Seit meinem Barnabas Review höre ich wieder häufiger Arbeiten aus dem legendären Channel One Studio der Hoo Kim Brüder, in Kingston, Jamaika. Mein Hauptaugenmerk ist dabei stark auf die dort entstandenen Dub-Alben gerichtet, die einst dem Original-Album einfach beigelegt wurden. Bestes Beispiel: The Mighty Diamonds: Deeper Roots – Back To The Channel. Für mich ist fast jedes Album aus der Ära wie heimkommen – alles ist mir vertraut und atmet eine angenehme Wärme. Die Alben der Revolutionaries waren, bedingt, dass einige auf dem englischen Burning Sounds Label oder dessen Tochter Burning Vibrations veröffentlicht wurden, immer relativ leicht zu bekommen. Und so begleitet mich „The Revolutionaries: Dutch Man Dub“ seit 1979/80. Viele Jahre (47!) nicht mehr erhältlich, gilt heute der „Dutch Man Dub“ als eines der großen, lange übersehenen Meisterwerke der Dub-Ära. Okay, so habe ich das noch nie empfunden, obwohl mir schon immer an dem Album diese angenehme tiefe Schwere und die hypnotischen Basslines gefielen, die sich mit krachenden Snares verbinden, um in Echos und Hall dahinzuschweben. Der Sound hat tatsächlich etwas Meditatives. Damals nicht erkannt, logisch, so etwas sieht man erst in der Rückschau, gilt „Dutch Man Dub“ heute als Schlüsselwerk des Channel-One-Sounds in einer wesentlich reduzierteren Form. Wir hören ein Album, bei dem es weniger um „akustische Exzesse“ geht, als vielmehr um Atmosphäre, satten Bass-Druck und ganz viel Raum und Zeit.
Abschließend bleibt mir nur die Feststellung: Mit „Dutch Man Dub“ zeigen Lowell ‚Sly‘ Dunbar (R.I.P.) und die anderen, leider nicht namentlich genannten Revolutionaries, ein beeindruckendes Album der Meisterklasse in Minimalismus. Wer am Mischpult saß und für diese reduzierten, zielgerichteten Dubs verantwortlich zeichnet, wird wohl auch für immer ein Geheimnis bleiben. Es ist bedauerlicherweise bald niemand mehr von den Protagonisten da, den wir noch fragen könnten. Auch der Burning Sounds Re-Release schweigt sich darüber aus. Wer weiß, möglicherweise Barnabas?
Kategorien
The Revolutionaries: Dutch Man Dub

2 Antworten auf „The Revolutionaries: Dutch Man Dub“
Eigentlich war mein erster Gesamteindruck von der Scheibe, so wie bei sehr vielen aus dem Channel 1 Studio. „Das ist noch nicht mein LieblingsDub“.
Bei dem Versuch das dann im einzelnen zu begründen, bin ich aber kläglich gescheitert. Der DubMix war mir zu simpel und zu artig, um nicht das Wort langweilig zu benutzen. Die Riddims, besonders die BassLines waren mir „zu deutsch“. Das Drumming von Sly Dunbar taugte mir mal wieder nicht so richtig als Grundlage für Dub. Er macht mir da etwas zu viel. Weniger ist Dub ! Aber bei der Betrachtung jedes einzelnen DubTunes konnte ich weder die BassLine noch das Drumming von Sly als Ursache für meinen etwas zurückhaltenden Ethusiasmus erkennen. Ja, es gibt wohl so ein paar BassLines, die mich wirklich nicht so richtig packen aber es sind bei weitem nicht so viele, wie ich im Ersten Moment dachte.
Auch das Drumming geht eigentlich voll in Ordnung und der DubMix ist nicht so langweilig, daß ich beschwören könnte, er wurde von Ernest Hoo Kim selbst beigesteuert. Eines meiner „LieblingsInstrumente“ – die oder das Tamburine mit den tausend ZimbelBlechen am, bzw. im Rand – wird hier auch nicht so penetrant nach vorn getrieben, wie ich es eigentlich schon fast hasse. Ich komme also doch zu dem Ergebnis, dass das Album wesentlich besser ist, als ich es zunächst empfunden habe. Allein der DubTune „Dutchman“ ist – für mich – schon fast ein Grund, das ganze Album zu kaufen. Herrlich !
„Dub Be Good To Me“ …………………. lemmi
Ich mag genau solchen Dub. Der Bass ist laut genug, es klingt analog und organisch. Gute Basslines, und auch genug Dynamik im Mix.
Der Minimalismus ist tatsächlich spürbar, zumindest meine Edition ist in mono gepresst…