Jah Schulz: Railroad Versions

Letztes Jahr um diese Zeit schwärmte ich noch von Jah Schulz’ „Railroads Sessions“. Nun hat Michael „Schulz“ Fiedlers mit „Railroad Versions“ (Railroad Records) eine Versions-Version nachgeschoben, die – so wie ich das sehe – aber auch neue Tracks enthält. Und ich muss zugeben, ich könnte schon wieder ins schwärmen geraten. Herr Fiedlers weiß einfach, wie intensiver, purer, betörender Dub geht. Weglassen und Konzentration aufs Wesentliche gehört jedenfalls schon mal dazu. Wuchtige Basslines im Zentrum des Universums auch. Tighte Beats ebenso. Jah Schulz hat sie alle!

Meine Wertung:

Neu und gut

Hier mal kurz ein Zwischen-Update äußerst interessanter Dub-Alben, die jüngst meinen Weg kreuzten, für deren ausführliche Rezension ich aber noch keine Zeit gefunden habe:

The Nextmen & Gentleman’s Dub Club: »Pound for Pound (Dub-Versions)«
Cookie Ranks: »Digital Dub Clash«
Hermit Dubz: »Pursuit of Balance«
Vibronics: »Dubs on a Mission«
Mato: »Classical Dub«
Alien Levy: »Interferences, Vol. 2«
Various: »Tads Hi-Power Dub«
UB40: »For the Many (Dub Album)«
Various: »Pay it All Back Vol. 7«
The Last Poets (with Prince Fatty): »Understanding What Dub Is«
Mahom: »King Cat«
David Harrow: »Oicho«

Schreibt mir eure Meinung zu den Alben in die Kommentare. Bin gespannt darauf. Meine ausführlichen Rezis folgen dann später.


Meine Wertung:

Ras Blas: The Smoker Trombonist (Showcase)

Manchmal glaube ich, dass die beste Musik kostenlos zu haben ist, weil ihre Produzenten sie den Menschen da draußen einfach nicht vorenthalten möchten. Und so heißt es auch bei dem grandiosen Album „The Smoker Trombonist (Showcase)“ (Fat Bird Recording) von Ras Blas auf Bandcamp nur „Name your price“. Wer fair ist, sollte hier allerdings einen vollen Albumpreis eintragen, damit Mr. Blas und seine Produzenten genug Geld verdient, um weitere Musik aufnehmen zu können. Es wäre zu schade, wenn der Mann seine Posaune an den Nagel hängen müsste. Hier beschenkt er uns mit sechs unglaublich schönen Instrumentals und den dazu passenden Dub-Versionen. Warme, handgespielte Rhythms, inspirierte Arrangements, bester Sound und natürlich nette Trombone-Melodien machen glücklich. Die Dubs sind eher traditionell gemixt, was aber gut zum generellen Retro-Charme der Musik passt.

Meine Wertung:

Sound System-Events

In den nächsten Wochen stehen ein paar interessante Dub-Events an:

I-Livity I-Fi with full Soundsystem & Crew, 5. April, Berlin

International Dub Gathering, 18.-21. April, Alicante, Spanien

Sound System Culture – on the radical roots of rave, 19. April, Berlin

Freedom Fighter Soundsystem invites T-Jah for a Live-Dubbing Set, 26. April, Berlin

Aba Shanti-I, Lion’s Den Sound System, El Volcan Floor, 30. April, Berlin

Serendubity: Rise Up – Return to Dubtopia, 3. Mai, Berlin

Lion’s Den Sound System inv. Vibronics, Saralène & Empress Shema, 24. Mai, Berlin

A Bass Odyssey Festival, 31. Mai – 2. Juni, Berlin

Berlin Dub Wires presents: King Shiloh Sound System, 14. Juni, Berlin

Wer die volle Dröhnung möchte, dem kann ich nur das International Dub Gathering empfehlen. Drei Tage so viel Bass, dass man danach erst mal zum Arzt muss, um Eingeweide und Lungenflügel zu richten. Sehr schöne Open Air-Location, allerdings am Arsch von Spanien. Mit Ryanair gibt es aber günstige Flüge nach Alicante.

Meine Wertung:

The Temple Brothers: Festival of Dub

Das Cover ruft Erinnerungen an Scientist „Heavyweight Dub Champion“ wach, ein magisch beleuchteter, nächtlicher Platz mit feiernden Menschen. Während bei Scientist ein erfolgreich bestrittenes Box-Duell gefeiert wird, ist es beim „Festival of Dub“ der aus New York stammenden Temple Brothers das jüdische Hanukkah-Fest. Inszeniert hat es der Ober-Tempelbruder und Bassist David Gould, der bereits 2011 mit einer Bill Laswell Co-Produktion „Dub of the Passover“ unseren Weg kreuzte. Auch damals feierte er jüdisches Musikerbe. Letztes Jahr erschien sein Album „Festival of Lights“ mit so gern gehörten Gästen wie Linval Thompson und Wayne Jarret, das traditionelle Songs des Hanukkah-Fest als Reggae-Versions versammelt. Schöne Songs – wie ich finde – aber noch schönere Rhythms. Für eine amerikanische Band unglaublich tight gespielt und mit grandiosem Bass. Ein Album, das geradezu nach einer Dub-Version verlangte, die nun tatsächlich erschienen ist: „Festival of Dub“ (Fresh Roots). Crisp, kraftvoll, inspiriert und mit einer wunderschönen Heavenless-Version. Wer handgespielten Dub in bester Soundqualität mag, sollte hier mal rein hören.

Meine Wertung:

Kanka: Interaction

Der vielleicht kompromissloseste Sound System-Dub unserer Tage kommt aus Rouen in Frankreich, wo Kanka in seinem Kellerstudio sitzt und an den Reglern schraubt. Nur den Knopf für den Bass rührt er nicht an. Der ist standardmäßig ganz nach rechts gedreht. Bereits im November des letzten Jahres, veröffentlichte er sein neues Album „Interaction“, das – wie bei ihm gewohnt – kostenlos bei Bandcamp herunter zu laden ist. Warum der Titel „Interaction“? Vielleicht, weil es im Sound System gespielt, seinen Hörern eine physische Reaktion abverlangt? Der Bass lässt jedenfalls die Lunge vibrieren und die Hosenbeine flattern. Ich liebe das und empfehle das Album auch fürs heimische Wohnzimmer – sofern ein Turm aus Subwoofern vorhanden ist.

Meine Wertung:

Philipp Greter: Logic Chaos

„Dub“ ist ja inzwischen keine eindeutige Genre-Bezeichnung mehr. Während wir darunter mit Soundeffekten gespickten, instrumentalen Reggae verstehen, gibt es Leute, die denken bei „Dub“ an Ambient oder dekonstruierenden Minimal Techhouse. Ist schon verrückt, dass so unterschiedliche Sounds die gleiche Genre-Bezeichnung tragen. Doch meist ist schon am Cover zu erkennen, welche Dub-Kategorie gemeint ist. Das Cover von Philipp Greters Album „Logic Chaos“ ist jedenfalls nicht eindeutig. Weder Reggae noch Techno. Und höre da: auch die Musik lässt sich gar nicht so leicht zuordnen. Mal haben wir es mit einer Neuinterpretation von Kruder & Dorfmeister zu tun und mal mit schönsten Offbeats. Philipp dazu lakonisch: „Am Rande ist das vielleicht etwas für die Dub-Szene, für Leute, die etwas Experimentelles wollen“. Macht die Sache damit aber auch nicht klarer. Warum ich das Album hier überhaupt bespreche? Weil Philipp der Keyboarder und Produzent von Dub Spencer & Trance Hill ist. Er ist das Schweizer Dub-Urgestein schlechthin. Und im Logic Chaos hört man bei jeder Note, dass der Mann seinen Dub in- und auswendig kennt. Alles groovt, schwingt, hallt und vibriert, wie es sein muss. Am Bass gibt es auch nichts auszusetzen. Und doch würde kein Sound System der Welt das Album auflegen. Also tun wir es, zuhause, auf dem Sofa und vertiefen uns in die fein ziselierten Soundscapes, hören analytisch mit dem Kopf, während der Bass unsere Eingeweide massiert. Das Album ist übrigens mit der Apple Software „Logic Pro“ und einem Effektgerät namens „Chaos Pad“ produziert worden. Interessant, oder? Hat auch was mit dem Namen zu tun.

Meine Wertung:

Addis Pablo: Majestic Melodies

Addis Pablo legte im September 2018, nach vier Jahren Pause, sein zweites Album vor: „Majestic Melodies“ (Dubshot). Nach „In My Fathers House“, stellt er auch hier die Melodica ins Zentrum des Geschehens. Okay, dazu kann man stehen wie man will. Mich nervt das uninspirierte Spiel ehrlich gesagt ein wenig. Aber was noch viel schlimmer ist, ist das „Geschehen“ um die Melodica herum. Wer hat denn diese Rhythms produziert und diesen miserablen Sound abgemischt? Zwischen dem konventionellen, aber ordentlich produzierten, „In My Fathers House“ und „Majestic Melodies“ liegen Welten. Von wegen „Majestic“!

Meine Wertung:

Alborosie Meets Roots Radics: Dub For The Radicals

Bereits im Januar erschien das neue Dub-Album von Alborosie: Alborosie Meets Roots Radics: „Dub For The Radicals“ (Greensleeves). Was? Richtig gelesen? Alborosie und die Roots Radics? Wie soll das denn gehen? Style Scott, der legendäre Drummer der Channel One-Hausband, liegt doch schon seit vier Jahren unter der Erde. Aber die Presseinfo ist eindeutig. Drums: Lincoln Style Scott, Bass: Errol Flabba Holt, Keyboards: Gladstone Anderson, Wycliffe Steelie Johnson, Guitars: Eric Bingy Bunny Lamont, Dwight Pinkney, Noel Bailey, etc. Mit anderen Worten: Die Originalbesetzung. Also alte Aufnahmen, die Alborosie jetzt neu gemischt hat? Angeblich nicht, es soll sich um neue Einspielungen handeln. Und: klingt auch so. Crisp, druckvoll und dynamisch. Allerdings ist das Album weit weniger aufregend, als es zuerst den Anschein hat – abgesehen vom Cover, das ist genial! Die versammelten Tracks klingen zwar gut, vermögen mich aber nicht wirklich zu begeistern, obwohl einige Roots Radics-Klassiker darunter sind, wie z. B. Gregorys „Night Nurse“ oder Michael Prophets „Gunman“. „Surveillance Dub“ ruft den legendären Scientist-Roots-Radics-Dub ins Gedächtnis, allerdings gibt es außer des Titels keine Gemeinsamkeiten. Richtig gut gefällt mir hingegen „Chalice and Dub“ mit einer hübschen kleinen Melodie (eigentlich bin ich sehr leicht zufrieden zu stellen). Mein Urteil lautet: Alborosie hat mal wieder einen großartigen Marketing-Coup gelandet, kann aber seine allgemeine Formschwäche bei Dub-Alben nicht überwinden.

Meine Wertung:

The Dub Chronicles: Kingston

Ich muss zugeben, über The Dub Chronicles weiß ich so gut wie nichts, und ich war echt schockiert, als ich auf Facebook gelesen habe, dass ihr neues Album „Kingston“ (VPAL) von Dubmatix produziert wurde. Wie konnte das an mir vorbei gehen? Allerdings – das muss ich zu meiner Verteidigung anführen – klingt „Kingston“ absolut nicht nach Dubmatix, was an dem untypischen, manchmal gar jazzigen Live-Sound liegen könnte. Weiter unten bei Facebook steht, the Dub Chronicles sei ein Duo zweier in Toronto lebender Brüder, die „the heaviest dubwise roots reggae riddims“ überhaupt spielen. Aha. Würde ich zwar so nicht uneingeschränkt bestätigen, aber immerhin wird jetzt die Verbindung zu Dubmatix plausibel. Hört mal rein und entscheidet selbst.

Meine Wertung: