Dub Evolution April 2009

 

Dass Dub in Deutschland überlebt hat, haben wir einzig und allein einem Label zu verdanken: Echo Beach. Gegründet während der Blütezeit des UK-Dub, hat es die Fahne des Dub in all den Jahren der Dürre und Entbehrungen hoch gehalten und feiert heute seinen unglaublichen 15. Geburtstag. 1,5 Dekaden First Class-Dub aus Deutschland und dem Rest der Welt (mit bahnbrechenden und Dub-Geschichte schreibenden Alben u. a. von Black Star Liner, The Groove Corporation, Manasseh, Seven Dub, Dubblestandart, Noiseshaper, Cool Hipnoise und den More Rockers), da hätte man mit gutem Recht einen Best Of-Sampler erwarten können. Doch nein, Mr. Beverungen from outta Hamburg überrascht uns mit einer neuen Ausgabe seiner legendären King Size Dub-Serie – der dreizehnten, wenn ich richtig gezählt habe (Echo Beach/Indigo). Und weil das ein schlechtes Omen ist, hat man einfach zu einer anderen Zahl gegriffen, deren Symbolgehalt weitaus vielversprechender ist, der 69! Darauf hat unser hanseatischer Dub-Ritter (und -Retter) 14 exklusive Tracks von seinen Lieblings-Label-Artists versammelt und den Mark Viddler-Dubmix von Martha & The Muffins Song „Echo Bach“ programmatisch an den Anfang gestellt. Es folgt ein reichlich spaciges Dub-Cover des Special-Hits „My Rasist Friend“, dargeboten von Deepchild feat. Andy B. Hohe Dub-Mix-Kunst! Dann ein Track, mit dem man nie und nirgends etwas falsch machen kann: „Peace & Love“ von Dubmatix feat. Linval Thompson (vom aktuell bei Echo Beach erschienenen Album „Renegade Rocker“). Geht es um die New School des Old School-Dub, dann macht Dubmatix aka Jesse King zurzeit niemandem etwas vor. (Ich höre aktuell zwei großartige neue Dubmatix-Singles, die in Kürze bei irieites.de erhältlich sein werden – nicht Echo Beach, aber trotzdem klasse). Ebenfalls groß: Junglehammer vs. Daktari, ein kraftvoller, schneller Dub. Die perfekte Wahl nach dem Dubmatix-Kracher. Weiter geht‘s mit Smoke (vom aktuellen Album „Addicted“), dann (zum x-ten Mal – aber beim Jubiläumssampler drücken wir mal ein Ohr zu) mit The Ruts DC. Es folgen vier grandiose Dub-Cover: „House Of The Rising Sun“ (Animals), „Walking On The Moon“ (Police), „Private Life“ (Pretenders) und „Jeanny“, eine richtig deepe Dub-Version von Falcos kontroversem 80er-Hit. Den Abschluss bilden Dubblestandart mit Lee Perry, das Dub Syndicate, Sugar Sugar (von Seven Dub) und Ari Up vs. X. A. Cute, die einen interessanten Crossover von Cutty Ranks und Dubstep fabriziert haben. Mit anderen Worten: Ein richtig gutes, fettes Jubiläumspräsent, das Echo Beach uns und sich selbst zum Geschenk gemacht hat. Auf die nächsten 15 Jahre!

Ich lebe in dem sehr befriedigenden Bewusstsein, mich zumindest in einem musikalischen Kosmos wirklich gut auszukennen: Dub. Doch in letzter Zeit mache ich immer wieder die – allerdings keineswegs unangenehme – Erfahrung, dass es noch einige unentdeckte Winkel und mir unbekannte Protagonisten gibt. Wie z. B. Sideshow, deren Debut-CD „Admit One“ (Aus Music/Alive) letztens auf meinem Schreibtisch landete. Der Name sagte mir gar nichts und ein Blick ins Presseinfo nährte den Verdacht, dass diese CD womöglich nur fehlgeleitet worden war. Die Rede war dort nämlich vom Singer/Songwriter Fink, der seit 2003 Alben auf Ninja Tune veröffentlicht, auf denen er sich beim Singen mit der akustischen Gitarre begleitet. Also so ungefähr das Gegenteil von Dub. Egal, ich beschloss die Musik sprechen zu lassen und legte die CD in den Player. Immerhin hörte ich nicht einen Mann mit seiner Gitarre, sondern einen waschechten Indi-Popsong mit weiblicher Sängerin (Cortney Tidwell, wie sich später herausstellte) – aber letztlich auch nicht meine Tasse Tee. Fast hätte ich die CD schon gestoppt, als der zweite Track begann und mir eine Bassline entgegenschallte, die meine Eingeweide erbeben ließ. Wow – was war das? Four to the floor stampfte der Beat durch Raum und Zeit und hinterließ Spuren lang nachhallender Echos. Dabei – und das passte perfekt zu dem ungewöhnlichen Einstiegssong – klang alles so wunderbar analog und menschlich, hatte Wärme und Atmosphäre. Beim dritten Track dann erklang die vertraute Stimme von Paul St. Hilaire, womit dann auch klar war, wohin die Reise bei den verbleibenden sieben Tracks gehen sollte: Zu einer der schönsten und spannendsten Dub-Exkursionen der letzten Monate. Fink aka Fin Greenall hat dieses Album mit seiner Tour-Band live eingespielt, gewissermaßen zur Entspannung: „Im Dub geht es für mich nicht um rationales Denken, sondern eher um emotionales Handeln, um Freiräume, eine gewisse Beschaffenheit,“ sagt Greenall: „Dub ist für mich wie die Kirche der Musik, eine gewisse Unschuld mit riesiger Kraft.“ Sehr schön poetisch – und man glaubt es ihm spätestens, wenn auf „If Alone“ die klagenden Streicher ertönen, in denen der Weltschmerz über unablässig heranströmenden Bass-Wogen ausgebreitet wird, nur um dann in einer höchst eigenwilligen Version von Kraftwerks „Modell“ zu münden. Wer so etwas als Entspannungsübung betreibt, muss schon ein begnadeter Musiker sein – von denen es in den verschiedenen musikalischen Genres ja eine Menge gibt. Bleibt nur zu hoffen, dass sie ihr Herz für Dub entdecken und dafür sorgen, dass noch so manche obskure CD auf meinem Schreibtisch landet.

Das genaue Gegenteil von „handgespielter“, analoger Musik liefert das Label Jahtari, das sich – wie der Name vermuten lässt – dem 8Bit-Sound früher Computer wie Atari und vor allem dem C64 mit seinem (damals) überragenden Soundchip verschrieben hat. Labelchef Disrupt legt nun mit „The Bass Has Left The Building“ (Jahtari/Cargo) sein zweites, „echtes“ Album vor, auf dem er die Verbindung von Dub und 80er-Jahre Computergame-Sounds weiter auslotet. Damit tritt er unweigerlich in die Fußstapfen von King Jammy, der 1985 mit Sleng Teng den ersten vollsynthetischen Reggae-Sound produzierte. Doch während Jammys Epigonen heute mit modernster Software wie Logic und Cubase arbeiten, beschränkt sich Disrupt bewusst auf das minimale Soundrepertoire des dreistimmige SID-Chips, der seinerzeit im C64 steckte. Was lässt sich mit diesem beschränkten Instrumentarium anstellen? Ehrlich gesagt: nicht sehr viel – obwohl, andererseits, auch wieder mehr als gedacht. Im schlechtesten Fall klingen die Stücke nach den simpel gestrickten Soundtracks alberner Jump & Run-Spiele, im besten Fall gelingt es Disrupt komplexere Shuffel-Beats zu komponieren, die gelegentlich sogar in die Nähe von Rhythm & Sound-Tracks kommen. Letztlich lässt sich diese Musik mit gewöhnlichen Qualitätskriterien aber nicht fassen. Dubs aus C64-Sounds sind ein Experiment, das, egal ob es scheitert oder gelingt, unseren musikalischen Horizont erweitert – und damit seine Berechtigung hat.

Wahre Reggae-Buffs kennen Clinton Fearon. Auch wenn sie ihn in dieser Kolumne nicht erwartet hätten, denn Fearon ist als Mitglied der Gladiators und somit als Sänger bekannt. Doch nun hat der Reggae-Veteran, der nicht nur Sänger sondern auch Bassist ist und bereits im Studio One und im Black Ark-Studio spielte (und mittlerweile in Seattle (USA) lebt), ein waschechtes Dub-Album aufgenommen. „Waschecht“ bedeutet, dass es nicht nur der Dubmix eines vorliegenden Vokal-Albums ist. Nein, „Faculty Of Dub“ (Boogie Brown/Import oder iTunes) ist ein originäres, „handgespieltes“ Dub-Album. Und ein sehr gutes dazu, mit wunderbarem Old School-Flair, klassischer Besetzung, sanften, harmonischen Rhythms und einfachem, aber sehr angenehmen Mix. Solche Musik kann man wunderbar im Büro laufen lassen. Sie verbreitet Wärme und Wohlbefinden, wirkt beruhigend aber keineswegs langweilig. Die Faculty Of Dub ist schlicht und ergreifend das, was man ein „solides Dub-Album“ nennt. Und genau davon gibt es in den letzten Jahren viel zu wenig. Auch jenseits musikalischen Engagements scheint Mr. Fearon aktiv zu sein. Eine Google-Suche nach seinem Namen fördert einen Blog mit dem Titel „Boogie Brown and the Baby Notes“ zutage, in dem Fearon Geschenkideen (meist Geschenkkörbe) anpreist. Die Geschenkkörbe gibt es dann auf einer kanadischen Shopping-Site. Na ja, seit mit Musik kaum noch Geld zu verdienen ist, müssen Musiker auch alternativen Einnahmequellen gegenüber aufgeschlossen sein.

Aber da wir gerade im Netz herum surfen, muss ich noch einen Tipp für einen richtig guten Dub-Podcast loswerden: thedubzone.blogsome.com. Produziert wird er von Pete Cogle, der bis zu drei mal monatlich eine ca. halbstündige Show ins Netz stellt. Dafür greift er ausschließlich auf im Netz frei verfügbare Downloads zurück und nimmt somit seinen Hörern die Mühe ab, selbst Musik-Community-Sites wie reggaedubwise.com nach gutem Material zu durchforsten. Ich bin jedenfalls immer wieder sehr erstaunt, welch gute Dubs Mr. Cogle sich so zusammen klickt (und vor allem bin ich darüber erstaunt, welch gute Qualität „Hobby“-Dub-Produzenten so ins Netz stellen).

Meine Wertung:

Dubmix zur Dub Evolution April 2009

Tracklist:

Deepchild feat. Andy B: „Racist Friend“ vom Album „King Size Dub Chapter 69“ (Echo Beach/Indigo)

Sideshow: „Sequential Dub“ aus dem Album „Admit One“ (Aus Music/Alive)

Disrupt: „Impossilbe Mussion III“ aus dem Album „The Bass Has Left The Building“ (Jahtari/Cargo)

Clinton Fearon: „Kingston Walk“ aus dem Album  „Faculty Of Dub“ (Boogie Brown/Import oder iTunes)

Download mp3 (17MB) dubmix_4_2009

Meine Wertung:

Dub Evolution, Januar 2009

 

Dub ist ein internationaler Style und die besten Dub-Produktionen kommen schon lange nicht mehr allein aus dem UK (ganz zu schweigen von Jamaika). Doch haben wir hier je über Kanada als Dubbin-Ground gesprochen? Abgesehen von Dubmatix, der hier lebt und arbeitet, schallten aus dem Norden des amerikanischen Kontinents bisher keine Echos zu uns herüber. Doch wie sich nun zeigt, lag das daran, dass wir nicht aufmerksam genug hingehört haben, denn bereits seit einigen Jahren veröffentlicht das kleine Label „Balanced Records“ eine hoch interessante musikalische Mixtur, in der Dub einige Volumenanteile ausmacht. Im Wesentlichen geht es bei „Balanced“ um Downtempo, Nu Jazz, Electro und Dub, das Ganze zusätzlich mit globalen Sounds gewürzt. Doch nun –  wahrscheinlich weil der Dub-Virus sich unaufhaltsam ausbreitet, hat er sein Opfer erst einmal infiziert – ist der Label-Sampler „Nothern Faction 4“ (balanced-records.com) ausgesprochen dublastig ausgefallen. Die Labelmacher haben sich dazu nicht nur ihres eigenen Musiker-Stalles bedient, sondern passende Tracks rund um den Globus lizensiert. Dabei sind 14 Artists zusammen gekommen, von denen ich bisher nur Noiseshaper, Dubmatix und das Subatomic Sound System kannte. Die meisten anderen sind im engeren Sinne auch keine Dub-Artists, was die Sache aber umso interessanter macht. Denn so finden sich die straighten Dubs eines Dubmatix z. B. in spannungsvollem Kontrast zu einem melancholischem Nu Jazz-Stückes oder einem harten Elektro-Track. Statt 70 Minuten stoisch im Offbeat-Tackt zu wippen, eignet sich „Nothern Faction 4“ eher zum aufmerksamen Hinhören und zum Einlassen auf unterschiedliche Stimmungen. Mit anderen Worten: Es ist ein etwas intellektuelleres, dafür aber gerade besonders erlebnisreiches Album, das sich mit Bauch und Kopf gleichermaßen genießen lässt.

Statt gradliniger, hypnotischer Dub-Alben, häufen sich diesmal eher etwas ungewöhnliche und vertrackte Werke auf meinem Tisch, Alben, die mehr am Rande des Genres, statt in dessen One-Drop-Zentrum zu operieren. Da wäre zum Beispiel das neue Album „Visions In Sonic Sense“  (Malicious Damage/Cargo) von Analogue Mindfield, das – wenn man es als physischen Datenträger kauft – mit psychedelischem Cover und beiliegender grün-roten 3D-Brille kommt. Während man im Raum fliegende 3D-Augen betrachtet, gibt es eine Musik zu hören, die sich dem Leftfield-Spektrum zuordnen lässt und ein wenig wie unveröffentlichte Dreadzone-Tracks klingt. „Akustische Klanglandschaften bestehend aus herausvordernder, aber trotzdem zugänglicher Musik“ sind das Ziel der irischen Band. Was sich hier so abstrakt anhört, lässt sich auch als eine Mischung aus Reggae-Dub (auch Old-School), Pop und Elektronik bezeichnen. Dabei gibt es (übrigens auch wie bei Dreadzone) überaus eingängige, fast schon chartstaugliche Stücke, aber auch experimentelle und schräge Dubs zu hören. Kennzeichnend sind stets mal kleine, mal große Melodien, die sich in den Gehörgängen einnisten. Dazu kommen schnelle und vielfach synkopierte Beats und ein ganzes Universum diverser kleiner Sounds, kleiner Synthie-Melodiefolgen und Vocal-Samples – manches grenzt schon an Überproduktion. Insgesamt herrscht eine leichte, gut gelaunte Stimmung und es macht unzweifelhaft Spaß, sich auf die „Visions In Sonic Sense“ einzulassen.

Weiter geht‘s mit einer Expedition an die Grenzen des Dub. Unser Guide heißt Harmonic 313 und unser Forschungsgebiet ist die Zeit, „When Machines Exceed Human Intelligence“ (Warp/Roughtrade). Jene futuristischen Sphären sind nämlich das Lieblingsbeschäftigungsfeld vom Marc Pritchard, jenem Elektro-Künstler, der sich seit Beginn der 1990er Jahre der so genannten „UK-Bass-Music“ verschrieben hat. Damit dürfte klar sein, worin der Bezug zum Dub hauptsächlich besteht: im Bass. „Bass! How Low Can You Go?“ fragte Public Enemy vor 20 Jahren. Pritchard liefert mit seinem neuen Album nun eine beeindruckende Antwort auf diese Frage. Seiner Auffassung nach wird die Tanzmusik Englands seit fast 20 Jahren vom Bass regiert: Dub, Jungle, Drum & Bass, Garage, Dubstep – und bei allen Styles hatte er ein Wörtchen mitzureden gewusst. Und so verwundert es nicht, dass die futuristisch-düsteren, aber auch harten und rationalen Sounds auf „When Machines Exceed Human Intelligence“ am ehesten an Dubstep erinnern (mit deutlichen Referenzen an Detroit Techno und 80er-Elektro). Reggae sucht man hier (abgesehen vom Intro-Sample) vergeblich, aber das Übermaß an Bass dürfte trotzdem jeden Freund des Dub in einen glückseligen Zustand versetzen. 

Da wir uns gerade schon so weit vom klassischen Dub-Terrain entfernt haben, bleiben wir noch ein wenig in diesem Grenzgebiet und hören mal in das Album „Underground Wobble“ (Jarring Effects/Alive!) von High Tone. Unter diesem Titel firmiert eine Gruppe von Dub-Alchemisten aus Lyon, die eine eklektizistische Musik aus Dub, Industrial, Hip-Hop, Trip-Hop und Ethno Samples zusammen basteln und das Ganze „Novo-Dub“ nennen. Zu hören gibt es teils schwere, teils wilde Break- und Offbeats, kreischende Synthies, orientalische Melodieornamente und hypnotische Keyboardsounds. Das richtige Material, um sich die vom Harmonic 313-Bass zugedröhnte Ohren freipusten zu lassen. Wer genau hinhört und den vollen, reichen Sound der Tracks durchdringt, der entdeckt faszinierende Details, wie z. B. sanfte Jazz-Einlagen, die von wildem Sirenengeheul kontrastiert werden, Synthie-Eskapaden (die ebenso gut Samples von Oper-Gesang sein könnten), sowie stets undeutliche, geheimnisvolle Funksprüche (in denen wahrscheinlich eine Verschwörungstheorie diskutiert wird). Statt eines durchgehend brachialen Sounds, folgen die einzelnen Stücke einer ausgeklügelten Dramaturgie voller Kontraste und Überraschungen.

Zum versöhnlichen Abschluss gibt‘s noch mal richtigen Reggae: „Infinite Dub“ von Midnite/Lustre Kings (Lustre Kings/Import). Dabei handelt es sich um die Dub-Version des Albums „Infinite Quality“, einer Zusammenarbeit von Midnite-Sänger Vaughn Benjamin mit dem Lustre-Produzenten Digital Ancient. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist – zumindest in Dub-Form – einigermaßen langweilig. Die Riddims doch recht durchschnittlich, der Gesang ist nur in winzigen Fetzen zu hören (ist ja Dub!) und die Produktion ist, nunja, sagen wir: wenig inspiriert. Irgendwie hört sich der Sound merkwürdig dumpf an. Tja, man sieht, das ich dem Album wenig Positives abgewinnen kann. Die Vocal-Version war gewiss besser, denn die wenigen Melodiefetzen, die das Dub-Treatment überstanden haben, hören sich vielversprechend an.

Meine Wertung:

Dubmix zur Dub Evolution Januar 2009

Tracklist:

Solidaze: „Panorama Dub“ aus dem Album „Nothern Faction 4“ (balanced-records.com)
Analogue Mindfield: „Need A Leader (Dub)“ aus dem Album „Visions In Sonic Sense“  (Malicious Damage/Cargo)
Harmonic 313: „Dirtbox“ aus dem Album „When Machines Exceed Human Intelligence“ (Warp/Roughtrade)
High Tone: „X-Ray“ aus dem Album „Underground Wobble“ (Jarring Effects/Alive!)
Midnite & Lustre Kings: „Reala Dub“ aus dem Album „Infinite Dub“ von Midnite/Lustre Kings (Lustre Kings/Import)

Download mp3 (23MB): dubmix_1_2009

Meine Wertung:

Meine Dub Top 10 des Jahres 2008

1. Dubmatix: „Renegade Rocker“ (7 Arts/Echo Beach/Indigo)
2. Dubxanne: „Police In Dub“ (Echo Beach/Indigo)
3. Clive Hunt: „Clive Hunt & The Dub Dancers“ (Makasound/Rough Trade)
4. Prince Fatty: „Survival Of The Fattest” (Mr. Bongo/Cargo).
5. Various: „Dub-Anthology“ (Wagram/SPV)
6. Kasbah Rockers: „Kasbah Rockers with Bill Laswell“ (Barraka)
7. Vibronics & Friends: “UK Dub Story” (Scoop/Import)
8. Hi Fi Killers: „Turf War Dub“ (Mossburg/Import)
9. Lars Fenin: „Been Through“ (Shitkatapult/mdm)
10. Jimmy Radway & The Fe Me Time All Stars: „Dub I“ (Pressure Sounds/Groove Attack)

Meine Wertung:

Dub Evolution, November 2008

„… One of the hardest dub albums ever released“, steht im Rough Guide To Reggae über das Album „Dub I“ von Produzent Jimmy Radway & The Fe Me Time All Stars (Pressure Sounds/Groove Attack). Über dieses Statement ließe sich vorzüglich streiten – darüber, dass „Dub I“ one of the hardest albums ever TO GET“ war, braucht es jedoch keine Diskussion. 1975 mit einer Auflage von nur 300 Stück in Jamaika veröffentlicht, war „Dub I“ als eines der ersten Dub-Alben überhaupt – und zudem noch ein Frühwerk von Meister-Engineer Errol Thompson – so etwas wie der heilige Gral der Reggae-Sammler. Die wenigen Auserwählten, deren Sammlung von einer der raren, verbliebenen Vinyl-Scheiben dieses Albums gekrönt wurden, müssen nun einen herben Kurssturz ihres Anlagevermögens hinnehmen, denn Pressure Sounds wiederveröffentlicht das Dub-Album nun perfekt remastert mit fünf Bonus-Tracks, dem Original-Cover und ausführlichen Linernotes. Als Dub-Connoisseur des Jahres 2008, mit Kenntnis der langen Geschichte des Dub (auch nach 1975), mag sich das revolutionär Neue und vor allem die „Härte“ des Albums nicht mehr erschließen. Zu viel von dieser an Innovationen nicht armen Musik hat man schon gehört, hat sich tonnenschwere Bässe um die Ohren hauen lassen und ist durch so manche Echo-Kammer gewirbelt worden. Aus heutiger Sicht wirkt der Sound und das Arrangement von „Dub I“ einigermaßen konventionell. Retrospektiv betrachtet lässt es sich jedoch nachvollziehen, warum der trockene, von kraftvollen Bläsern dominierte, klare und schnörkellose Sound damals als revolutionär wahrgenommen wurde. Wäre Radways Micron-Label zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Albums nicht bereits pleite gewesen, dann hätten eine höhere Auflage und ein paar Promos in den Briefkästen von Virgin- oder Island-Records, Mr. Radway gewiss einen Platz in der Reggae Hall Of Fame gesichert. So ist es nicht gekommen, weshalb wir uns das Album nun mit über dreißigjähriger Verspätung anhören und ihm die Anerkennung zugestehen, die ihm so lange versagt geblieben ist.

Wie innovativ Dub sein kann, lässt sich an dem Album „Kasbah Rockers with Bill Laswell“ (Barraka) (zu beziehen z. B. über Amazon oder iTunes) zeigen. Unter diesem Titel hat der in Basel lebenden Musikers Pat Jabbar mit einigen Artists seines Barraka-Labels ein Album veröffentlicht, das Trip Hop Beats, „Rai’n’B“, Dub und progressive Dance-Sounds mit traditionellen marokkanischen Einflüssen verbindet. Bill Laswell, der auf 11 Tracks Bass spielt, groovt hier zusammen mit Musikern und Sängern wie Youssef El Mejjad von Amira Saqati, Abdelaziz Lamari und Abdelkader Belkacem von Maghrebika oder Kadir & Erdem von der schweizerisch-türkischen Hip Hop-Crew Makale. Gesungen wird auf türkisch und arabisch über das Leben junger Muslime in der westlichen Welt – oder genau umgekehrt – die Konfrontation der islamischen Welt mit westlichen Einflüssen. Zwei Stücke des Albums, „Bledstyle“ und „Shta“, wurden übrigens von Ridley Scott für den Soundtrack seines neuen Films „Body Of Lies“ ausgewählt. Ausgewiesene Reggae-Beats sucht man bei den Kasbah Rockers zwar vergeblich, doch die Elemente des Dub sind allgegenwärtig. Vor allem Laswells schwer rollender Bass zieht eine direkte Verbindung zum Dub. Instrumentierung, Mix und Arrangement tun ihr übriges. Die Stimmung der Musik ist düster, psychedelisch und nicht zuletzt fremd und exotisch. Eine erlebnisreiche, akustische Exkursion in unbekanntes Gebiet.

Um wieder sicheres Terrain zurück zu gewinnen, hören wir jetzt mal in die neue EP der Abassi All Stars, „No Answer“ (Universal Egg/Import). Basis von drei der vier Tracks ist Mr. Perchs „No Answer“-Rhythm – ein ausgesprochen schneller Steppers-Beat mit den bekannten Synthie-Sounds. Doch Neil Perch versteht es trotz des nun wirklich mehr als abgenutzten Sounds, immer wieder gute Rhythms zusammen zu schrauben und – vielleicht sein größtes Verdienst – ordentliche Melodien zu entwickeln. So finden sich auf „No Answer“ mit Minoo, Omar Perry und Carlton Livingston gleich drei Vokalisten, von denen ein jeder einen richtig schönen Song beizusteuern weiß. Vor allem der Refrain des letzteren „I don‘t have the answers to all those questions“ hat eine heimtückische Ohrwurm-Qualität.

Bleiben wir kurz im Bereich des wohl bekannten: Alpha & Omega legen mit „Songs From The Holy Mountain“ (Alpha & Omega/Import) ein neues (neues?) Album vor. Ehrlich gesagt, habe ich bei den beiden Briten den Überblick verloren. A&O bleiben ihrem Stil seit den 1990er Jahren so konsequent treu, dass man nicht unterscheiden kann, ob man neues oder wohl bekanntes Material hört. Irgendwie klingt hier alles nach tiefstem Dschungel. Neu sind aber auf jeden Fall die Vocals, die von Paul Fox und Jonah Dan beigesteuert werden. Viel eingefallen ist den beiden aber kaum, so dass der zweite Teil des Albums mit den Dub-Versions, der eigentlich interessante ist. Obwohl ich wahrscheinlich alle A&O-Alben der letzten 15 Jahre besitze und sie auch schon viele Male gehört habe, verzückt mich der mystisch, düstere Sound jedes Mal von neuem. So erklärt sich, warum sich über die „Songs From The Holy Mountain“ nichts wirklich Gutes sagen lässt, ich das Album aber trotzdem von Herzen empfehle.

Auf dem in Berlin gewissenhaft gepflegten Wackies-Label ist mit „Black World Dub“ (Wackies/Indigo) ein neues altes Werk der Bullwackie‘s All Stars erschienen. Erstveröffentlicht im Jahre 1979, bietet es uns Dub-Versionen von Reworkings alter (Studio One-)Hits wie „Heptones Gonna Fight“, „Guiding Star“,„Skylarking“ oder „This World“. Zu verdanken haben wir diese Auswahl Leroy Sibbles, der die meisten Aufnahmen des Albums leitete und natürlich auch das Bassspiel beisteuerte. Der Sound ist typisch Wackies: warm, weich und ziemlich unscharf. So manche Tracks halten kleine Überraschungen bereit, wie etwa die atemberaubenden Percussions auf „Skylarking“ oder die eingestreuten Syndrums auf „Morning Star“, die seinerzeit das Aufsehen erregende Produkt modernster japanischer Technik waren.

Ein schönes Album für die Revival Selection hat Heartbeat Records soeben veröffentlicht: Dub Specialist, „Dub“ (Heartbeat/in-akustik). Hier finden sich Dub-Versions klassischer Studio One-Aufnahmen – was natürlich immer schön ist. Mit dabei sind diesmal u.a. „African Beat“, „Mojo Rocksteady“, „Swing Easy“, „Mean Girl“ und viele mehr. Schön schrammeliger Sound, wundervolle Basslines, tolle Melodien und das alles selbstverständlich remastert und schön verpackt. Was will man mehr?

Werfen wir abschließend noch einen kurzen Blick auf ein Album aus Jamaika: Penthouse All-Stars, „Dub Out Her Blouse & Skirt“ (VP/Groove Attack). „Dub aus Jamaika“ klingt zunächst gut, ist in diesem Fall aber wenig spektakulär. Zu hören gibt es auf diesem VP-Release nämlich lediglich Studio One-Reworkings, die Donovan Germain in den 1980er und 1990er Jahren für sein Penthouse-Label produziert hat. Digitales Material in einem Sound, der sich leider ziemlich überlebt hat und heute, ob seiner Simplizität, nicht mehr recht zu überzeugen weiß. Zu hören gibt es Steele & Clevie, Robbie Lyn, Dave Kelly, die Firehouse Crew und Steven „Lenky“ Marsden. An dem Album lässt sich übrigens unmittelbar nachvollziehen, warum mit dem Einzug der digitalen Musik in Jamaika der Dub seinen Abschied nahm.

Meine Wertung:

Dubmix zur Dub Evolution, November 2008

Tracklist:

Fe Me Time Stars: „Wicked Have To Feel It“ aus dem Album „Dub I“ (Pressure Sounds/Groove Attack)
Bullwackie’s All Stars: „Skylarking“ aus dem Album „Black World Dub“ (Wackies/Indigo) 
Dub Specialist: „Dubbing Lecturer“ aus dem Album „Dub“ (Heartbeat/in-akustik)
Dub Specialist: „Dub Me Girl“ aus dem Album „Dub“ (Heartbeat/in-akustik)
Dub Specialist: „Dub It Easy“ aus dem Album „Dub“ (Heartbeat/in-akustik)
Penthouse All-Stars: „Swinging Dub“ aus dem Album Dub Out Her Blouse & Skirt (VP/Groove Attack)
Kasbah Rockers: „Hellou Al Biban“ aus dem Album Kasbah Rockers (Barraka)
Kasbah Rockers: „Kafaka Mina Raks“ aus dem Album Kasbah Rockers (Barraka)
Abassi All Stars Feat. Carlton Livingston: „No Answer“ von der EP „No Answer“ (Universal Egg/Import)

Download mp3 (24 MB): dubmix_11_2008

Meine Wertung:

Dub Evolution, Oktober 2008

Prince Fatty: Survival Of The Fattest

Als das Modelabel Stüssy vor drei Jahren mit einer netten Reggae-Kollektion das 25. Firmenjubiläum feierte, heuerten sie den Freelancer Mike Pelanconi (der Lily Allen „Smile“ schenkte) an, um eine Single, passend zur Mode, zu produzieren. Pelanconi lieferte mit „Nina‘s Dance“ einen schönen, relaxten Tune im Stil des frühen Reggae ab, der es im UK wider Erwarten zu einiger Popularität brachte. Inspiriert durch diesen Erfolg, produzierte Pelanconi unter dem passenden Namen „Prince Fatty“ gleich ein ganzes Album, das direkt aus den frühen 1970er Jahren entsprungen sein könnte: „Survival Of The Fattest“ (Mr. Bongo/Cargo). Aufgenommen mit analogem Equipment und eingespielt durch einige Koryphäen der britischen Reggae-Szene (Carlton „Bubblers“ Ogilvie, Style Scott, Winston Francis, Little Roy u.a.) ist das Album eine einzige Hommage an King Tubby, Bunny Lee und die Revolutionaries. Doch so akribisch Pelanconi den Sound der 70er kopiert, die Songs sind alle originär sein Werk – was aber nur bei genauem Hinhören feststellbar ist, denn die Sound-Zitate vermitteln stets das Gefühl, dieses Stück zu kennen, und jene Melodie mitsummen zu können. Erst in dem Moment, wo man die Lippen zum mitpfeifen schürzt, hält man verdutzt inne und macht sich bewusst, dass dies hier brandneue Stücke und bisher ungehörte Melodien sind – auch wenn Dennis Alcapone seine altbekannten Toasts zum besten gibt, die Orgel pulsiert wie bei Jackie Mittoo, die Gitarre von Ernest Ranglin gezupft zu werden scheint und die Bläser an Tommy McCook denken lassen. Dem fetten Prince (der natürlich keineswegs dick ist) sind einfach wunderschöne Feel-Good-Stücke geglückt, die eigentlich eher Instrumentals denn Dubs sind. In vier Fällen gibt es sogar nette Gesangsbegleitung: Little Roy hat zwei Tunes übernommen, Winston Francis einen und Hollie Cook, die Sängerin der Slits (und Tochter des Sex-Pistols-Drummers Paul Cook) gibt dem Stück „Milk And Honey“ den rechten Schmelz. Prince Fatty rules!

Jesse King! Ein Supername. Keine Ahnung, warum sich Mr. King ausgerechnet Dubmatix nennen musste. Vielleicht sollte das „Dub“ unbedingt in den Namen, denn Dub ist zweifelsohne das Kerngeschäft des Meisters aus Toronto. Als Sohn eines Jazz- und Funk-Produzenten, erlebte Jesse seine musikalische Erweckung in den frühen 1980er Jahren, als ihm ein Exil-Jamaikaner die Platte „King Tubby Meets Rockers Uptown“ in die Hand drückte. Von diesem Moment an bewegte sich Jesse Kings Leben zielstrebig auf das Jahr 2004 zu, als er sein erstes Dub-Album „Champion Sound Clash“ veröffentlichte. Danach folgte noch „Atomic Subsonic“ und nun, schließlich, „Renegade Rocker“ (7 Arts/Rough Trade). Alle drei Alben zeichnen sich durch sehr kraftvolle, hochdynamische Beats aus. Hier stimmt das Timing, die Offbeats sitzen perfekt und der One-Drop lässt das Zwerchfell erbeben. Herr Dubmatix weiß, wie man fette Beats zusammenschraubt. „Renegade Rocker“ ist nun die Krönung dieser Kunst. Laut gehört, bläst einen das Album schlicht um. When music hits you, you feel no pain – zum Glück! Viele andere Dubber hätten aus den 16 Tracks 5 Alben gebastelt, Dubmatix packt das Material auf einen Longplayer – und begnügt sich noch nicht einmal mit den Dubs allein, sondern packt auf zwei Drittel der Tunes auch noch Gast-Vokalisten der ersten Garde drauf! Linval Thompson, Ranking Joe, Michael Rose, Sugar Minott, Willy William, Alton Ellis, Pinchers und Wayne Smith geben sich hier die Studioklinke in die Hand. Heraus gekommen ist ein Album, das wirklich rockt – reggaewise! 

Doch neben den „offiziellen“ Alben, veröffentlicht Dubmatix auch sogenannte „Digital Releases“, die unter www.dubmatix.com oder im iTunes Store (hier aber teurer) heruntergeladen werden können. Jüngst ist in dieser Reihe das Album „Dread & Gold“ (www.dubmatix.com) erschienen. Es versammelt Dubs aus den Jahren 2003 bis 2008. Einige der Tracks hatten es im letzten Moment nicht auf eines der CD-Releases geschafft, andere wurden speziell für Live-Auftritte oder Radio-Shows aufgenommen. Doch wer glaubt, hier nur Ausschuss zu finden, der irrt. Denn die Tunes sind ausnahmslos gut. Natürlich sind sie weniger aufwendig produziert und allesamt instrumental – was aber gerade ihren Reiz ausmacht. Der Kanadier ist hier viel näher am klassischen Dub, aber ohne die Klischees des UK-Dub zu wiederholen. Seine Tracks stecken voller Ideen, kein Dub gleicht dem anderen und handwerklich bleibt nichts zu wünschen übrig. Das Material hätte locker für ein „offizielles“ Album gereicht. Wie nett, dass Dubmatix es uns für den halben Preis anbietet.

Ebenfalls ein digitaler Release ist das Debutalbum von Dub Milan, „Dubville Chapter 1“, das unter www.reggae-town.de kostenlos heruntergeladen werden kann. Dub Milan, über den ich nicht mehr weiß, als auf seiner Myspace-Seite steht, präsentiert hier sechs nette Tracks. So richtig aufregend sind die Dubs aber leider nicht, vor allem an den Rhythms hapert es etwas. Die Mixe sind zu trocken und der Sound ist zu artifiziell geraten. Interessant ist aber Dub Milans Versuch, seinen „Bach-Rhythm“ auf Basis barocker Harmonien zu bauen. Ich hätte mir den Barock-Anteil zwar größer gewünscht, aber der Track hat seine Reize.

Ein merkwürdiges Album ist mir beim Stöbern im MP3-Store über den Weg gelaufen: The Dub Club, „Soundsystem for All“ (Soundsystem1/Download, z.B. iTunes-Store). Ein merkwürdiges Album deshalb, weil das allwissende Netz keinerlei Informationen darüber bereit hält. „Soundsystems for All“ existiert scheinbar gänzlich unbemerkt, irgendwo im Meer der Bits und Bytes auf den iTunes-Servern. Wahrscheinlich war ich soeben der erste Käufer dieses Werkes. Es wird wohl nicht das Prunkstück meiner MP3-Sammlung, aber ich wollte es doch ganz und in guter Qualität hören, weil, ja weil es doch recht ungewöhnlich ist. Die acht Tracks dieses Albums pendeln nämlich zwischen den scheinbar so gegensätzlichen Polen Club-Beat, Ska und Dub. Es gibt schnelle Ska-Offbeats – natürlich vollelektronisch – clubbige Sound-Atmosphäre und natürlich wummernde Basslines, Samples sowie Hall und Echo galore. Drei, vier Tracks gehorchen nicht dem schnellen Ska-Rhythmus und sind angenehm arrangierte Dubs mit schönen Bläsersätzen. Soundtechnisch liegt hier aber noch etwas im Argen. Der ein oder andere Track hätte ein besseres Mastering verdient – ein Hinweis darauf, dass „Soundsystems for All“ wohl die Wohnzimmer-Produktion eines eifrigen Sound-Tüftlers und Ska-Freundes ist. Außerdem wären ein paar Stücke mehr schön gewesen, denn die acht Tracks laufen nur 30 Minuten.

Bereits Ende letzten Jahres erschienen (aber erst jetzt downloadbar), hat es das Album „Dub Harvest“ (Import oder iTunes-Store) von McPullish noch nicht in diese Kolumne geschafft. Der Grund dafür ist schlicht und ergreifend, dass die Dubs nicht wirklich spannend sind. Irgendwie stimmt hier der Groove nicht, die Arrangements sind eindimensional und soundtechnisch liegt einiges im Argen. McPullish aka Carson Hoovestol hat 2002 in Seattle damit begonnen, Dubs zu produzieren. Zur Zeit betreibt er ein Studio in Texas, in dem wohl eine ganze Menge Instrumente herumliegen, die er für seine Aufnahmen tatsächlich alle eigenhändig spielt. Im Grunde ist das Album das Ergebnis einer One-Man-Show, wobei Hoovestol sich keines Computers oder Samplers bedient, sondern alle Instrumente live einspielt (und in der Regel gleich den ersten Cut verwendet). Das dürfte das Defizit der Rhythms ausreichend erklären. Andererseits gebietet es aber auch Respekt – nicht unbedingt vor der Leistung, sondern vor der Hingabe, mit der er sich seiner Musik verschrieben hat. Vielleicht ist es aber auch gar kein seeliger Dilettantismus, den ich ihm hier unterstelle, sondern Avantgarde, und ich habe es nicht gemerkt.

Meine Wertung:

Dubmix zur Dub Evolution September 2008

Tracklist

1. Prince Fatty: „Mr. Freeze“ aus dem Album „Survival of the Fattest“ (Mr. Bongo/Cargo)
2. Dubmatix: „Rock and a Hard Place (feat. Pinchers)“ aus dem Album „Renegade Rocker“ (7 Arts/Rough Trade)
3. McPullish: „Harvest“ aus dem Album „Dub Harvest“ (Import oder iTunes-Store)
4. Dubmatix: „Killing Dub“ aus dem Album Dread & Gold (www.dubmatix.com)
5. Dub Milan: „No Excuse II & Version“ aus dem Album „Dubville Chapter 1“ (www.reggae-town.de)

Download mp3 (15MB): dubmix_9_2008

Meine Wertung:

Dubmix zur Dub Evolution, Juli 2008

Tracklist:

1. Sam Ragga Band: „Wasser Dub“ aus dem Album: „In Dub“ (Echo Beach/Indigo)
2. Roots Radics Meets King Tubbys: „The Highest“ aus dem Album „More Dangerous Dub“ (Greensleeves/Rough Trade)
3. Scientist: „Mr. Babylon Dub“ aus dem Album „Scientist At The Controls Of Dub – Rare Dubs 1979-1980“ (Jamaican Recordings/Import)
4. Casualty: „I Want You To Get Mad“ aus dem Album „Version 5.2“ (Hammerbass/Import)
5. Seventeen Evergreen: „Ensonique“ aus dem Album „Steppas‘ Delight“ (Souljazz/Indigo)
6. Michael Rose & Shades Of Black: „Dub Expectations“ (Nocturne/Rough Trade)
7. Haaksman & Haaksman: „Na Lathina“ aus dem Album „Best Seven Selections 3“  (Best Seven/Sonar Kollektiv/Rough Trade)
8. Vibronics: „Congo Natty (Dubplate Version)“ aus dem Album „Lead With The Bass 3“ (Universal Egg/Cargo)

Download mp3 (25 MB): dub-evolution-7_2008

Meine Wertung: