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Dub

Dreadlock Tales: Years 2000-2006

Heute gibt es Dub aus dem hohen Norden, genauer aus Finnland. Die Aufnahmen sind, wie der Titel bereits verrät, nicht brandaktuell. Dennoch lohnt es sich, in diese (kostenlose) Werkschau einmal intensiver reinzuhören. Dreadlock Tales ist (heute) ein Dub-Projekt von Kimmo Ilmari Tyni, einem Musiker und Soundengineer aus Helsinki. Zusammen mit Kasper Philström hat er 1999 „Dreadlock Tales“ als Studioprojekt gegründet, um Reggae und bevorzugt Dub aufzunehmen. Das Projekt kann bereits auf über 20-Jahre musikalische Entwicklung und Geschichte zurückschauen. Möglicherweise lag es auch wegen des Jubiläums nahe, die allerersten Dubs aus den Anfangsjahren, „Dreadlock Tales: Years 2000–2006“, als über 40-minütiges Gesamtwerk zu veröffentlichen. Zu Ohren bekommen wir eine exemplarische Zusammenstellung ganz früher „Dreadlock Tales” Titel, einschließlich des allerersten Tracks, der jemals von den zwei Musikern aufgenommen wurde. Die meisten der hier versammelten Dubs wurden noch analog eingespielt. Doch schon in den Anfangszeiten hatte Kimmo Ilmari Tyni dieses „Analog- vs. Digital-Ding“ am Laufen, bei dem er gerne zwei unterschiedliche Dub-Versionen anfertigte. Zuerst eine analog mit Instrumenten eingespielte Version, der dann die digitale mit „Maschinen” erzeugte Version folgte. Exemplarisch sehr schön bei „AmBush Dub #1 & #2″ herauszuhören. Die hier versammelten Dubs wurden noch zusammen mit Kasper Philström eingespielt und gemixt. Kaspar Philström saß am Schlagzeug und übernahm etliche andere Instrumente. Kimmo Tyni widmete sich Gitarre, Bass und Tasteninstrumenten. Eingespielt und gemixt wurden die melodischen Basslines und dynamischen Riddims analog im Old-School-Stil. Verweise auf die alten Dub-Meister sind auch hier nicht zu überhören. Was man ganz besonders als Kuriosum im Dub hervorheben muss, ist bei einigen Tracks der Einsatz eines Didgeridoos oder der Mundharmonika. Die Melodika wurde nur bei einem Track relativ sparsam eingesetzt. Sehr gespannt war ich im Vorfeld auf die Dubversion von „Wild Child“, einem Doors-Cover aus dem 1969 erschienenen „Soft Parade” Album. Am Titelende bekommen wir ein fettes Pfund rockig-fetziger Gitarrenriffs auf die Ohren, die leider nix mit Robbie Kriegers Gitarrensound gemein haben und deshalb auf mich eher (ver)störend wirken. Darum können sich vor allem Dubheads die letzten zwei Minuten von „Wildubchild” getrost schenken.
Trotzdem können wir aber insgesamt positiv vermerken: Auch wenn diese Tracks möglicherweise während des pechschwarzen finnischen Winters entstanden sind, verströmen sie dennoch genug Wärme, um das Studio zum einzigen Zufluchtsort werden zu lassen, an dem man sich vor dem Frost und den Stimmungsschwankungen einer Winterdepression schützen konnte.
Fazit: Mir persönlich gefallen die Aufnahmen der frühen Jahre bedeutend besser, als die heutigen Werke von Dreadlock Tales.

Info: Kasper Philström, der zu Beginn von Dreadlock Tales auch als Koproduzent und an den Reglern in Erscheinung trat, verließ nach den Aufnahmen zur „SynchroniCity” (2007) das Projekt, welches seither von Kimmo Tyni alleine weitergeführt wird.

Bewertung: 3.5 von 5.
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Dub Five Star

Burning Spear: Living Dub Vol. 2

Die nächste Hiobsbotschaft: Nach Frederick “Toots” Hibbert hat Corona leider den Nächsten erwischt und viel zu früh ins Grab gebracht. Der bekannte Soundengineer Barry O’Hare verstarb Ende September im Alter von 56 Jahren. Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder. Berichten zufolge starb er nur wenige Tage nachdem er positiv auf COVID-19 getestet worden war im Universitäts-Krankenhaus der West Indies in Kingston. Barry O’Hare könnte vielleicht doch Einigen relativ unbekannt sein, obwohl er auch für Burning Spears Grammy-preisgekröntes Album “Calling Rastafari” aus dem Jahr 2000 am Mischpult saß. Erst 2018 wurde er von der Jamaica Reggae Industry Association (JaRIA) für seine bedeutende Rolle in der Entwicklung und dem Fortbestand des Reggae geehrt.
Das größte Werk, das Barry O’Hare in meinen Augen der Fangemeinde hinterlässt, ist der Remix von “Burning Spear: Living Dub Vol. 2” aus dem Jahr 1992. “Living Dub Vol. 2” wurde ursprünglich 1980 als Dub-Version zu Burning Spears epochaler “Hail H.I.M.” im Mix von Sylvan Morris auf LP veröffentlicht. Das vorliegende Album ist keine Neuauflage des Original-Dub-Albums, sondern ein völlig neuer Dub-Mix von Barry O’Hare und Nelson Miller (Drummer bei Burning Spear). Die “Hail H.I.M.” ist für mich das letzte klassische Burning Spear Werk, wenn nicht sein definitives Meisterwerk. Die Backing Band stellte damals ein großer Teil der “arbeitslosen” Wailers. Bob Marley war gerade sehr schwer erkrankt und befand sich in ärztlicher Behandlung in Dr. Issels Klinik in Bad Wiessee. Also ergriff Burning Spear die Gelegenheit und produzierte zusammen mit Aston “Familyman” Barrett dieses Glanzstück. Auch das Remix-Album hat keine einzige Schwachstelle. Das Album beginnt mit “Cry Africa” (Cry Blood Africans) und Burning Spears ein- und ausgeblendeter, klagender Gesang haut mich wieder um, wie bereits beim ersten Kontakt mit diesem Album geschehen. Eigentlich ist “Living Dub Vol. 2” so homogen, dass es keinen Track gibt, den es lohnt, ausdrücklich hervorzuheben. Jeder Titel hat den perfekten Flow. Die Wailers liefern großartige Musik und Barry O’Hares kongeniale Dubs mit vielen Sound-Effekten sind traumhaft schön. Aus dem Dunst von Echo und Reverb tauchen immer wieder fantastisches “Gebläse”, fließende Keyboards, satte Basslines, komplexes Nyahbinghi-Drumming und Burning Spears klagende Stimme auf. Auch wenn ihr mich vielleicht für verrückt haltet, “Burning Spear: Living Dub Vol. 2” ist immer noch eines der besten klassischen Dub-Alben aus der Blütezeit. Ein absolutes Muss für jeden Dub-/Reggae Fan. Really well done, Barry! (R.I.P.)

Bewertung: 5 von 5.
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Dub

King Pong Dub System: Dub Brut

Jakob Rehlinger ist ein Deutscher, der in Kanada lebt oder ein deutschstämmiger Kanadier. Sei’s drum, das ist jetzt auch nicht von wesentlicher Bedeutung. Auf jeden Fall würde ich Jakob Rehlinger als einen “kosmischen” Musikkomponisten und Improvisator bezeichnen, der in Etobicoke, Ontario, lebt. Er veröffentlichte bisher eine große Anzahl an Alben, die nicht nur unter seinem bürgerlichen Namen, sondern auch mit zig Synonymen: King Pong Dub System, BABEL, Moonwood, Heavy Moon, TRANZMIT und in verschiedensten Genres aufgenommen wurden. Von Dub, Chillout, Funk, Krautrock, Psychodelic, Berliner- bis Düsseldorfer Schule ist alles vertreten.

Wir legen hier unseren Schwerpunkt natürlich auf Dub – was sonst? Bereits bei seiner ersten offiziellen Veröffentlichung als “King Pong Dub System: Islington West” hatte er lt. eigenen Aussagen ein gewisses Unbehagen. Ein “weißer” Mann, produziert Musik, die stark vom Dub inspiriert ist, ohne dass schwarze Musiker oder Musiker jamaikanischer Herkunft involviert sind. Obwohl King Pong vor allem diese Musik aus Wertschätzung und Respekt macht, ist es doch unvermeidlich, sich auch kulturelle Elemente der Musik anzueignen. Im Laufe der Zeit hat es King Pong dennoch geschafft, seinen völlig eigenen Sound zu erschaffen. Seine von ihm komplett in Personalunion eingespielten Alben, sind mittlerweile etwas weniger von authentischen Dub-Reggae-Rhythmen und -Sounds „inspiriert“. Trotzdem muss King Pong immer wieder anerkennend zur Kenntnis nehmen, dass er auf den hohen Schultern “schwarzer” Riesen steht: King Tubby, Lee Scratch Perry, Scientist, Mad Professor, Sly & Robbie, Bonjo Iyabinghi Noah, Augustus Pablo und viele andere, von denen er Klänge, Ästhetik und sogar Elemente seines Spitznamens entlehnte. In diesem Jahr hat er sich nochmals das bereits im Sommer 2017 veröffentlichte Album “King Pong Dub System: Dub Brut” vorgeknöpft und remixed. Herausgekommen ist ein Dub aus der langen Post-Punk-Tradition mit unüberhörbaren Anleihen bei “weißen” Männern wie The Clash, Mark Stewart und Adrian Maxwell Sherwood. “Dub Brut” sind improvisierte Drum-Machine-Jams und Live-Loop-Sessions, die von Jakob Rehlinger aka King Pong beinahe komplett live aufgenommen und gedubbt wurden. Mit jedem weiteren Hören offenbart das Album neue Sound-Effekte.

Bewertung: 3.5 von 5.

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Dub

Nueve Millas: Nine Miles From Kingston Dub

„Nueve Millas” (Nine Miles) ist das musikalische und audiovisuelle Projekt einiger argentinischer Künstler, die sich die Vertonung von Gedichten, Visuals in Kombination mit Mystik, Astronomie, Reggae und Dub auf die Fahne geschrieben haben. Der Kopf und die Stimme des Projekts ist Pablo Carlos Budassi aka Milkaya aka Malaya. Zusammen mit seinem Bruder Nicolas Budassi, Francisco Vanini, Gonzalo Arriagada Matias Trillini und einigen Freunden gründete er 2002 die Band „Nueve Millas“, bei der er heute noch als Keyboarder mitwirkt. Mit der Band reiste das Allround-Talent Milkaya (Musiker, Grafiker, Texter) quer durch Argentinien, Chile und Bolivien.
Auf Nueve Millas: „Nine Miles From Kingston Dub” zeigt das 10-köpfige Kollektiv, dass es auch andere Musikgenres (Rock, Punk) sehr gerne mag. Wobei hier zweifellos der Schwerpunkt auf Roots Reggae liegt. Auf gar keinen Fall will die Band von jemandem abhängig sein und deshalb geschieht alles in Eigenregie. So wurde auch dieses Album im Roots-Roots-Heimstudio aufgenommen. Weil Dub doch meist recht zeitlos daher kommt, merkt man auch diesem Album nicht an, dass es bereits 10 Jahre auf dem Buckel hat. Mit ihrer Musik hat die Band nach eigenem Bekunden keinerlei Hoffnung, kommerziell erfolgreich zu sein. Was sie erreichen wollen, ist, dass ihre Musik außerhalb von Zeit und Raum klingt. Ich würde mal sagen: „Das ist Nueve Millas gelungen.”
Wenn ich für dieses Album eine (Kommerz-)Schublade öffnen müsste, dann vielleicht weit entfernt die des „Latino Reggae”.
Empfehlung der Band: „Um den wahren mystischen Zustand des Dub zu erreichen, wird empfohlen, dieses Album unter Einfluss entheogener Pflanzen zu hören.” Dazu sag’ ich frei nach Fritz Teufel: „Wenn’s der Musik-Empfindung dient!”

Bewertung: 3.5 von 5.

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Dub

Christoph El’ Truento: Peace Maker Dub

Im Grunde müssten wir uns hier über den 31-jährigen Neuseeländer Christopher Martin James nicht weiter unterhalten. In frühen Jugendjahren war er ziemlich erfolgreich in Sachen Hip-Hop unterwegs. Als Christoph El’ Truento hat er seit 2013 seinen musikalischen Wirkungskreis grundlegend geändert und macht nun hauptsächlich in: Ambient mit wabernden, kosmischen Klanglandschaften, Alternative, Experimental und Noise. Also eigentlich nichts für den Dubblog.
Wäre da nicht Christoph El’ Truento: “Peace Maker Dub” (Eigenproduktion), auf dem er sich wieder auf seine musikalischen Wurzeln besinnt. In einem Interview verrät er, dass Reggae die erste Musik gewesen sei, mit der er bewusst in Berührung kam. Sein wesentlich älterer Bruder – ein Reggae Kenner – hat(te) eine riesige Reggae-Sammlung und so lagen oft Alben von King Tubby, Lee Perry, Winston „Niney the Observer“ Holness, Errol (E.T.) Thompson oder den anderen Verdächtigen auf dem Plattenteller. Den Gedanken, ein Dub-Album zu machen, trug El’ Truento viele Jahre mit sich herum. Vom Start des Dub-Projektes bis zum vorliegenden Endresultat dauerte es über zwei Jahre. Ein Grund dafür war auch, dass zwischen der Musik, die sich El’ Truento im Kopf vorstellte und der, die letztendlich aufgezeichnet wurde, immer wieder Welten lagen. Nach eigener Auskunft scheiterte er bei den ersten Dub-Versuchen kläglich. Diese Problematik kann man heute beim Hören des Albums kaum noch glauben. OK, er hatte sich dann auch tatkräftige, versierte Verstärkung ins heimische Studio nach Auckland (NZ) geholt. Die wunderschön entspannten Saxofon- und Flöten-Passagen von JY wurden in nur zwei Stunden eingespielt! Als Unterstützung an den Perkussions wurde Lord Echo aus Wellington (NZ) angeheuert und Truentos großer Bruder durfte die „chinna-esken“ Gitarrenparts übernehmen.
In einem Interview mit dem Neuseeländischen Rundfunk erklärte Christoph El’ Truento, dass einige Aufnahmen anfangs mit ziemlich dürftigem/billigem Equipment entstanden seien. Sein erklärtes Ziel war von Anfang an, den Sound nicht so crispy wie viele neue Produktionen erscheinen zu lassen. Viel mehr wollte er, dass das Album etwas mehr low-fi klingt, so wie (ganz) frühe Perry/Tubby Aufnahmen. „Pep’s Chant“, ein überzeugendes Upsetter Remake auf dem El’ Truentos 7-jähriger Sohn den Part singt, der im Original von Lee Perrys Sohn übernommen wurde. Mit zwei Takes war Pep‘s Gesang im Kasten, den Papa Christoph dann zusammen frickelte. Ein Titel wie „Bush Walk Dub“ musste unbedingt sein. El’ Truento war schon im kindlichen Alter immer extrem begeistert, dass Perry Ziegen- und Kuhgeräusche mit seinen Dubs verknüpfte. So lag es nahe, auch einige typische Tiergeräusche aus dem neuseeländischen Buschland in die Aufnahmen zu integrieren. Auch Klanglandschaften, die bereits einige Zeit im Archiv schlummerten, wurden jetzt mit den Dub-Tracks verwoben.
Insgesamt lesen sich die einzelnen Titel des Albums wie verschollene Aufnahmen aus längst vergangenen Zeiten. Reminiszenzen an die jamaikanischen Erfinder der ganz frühen Dub-Kunst sind unüberhörbar. Der Sound klingt stellenweise etwas dumpf, was aber lt. El’ Truento durchaus so gewollt ist.
Mich überzeugt „Peace Maker Dub“ mit herrlichen Gitarrensoli, wimmerndem Orgelsound, Flying Cymbals, Nyahbinghi-Drumming, Flöte, Sax, wummernden Bässen, Xylophon, klassischen Dub-Effekten und analogem Sound. Erinnerungen an richtungsweisende Originale aus der Zeit werden sicherlich bei jedem Dub-Kenner geweckt.
Also: Es ist alles vorhanden, was das Herz eines Bud- ähm, Dubheads höher schlagen lässt.

Bewertung: 4 von 5.
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Dub

Finn The Giant meets Sandmonk: Two Worlds Clash

Vergangenes Wochenende habe ich einen Streifzug durch mein Archiv gemacht und dabei Finn The Giant meets Sandmonk: „Two Worlds Clash” (Eigenproduktion) wiederentdeckt. Nein, auch wenn es im ersten Moment so klingen mag, keine moderne Fortsetzung der schwedischen Legende um einen Riesen aus Lund mit dem Namen Jätten Finn. Finn The Giant oder Jätten Finn sind Künstlernamen für Finn Stillerud, einen Reggae-Produzenten und Dubmixer aus Malmö. Sein älterer Bruder hat ihn schon im frühen Kindesalter mit Roots Reggae vertraut gemacht und auch maßgeblich beeinflusst. Im zarten Alter von 13 Jahren lebte Finn ein Jahr in Amerika und auch in der Fremde wuchs sein Interesse für Roots Reggae, moderneren Reggae und Dancehall, weiter. Auf der Highschool trat er dann der Reggaeband „Soon Come” bei. Nach seiner Rückkehr nach Schweden begann Finn The Giant gleichzeitig seinen eigenen Reggae aber auch Dubs zu machen. Zusammen mit Sandmonk, einem ehemaligen Band-Mitglied aus „Soon Come”-Zeiten, wurden 2001 einige Dub-Demos aufgenommen. Aufgrund verschiedenster Umstände wurden die Aufnahmen nie veröffentlicht und so gammelten sie in irgendeinem Kämmerlein vor sich hin. Erst 2007 wurden die elf analog und mit viel Passion aufgenommenen Dubs aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt und im neu entstandenen Studio remastered. Das Endresultat kann sich echt hören lassen. Bereits der Opener: „Hidden Knowledge” erinnert mich an den, auch von mir sehr geschätzten, Tomas Hegert: „Dub på Svenska”. (Immer wieder: Danke für den Tipp, René!) Auf „Greenhouse Stadion” meine ich ab 1:44 eine Art Akkordeon zu hören. „Minga Girls” erinnert an ein schwedisches, etwas polkaähnliches Volkslied. Manchmal bekommen wir eine sehr sparsam eingesetzte aber punktgenaue Melodica-Melodie zu hören. Die Orgel spielt diese nordischen, etwas unterkühlten aber sehr schönen, kristallklaren Orgelklänge, die mir seit Anfang der 70er von Bo Hansson (Tipp: Lord Of The Rings oder auch Attic Thoughts – kein Reggae) bekannt sind. Schwere, satte Drums und benthisch mäandernde Basslines werden flankiert von einer Fülle dubbiger Effekte. Die Fülle der Optionen, die ein neues Studio mit sich bringt, wurden durch die zwei Protagonisten überzeugend genutzt.
Obwohl Finn The Giant in den vergangenen Jahren sehr selten bis überhaupt nicht in Erscheinung trat, ist „Two World Clash” (Alte und Neue Welt?) für mich ein Album, das keinesfalls unbeachtet und vor allem ungehört in der Versenkung verschwinden sollte.

Bewertung: 3.5 von 5.
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Dub Five Star

The Mighty Diamonds: Deeper Roots (Back to the Channel)

Nichts Brandaktuelles aber „Back to the Roots“:
Eines der schönsten und besten Dub-Alben aus der Blütezeit des Reggae wurde vor über 40 Jahren als Bonus-LP dem originären Vocal-Album beigelegt – Roots Reggae und Dubs par excellence. Zu hören auf: The Mighty Diamonds: „Deeper Roots“ [Back to the Channel] (Vigin Records). Warum Back to the Channel? Die Mighty Diamonds waren seit ihrem brillanten „Right Time” (aka Need a Roof) aus 1976 fast untrennbar mit Channel One und den vier Hookim Brüdern verbandelt. Nach dem Tod von Paul Hookim, der 1977 Opfer eines Raubüberfalls wurde, zogen sich die restlichen drei Hookims (Joseph „Jojo“, Ernest und Kenneth) aus dem Musikgeschäft zurück und verlegten ihren Lebensmittelpunkt nach Amerika. Einige Monate später kehrten sie wieder nach Jamaika zurück, vergrößerten das Studio in der Maxfield Avenue und brachten es soundtechnisch auf den Stand der Zeit.
Der blutigste Wahlkampf mit über 800 Toten war gerade vorüber und langsam kehrte auf Jamaika so etwas wie „Normalität“ ein.
Die Mighty Diamonds waren, nachdem sie woanders ein paar schwächere Alben eingespielt hatten, auch wieder zur Stelle und lieferten im Channel One Studio ein Album mit z.T. ans Herz gehenden Lyrics ab. Nie waren die Mighty Diamonds militanter. Die Texte spiegeln alles wider, was damals guten Suffarah Roots Reggae ausmachte. Für mich ist „Deeper Roots“ auch heute noch eines der schönsten Alben aus dieser glorreichen Ära. Die Riddims sind immer noch eine echte Offenbarung – Rockers in full Flight. Carlton „Santa“ Davis‘ „beckenlastige“ Beats und George „Fully“ Fullwoods pulsierende Basslines legen das Fundament dieser genialen Riddims. Earl „Chinna“ Smith glänzt mit straffen Gitarrenriffs und Winston „Jelly Belly“ Wright liefert funkige Klavier- und Orgelpassagen. Nicht zu vergessen die Hornsection, die wunderschön satte Beiträge abliefert, als wolle sie die Mauern von Jericho einfach wegblasen. Egal wie straff die Arrangements auch waren, Jojo „The Genius“ Hookim an den Reglern bereicherte sie alle mit wunderschönen Melodien, die tatsächlich allesamt aus der Rocksteady Ära stammen.
Kurz: Auf „Deeper Roots“ passt von vorn bis hinten wirklich alles, das gesamte Opus war und ist immer noch ein Meisterwerk und eine Sternstunde des Reggae. Es hat locker den Test der Zeit bestanden. Der bereits leider verstorbene Jojo „The Genius“ Hookim an den Reglern lieferte einen außergewöhnlich warmen, locker flockigen Dub-Mix, der mich auch heute noch jedesmal in echte Begeisterung versetzt. Deeper Roots (Back to the Channel) ist eines der Alben, die endgültig mein Faible für Reggae und Dub zementierten.

Bewertung: 5 von 5.
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Dub

Jäh Division: Dub Will Tear Us Apart… Again

Wieder einmal kein klassisches Dub Album im Reggae Offbeat. Also auch nicht unbedingt etwas für Dub-Puristen. Trotzdem ist es doch immer wieder verblüffend, zu hören, welche akustischen Blüten unser kleines aber feines Genre Dub so treibt.
Aus einer Schnapslaune heraus entwickelten die beiden amerikanischen Musiker Brad Truax (Bass) und Barry London (Keyboards) die Idee, Tracks der britischen Post-Punk-Band Joy Division im Dub-Kontext einzuspielen. Um das Projekt in die Tat umzusetzen, wurden der Oneida Perkussionist John Colpitts (aka Kid Millions), Chris Millstein an den Drums und ein paar zusätzliche Musikerkollegen der Bands “Oneida” und “Home” mit ins Studio geholt. Die Aufnahmen waren innerhalb eines Tages im Kasten. Das war 2004 und Jäh Division verkaufte die mit vier Titeln und in einer Miniauflage von 800 Stück gepresste EP ausschließlich bei ihren Live-Konzerten. 15 Jahre später wird ein um fünf Tracks angereichertes Reissue Jäh Division: “Dub Will Tear Us Apart… Again” (Ernest Jenning Record Co.) erneut der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zu den vier bereits veröffentlichen Joy Division Covers gesellen sich bei der Neuauflage zwei Aufnahmen aus der Original-Session plus drei eines verworfenen Albums. Dem “Isolation Dub”, ein weiteres Joy Division Cover, folgen zwei Eigenkompositionen (die fast 10-minütige Bandimprovisation „Paramount Lobby“ und „Sloppy Homework“) sowie ein Desmond Dekker (“Fu Manchu Dub”) und ein Jackie Mittoo (“Champion Of The Arena Dub”) Cover.

Die im Schatten der New Yorker Williamsburg Bridge entstandenen psychedelischen Dub-Interpretationen spannen gekonnt einen Bogen vom englischen Manchester über die uns bekannten jamaikanischen Mixing Desk Wizards bis New York.
Jäh Division bleibt lediglich beim Titeltrack relativ nahe am Original. Die Melodie von “Love Will Tear Us Apart” ist so markant, dass sie selbst denen vertraut sein könnte, die Joy Division nur flüchtig kennen. Meines Erachtens muss man aber nicht zwingend mit der Post-Punk-Band Joy Division vertraut sein, um “Dub Will Tear Us Apart…Again” schätzen zu können. Die restlichen Tracks offenbaren eher einen dekonstruktivistischeren Ansatz im Dub-Gewand. Töne werden bis zum Äußersten gedehnt, um den Songs einen fast elastischen, pulsierenden Klang zu verleihen. Das Album ist tatsächlich vielmehr als eine eigenständige Einheit zu sehen, welches die Musik der Joy Division Klassiker als Ausgangspunkt nimmt, um sie genüsslich durch den Dub-Wolf zu drehen. Jäh Division schien vielmehr auch die Idee zu gefallen, alle Möglichkeiten zu erkunden, was Dub zu bieten hat. Das Ausloten, was das analoge Equipment und das Studio “dubtechnisch” so hergeben, hat Jäh Division und Barry London “at the controls” hörbar Spaß gemacht.
Spätere Elaborate der Easy Star All-Stars wie “Radiodread” und “Dub Side Of The Moon” oder auch DubXanne: “Police In Dub” sind da wesentlich näher am Original geblieben. Dennoch oder gerade deshalb ist und bleibt “Dub Will Tear Us Apart… Again” ein faszinierendes Beispiel gediegener Dub-Kunst.

Trivia: Jäh Division musste die “Umlautversion” wählen, weil es bereits eine polnische Band namens Jah Division gab.

Bewertung: 4.5 von 5.
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Dub

Flying Vipers: Cuttings

Sly Dunbar und Robbie Shakespeare oder Carlie und Aston Barrett sind die Rhythm Twins aus Jamaika. Aber aus Waltham, Massachusetts kommen die wahren Rhythm Twins, die Zwillingsbrüder Mark und John Beaudette von den Flying Vipers.
Die Flying Vipers sind eine Dub-Reggae-Band, bestehend aus John und Marc Beaudette (Destroy Babylon, The Macrotones) und Zack Brines (Pressure Cooker, Kings of Nuthin’), welche ursprünglich als Nebenprojekt von Destroy Babylon gegründet wurde, um ihr Faible für klassischen Dub und Reggae ausleben zu können. Als Mann an den analogen Kontrollknöpfen und Reglern sitzt von Anfang an Jay Champany (10 Ft. Ganja Plant), der auch die ersten beiden Veröffentlichungen der Gruppe produzierte.
Cuttings” das erste Album der Flying Vipers in voller Länge ist gerade erschienen und knüpft genau da an, wo die beiden hervorragenden Vorgänger-EPs “The Green Tape” & “Copper Tape” endeten. Der Sound klingt wieder wie aus einer anderen Zeit, als jamaikanische Sound-Engineers dazu übergingen, ihre Mischpulte als Hauptinstrument zu nutzen und den Grundstein für das Dub-Genre legten. Wie beinahe zu erwarten, liefern die Vipers erneut süchtig machende Dub-Reggae-Instrumentals, die sowohl an die großartigen Produktionen der alten Engineers wie King Tubby, Sylvan Morris und Lee Scratch Perry, als auch an die jüngeren Dubhelden wie Dennis Bovell, Adrian Sherwood und Daniel Boyle erinnern. Die fantastisch gute Rhythm-Section von Marc und John Beaudette setzt das perfekte Fundament, über das der Keyboarder Zack Brines unter anderem seine schönen, frei fließenden Rhodes-Klavier-Passagen legt. Für die packende Horn-Section wurden zusätzlich noch ein paar Gastmusiker engagiert, die mit ihrer Virtuosität den Sound der Vipers enorm bereichern. Unbedingt positiv hervorzuheben ist auch der vierte Mann im Bunde, Jay Champany. Während heute viele Engineers die digitale Technologie nutzen, bevorzugt er immer noch die analoge Technik. Mit einem ziemlich alten Mischpult, Tapco-Hall, Mutron Phasor II etc. mischt Champany die Songs manuell, während die Band sie mit einem Tascam 488 MK II direkt auf Kassette aufzeichnet. Es entsteht ein sauberer, kohärenter, klassischer Sound und gleichzeitig eine eigene originelle Variante der bewährten Dub-Formel.

Bewertung: 4 von 5.
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Dub

Tu Shung Peng: Dub Of Light

Auf dem Track „Pass The Kushumpeng” (=Tu-Shung-Peng) sang Frankie Paul 1980:
„I don’t smoke cigarettes ’cause it will stop I breath; I man don’t sniff coke ’cause it will make I choke; All I smoke is the real tu-sheng-peng.”
Ergo, es geht um das heilige „Rastakraut”. Das Original-Instrumental „Darker Shade of Black” stammt übrigens von Jackie Mittoo und wurde bereits in den Spät-Sechzigern komponiert.
Mitte des Monats veröffentlichte nun das französische Dub-Label ODGProd.com das Album einer nach dem heiligen „Rastakraut” benannten Band, Tu Shung Peng: „Dub Of Light“. Schon fast traditionsgemäß, ist auch diesmal das über 40-minütige Opus wieder als kostenloser Download zu haben.
Über Tu Shung Peng ist bisher leider noch nicht viel Information zu finden. Das wird sich bei der Qualität der Band aber hoffentlich bald ändern. Nur soviel, es handelt sich um sieben Musiker, die bereits als Backing Band viele jamaikanische Künstler wie: Ken Boothe, Michael Rose, U Roy, Derrick Harriott, Clinton Fearon, Justin Hinds und viele andere auf ihrer Tour durch Frankreich begleiteten. Obwohl viele ODGProd-Künstler sich eher dem französischen Steppers verschrieben haben, verwöhnt uns Tu Shung Peng mit Old School-Riddims, dem wahren Sound des klassischen Roots-Reggaes. Alles gutes Handwerk mit einer bestens aufgelegten Blechbläsersektion und Arrangements die teilweise soulig-jazzige-Einflüsse offenbaren. “Listen To Your Dub” ist ein schönes Beispiel für gelungene Gitarrenlicks, sattem Gebläse und magischen Nyahbinghi-Drummings. Die Qualität des Albums ist umwerfend gut und es schießen einem beim Hören unwillkürlich Erinnerungen an die frühen Arbeiten von Prince Jammy und Scientist in den Kopf. Da kann man doch wirklich nicht meckern.

Bewertung: 4 von 5.