Elite Beat: Selected Rhythms

Gleich vorweg, mit Reggae-Beats hat dieses Album nichts am Hut, mit Dub jedoch sehr wohl. Meine Empfehlung heute sind Elite Beat mit ihrem aktuellen Album aus 2019 „Selected Rhythms“ (Research Records). Elite Beat ist ein Musikerkollektiv aus Portland, USA, das sich auf eine berauschende Mischung aus Ethio(pian) Jazz, afrikanische Rhythmen, Mali-Blues, Tuareg-Gitarrenmusik und Black Ark Psychedelia spezialisiert hat. Mit ihren kraftvollen melodischen Basslines und percussiongetriebenen Polyrhythmen kreieren sie ekstatische Kompositionen mit magischen Hornpassagen und spannender Juju-Gitarre, die die Sinne beleben. Der Fokus liegt dabei sehr stark auf live eingespielten Tracks, Dub-Effekten und dem Einsatz des Tonstudios als zusätzliches Instrument, was de facto den Dub-Gedanken ausmacht. Die Herangehensweise der Musiker ist so entspannt wie diese Musik, die wieder so richtig in keine Schublade passt. Die Musiker-Clique trifft sich einmal die Woche, um abzuhängen, sich auszutauschen, Musik zu machen und ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Die Bandmaschine läuft, es wird locker gejamt und ordentlich Dub-Elemente (in Echtzeit) beigemischt. Dabei können eigentlich nur solche geile, entspannte Tracks entstehen. Auf „Selected Rhythms“ sind nun acht der besten Werke von Elite Beat versammelt. Eine wohltuende Abwechslung.

Meine Wertung:

Youtie & Macca Dread: Nomad Skank

Wenn wir im Reggae von Trompete sprechen, fallen uns spontan zwei, drei Namen ein: Johnny „Dizzy“ Moore, Bobby Ellis und David Madden. Seit dem ersten Album „Silver Wind“ von Juliette Bourdeix aka Youtie aus 2018, können wir die Liste um eine Interpretin erweitern. Youtie begann mit 6 Jahren das Trompetenspiel und startete mit 17 Jahren das Studium der klassischen Trompete am Pariser Konservatorium, wo sie heute selbst als Professorin arbeitet und das Trompetenspiel lehrt. Bei Ibrahim Maalouf, einem französisch-libanesischen Jazz Trompeter und Komponisten absolvierte sie außerdem eine Jazz- und Improvisationsausbildung. Im Sommer 2019 erschien nun Youtie & Macca Dread „Nomad Skank“ (Youtie Records), ein Instrumental-Dub-Album mit vielen Inspirationsquellen: Reggae, Rocksteady, Ska, Jazz, Balkan, orientalische, jüdische (Klezmer), spanisch-andalusische und klassische Musik. Sowohl Youtie mit ihrer Trompete und zahlreichen, melodischen Arrangements, als auch Dubmaster Macca Dread mit seinem Mix, wissen hier zu beeindrucken. Auf den 16 Tracks des Albums sind die orientalischen Einflüsse auf Tracks, wie „Oriental Skank“ oder „Monkey Temple“ mit wunderschönem Flötenspiel, sehr schön zu hören. Aber auch der klassische Roots-Reggae wie bei „Double Rainbow“, „The Wild Horn“ und „Irie Land“ kommt keineswegs zu kurz. Andalusisch-spanisch klingt es bei „Al-Andalus“, Swing-jazzig bei „Swing City“, kubanisch bei „Jaruco“ und asiatisch bei „Pagoda“. Kurz, eine bunte Mischung verschiedenster musikalischer Stilrichtungen, die jedoch allesamt vom Reggae und Dub inspiriert und geerdet sind. Eine exzellente musikalische Weltreise im Reggaebeat wie aus einem Guss.
Das Album ist extrem gut arrangiert und keine einzige Sekunde langweilig. Mir bereiten vor allem die orientalischen Themen richtig Spaß und machen gute Laune. Youtie mit ihrem berühmten orientalischen Trompeter und Lehrmeister Ibrahim Maalouf zu vergleichen, fällt mir hier nicht allzu schwer. Dennoch trägt „Nomad Skank“ die ganz persönliche Handschrift von Youtie & Macca Dread.

Auf dem Album sind übrigens auch die beiden Schwestern von Youtie, Jalaya (Alice Bourdeix) an der Flöte und Clara (Bourdeix) an der Geige vereint. Die Riddims hat Macca Dread in seinem Studio im Alleingang angefertigt. „Nomad Skank“ ist ein fast übersehenes Glanzlicht am Reggaehimmel und spiegelt einen kulturellen Mix, der den wahren Reichtum der Menschheit ausmacht.

PS: Yout(h)ie wird mal mit, mal ohne „h“ geschrieben. Sie selbst sagt, das „h“ auf dem Cover sei falsch!

Meine Wertung:

Dubsalon: Selected Dub Cuts

Der Untergrund schläft nie. Viele Dubmaster erfinden zu meiner Freude das Genre immer wieder neu. So auch Emiliano Gomez aka Dubsalon, ein Produzent und Soundengineer aus Cordoba, Argentinien. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Europa, bevorzugt London, wo er das Handwerk des Toningenieurs erlernte. Die 2019 erschienene Workshow „Selected Dub Cuts“ (Dubmission Records) bringt einen repräsentativen Überblick seines Oeuvres und umspannt seine Schaffensperiode von 2009 – 2019. Die ganz frühen Aufnahmen aus 2009 sind noch unter dem Namen Raroyloco erschienen. Das vorliegende, knapp zwei Stunden (23 Tracks) lange Album, begeistert mich seit Tagen. Wir hören den Sound Jamaikas in alter Dub-Tradition, sowie ein breites Spektrum verschiedener Stile, Tempi und Vocal-Hooks. Im Grunde ist das Album eher im Psydub oder Ambient-Dub zu verorten, einer Fusion der elektronischen Musik, die ihre Wurzeln tief in psychedelischer Trance, Ambient- und Dub-Musik hat.
Der Dub-Liebhaber bekommt auch auf dem Album alles geboten, was sein Herz begehrt. Dazu gehören satte, melodische Basslines, tiefe Reggae-Roots, reichlich Echo, Reverb, Delay sowie gelegentliche Gesangs-Fragmente. Was mir persönlich ganz besonders am Psydub gefällt, sind die sehr stark von der indischen Musik beeinflussten Sound-Elemente. Wenn eine Sitar und Tablas erklingen, bin ich hin und weg. Summa summarum kann ich dem ersten Track des Albums nur beipflichten, this workshow is „properly rolled“.

Meine Wertung:

Mute Beat: In Dub

Guter, gerne auch „schräger“ Dub geht bei mir (fast) immer. Heute präsentiere ich einen längst verschollenen Klassiker. Eine 1985 erstmals veröffentlichte Musik-Cassette von Mute Beat, Japans erster Dub-Band, die (leider) nur von 1982 bis 1989 existierte. Das Erstlingswerk „Mute Beat: In Dub“ (ROIR; Reachout International Records) wurde im Laufe der Jahre unter den unterschiedlichsten Titeln veröffentlicht: Tra Special Mute Beat (1985); Japanese Dub (1986); No. 0 Virgin Dub (1990) und In Dub (1996). Auf „In Dub“ bekommen wir eine Vielzahl von verschiedensten Ingredienzen zu hören, die schon auf das sehr breite musikalische Spektrum der Band hindeuten. Der Sound ist sowohl von traditioneller japanischer Musik, als auch Dub-Einflüssen, Reggae, Funk und elektronischer Musik, gemischt mit Jazz und dem Klang einer marschierenden Blaskapelle stark geprägt. Mute Beat schufen damals einen Klangkosmos, den so noch wenige zuvor gehört hatten und bewegte sich damit am Rande aller bestehenden Musikgenres. Bereits die ersten beiden Titel des Albums: „Metro“ und „Fiolina“, eine melancholische, reggaeeske Jazz-Nummer, zeigen die Musikalität und Virtuosität der Band. „Mix Up“, der einzige Track mit Vocals, ist dem Reggae noch am nächsten und verweist eindeutig auf den jamaikanischen Einfluss. Bei „Downtown“ sind dann schon wieder der funky Groove und die unverwechselbaren Drum-Patterns eines Roland TR-808 im wahrsten Sinne tonangebend. Diese sechs Japaner passen bis heute in keine Schublade und setzen sich zwischen alle Stühle. Das live entstandene und recht dumpf, wie ein Audience Mitschnitt klingende „Break A Road“, hört sich zu Beginn des Tracks dann eher wie eine ziemlich abstrakte Interpretation von Horace Andys „Money Money“ an. Der unangefochtene Höhepunkt dieses einzigartigen Albums ist für mich zweifellos „Dub No. 5“. Mute Beats eigenwillige aber äußerst hörenswerte Interpretation des alten Dave Brubeck Klassikers „Take Five“.
Obwohl auch wegen der fetten Bass-Lines und Drums, die Musik tief im authentischen Reggae/Dub verwurzelt ist, sprudelt dank des Posaunisten und der glasklaren, an Miles Davis erinnernden Trompete von Kazufumi Kodama, dem Kopf der Band, immer wieder Jazz an die Oberfläche. „Mute Beat: In Dub“ ist ein unglaublich beeindruckendes Album, das immer noch die Aufmerksamkeit auf sich zieht, die es bereits vor vielen Jahren verdient gehabt hätte.
Übrigens, auf dem gesamten Album gibt es keine einzige Gitarre zu hören. Außergewöhnlich!

Meine Wertung:

JA-13 Cooperative Presents Rico Rodriguez: Rico – Order Of Distinction

Die in London ansässige JA-13 Cooperative sind im Kern Richard Drury und Keith Finch. Beides keine unbeschriebenen Blätter: Richard Drury galt in den 90ern als einer der vielversprechendsten Songwriter Englands und der Multiinstrumentalist Keith Finch spielte bereits in einigen (Ska)Bands. Zusammen haben sie nun „JA-13 Cooperative Presents Rico Rodriguez: Rico – Order Of Distinction“ (Jamdown Records) produziert. Die Studio-Sessions mit dem 80-jährigen Rico begannen 2014, mussten jedoch bald abgebrochen werden, weil Rico schwer erkrankte und an den Folgen im September 2015 in einem Londoner Krankenhaus verstarb. Drury und Finch ließen dann die Aufnahmen fast 5 Jahre liegen, bis sie endlich doch noch mit dem Fan ein Einsehen hatten und Ricos allerletzte Aufnahmen im Frühjahr 2019 veröffentlichten. Das 9-Track-Album trägt den mehr als passenden Titel „Rico: Order of Distinction“. Rico erhielt 2007 für seine Verdienste um die Musik den britischen Orden „Member of the British Empire“ (MBE) und im Oktober 2012 wurde ihm dann vom Institute of Jamaica die „Silver Musgrave Medal“ für seine herausragenden Dienste für Jamaica verliehen.

Das Alterswerk beginnt gleich mit einem echten Ska-Scorcher „Gold Rush“, der sofort mächtig in die Beine geht. Beim Rest der Tracks geht’s dann – altersbedingt – gemächlicher zur Sache. Rico führt mit seinem weichen, unverkennbaren Posaunenspiel den Hörer durch sämtliche Gefilde jamaikanischer Musik. Von afrikanischen Einflüssen, Burru-Drumming bis Jazz-Anleihen wird dem Hörer alles geboten. „Hold Him Joe“ und „Ninety And Nine“ sind Überarbeitungen von Standards aus Ricos sehr frühen Tagen, als er an der Alpha Boys School noch Posaunenunterricht erhielt. Selbstverständlich sind auch die verbleibenden Instrumentalstücke absolut hörenswert. Emmanuel „Rico“ Rodriguez demonstriert uns ein letztes Mal sein meisterhaftes Posaunenspiel in vollen Zügen, als hätte er bei den Sessions bereits geahnt, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Das kurzweilige Album endet mit dem „Mountain Mix“, ein Wiederhören des zeitlosen Instrumentals aus dem 2006 von Drury und Finch produzierten Album „Wareika Vibes“. Wie viele Overdubs schlussendlich für „Rico: Order of Distinction“ nötig waren, ist sekundär, am wichtigsten ist doch das Endergebnis und das ist überzeugend. „Rico: Order Of Distinction“ ist kein reines Instrumentalalbum geworden, denn Dubtechniken kamen beim Abmischen doch zum Einsatz, wenngleich nicht allzu opulent.
Drury und Finch haben sich für diese crispe Produktion die nötige Zeit gelassen und so Ricos Musik ein allerletztes Mal die gebührende Wertschätzung und Hochachtung erbracht.

Meine Wertung:

Natural Numbers: Field Reality Dub

Nach langem Überlegen habe ich mir das zweite Album der Natural NumbersField Reality Dub“ (Stones Throw) vorgenommen. Es handelt sich dabei um ein Projekt von Tom Chasteen, einem amerikanischen Musikclub-Besitzer, Reggae-Produzenten und (Hobby)Mixing-Engineer aus Los Angeles. Das bereits 2015 erschienene Album der Natural Numbers (Natürliche Zahlen) wurde größtenteils im klassischen Reggae Vintage-Stil abgemischt. King Tubbys Einfluss offenbart sich besonders auf der ersten Seite des Albums. Beim zweiten Teil dieses zehnteiligen Sets betritt Tom Chasteen jedoch unüberhörbar Neuland. In einer Pressemitteilung des Labels beschreibt er diesen Umstand, als „das Eindringen eines neuen Lichts“. Die klassischen Riddims sind für amerikanische Verhältnisse richtig heavy ausgefallen und wurden von einer Band mit Musikern von Wilco und Mazzy Star sowie dem legendären jamaikanischen Bassisten George „Fully“ Fullwood von Soul Syndicate eingespielt. Zu den Vokalgästen des Werks gehören Lone Ranger, Ranking Joe, Tony Tuff, Edi Fitzroy sowie Trinity, dessen Stimme ich gefühlt schon ewige Zeiten nicht mehr auf einem aktuellen Album gehört habe. Keine Angst, es ist ein Dub-Album, die Vocals blitzen nur gelegentlich aus den Aufnahmen hervor.

Das Album lässt sich tatsächlich in zwei Teile unterteilen. Die ersten fünf Tracks sind im Rub-A-Dub-Style mit ein paar unerwarteten akustischen Momenten gehalten. So hört man im melodischen und leicht ätherischen „Rastaman“ ein paar schöne Orgelpassagen und eine leicht düstere Gitarre. Was mich jedoch viel mehr begeistert, ist die für den Reggae/Dub untypische Slide-Gitarre bei „National Version“. Die letzten fünf Tracks sind wesentlich experimenteller und psychedelischer mit ungewöhnlich viel Gitarren im Mix ausgefallen. So klingt „Dub of Shadows“ beinahe wie eine Dub-Version von Led Zeppelin. Bei „Seven Times Rise“ und besonders „Stars No Moon“ klingen die Percussions und quietschenden Gitarren so, als hätten Adrian M. Sherwood und sein Kumpel Bonjo I von African Headcharge (in Form des „neuen Lichts“?) dem Aufnahmestudio einen Besuch abgestattet. Mit „Dawn Observation“, dem letzten Titel des Albums, verlässt Tom Chasteen endgültig das klassische, vertraute Dub-Terrain und wendet sich avantgardistischeren Klängen zu. Hier erinnert mich der Sound immer wieder an die Soundexperimente des „Krautrockers“ Manuel Göttsching und seiner Band Ash Ra Temple.

Unterm Strich ist „Field Reality Dub“ ein höchst inspirierter, kurzweiliger und richtig spannender Dub-Ausflug.

Meine Wertung:

Skafandros Orkestra & Victor Rice: Fubah Dub Versão

Eine Frage gleich mal vorweg, ist das (noch) DUB? Ich kann mich noch sehr gut an unsere lebhafte Diskussion bei RazTek vor über einem halben Jahr erinnern: „Was DUB soll, kann, muss, darf und was überhaupt DUB ausmacht.“ Schlussendlich kamen wir zu keiner zufriedenstellenden Definition. Auffallend ist generell, dass die heutigen Dub-Masters wie Adrian Maxwell Sherwood, Prince Fatty und jetzt, wie in diesem Fall, Victor Rice offenbar diese Problematik überhaupt nicht kennen und die Grenzen des Dubs immer wieder gerne in ganz unterschiedliche Richtungen und Genres verschieben. Bei mir laufen sie damit offene Türen ein. Die Rede ist hier vom Skafandros Orkestra, einer 11-köpfigen brasilianischen Musikertruppe, die einen ganz eigenen Sound kreiert. Hier werden Ska mit brasilianischen Rhythmen wie Ijexá, Jongo, Frevo, Maracatu, die aus dem brasilianischen Karneval bekannt sind, meisterlich kombiniert. Den New Yorker Bassisten und Produzenten Victor Rice, der schon viele Jahre in Brasilien lebt und arbeitet, muss ich im Dubblog sicherlich nicht mehr vorstellen. Auf alle Fälle hat er sich das zweite Album der Truppe „Fubah“ nochmal vorgenommen und „Fubah Dub Versão“ (Radiola Records) gemixt, gemastert und produziert. Die neun Tracks wurden nicht, wie im Dub oft Usus, von Victor Rice komplett zerlegt und neu zusammengefügt, nein, er hat hier hauptsächlich und ganz dezent mit Echo und Hall gearbeitet. Herausgekommen ist ein vielschichtiges, (klang)farbenfrohes, tanzbares!?! Instrumental-Dub-Werk, das wirklich in die Beine geht. Beim vorliegenden Album gelingt Victor Rice das Kunststück, die Spielfreude und harmonische Kraft der sechs Blechbläser mit Drums, Percussions und Sanfona (Akkordeon) geschickt ins Gleichgewicht zu bringen. Genau diese Balance zwischen jamaikanischer, afro-brasilianischer und jazziger Musik, kombiniert mit der kraftvollen, harmonischen und orchestralen Struktur, macht das Skafandros Orkestra zu einem einzigartigen und unverwechselbaren Ensemble in der heutigen Musiklandschaft.

Meine Wertung:

Hotdrop: The Secret Dubs

Hallo Dubblog-Gemeinde, hier kommt mein Weihnachtsgeschenk an euch. Ein Re-Release des italienischen AQuietBump Netlabels aus dem Jahr 2008, eine EP der Band HotdropThe Secret Dubs“. Das Cover erinnert frappierend an Bass Culture von Linton Kwesi Johnson. Viel ist über Hotdrop im WWW leider nicht zu erfahren. Nur soviel: Es soll sich bei der EP um älteres, jedoch bislang unveröffentlichtes Material der Band handeln. Die ersten vier Titel wurden Victor Rice überlassen, der den Tracks in seinem Studio El Rocha in Sao Paulo ordentlich Reverbs, Tape-Delays und einen schönen, klassischen Dub-Mix verpasste. Den letzten beiden Tracks hat sich Jambassa, ein 2000 von Carmine Minichiello (Gamino) & Raffaele Gargiulo (Papa Lele) gegründetes, italienisches Dub Projekt gewidmet. Der im direkten Vergleich wesentlich „modernere“ Jambassa-Sound, atmet dennoch erfreulicherweise den Geist des Roots-Reggaes der 70er und 80er Jahre. Hotdrop sind eine spanische Roots-Reggae-Band aus den Vororten Madrids, die sich bereits im Winter 2004 gegründet und seither ein paar interessante, klassische Showcase-Alben veröffentlicht haben. Ach ja, dieses Album sowie alle anderen Alben der Band sind in alter Netlabeltradition natürlich als „name-your-price“ zu haben.

Meine Wertung:

Various Artists: Ras Asana

Kennt jemand von euch das I Yahn I Arkestra aus Philadelphia, Pennsylvania? Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass sich dieses Projekt bisher unter meinem Radar bewegte. Das vorliegende, vor 2 Jahren erschienene, Album „Ras Asana“ (I Yahn I Arkestra) ist eine Kollaboration der Gründungsmitglieder des I Yahn I Arkestras (Ras Jah D, Kaseaopia) zusammen mit Chuck Treece, Radha Gopinath Das Marinelli, Timi Tanzania (Dub Warriors) und HR (Bad Brains). Diese sieben Space-Dubs spiegeln die Verschmelzung der spirituellen Welten von Dub und den sieben Chakren des Yogas wider. Ich neige sogar eher dazu, sie als „High Consciousness Music“ zu bezeichnen, oder eine Art von „Heavy Dub“, der ganz stark von den Altmeistern King Tubby, Count Ossies Nyahbinghi Sessions und Ras Michael beeinflusst wird. Diese geniale Musik atmet aber auch den Geist des legendären Sun Ra, erweckt gleichzeitig Assoziationen, die unweigerlich an die Psychodelik der alten Pink Floyd, das jazzige Mahavishnu Orchestra, die fantastischen Jam-Sessions von The Grateful Dead und die Radikalität der Bad Brains denken lassen. Der Raum ist erfüllt von unendlich vielen, verschiedensten, indischen Perkussions, Keyboards unterschiedlichster Art, spacigen Soundscapes und mystischen, gleichzeitig hypnotischen Free Form-Gesängen. Man hat unweigerlich das Gefühl, sich in einem indischen Tempel zu befinden, wo die bunten Farben, die Gerüche, der Weihrauch, die Stimmung und die zarten Klänge der Glöckchen die Sinne fluten. Insgesamt eine unglaublich spannende Reise für Dub-Reggae-Astronauten in neue akustische Territorien.
Chuck Foster beschrieb diese Musik sehr treffend: „Heavyweight Groundation Music for the Masses.“ Ich kann nur raten, begebt euch schnellstens auf Entdeckungsreise in die weiten, unbekannten Welten des Dubs!

Meine Wertung:

R-Juna: Dubs and Praises

Was mich doch immer wieder begeistert, ist, dass das kleine Sub-Genre Dub weltweit sehr viele Menschen in seinen Bann zieht und immer wieder neue, interessante Früchte trägt. Die zyprischen Dubophonic Records haben Ende November ein neues Album eines amerikanischen Produzenten und DJs veröffentlicht, der mir bis dato noch gar nicht bekannt war: R-JunaDubs and Praises“ (Dubophonic Records). Roy Waterford aka R-Juna kann auf 10 Jahre Erfahrung im Musikbiz zurückschauen, produzierte und veröffentlichte bereits mehrere Alben verschiedenster Genres, bevorzugt jedoch Hip-Hop.
Der aus Bloomington, Indiana, stammende R-Juna kehrt nach eigener Aussage zu seinen Dub-Reggae-Wurzeln zurück und veröffentlicht nun bei Dubophonic Records sein erstes Album. „Dubs and Praises“ besteht (leider) nur aus sieben Instrumental-Tracks, die mich mit richtig satten Bass-Lines, melodischen Riffs, gelegentlichen Horn-Section-Fragmenten und reichlich Hall und Echos vollauf zu überzeugen wissen. Den Stil des Albums würde ich als traditionellen Roots-Reggae-Dub gepaart mit modernem Ambient-Downbeat-Feeling beschreiben. Produziert, gemischt und gemastert wurden alle Tracks von Roy Waterford aka R-Juna selbst. Well done, Man!

Meine Wertung: