Jim The Boss: Dub In Hifi

Dass immer noch nicht sehr viele brauchbare Dubs aus Jamaika kommen, ist zwar schade aber kein großer Verlust, solange der Rest der Welt dieses Manko mit links ausgleicht.

»Dub In Hifi« ist der zweite Coup von Jim the Boss aka Jim Monaghan, dem Produzenten aus Secausus, New Jersey, der das Hoboken HiFi-Studio und das Hudson Soul-Label leitet. Das neue Album steht seit 05.07.2019 als free download im Netz. »Dub In HiFi« ist ein Konglomerat aus richtig fetten Bässen, tighter Instrumentierung, gefälligen Vocals und trippigen Dub-Elementen.

Für mich ist Jim The Boss eine echte Entdeckung im Dickicht des Dub-Dschungels. Die Recherchen zu Jim Monaghan haben ergeben, dass seine Arbeits- und Herangehensweise genauso verrückt und abgedreht sein soll, wie die der alten Dub-Helden. Es werden Mikrophone im Sand vergraben, in Eimer gehängt, Wasser darüber geschüttet, in verschiedenste Materialien eingepackt, Kochtöpfe als Schlaginstrumente benutzt oder es werden Kupferrohre zusammengefügt, um einen langen Schallkanal zu erzeugen etc. Bei »Grits« einem Remake von »Outmeal« ein Titel aus seinem ersten Album »Hudson Soul« (2016) nimmt Jim The Boss eine Schachtel Müsli, um die Snare nachzuahmen, weil ihm der Sound besser gefällt. Das ist gutes, altes Dub-Handwerk in seiner reinsten Form. So wurde analoger Dub gemacht, als es die Technik noch nicht besser zuließ und man noch Mopeds oder was auch immer im Studio knattern ließ.

»Dub In Hifi« klingt tatsächlich, als wäre die Zeit zurückgedreht worden und wir befänden uns gerade in der glorreichen ersten und frühen zweiten Dekade des Reggaes/Dubs. Wem die Namen der Dub-Engineers King Tubby, Lee Perry, Sylvan Morris, Errol Thompson & Joe Gibbs, Scientist und King Jammy ein freudiges Lächeln aufs Gesicht zaubern, der sollte sich entspannt zurücklehnen und »Dub in HiFi« starten. Es erwartet ihn ein Feuerwerk schöner, alter, klassischer Reggae und Dub Riddims.

Beinahe hätte ich es vergessen, die Band, die an der Entstehung des Albums maßgeblich beteiligt war, sind The HiFi Rockers in Zusammenarbeit mit mehreren Gastmusikern, unter anderem Dave Hillyard am Saxophon.

Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass es solch klassischen Sound immer häufiger wieder zu finden gibt!

Meine Wertung:

Echo Beach Serious Classics-Series

Echo Beach haut unter dem Titel „Serious Classics“ einige, äh,  „Classics“ raus. Also ältere Produktionen und Veröffentlichungen, die es verdient haben, heute noch mal gehört oder von jüngerem Publikum gar erstmals entdeckt zu werden. Dabei beweist das Label – wie nicht anders gewohnt – eine sehr geschmackssichere Hand. Ich kann das völlig objektiv beurteilen, denn zwei Werke gehören auch zu meinen All-Time-Favorites: More Rockers, „Dub Plate Selection, Vol. 1 und Noiseshaper, „King Size Dub Special. Von Almamegretta, denen das Album In Spiritus Dub gewidmet ist, hatte ich bisher jedoch noch nie gehört, wohl aber vom vierten Album im Reigen: „Soul From Dubdown – Darker Than Blue“ von den Senior Allstars (alle Echo Beach). Alle definitiv sehr hörenswert. Mir aber haben es die More Rockers besonders angetan. Was war das für eine spannende Zeit, damals in den 1990er Jahren, als Dub wiederentdeckt und Jungle erfunden wurde! Die beiden Briten Rob Smith und Peter D. Rose brachten als More Rockers beides kongenial zusammen und schufen mit der ersten Dub-Plate Selection ein Album, das bei mir (und beim Echo Beach-Labelchef ebenso) in Dauerrotation lief. Wie schön, es nun wieder zu hören! Noiseshaper ist auch so ein Fall aus den 1990ern, obwohl das erste Album der beiden Briten erst 2001 erschien. Der progressivste Dub jener Zeit wurde auf dem Different Drummer-Label veröffentlicht. Rockers HiFi waren hier unter Vertrag, wie auch Pre Fade Listening, G. Corp*, das Overproof Sound System, der International Observer und natürlich auch Noiseshaper. Das King Size Dub Special-Album katapultiert nun die Glanzstücke von Noiseshaper in unsere Zeit und öffnet uns die Augen dafür, wie progressiv der Sound damals schon war, denn selbst nach rund 20 Jahren, klingen die Dubs unglaublich frisch und zeitgemäß. „In Spiritus Dub“ von Almamegretta ist ebenfalls eine Überraschung. Das Album versammelt die Best Of-Dubs der italienischen Band. Einigermaßen ruppige und verrückte Dubs übrigens, die sehr stark von Adrian Sherwoods Sound-Universum inspiriert wurden. Absolut hörenswert. Ebenso hörenswert auch das bekannte Dub-Werk der Münsteraner Senior All Stars, „Soul From Dubdown – Darker Than Blue“, das hier in einer Vocal-Version mit Songs von Ammoye wiederveröffentlicht wird.

Meine Wertung:

DubRaJah: Reprise

Oft bin ich wie ein Trüffelschwein im WWW. unterwegs, immer auf der Suche nach neuen, nicht gekannten Dub-Interpreten.

DubRaJah ist so einer, ich habe ihn bereits 2012 entdeckt. Es handelt sich um ein Projekt des Russen Sergey Gabbasov. Er ist Sozialanthropologe, spezialisiert auf Menschen und Kulturen im Himalaya, Regisseur mehrerer ethnografischer Filme über die verschiedenen Kulturen Asiens und Afrikas, Reisender und Musiker. Gabbasov arbeitet mit Künstlern wie Eric Mouquet («Deep Forest») und Robert Rich zusammen.

Nach DubRaJahs Veröffentlichung „Enkang“ (2014) mit verschiedensten Klängen aus Afrika und unter Mitwirkung von Mad Professor, kombiniert nun der russische Sozialanthropologe und Ethnomusikologe auf dem Album „Reprise“ (2017) seine Dub-Soundscapes mit gesampelten Klängen aus Indien, Nepal, Sri Lanka, Thailand und der Mongolei. Den letzten Feinschliff erhielt das Album in Moskau, wo es 2017 abgemischt wurde.

„Reprise“ wurde hauptsächlich in der „goldenen“ indischen Stadt Jaisalmer im Bundesstaat Rajasthan und der nepalesischen Kleinstadt Sauhar aufgenommen. Wie sein erfolgreicher Vorgänger „Enkang“ basiert das Album auf dem selben Konzept,. Es wurden lediglich die verwendeten „Zutaten“ verändert. Dieses Mal liegen DubRaJah’s Schwerpunkte in der musikalischen Erforschung der asiatischen und nicht der afrikanischen Kultur. DubRaJah verwendet subtil Fragmente seiner eigenen Feldaufnahmen aus Indien, Nepal, Sri Lanka, Thailand und der Mongolei, um die fremdartigen Klänge aus den bereisten Orten gekonnt mit Dub zu verschmelzen. Unter den acht Titeln findet man Beiträge, die vom ältesten nepalesischen Chitwan-Nationalpark (1973) oder dem indischen Bundesstaat Karnataka inspiriert sind, wo sich die von ihm gerne bereisten gewaltigen Jokou-Wasserfälle am Sharavati (Fluss) befinden. DubRaJah kehrt bei „Reprise“ nur bei einem Titel “Arusha“ in sein verehrtes Afrika (Tansania) zurück. Der Titel ist nach seinem afrikanischen „Hauptquartier“, wenn er sich mal wieder in Afrika aufhält, Arusha benannt. Viele seiner musikalischen Arbeiten wecken bei mir Assoziationen zu den Sound-Experimenten eines Adrian Sherwood und seinem On-U-Sound Label. Wir hören schrägen Percussion-Sound, Blechbläser, Mönchsgesänge, Sitarklänge, asiatisches Glockenspiel, russische Polka und hypnotisierende Gesänge. Alles sehr verhalten in die Dubscapes eingearbeitet. Wer sich auf die Klänge einlässt, wird vor dem eigenen Auge eine Reise durch das Himalaya Gebiet erleben.

DubRaJah, der Ethnomusikologe, beweist dem interessierten Hörer ein weiteres Mal, dass DUB im wahrsten Sinne keine Grenzen kennt, und dass seine Inspirationen die Reisen in andere Länder, zu anderen Kulturen und/oder das Interesse an dem etwas Anderen und Unbekannten sind.

Meine Wertung:

Mahom: King Cat

Bei meinen Dubblog-Lesern ist das neue Album von Mahom gar nicht gut angekommen. „Hat nix mit Dub zu tun, gähn“, lautet noch einer der harmloseren Kommentare (von einem sehr geschmackssicheren Dub-Kenner übrigens). Digitaler Dub hat es hierzulande nicht allzu leicht, wie man daran wieder einmal ablesen kann – und genau in diese Kategorie lässt sich King Cat (Flower Coast), das neue Album des Franzosen, einsortieren. Ich bin jedoch der Meinung, dass es keine Rolle spielt, auf welche Art und Weise ein Album entsteht, digital oder analog. Genau so wenig glaube ich an die Existenz einer reinen Lehre, die vorgibt, wie Dub gefälligst zu klingen hat. Im Gegenteil. Ich bin wirklich froh darüber, dass unser kleines Sub-Genre vielfältig genug ist, um verschiedene Spielweisen und Stile hervor zu bringen. Jeder hat seinen Geschmack – und so lange der auf Dub steht, ist ja alles gut ;-)

Meine Wertung:

David Harrow: Dub Journeys, Vol. 1: Oicho

Es gibt Dubs, die sind einfach nur schön. Mehr wollen sie auch gar nicht sein. Nicht super-hart, um ins Set von Marc Iration zu passen, nicht verkopft, um intellektuelles Renommee abzustauben, nicht eklektizistisch, um Genre-Connaisseuren zu schmeicheln und auch nicht authentisch, um Puristen zu gefallen. Die Tracks auf dem Album Dub Journeys, Vol. 1: Oicho von David Harrow gehören in die Kategorie der unaufgeregten, sich selbst genügenden, schönen Dubs. Entspannt, harmonisch, unaufdringlich fließen sie aus den Lautsprechern. Irgendwann merkt man, dass man sich in Gegenwart dieser Musik sehr wohl fühlt und beginnt, genauer hin zu hören, um sich schließlich zu fragen: David Who? Eigentlich müsste man ihn kennen, denn David Harrow treibt sich seit den 1980er Jahren im Music-Business herum. Angefangen im Industrial, arbeitete er mit Anne Clarke, später mit Jah Wobble und anschließend eine lange Zeit mit Adrian Sherwood. Während seiner Zeit bei On.U-Sound komponierte und produzierte er Tracks für Lee „Scratch“ Perry, Bim Sherman, African Head Charge’s und Mark Stewart. Dann ging’s weiter zu Andrew Weatherall und schließlich nach Neuseeland. Das Album „Dub Journeys, Vol. 1: Oicho“ (Dubmission) ist eine große Retrospektive seiner Produktionen, die immer noch frisch klingen und es verdient haben, wieder gehört zu werden.

Meine Wertung:

UB40: For the Many (Dub Album)

Wer hätte gedacht, dass UB40 auf die alten Tage noch mal ein so schönes, neues Reggae-Album vorlegen würde. Verschrieen als kommerzielle Mainstreamer, zeigen sie mit „For the Many“ noch mal so richtig, was sie als Reggae-Connaisseure drauf haben. In einer vernichtenden Online-Kritik las ich „UB40 haben für ihr neues Werk Stücke geschrieben, die sich auf allzu vorhersehbare Weise an Genre-Standards orientieren“, und dachte: „Ja genau, das ist ja das Geile“. Für UB40-Maßstäbe ist „For the Many“ ein sehr authentisches Reggae-Album geworden, das sich wenig um eine Pop-Chart-Platzierung schert und einfach schöne, und eben auch authentische Reggae-Songs bietet. Noch einen Schritt weiter ins Special-Interest-Genre geht die Band aus Birmingham mit dem dazugehörigen Dub-Album: For the Many (Dub) (Shoestring Music). Pop-Kompromisse kann ich hier beim bösesten Willen nicht mehr heraus hören. Nur amtlichen, soliden, klassischen Dub – nicht „for the many“, sondern for the chosen few. Okay: Düsternis, Schwere und Magie – sonst oft Qualitätskriterien guten Dubs – gibt es hier nicht zu erleben, sondern optimistische Melodien, harmonisch ausgewogene Arrangements und super-klassisches Dub-Mixing. Upliftment pur – und das meist als Extended Version mit mehr als fünf Minuten Spielzeit.

Meine Wertung:

Tads Hi-Power Dub

Auch aus Jamaika erreicht uns hin und wieder ein aktuelles Dub-Album wie z. B. Tads Hi-Power Dub (Tad’s Record). Zu hören gibt’s amtliche Dub-Versions einschlägiger Hits von Tad’s Records mit den unverkennbaren Stimmen von Dennis Brown, Gregory Isaacs, Sugar Minott, Brigadier Jerry, Johnny Osbourne, John Holt und anderer Reggae-Meistersänger. An Tad’s habe ich schon immer die satten Produktionen geliebt. „Hi-Power Dub“ macht hier keine Ausnahme: volle Dynamik, satte Bässe und schön klassisches Mixing von Gregory Morris. Für mich klingt das Ganze nach aktuellen Aufnahmen oder aber nach einem phänomenalen Remastering alter Produktionen. Und das Schönste: Die klassischen Riddims der glorreichen Reggae-History wie „I’m Just a Guy“, „Sleng Teng“, „Real Rock“ oder „Cuss Cuss“. Big up!

Meine Wertung:

Alien Levi: Interferences, Vol. 2

Schock! Da lebt man so im Ruhrgebiet vor sich hin und schreibt seit Jahrzehnten über Dub und bekommt nicht mit, dass in der Nachbarstadt Dortmund ein Dub-Bastler erste Güte arbeitet: Alien Levi. Erst die Online-Recherche zu dieser Rezension seines Albums Interferences, Vol. 2 (DiSFish Records) hat mich auf die Spur dieses Eigenbrödlers geführt, der übrigens bereits in den 1980er Jahren Mitglied einer Dortmunder Reggae-Band war. Kaum zu glauben. Und dann kommt noch hinzu: Das Album „Interferences, Vol. 2“  ist ursprünglich bereits 2015 erschienen und stand nunmehr seit rund vier Jahren in den Regalen einschlägiger Plattenläden, tauchte jetzt aber erst in digitalen Kanälen und den Streaming-Diensten auf. Asche auf mein Haupt. Aber egal, lieber spät als nie: Also, wenn ihr auf intelligenten, elektronischen Dub à la International Observer steht, dann gebt in Spotify oder Apple Music „Alien Levi“ in die Suche ein und wählt „Interferences, Vol. 2“ aus. Ein wunderschönes Dub-Album voller warmer, harmonischer Bass-Meisterwerke, clever arrangiert, schön gemixt und vor allem: großartig komponiert. Bei mir lief das Album die letzten Wochen rauf und runter. Übrigens scheint Herr Levi in den letzten vier Jahren den Bass-Harmonien abzuschwören und sich experimentelleren elektronischen Sounds jenseits des Dub hinzugeben. Daher kann ich nur raten: Streamt „Interferences, Vol. 2“ so oft es geht, um ihn mittels Streaming-Tantiemen auf den rechten Weg zurück zu führen ;-)

Meine Wertung:

Ras Teo Meets Lone Ark: Ten Thousand Lions

Selten, aber doch schafft ein Album gleich mit dem ersten Track zu beeindrucken – wenn etwa einer der Lieblings-Riddims des Rezensenten aus den Boxen wummert. So geschehen bei Ras Teo’s neuem Release, der sich beim Opener „Country Living” bei den  Roots Radics bedient – im Original zu finden als „Material Man“ auf Gregory Isaacs legendärem „Night Nurse“-Album. 

Ras Teo liefert mit „Ten Thousand Lions“ (A-Lone/Rebel Sounds Records)  ein massives Doppel-Album ab, das neben zwölf Vocal-Tracks auch die entsprechenden Dub Versions präsentiert und wohl deshalb unter „Ras Teo meets Lone Ark“ firmiert. Der Sänger mit der samtweichen Stimme ist Angeleno armenischer Abstammung – was seine mitunter zutiefst spirituellen, im breiten Patois vorgetragenen Texte in einem etwas seltsamen Licht erscheinen lassen, zumal sich kein entsprechender ethnischer Konnex zu Jamaika finden ließ. Der Gesang selbst erzeugt gemischte Gefühle: Der Mann hat eine angenehme Stimme und trifft die Töne, aber es fehlt an Energie. Wer hier eine natürliche, dynamische Spannbreite von leise bis laut erwartet, wird enttäuscht werden – zu laut und gleichförmig plätschert der Gesang dahin. Die Vocals sind zudem produktionstechnisch stark komprimiert; was sich beim mehrstimmigen Chorus durchaus gut machen kann, hinterlässt beim Lead-Gesang einen schalen Eindruck und ermüdet auf Dauer den Zuhörer. Schade, zumal mangelnde Dynamik ein generelles Manko des ansonsten gelungenen Albums ist.

Was hier natürlich besonders interessiert, sind die Dub Versionen. Die Instrumentals, produziert von Roberto Sanchez in seinem spanischen Lone Ark-Studio, haben einen starken Bezug zu den 70ern, und mitunter möchte man meinen, dass es sich um Aufnahmen der Revolutionaries aus dem Jahr 1978 handelt. „Bad Friday Dub“, „Hitey Tighty Dub“ und „Babylon Crooked Dub“ sind dafür exemplarische Beispiele; vor allem Sly Dunbar’s Einfluss ist hier unüberhörbar. Die Backing-Tracks und insbesondere die Dubs präsentieren sich damit als eine Zeitreise, die beeindruckender nicht sein könnte – hier stimmt alles: Von den Drums (inkl. Syndrums!) und Percussions über Keyboards bis hin zu den hervorragenden arrangierten Bläsern hat die „Lone Ark Riddim Force“ scheinbar mühelos ein Album der Meisterklasse abgeliefert. Das ist umso bemerkenswerter, als hier der Produzent den Löwenanteil der Instrumente selbst eingespielt und abgemischt hat; lediglich Keys, Percussions und Bläser stammen nicht von ihm. Roberto Sanchez zeigt damit einmal mehr, dass er ein profunder Kenner der Materie ist, präzise Vorstellungen vom Sound seiner Produktionen hat und offensichtlich die Dub-Schule von Scientist, Mad Professor, King Tubby & Co besucht hat. Wer hier Gefallen am Sound von Sanchez‘ „Lone Ark Riddim Force“ findet, der wird auch andere Lone Ark-Produktionen wie etwa Earl Sixteen‘s „Natty Farming“ oder Earl Zero‘s „And God Said To Man” schätzen.

Meine Wertung:

Mato: Classical Dub

Mato ist der große Konzept-Künstler und Eklektizist unter den Dubbern. Nachdem er 2016 Film-Soundtracks einem Dub-Treatement unterzog, nimmt er sich auf seinem aktuellen Album „Classical Dub“ (Mato Production) der klassischen Musik an. Wieder ein interessantes Konzept, wie ich finde. Ich muss dabei allerdings sofort an Matthias Arfmanns geniale Herbert von Karajan-Remixes „ReComposed“ von 2005 denken und natürlich an die beiden Alben des Opernsängers Uly E. Neuens. So charmant und mutig ich Matos Klassik-Konzept finde – zwischen seinem Album und den vorgenannten liegen Welten. Das große Manko an Classical Dub: Mato verwendet zwar klassische Melodien, baut auf ihrer Basis aber ganz gewöhnliche Dub-Cover-Versionen. Abgesehen davon bedient er sich außerdem mit „Schwanensee“, „Carmen“ etc. doch ziemlich vordergründig am „Gassenhauer“-Klassik-Repertoire. Tja, gäbe es die Alben von Arfmann und Neuens nicht, würde „Classical Dub“ hier besser weg kommen, denn seine Produktionen sind handwerklich ohne Tadel. Aber das Bessere ist des Guten Feind.

Meine Wertung: