Tads Hi-Power Dub

Auch aus Jamaika erreicht uns hin und wieder ein aktuelles Dub-Album wie z. B. Tads Hi-Power Dub (Tad’s Record). Zu hören gibt’s amtliche Dub-Versions einschlägiger Hits von Tad’s Records mit den unverkennbaren Stimmen von Dennis Brown, Gregory Isaacs, Sugar Minott, Brigadier Jerry, Johnny Osbourne, John Holt und anderer Reggae-Meistersänger. An Tad’s habe ich schon immer die satten Produktionen geliebt. „Hi-Power Dub“ macht hier keine Ausnahme: volle Dynamik, satte Bässe und schön klassisches Mixing von Gregory Morris. Für mich klingt das Ganze nach aktuellen Aufnahmen oder aber nach einem phänomenalen Remastering alter Produktionen. Und das Schönste: Die klassischen Riddims der glorreichen Reggae-History wie „I’m Just a Guy“, „Sleng Teng“, „Real Rock“ oder „Cuss Cuss“. Big up!

Meine Wertung:

Alien Levi: Interferences, Vol. 2

Schock! Da lebt man so im Ruhrgebiet vor sich hin und schreibt seit Jahrzehnten über Dub und bekommt nicht mit, dass in der Nachbarstadt Dortmund ein Dub-Bastler erste Güte arbeitet: Alien Levi. Erst die Online-Recherche zu dieser Rezension seines Albums Interferences, Vol. 2 (DiSFish Records) hat mich auf die Spur dieses Eigenbrödlers geführt, der übrigens bereits in den 1980er Jahren Mitglied einer Dortmunder Reggae-Band war. Kaum zu glauben. Und dann kommt noch hinzu: Das Album „Interferences, Vol. 2“  ist ursprünglich bereits 2015 erschienen und stand nunmehr seit rund vier Jahren in den Regalen einschlägiger Plattenläden, tauchte jetzt aber erst in digitalen Kanälen und den Streaming-Diensten auf. Asche auf mein Haupt. Aber egal, lieber spät als nie: Also, wenn ihr auf intelligenten, elektronischen Dub à la International Observer steht, dann gebt in Spotify oder Apple Music „Alien Levi“ in die Suche ein und wählt „Interferences, Vol. 2“ aus. Ein wunderschönes Dub-Album voller warmer, harmonischer Bass-Meisterwerke, clever arrangiert, schön gemixt und vor allem: großartig komponiert. Bei mir lief das Album die letzten Wochen rauf und runter. Übrigens scheint Herr Levi in den letzten vier Jahren den Bass-Harmonien abzuschwören und sich experimentelleren elektronischen Sounds jenseits des Dub hinzugeben. Daher kann ich nur raten: Streamt „Interferences, Vol. 2“ so oft es geht, um ihn mittels Streaming-Tantiemen auf den rechten Weg zurück zu führen ;-)

Meine Wertung:

Ras Teo Meets Lone Ark: Ten Thousand Lions

Selten, aber doch schafft ein Album gleich mit dem ersten Track zu beeindrucken – wenn etwa einer der Lieblings-Riddims des Rezensenten aus den Boxen wummert. So geschehen bei Ras Teo’s neuem Release, der sich beim Opener „Country Living” bei den  Roots Radics bedient – im Original zu finden als „Material Man“ auf Gregory Isaacs legendärem „Night Nurse“-Album. 

Ras Teo liefert mit „Ten Thousand Lions“ (A-Lone/Rebel Sounds Records)  ein massives Doppel-Album ab, das neben zwölf Vocal-Tracks auch die entsprechenden Dub Versions präsentiert und wohl deshalb unter „Ras Teo meets Lone Ark“ firmiert. Der Sänger mit der samtweichen Stimme ist Angeleno armenischer Abstammung – was seine mitunter zutiefst spirituellen, im breiten Patois vorgetragenen Texte in einem etwas seltsamen Licht erscheinen lassen, zumal sich kein entsprechender ethnischer Konnex zu Jamaika finden ließ. Der Gesang selbst erzeugt gemischte Gefühle: Der Mann hat eine angenehme Stimme und trifft die Töne, aber es fehlt an Energie. Wer hier eine natürliche, dynamische Spannbreite von leise bis laut erwartet, wird enttäuscht werden – zu laut und gleichförmig plätschert der Gesang dahin. Die Vocals sind zudem produktionstechnisch stark komprimiert; was sich beim mehrstimmigen Chorus durchaus gut machen kann, hinterlässt beim Lead-Gesang einen schalen Eindruck und ermüdet auf Dauer den Zuhörer. Schade, zumal mangelnde Dynamik ein generelles Manko des ansonsten gelungenen Albums ist.

Was hier natürlich besonders interessiert, sind die Dub Versionen. Die Instrumentals, produziert von Roberto Sanchez in seinem spanischen Lone Ark-Studio, haben einen starken Bezug zu den 70ern, und mitunter möchte man meinen, dass es sich um Aufnahmen der Revolutionaries aus dem Jahr 1978 handelt. „Bad Friday Dub“, „Hitey Tighty Dub“ und „Babylon Crooked Dub“ sind dafür exemplarische Beispiele; vor allem Sly Dunbar’s Einfluss ist hier unüberhörbar. Die Backing-Tracks und insbesondere die Dubs präsentieren sich damit als eine Zeitreise, die beeindruckender nicht sein könnte – hier stimmt alles: Von den Drums (inkl. Syndrums!) und Percussions über Keyboards bis hin zu den hervorragenden arrangierten Bläsern hat die „Lone Ark Riddim Force“ scheinbar mühelos ein Album der Meisterklasse abgeliefert. Das ist umso bemerkenswerter, als hier der Produzent den Löwenanteil der Instrumente selbst eingespielt und abgemischt hat; lediglich Keys, Percussions und Bläser stammen nicht von ihm. Roberto Sanchez zeigt damit einmal mehr, dass er ein profunder Kenner der Materie ist, präzise Vorstellungen vom Sound seiner Produktionen hat und offensichtlich die Dub-Schule von Scientist, Mad Professor, King Tubby & Co besucht hat. Wer hier Gefallen am Sound von Sanchez‘ „Lone Ark Riddim Force“ findet, der wird auch andere Lone Ark-Produktionen wie etwa Earl Sixteen‘s „Natty Farming“ oder Earl Zero‘s „And God Said To Man” schätzen.

Meine Wertung:

Mato: Classical Dub

Mato ist der große Konzept-Künstler und Eklektizist unter den Dubbern. Nachdem er 2016 Film-Soundtracks einem Dub-Treatement unterzog, nimmt er sich auf seinem aktuellen Album „Classical Dub“ (Mato Production) der klassischen Musik an. Wieder ein interessantes Konzept, wie ich finde. Ich muss dabei allerdings sofort an Matthias Arfmanns geniale Herbert von Karajan-Remixes „ReComposed“ von 2005 denken und natürlich an die beiden Alben des Opernsängers Uly E. Neuens. So charmant und mutig ich Matos Klassik-Konzept finde – zwischen seinem Album und den vorgenannten liegen Welten. Das große Manko an Classical Dub: Mato verwendet zwar klassische Melodien, baut auf ihrer Basis aber ganz gewöhnliche Dub-Cover-Versionen. Abgesehen davon bedient er sich außerdem mit „Schwanensee“, „Carmen“ etc. doch ziemlich vordergründig am „Gassenhauer“-Klassik-Repertoire. Tja, gäbe es die Alben von Arfmann und Neuens nicht, würde „Classical Dub“ hier besser weg kommen, denn seine Produktionen sind handwerklich ohne Tadel. Aber das Bessere ist des Guten Feind.

Meine Wertung:

King Alpha: Dub Elevation Vol. 1–3

King Alpha, das Westlondoner Sound-System, ist vor allem durch seine äußerst produktive Zusammenarbeit mit Fikir Amlak bekannt geworden. Doch die Soundmen Ras Peter und Ras Joseph haben auch alleine kein Problem damit, tonnenweise Dubs zu produzieren. Allerdings muss man zugeben, dass die King Alpha-Dubs wohl nicht allzu schwer zu kreieren sind, denn an Minimalismus sind sie kaum zu übertreffen. Aber genau hier liegt die Faszination dieser Musik: Sie ist geradezu meditativ repetitiv. Das gefiel mir auch schon an den Fikir Amlak-Alben so gut. Wer sich auf diese einfachen Beats und den mystisch wabernden Bass einlässt, gerät unweigerlich in einen meditativen Zustand. Das ist dem Soundsystem offenbar selbst schon aufgefallen, so dass es fast zeitgleich drei Alben veröffentlicht hat, die der Meditation gewidmet sind: Dub Elevation Vol. 1, Vol. 2 und Vol. 3 (King Alpha). Insgesamt dreißig Tracks, jeweils bestehend aus einer mit indischen Chants dekorierten Version und einem fetten Dub. Die Cover wären übrigens eine Zier für jeden Esoterik-Laden.

Meine Wertung:

Vibronics: Dubs on a Mission

Anfang 2018 brachte Steve Vibronics das all female-Album „Woman on a Mission“ raus. Jetzt liefert er mit Dubs on a Mission (Scoops) die Dub-Version nach. Was es hier zu hören gibt, dürfte niemanden überraschen: guter, alter, klassischer Vibronics-Sound, nah am Steppers gebaut, wuchtig, voluminös und leider auch ein wenig antiquiert. Mir gefällt das Album aber dennoch deutlich besser als die Vocal-Version. Im Sound System funktioniert es super, zuhause läuft es jedoch Gefahr, etwas zu langweilen. Wenn man schön laut dreht, wird es besser.

Meine Wertung:

Hermit Dubz: Pursuit of Balance

Da habe ich letztes Jahr noch Miniman für die Idee gelobt, Kenji Kawais „UTA I – Making of Cyborg“ aus dem Soundtrack des Animes „Ghost in the Shell“ zu dubben, da begegnet sie mir jetzt schon wieder: auf dem neuen Album von Hermit Dubz: „Pursuit of Balance (Dubophonic Records). Eine Idee setzt sich durch. Wie Miniman, so setzt auch der in Birmingham arbeitende Brite Hermit Dubz auf typischen Steppers-Sound. Witzig, dass seine Plattenfirma ihn als innovativ preist, denn Hermit Dubz ist meines Erachtens ein geradezu archetypischer Vertreter des UK-Steppers-Dubs, der sich bekanntlich seit Jahrzehnten nur in Nuancen verändert hat. Gutes bleibt. Astreines Sound-System-Food also. Mit fettem Subwoofer macht die Musik aber auch zuhause Spaß.

Meine Wertung:

Cookie Ranks: Digital Dub Clash

Schon mal was von Cookie Ranks gehört? Ich auch nicht. Keine Ahnung, wer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt. Die Biographie auf Bandcamp besteht aus folgenden zwei Sätzen: „People love cookies. Cookie Ranks is the best cookie.“ Aha. Immerhin lässt der Name an einen Deejay der 1980er Jahre denken, womit wir schon auf einer zielführenden Spur wären, denn was der Top Ranking-Cookie auf seinem Album Digital Dub Clash (Vizual Records) bietet, könnte direkt aus den 1980ern stammen: 8-Bit Computerized Dub. Minimale Loops im Atari-Sound, veredelt mit Hall und Echo – das Ganze aber mit der vollen Sound-Dynamik moderner Produktionen und einem an elektronischem Minimalismus geschulten Musikverständnis. Ich habe ja generell eine Vorliebe für etwas ausgefallenere Styles und mag diesen Retro-Futurismus, zumal sich die hier versammelten Stücke bei genauem Hinhören unter der Sound-Oberfläche dann doch als recht abwechslungsreich entpuppen.

Meine Wertung:

Dubblestandart & Firehouse Crew present Reggae Classics

„Ich wollte schon lange Songs aufnehmen, die in meinem Leben große Bedeutung haben und mich inspirieren. Es war an der Zeit für eine Verbeugung vor ein paar handverlesenen Artists“, umschreibt Paul Zasky die Idee hinter dem neuen Album von Dubblestandart. Was nach einer verklärten Rückschau klingt, ist tatsächlich ein in vielerlei Hinsicht gehaltvoller Release geworden, der sich an Roots-Perlen der späten 70er und 80er Jahre heranwagt. Wer dahinter das x-te Bob Marley-Cover vermutet, wird überrascht sein: Hier wird Schwergewichten wie Matumbi, den Twinkle Brothers, Steel Pulse oder Burning Spear die Ehre erwiesen.

Zasky, Mastermind und Bassist der Wiener Formation Dubblestandart, geht diesmal auch produktionstechnische neue Wege – nicht umsonst überrascht das Album mit dem Titel „Dubblestandart & Firehouse Crew Present Reggae Classics“ (Echo Beach). Initiiert von Producer Devon D. fanden die Aufnahmen mit der Firehouse Crew 2017 und 2018 in Kingston’s legendärem Anchor Studio statt. Das Ergebnis ist eine für Dubblestandart-Verhältnisse sehr zurückgenommene und auf’s Wesentliche konzentrierte Produktion, die stark vom Spiel der Firehouse Crew geprägt ist.

„Wir haben wenig bis gar nicht nachproduziert, um die Sounds so original wie möglich hinzubekommen – dadurch ist ein sehr transparentes Klangbild zustande gekommen. Da spielt natürlich auch der einzigartige Aufnahmeraum des Anchor Studios eine große Rolle; dort bekommt man einen Drumsound hin, der einfach den richtigen Rootsvibe hat“, so Zasky, der sich bei den Aufnahmen weniger als Bassist denn als Sänger eingebracht hat. Auch das eine Überraschung, setzen Dubblestandart doch üblicherweise auf Samples und Guest Vocals – etwa von Marcia Griffiths oder Lee „Scratch“ Perry. 

Wer bislang das Thema „Dub“ vermisst hat, sei beruhigt: In bester Showcase-Manier folgen auf Vocal-Versionen die korrespondierenden Dubs, abgemischt in Robbie Ost’s Wiener GoEast-Studio. Auch hier zeigt sich eine ungewöhnliche Zurückhaltung: Solide Dubs, die in erster Linie von Danny Axeman’s groovenden Basslines leben. Etwas mehr Mut zum Klangabenteuer hätte durchaus gut getan, zumindest bei den Dubs auf der CD- bzw. Streaming-Version des Albums. Die Vinyl-Variante von „Dubblestandart & Firehous Crew Present Reggae Classics” hingegen wartet exklusiv mit anderen, rauheren und etwas gewagteren Dubs auf. Wer einen Plattenspieler sein eigen nennt, ist hier klar im Vorteil (und die CD gibt’s zum Vinyl gratis dazu).

Klangtechnisch ist am Album wenig zu bemängeln; freilich könnten die Mitten zugunsten von Bass und Höhen etwas weniger prägnant sein, aber dem allgegenwärtigen Trend zum „hot mastering“ kann sich auch Reggae und Dub nicht entziehen. Dem einen oder anderen wird George Miller’s extrem trocken klingende Kick-Drum auffallen, dafür gönnt sich Paul Zasky ein ausgiebiges Hall-Bad für seine Vocals. Das kann, muss man aber nicht mögen – trägt jedoch viel zum charakteristischen Sound von „Dubblestandart & Firehouse Crew Presents Reggae Classics“ bei.

Bleibt noch die Frage, ob Paul Zasky’s Album-Konzept aufgeht – selbst gesungene Cover-Versionen schwergewichtiger Songs von 70er/80er Roots Reggae-Ikonen mit der Firehouse Crew als Backing-Band. Eine schwierige Aufgabe, die mit Abstrichen gelingt – mal besser (Twinkle Brother’s „I’m No Robot“), mal schlechter (Johnny Clarke’s/Culture’s „Jah Jah See Dem A Come“), mal überraschend gut (Burning Spear’s „Fly Me To The Moon“). Der Knackpunkt ist Zasky’s wenig charismatische Stimme, die oft an den übermächtigen Originalen scheitert und auch die Einordnung des Albums im Dubblestandart-Oevre schwierig macht: Ist es ein von der Firehouse Crew eingespieltes Solo-Album des Band-Bassisten oder doch eines des Kollektivs Dubblestandart? Vielleicht wäre das bessere Konzept gewesen, ein Album mit dem Titel „Dubblestandard presents Reggae Classics in Dub“ herauszubringen und sich damit vorbehaltlos auf ein großes Soundspektakel einzulassen. Aus meinen Speakern wummern jedenfalls vorwiegend die Dubs – und zwar die von der Vinyl-Version des Albums.

Meine Wertung:

The Last Poets: Understanding what Dub is

Da wurde Reggae soeben von der UNESCO in den Status eines Welterbes erhoben, schon erweist ihm ein anderes hochrangiges Kulturgut die Ehre: The Last Poets. Selten hat Reggae so viele Feuilleton-Rezensionen gezählt wie aktuell durch das neue Album der legendären Band – und selten konnte unsere Lieblingsmusik damit so perfekt an ihren alten Markenkern als „Rebel Music“ anknüpfen. Was ist geschehen? Ziemlich genau 50 Jahre nach dem ersten Konzert der Last Poets (ein Konzert in Gedenken an Malcolm X in New York), und nach etlichen Alben quer durch Jazz, Funk und Hip Hop, erschien 2018, nach 20 Jahren Pause, mit „Understand What Black Is“ ein neues Werk der New Yorker Formation. Ein Reggae-Album! Die Feuilletons überschlugen sich vor Begeisterung: Die Wahl von Donald Trump hatte die inzwischen siebzigjährigen Rebellen, die als Begründer des Hip Hop gelten, wieder auf den Plan gerufen und sie zu heftigen verbalen Attacken auf Amerika veranlasst. Getragen vom Sound fetter Reggae-Beats. Auch wenn das eher konservative Blatt „Die Welt“ von „wohliger Hippie-Esoterik“ faselt, ist das schon ein beachtenswerter Vorgang. Reggae wird zur Basis eines prominenten Angriffs auf Nationalismus und Rassismus der USA. In einer Textzeile heißt es radikal: „Amerika ist ein Terrorist, das Töten war immer ein Teil des amerikanischen Masterplans“. Von Esoterik keine Spur. Was für Feuilleton-Redakteure neu und radikal erscheint, hat im Reggae eine lange Tradition. Dub Poets wie Oku Onuora, Linton Kwesi Johnson, Mutabaruka und Benjamin Zephaniah nahmen schon vor Jahrzehnten soziale Missstände, Diskriminierung und Rassismus auf Dub-Reggae-Beats unter verbalen Beschuss. Daher ist das Reggae-Bekenntnis der Last Poets eigentlich nur folgerichtig. 

Womit wir dann auch nach langer Vorrede endlich beim Thema Dub angekommen wären, denn zu „Understand What Black Is“ erschien mit Understand What Dub Is (Studio Rockers) jüngst die Dub-Version. Abgesehen davon, dass schon der Titel genial ist, handelt es sich nach langer Pause endlich mal wieder um ein Dub-Werk von Prince Fatty. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, er sei dem Reggae untreu geworden und in anderen Gefilden unterwegs. Aber nein. Offenbar waren er und sein Kumpel Ben Lamdin alias Nostalgia 77, nur mit den Produktionen für die Last Poets beschäftigt. Während bei den Poets stets das Spoken Word im Vordergrund steht, dreht sich bei der Dub-Version das Verhältnis um. Hier kommt die Musik voll zur Geltung – und sie hat es bei „Understand What Dub Is“ auch wirklich verdient. Fatty hat hier alles daran gesetzt, aggressive, militante Beats zu kreieren (von wegen „Hippie-Esoterik“!). Kraftvoll marschierende Drums, verziert mit den Percussions des jüngeren Poets-Mitglieds Baba Donn Babatunde, sowie wuchtige Basslines – u. a. eingespielt von Dub Judah. Fatty liefert einen beeindruckenden, spannenden Dub-Mix ab, der von heftigen Kontrasten lebt und selbst Mad Professor ein anerkennendes Nicken abtrotzen könnte. Geschickt gelingt es dem Prinzen, die pointiertesten Aussagen der Poets zwischen die Dub-Effekte zu platzieren, wodurch sie, meines Erachtens, sogar noch mehr Kraft entfalten, als bei den ursprünglichen Vocal-Versionen.

Meine Wertung: