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Zion Train: Illuminate in Dub

Das ist sie nun – wenn auch nicht mehr taufrisch –, die Dub-Version des neuen Zion Train-Albums aus dem letzten Jahr: „Illuminate in Dub“ (Universal Egg). Kann ein gutes Zion Train-Album durch ein Dub-Reworking noch besser werden? Im Fall von „Illuminate in Dub“ fällt meine Antwort eindeutig aus: Ja, kann es. Okay, wir verlieren hier einen Großteil der durchweg guten und engagierten Lyrics des Originals, aber dafür gewinnen wir deutlich mehr musikalische Prägnanz. Das mag an dem Dub-Mixdown und besserem Mastering liegen, vor allem aber natürlich daran, dass hier – anders als bei der Vocal-Version – die Musik vom „Backing“ zum „Fronting“ wird. Neil Perch hat hier keine Dekonstruktion und minimalistischen Dub-Neuaufbau betrieben, sondern hat die Komplexität der Tunes weitgehend bewahrt. Der Präsenz-Effekt entsteht lediglich aus der Verschiebung des Fokus auf die Musik und den dynamischeren Klang. „Illuminate in Dub“ ist also keine Neuerfindung, sondern ziemlich nah am Original gebaut – und trotzdem besser. Zumal die meist grandiosen Hooklines der Vocal-Versions auch im Dub zu hören sind.

Bewertung: 4 von 5.
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Roots Makers: In Dub

Manchmal kommt man einfach nicht weiter, und das muss man schlussendlich auch akzeptieren. Es gibt da dieses neue Dub-Album (eigentlich sind’s zwei Alben), über dass sich zum Zeitpunkt dieser Rezension so gut wie nichts bzw. nur herzlich wenig Informatives erfahren lässt. Und das, obwohl die Band / die Musiker / das Produzenten-Konglomerat eine eigene Website, eine Facebook-Page, einen Instagram-Account und einen YouTube-Kanal betreibt; die Herrschaften mögen auch nicht auf Anfragen reagieren. Insofern ist vieles, was hier zu lesen, reine Mutmaßung.

… und so waren es einmal drei Menschen, vermutlich aus einem frankophonen Land stammend, die sich zusammengerottet haben um ein im klassischen Stil gehaltenes Dub-Album einzuspielen. Nicht sonderlich einfallsreich „Roots Makers in Dub“ benannt, ist es der Counterpart zu einem Instrumental-Release, der sich – no na – simpel „Roots Makers“ betitelt. Beide sind am selben Tag erschienen, und die Künstler nennen sich… *gähn* …Roots Makers.

Man möge sich von dieser Einfallslosigkeit nicht täuschen lassen; der Name ist Programm: Hier liegt eines der besten Roots-Dub-Alben des noch jungen Jahres vor; das dazugehörige Instrumental Album lässt ebenso große Freude aufkommen. Die Riddims sind eingängig, im klassischen Stil instrumentiert und superb abgemischt; da findet selbst der Rezensent wenig zu mosern. Nun ja, vielleicht hätte der Drummer sich mit den Fills ein wenig zurückhalten können und es besteht der Verdacht, dass da keine Bläser live im Studio waren – das war’s aber auch schon. 

Zum Dub-Mix gibt’s leider (oder Gott sei Dank?) nicht viel zu sagen: Klassische Effekte, bestens platziert; nicht zu dominant, aber auch nicht unter der Wahrnehmungsschwelle. Kurzum: Es fügt sich alles gut zusammen und ergibt in Summe ein feines Dub-Album, das man sehr gern weiter empfiehlt – vor allem in Kombination mit den Instrumentals.

Die drei Roots Makers bieten übrigens auf Ihrer Website die einzelnen Tracks als Übungstracks an – also mal ohne Schlagzeug, dann mal ohne Bass, Gitarre usw. Für (angehende) Reggae-Musiker im Lockdown geradezu ideal, möchte man meinen.

Letztlich bleibt zu hoffen, dass die Qualität der Musik die Hörer*innen überzeugt, denn Promotion ist augenscheinlich keine Stärke der Roots Makers. In diesem Sinne meine vorbehaltslose Empfehlung: Reinhören & genießen. 

Bewertung: 4.5 von 5.

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Five Star Review

Sumac Dub: Ex-Home Session

Selten habe ich so viel Zeit zuhause verbracht, wie in den letzten Wochen. Corona sperrt uns in unseren Wohnungen und Häuser ein. Diese Klausur ist quälend, kann aber auch Quell großer Kreativität sein. Auf Tom Dorne aka Sumac Dub scheint das zuzutreffen, denn er hat gerade eine herausragende, wunderschön melancholische EP mit dem vielsagenden Titel „Ex Home-Session“ (ODGProd) veröffentlicht. Nicht nur verweist der Titel auf die heimische Isolation (im schönen Grenoble), sondern er knüpft auch an Toms „Jam Session Vol. 1“ von 2019 an. Nahtlos, denn hier wie dort überwiegt ein ruhiger, meditativer Sound, durchzogen von Ambient-Geräuschen wie z. B. Vogelgezwitscher und manchmal begleitet vom Violinen- oder Klavierspiel des Meisters himself. Auch die aus Reden oder Lesungen gesampleten Vocals sind typisch für die beiden Werke. Es ist aber vor allem die „Ex-Home Session“, die mich ih ihren Bann zieht. Die magische Stimmung der ersten Tracks ist überwältigend. Tieftraurig, düster, schwer und doch kraftvoll. Sanfte Beats mit dosierten Klavier-Akkorden und melancholischem Geigenspiel garniert. Unfassbar schön. Dann folgt der Track „Imminent Departure“ und mit ihm eine Sound-Metamorphose zu Dub-Techno – was schockierend, aber absolut schlüssig ist. Die warm pluckernden Minimal-Techno-Beats führen nur logisch fort, was die beiden vorangegangenen Tracks „Petit Prince“ und „The Hadal Tone“ begonnen haben.

Verblüfft haben mich allerdings die beiden letzten beiden Tracks, denn sie stammen von den Bass Trooperz. Keine Ahnung, ob Tom bei denen mitmischt oder ob er deren Tracks hier nur als Dubs abmischt. Jedenfalls passen auch sie perfekt ins Gesamtwerk, featuren schönes Sitar-Spiel und atmosphärisches Wellenrauschen – drehen dann bei den Beats aber deutlich auf. Das setzt einen positiven und energetischen Schlusspunkt hinter eine der schönsten Dub-EPs der Corona-Zeit.

Bewertung: 5 von 5.
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Nachur: Cicada Sessions

Okay, okay, der hottest Shit ist das 2013 entstandene Album „Nachur: Cicada Sessions“ tatsächlich nicht. Aber eines der interessanteren, die ich in letzter Zeit in meinem Archiv wiederentdeckt habe. Anfang 2012 machten sich zwei Multiinstrumentalisten, der Neuseeländer Isaac Chambers (Produktion, Programmierung, Sampling, Recording, Keyboards, Percussion) und der Kanadier Prosad (Sitar, Gitarre, Didgeridoo, Bansuri, Melodika, Keyboards, Percussion) daran, ihre einzigartigen Ideen, Einflüsse und vielfältigen Fähigkeiten zu kombinieren, um Live-Electronica zu kreieren. Die zwei Protagonisten stellten kurzerhand ein temporäres Studio in einem alten Bus zusammen. Anschließend fuhren sie zum neuseeländischen „Abel Tasman National Park“ mit Blick auf den Ozean und begannen ihre Songs zu komponieren. Die dabei entstandenen „Cicada Sessions“ leiten offenbar ihren Namen von den Zikaden ab. Wer einmal Zikaden in einem südfranzösischen Pinienwald an einem Sommertag gehört hat, kann sich die Geräusche lebhaft vorstellen. Deshalb wurde das Album ausschließlich nachts produziert. Die Aufnahmen begannen bei Sonnenuntergang und dauerten meist bis Sonnenaufgang. Viele andere Naturgeräusche, auch die Zikaden, fanden dennoch ihren Weg auf die leider etwas zu kurz geratene EP. Wenn es nach mir ginge, könnte das Album auch gerne doppelt so lang sein, und ich würde mich immer noch nicht langweilen. Viele der Soli wurden in einem einzigen Take aufgenommen und keinerlei Overdubs unterzogen.
Inspiriert von Dub, Roots, Jazz & Downbeat Electronica, verschmilzt „Nachur“ (sprich Nature) moderne digitale Produktionen mit erdigen analogen Klängen. Die Songs werden gefühlvoll mit Dub-Elementen wie Delay und Hall kombiniert, wodurch tiefe atmosphärische Klanglandschaften entstehen. Elektronische Beats und Reggae-Basslines werden schwerelos mit Sitar, Gitarre, Bansuri (indische Bambusflöte), Didgeridoo und Melodika verwoben. Epische Gitarrensoli, die an David Gilmour von Pink Floyd erinnern, werden mit östlichen Sitar- und indigenen Instrumenten arrangiert, um den Hörer auf eine wahre Klangreise mitzunehmen.
Das Ziel des „Nachur“ Projektes war, einfach eine Musik zu schaffen, die Positivität und den tiefen Respekt zur Natur vermittelt. Das Ergebnis kann sich hören lassen, denn herausgekommen ist ein optimistisches und anregendes Klangwerk.

Bewertung: 4 von 5.
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Marcel-Philipp: Dub You Crazy & Can’t Get Enough of Dub

Ich gewinne zusehends mehr den Eindruck, dass sich Reggae-Instrumentals neben Dub einen festen Platz im Reggae (zurück) erobern. Auch hierzulande ist ein waschechter Multi-Instrumentalist am Werk: Marcel-Philipp. Vor nunmehr fünf Jahren schwärmte ich von seinem Debut „Morning Sessions Vol. 1“ – einem unfassbar optimistisch-unbeschwerten, sonnendurchfluteten Instrumentalalbum, geprägt von betörenden Melodien. Nun, vier Instrumentalalben später, legt er mit „Dub You Crazy“ und „Can’t Get Enough of Dub“ seine ersten beiden Dub-Alben vor. „Ich hatte schon früh eine konkrete Vorstellung im Kopf, wie mein erstes Dub-Album klingen soll.“, erklärt er, „Aber um diese Vorstellung zu verwirklichen, musste ich lange nach dem passenden Equipment, Setup und Workflow suchen und damit herum experimentieren.“ Was ja umso mehr einleuchtet, da Marcel-Philipps handgespielter, offener und luftiger Sound – trotz des Verzichts auf Gesang – meilenweit vom gewohnten Dub-Klang entfernt ist. Daher verwundert es nicht, dass „Dub You Crazy“ und „Can’t Get Enough Dub“ akustisch ziemlich aus dem Dub-Rahmen fallen, klingen die Dubs doch eher nach einem Live-Konzert am Sonntagvormittag, statt nach verrauchtem Keller-Club kurz vor Sonnenaufgang. Aber es gibt ja keine Regel, wie Dub „richtig“ zu klingen hat. Erlaubt ist erst einmal alles. Wer sich auf Marcel-Philipps Sound einlässt, entdeckt sehr schöne Arrangements, cleveres Mixing und jede Menge positiver Vibes – dunkele Dub-Magie aber weniger. Womit wir dann zwangsläufig bei der interessanten Frage sind, wo Marcel-Philipp die Grenze zwischen Instrumental und Dub zieht. „In meinen Instrumentalversionen sorge ich für eine Balance zwischen Melodie- und Rhythmusinstrumenten. Die Melodien der Solo-Instrumente erzählen eine Geschichte. Die restlichen Instrumente bilden das Fundament.“, erläutert er. „Ich will einen ehrlichen und authentischen Sound ohne Hall- und Delay-Effekte. Die Instrumente sollen so klingen, als stünden sie direkt vor mir. Bei meinen Dubs sind hingegen Bass und Schlagzeug im Vordergrund. Von den Melodien der Solo-Instrumente verwende ich dann meist nur einen kleinen Auszug, während ich hinsichtlich der Effektauswahl im Gegensatz zum Minimalismus meiner Instrumentals keine Grenzen kenne.“ Genau hier liegt aber auch eine kleine Schwäche der beiden Alben. Marcel-Philipps Musik lebt genau von der Balance, die er hier beschreibt. Die Melodien sind essenziell. Werden sie dem Mix geopfert, geht verloren, was die besondere Qualität seiner Musik eigentlich ausmacht. Drum & Bass können diese Lücke nicht immer füllen. Deshalb bleiben für mich die Instrumentals das Maß der Dinge.

Bewertung: 3.5 von 5.

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Lee Groves: Dance a Dub

Wie sehr liebte ich den Sound von Rockers Hi Fi, Dreadzone, Groove Corp., More Rockers und anderen progressiven Dub-Bands, die in den 1990er Jahren Dance-Music und Dub zu einem aufregenden, neuen Sound verschmolzen. Einem Sound, der nicht einfach nur Dance-Beats mit Dub-Ingredienzien versah. Nein, es war eine völlige Neuerfindung, die wunderbar komplexe Beats mit Reggae-Basslines und Offbeats synthetisierte. Break Beat, Industrial, Drum and Bass, Indietronic, Ambient und ja, auch House und Techno beeinflussten diesen Sound. Das waren Zeiten! Ich schrieb damals großspurig von der „Zukunft des Dub“. Tja, weit gefehlt. Der Sound evaporierte über die Jahre ins Nichts und von den alten Recken ist eigentlich nur noch Dreadzone mit mittelmäßigen Releases übrig geblieben. Aber zum Glück gibt es den brillanten Back-Katalog von Echo Beach und zum Glück gibt es Lee Groves. Ersterer enthält die passenden Tunes und letzterer hat den Dance/Dub-Groove der 90er mit der Muttermilch aufgesogen. Führt man nun beides zusammen entsteht: „Dance a Dub“ (Echo Beach) – eine glorreiche Renaissance des einst so progressiven Dub-Sounds. Lee Groves hat es einfach drauf, Tunes von den Dub Pistols, Dubblestandart, dem Dub Syndicate, und vielen anderen mehr, original so klingen zu lassen, als wären sie in Birmingham des Jahres 1995 aufgenommen worden. Dazu hat Mr. Groves die Vorlagen kräftig umgemodelt, overdubbed, mit einem ordentlichen Schuss Bewegungsenergie versehen und druckvoll abgemischt. Perfekt, wie ich finde. Was im Übrigen nicht verwundert, denn Lee Groves ist beinharter Musikprofi. Angefangen hat er mit der Programmierung von Sound-Karten für die angesagtesten Synthesizer der frühen 90er Jahre, Sounds die sich prominent in Stücken von Vangelis oder den Pet Shop Boys finden. Danach gründete er PuSH-Records, – unter anderem mit Spencer Graham von Dreadzone (!). In seiner Produzentenkarriere reihten sich anschließend Big Names aneinander: Depeche Mode, Marilyn Manson, Janet Jackson, Craig David, Goldfrapp, Beck, Britney Spears, Black Eyed Peas und sogar Janet Jackson. Und nun, zur Krönung seiner Laufbahn: Dance a Dub!

Bewertung: 4.5 von 5.

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Raiders of the Lost Dub

1981 begann für Indiana Jones die Jagd nach dem verlorenen Schatz, was nicht nur im Kino ein Beben auslöste. Noch im selben Jahr reagierte die gerade boomende Dubwelt auf den Hype mit „Raiders of the Lost Dub“. Es war nicht das erste Mal, dass sich Dubalben von Hollywood inspirieren ließen – man denke nur an „Star Wars Dub“, „Scientist & Jammys Strike Back“ oder die „Tough Guys“ der Fatman Riddim Section – doch selten wurde so dreist kopiert wie in diesem Fall. Das Cover-Artwork war eine Kopie des „Raiders Of The Lost Ark“ Soundtracks von John Williams, sogar der Schriftzug war identisch. Island Records hatte die Fälschung abgesegnet, schließlich stammten die Vocalversionen der Dubs aus ihrem Greatest Hits Katalog. Burning Spears „Social Living“ und I Jah Mans „Moulding“ waren von Karl Pitterson durch das Effektboard gezogen worden, „Man Next Door“ in der Version der Paragons bekam eine Dubbehandlung durch Steven Stanley. Sechs der zehn Titel hatten Sly & Robbie produziert und selbst gedubbt, darunter Junior Delgados „Fort Augustus“ und „Guess Who’s Coming To Diner“ von Black Uhuru, die mit vier Songs an der Jagd teilnahmen. Das Album war davon geprägt, dass sich die Studio-Technik nicht mehr auf vier Spuren beschränkte und der Zugriff beim Dubben dadurch variabler geworden war. Dementsprechend hart und modern wirkten die Mixe, als die LP noch im selben Jahr wie Film und Soundtrack veröffentlicht wurde. So schnell wie sie kam, verschwand sie auch wieder. Es heißt, rechtliche Probleme wegen des Covers hätten dazu geführt, dass „Raiders of the Lost Dub“ nie nachgepresst wurde. Music On Vinyl hat das Brutal-Deluxe-Dub-Abenteuer durch ein entstaubtes Master aufgefrischt und die LP nach knapp 40 Jahren zum ersten Mal im Original Artwork wieder aufgelegt. (Der leicht geänderte Text erschien zuerst in RIDDIM 01/21)

Bewertung: 4 von 5.

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New Age Steppers: Avant Gardening

Was? Hä? Ein neues Album der New Age Steppers? Wir haben das New Age doch längst hinter uns gelassen. Was machen die dann noch hier? Ein wenig Recherche bringt es an den Tag: Bei dem heute erschienenen Album „Avant Gardening“ handelt es sich natürlich nicht um neues Material. Hier sind vielmehr seltene Dubs, Versions und unveröffentlichte Tracks aus dem On .U-Tresor versammelt. Entstehungszeit: 1980 – 1983. Achtung: Wir haben es hier mit teils äußerst experimentellem musikalischem Gut zu tun, bei dem es spontan einleuchtet, warum es bisher unveröffentlicht geblieben ist. Andererseits ist es aus heutiger Sicht auch absolut verblüffend zu sehen, wie avantgardistisch Mr. Sherwood früher gegärtnert hat und welch verrückten Gewächse er heranzog. Ich erinnere mich auch noch dunkel an das leicht verstörende Album „Spaceship Africa“ – auch von seiner Hand –, das zweifellos die vorderste Spitze der damaligen Dub-Vorhut markierte. „Avant Gardening“ ist ihm dicht auf den Fersen. Ganz schön verkopft, aber echte, hartgesottene On-U-Fans (wie Lemmi) werden daran natürlich trotzdem ihren Spaß haben.

Wer es ganz genau wissen will: „Aggro Dub-Version“ ist eine Version von „Some Love“ aus dem dritten New Age Steppers-Album „Foundation Steppers“ von 1983. Der Track wurde 2004 bereits auf der japanischen CD-Reissue veröffentlicht. „Send For Me“ wurde am 12. Juni 1983 in den Southern Studios für eine zuvor unveröffentlichte BBC Radio 1 John Peel Session aufgenommen. „Izalize“ wurde 1980 aufgenommen und auf der japanischen CD-Neuauflage des selbstbetitelten Debütalbums der Steppers im Jahr 2003 veröffentlicht. Dieser Rhythm bildete übrigens auch die Grundlage für den Track „Snakeskin Tracksuit“ auf dem African Head Charge-Album „Environmental Studies“. „Unclear“ ist eine Dub-Version des Tracks „Guiding Star“, der sich auf dem zweiten Steppers-Album „Action Battlefield“ befindet. Eine Version dieses Rhythmus erschien auch auf dem Album „Threat To Creation“ als „Eugenic Device“. „Singing Love“ ist ein Jah Woosh-DJ-Cut von „Love Forever“, der ursprünglich Teil des 12″-Discomixes war, der 1981 auf der Rückseite der „My Love“-Maxi erschien und erstmals in dieser bearbeiteten Form auf der japanischen CD-Neuauflage des Debütalbum im Jahr 2003 wiederveröffentlicht wurde. „I Scream (Rimshot)“ war 1981 die B-Seite der Single „My Love“ (war dann aber in keiner der späteren New Age Steppers-Veröffentlichungen mehr enthalten). Die Vocals stammen übrigens von Ari-Up. „Avant Gardening“ wurde 1980 aufgenommen und ursprünglich veröffentlicht auf der japanischen CD-Neuauflage des Steppers-Debütalbums aus dem Jahr 2003. „World Wide Version“ ist ein Dub von „My Whole World“ vom Album „Action Battlefield“, aufgenommen 1981 und ursprünglich auf der japanischen CD-Neuauflage im Jahr 2004 veröffentlicht. Das Clavinet darauf wurde von Kishi Yamamoto gespielt. „Some Dub“ schließt das Album und ist eine ziemlich andere Interpretation des „Some Love“-Rhythms, der 1983 während der Sessions für „Foundation Steppers“ aufgenommen wurde. Geballte Information – Dank an Discogs.

Bewertung: 4 von 5.
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Sly & Robbie: Red Hills Road

Fast habe ich den Eindruck, dass die Welt inzwischen bereit ist für instrumentalen Reggae. Mag sein, dass die stets wachsende Popularität von Dub der kleinen Schwester „Instrumentals“ den Weg bereitet hat. Es kann aber auch sein, dass es manchen Dancehall-Afficionados – ausgehungert vom Minimalismus der Beats zwischen Hip Hop und Trap – inzwischen nach sattem Sound, rollenden Grooves und echten Arrangements verlangt (wir alle werden älter). Clive Hunts phantastisches Album „Blue Lizzard“ sowie das superbe „Jamaica By Bus“ von Addis Records – beide erst vor wenigen Wochen erschienen – wecken da Hoffnung. Ganz zu schweigen von „Manasseh Meets Praise“ oder den schönen Alben von Marcel-Philipp – alles beeindruckende Instrumentalwerke jüngeren Datums. Für die Kollegen aus der Ska-Fraktion wahrscheinlich Standard, versetzt es uns Reggae-Hörer*innen in Aufregung. Und nun kommen auch noch Sly & Robbie mit ihrem neuen Instrumentalalbum „Red Hills Road“ (Taxi) um die Ecke – kein Dub, wohlgemerkt. „Ich hege eine große Liebe für instrumentalen Reggae.“, erklärt Sly Dunbar, „In Zeiten von Ska und Rocksteady gab es viele Instrumentals, doch danach nicht mehr. Insbesondere nicht bei Dancehall“. Ganz ähnlich entwickelte sich ja auch die Dub-Musik. In Zeiten volltönender Roots-Rhythms blühte das Genre, um dann – zumindest in Jamaika – mit dem Aufkommen digitaler Dancehall Beats schließlich das Zeitliche zu segnen. Nur außerhalb der Insel lebt das Genre weiter und bildet heute eine Reggae-Parallelwelt, die selbst den Globetrotter Sly überrascht und vom gewaltigen „Rumbeling Sound“ europäischer Dub-Soundsytems schwärmen lässt: „Europa ist ein Riesenmarkt für Dub – Dub ist dort einfach nice“. Aber Sly & Robbie wären nicht die Riddim Twins, wenn sie einfach nur Trends nachlaufen würden. Mit ihrem Lebenswerk in der Tasche und den Schäfchen wahrscheinlich halbwegs im Trockenen, müssen sich die beiden nichts mehr beweisen und machen einfach ihr Ding, jenseits von Trends, Mainstream-Erwartungen und Chart-Platzierungen (ganz so wie sie es schon immer gern gemacht haben). Mit dieser entspannten Haltung entstanden im Pop-Studio der beiden körperlich so unterschiedlichen wie seelisch eng verwandten Zwillinge verrückte Instrumental-Tunes, die jeglichem Konzept sowie stilistischer Einheitlichkeit spotten. Der kleinste gemeinsame Nenner besteht darin, dass ein Großteil der Tunes versucht, Dancehall instrumental zu denken. Es gibt aber auch Kumina- und Mento-Anleihen, schmalzige Soul-Schnulzen sowie uralte Aufnahmen aus den 1990er Jahren. Die Sammlung „Album“ zu nennen, ist jedenfalls Hochstapelei. Aber, was soll ich sagen: hier passt nichts zusammen, Dancehall in Form von Instrumentals funktioniert definitiv nicht und Schnulzen mit Dean Fraser-Saxofonspiel braucht auch niemand – und dennoch ist „Red Hills Rd.“ ein irgendwie charmantes Werk. Die schrullig skurrilen Produktionen, das radikale Wechselbad der Sounds (alles muss raus) sowie die Unverfrorenheit, mit dem guten Reggae-Geschmack so böse zu brechen, verleiht „Red Hills Rd.“ den Status „hörenswert“.
Übrigens war die Red Hills Road in den 1970er Jahren die Straße der Nightclubs in Kingston. Hier haben sich Sly & Robbie kennen und schätzen gelernt, als sie in konkurrierenden Clubs spielten (Sly in „Tit for Tat“ und Robbie in „Evil People“) und die Pausen nutzten, um sich gegenseitig zu besuchen und zuzuhören. Das Album ist also so etwas wie eine Hommage an diese legendäre Straße – in deren Hausnummer 30 sich außerdem bis heute das Studio der beiden befindet.

Bewertung: 3.5 von 5.

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Dub Attack

Zwei kurze Jahre lang, zwischen 1979 und ’80, brachte das ursprünglich mit Bunny Lee verbundene ATTACK Label, das zu der Zeit bereits Trojan gehörte, exorbitant knallende Maxis raus, die meisten erkennbar am gelb unterlegten Logo, mit roten Lettern auf dunkelgrünem Grund. In einigen Fällen wurde auch mit blauem Trojan Label gepresst. Insgesamt gab es 25 Stück, von denen die meisten heute heiß begehrt sind wegen der hier und nur hier zu findenden Mixe von Prince Jammy und Scientist. Darunter extended Killer-Versions von Barry Browns „Living As A Brother“, „Separation“ und „Cool Pon Your Corner“, Morwells „Kingston Twelve Tuffy“, Linval Thompsons „Pop No Style“ und Michael Rose’s „Born Free“. Das Bild mit den Labels dieser Maxis stammt aus dem Booklet einer merkwürdig zusammen gestellten DoCD, auf der man, abgetrennt von den Vocals, 19 jener Attack-Dubs als – wie es das Booklet nennt – „generöses“ Bonusmaterial findet. Dabei auch die zuvor erwähnten Titel. Aufhänger der Kompilation jedoch sind zwei ganz andere Dub-Alben, die stilistisch absolut nicht zueinander passen. Zum einen „A.1 Dub“, 1980 von Blacka Morwell in Kingston gemischt, mit Dubs zu der Morwells LP „Cool Runnings“ von 1979 sowie Mixen der „Taxi“ und „Get In The Groove“ Riddims. Zum anderen „Cry Tuff Dub Encounter Chapter IV“, dem Gegenstück zu Prince Far Is „Voice Of Thunder“, ein Jahr später in London von Adrian Sherwood gemischt. Obwohl die Linernotes der DoCD sich bemühen, einen Link zwischen den Alben herzustellen und beide LPs einzeln betrachtet hervorragend sind, die Attack-Bonus-Dubs sind der wahre Grund, warum man dieses Set besser nicht verpassen sollte. Zumal man für jede einzelne dieser Maxi deutlich mehr Geld investieren müsste als für die stets preiswerten DoCDs des englischen Re-Issue Labels Doctor Bird. (Eine kürzere Version des Textes erschien in RIDDIM 01/21)

Bewertung: 4 von 5.