Umberto Echo: Elevator Dubs

Umberto Echo

Im Dub gibt es zwei extreme Positionen: die eine wird markiert von stoisch repetitiven Beats, rigorosem Minimalismus und einer fast hypnotischen Wirkung auf die Hörer. Die entgegengesetzte Position versteht Dub als großes Experimentierfeld, als offenen Raum, als Forschungslabor, in dem den Geheimnissen des Sounds nachgespürt wird. Jedes hier seit 2001 besprochene Album befindet sich irgendwo zwischen diesen Polen. Die Alben von Rhythm & Sound verkörpern in bisher unübertroffener Weise die erste Position. Für die zweite Position kann es kein einziges, ikonisches Album geben, denn auf einem weiten Feld haben logischerweise viele Werke Platz. Ein Album, das sich aber zweifellos einen prominenten Platz auf diesem Feld sichern wird, ist „Elevator Dubs“ (enja) von Umberto Echo. Die Website „House Of Reggae“ verurteilte das Album etwas vorschnell als „Jazz-Platte mit Effekten“. Ein (Fehl-)urteil, das sich beim flüchtigen „Reinhören“ schnell einstellt, durch konzentriertes „zuhören“ aber schnell widerlegt werden kann. Obwohl jeder Track des Albums für sich leicht verständlich und zugänglich ist, so ist es das Album als Gesamtheit keineswegs. Das liegt vor allem an dem von Umberto Echo ausgewählten, ziemlich disparatem Material. Da der Münchner Dub-Wizzard für viele Bands aus einem weiten musikalischem Spektrum als Produzent und Toningenieur arbeitet und außerdem vielfältige musikalische Vorlieben jenseits des Reggae hat (siehe Interview auf dubblog.de), verwundert es nicht, dass sein neues Dub-Album ein vor unterschiedlichen musikalischen Stilen nahezu überquellendes Füllhorn ist. Neben Reggae gibt es hier auch Afrobeat, Popsongs, Dubstep, Elektronik, und ja, auch Jazz zu hören. Was mich begeistert, ist die Tatsache, dass diese Vielfalt in keinster Weise beliebig wirkt. Das Gegenteil ist der Fall: egal ob Jazz oder Reggae, Umberto Echos Bearbeitung macht aus der Vielfalt ein konsistentes, schlüssiges und spannendes Werk. Obwohl ich kein ausgesprochener Jazz-Fan bin, folge ich ihm hier gebannt bei jeder Note, bin fasziniert von dem Ideenreichtum seines Mixes, bewundere den durchgängigen Flow der Stücke, schätze die Ausgewogenheit der Effekte und liebe vor allem den mal eleganten, mal geradezu hypnotischen Groove der Musik. Ich kenne Musik nur vom Zuhören, nicht vom Machen, aber bei den Elevator Dubs bilde ich mir ein, die Entwicklung der Tracks, ihre andauernde Verbesserung von Version zu Version bis hin zum ausgewogenen Ergebnis regelrecht nachfühlen zu können. In Reggae und Dub begegnet man selten so perfekten, so sorgfältigen, in ihrer stilistischen Bandbreite so außergewöhnlichen und doch vollkommen harmonischen und zugänglichen Produktionen. Well done, Mr. Echo!

Hörprobe bei iTunes

Meine Wertung:

Ein Gedanke zu „Umberto Echo: Elevator Dubs“

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