einfach damit Leben. Es gibt sogar viele sehr sehr gute ReggaeTunes mit diesen „Flyern“ aber für mich wären diese Tunes noch ein klitzekleines bischen besser, wenn ich dieses „Geraschele“ und „Gezische“ nicht tolerieren müsste.

      Ich hoffe mal, das ich mich an meinem „Judgement Day“ dafür passend rechtfertigen kann, denn sonst sieht es eventuell schlecht für mich aus, da nochmal einen Ausweg zu finden. Am Ende heist es wohl noch :

      „Willkommen in Limbo, lemmi“ ….. und ein ganzes Orchester mit Flying Cymbals spielt die ganze Zeit Soca.

      Da gehe ich doch lieber wieder ins Tor ……………… lemmi

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