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Wählt die Dub Top Ten 2019

Nicht mehr lang, dann ist Weihnachten. Zeit, die besten Dub-Alben des Jahres 2019 zu küren. Wir haben die im Dubblog 2019 am besten bewerteten Alben zusammen gestellt. Wählt eure drei Favoriten. Daraus ermitteln wir eure Dub Top Ten 2019.
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Sumac Dub: Jam Session Vol. 1

Ein exzellenter Dub-Artist kommt diesmal aus Grenoble, Frankreich. Tom Dorne aka Sumac Dub hat das Projekt 2015 ins Leben gerufen. Der Multiinstrumentalist Tom Dorne begann bereits im zarten Alter von 5 Jahren, das Geigenspiel zu erlernen. Heute spielt er nicht nur Violine, auch Gitarre, Schlagzeug, Klavier und einige traditionelle Instrumente, die er auf seinen Reisen durch die Welt gefunden hat, steuert er geschickt seinen Mixes bei. Erst 2014 reifte bei dem langjährigen Reggae-Fan, dessen Musik weitgehend von Roots-Reggae inspiriert ist, die Idee, Alben unter dem Namen Sumac Dub zu produzieren. Mittlerweile wurden bereits vier Alben und eine EP Sumac Dub: „Jam Session Vol. 1“ (ODGProd.com) veröffentlicht. Bei der leider etwas kurz geratenen Jam Session Vol. 1 überzeugt mich bereits der erste lange Titel „le Chant de la Baleine“ in dem auch, wie der Titel schon sagt, Walgesänge gesamplet wurden. Bei „Radio, Ney and Persan Setar“ verknüpft er die persische Rohrflöte (Nay) sowie die persische Langhalslaute (Setar) geschickt mit dem musikalischen Dub-Gerüst. Ich mag im Dub ganz besonders solche ethnische, fremdartige Klänge. Die Entstehung von „Les Oiseaux d’Europe“ habe ich mir auf youtube angeschaut und bin begeistert, wie locker Tom Dorne aka Sumac Dub Vogelstimmen von einer Single nimmt und in seinen Dub einbaut. Alles klingt wie aus einem Guss. Und zum krönenden Abschluss hören wir bei „Bass Température“ nochmal eine dubbige Violine erklingen. Insgesamt bekommen wir hier ein Schaufenster origineller Stile mit vielen musikalischen Einflüssen geboten. Jam Session Vol. 1 ist ein kurzes, aber höchst interessantes Dub-Werk!

Meine Wertung:

Dub live.

Hier mal wieder ein Überblick anstehender Dub-Events.

Am 21. Dezember finden im Tryptichon in Münster die 29. Dub Stories statt. Diesmal ist das Roots Plague Soundsystem zu Gast. Hier mehr Infos.

Vier Tage später gibt’s am gleichen Ort das Reggae Attack X-Mas Special mit den Reverbalists und dem Chalwa Sound-System. Infos bei FB.

Am 27. Dezember im Yaam in Berlin: Berlin Dub Arena – 4 Soundsystems in session! Leider zu weit weg für mich. Infos hier.

Und am 28. Dezember findet in Lüneburg „Reggae/Dub Links Vol.15“ mit Wicked Steppa Sound (France) und Bissoman (Italy) auf dem Versionist International Soundsystem statt, und zwar im Jeckyl&Hyde.

Am 11. Januar veranstaltet der Soundsystemkultur Ruhr-Revier e. V. eine Rub a Dub-Night in Oberhausen. Hier die Infos dazu.

Am 22. Februar findet im AZ Wuppertal Dub Diversity #9 des Zion Garden Sound-System statt. Hier die Infos.

Wenig später in Köln: Cologne Soundsystem Meeting am 29. Februar im Kulturbunker. „Roots & Culture ina heavyweight Style!“. Infos gibt’s hier.

Various Artists: Humble Dubbers LP

Neulich hat hier im Dubblog jemand geschrieben, dass ihm ein ganzes Album am Stück zu hören einfach zu viel sei. Dem kann abgeholfen werden, denn ich habe hier ein Various Artists Album: „Humble Dubbers von Griechenlands führendem Downtempo- und Lounge-Label Melting Records gefunden. Melting Records zeigen auf der kurzweiligen zehn Tracks Compilation die enge Verflechtung von Downtempo und Nu-Dub mit Roots-Reggae und Dub. Auf dem Sampler finden sich profilierte sowie einige weniger bis kaum bekannte Dub-Produzenten, die den Hörer auf eine bewusstseinserweiternde Reise mitnehmen. Tiklah, Dubmatix, Vic Rice und Burnt Friedman sollten bekannt sein. Darüber hinaus sind auf Humble Dubbers auch Künstler wie Kabanjak (eine Hälfte von Ancient Astronauts), YesKing sowie Skinshape aus London, Lo End Dub aus Spanien, Shimi Sonic aus Israel sowie die Resonators aus Brighton zu finden. Bei dieser Vielfalt an verschiedensten Produzenten und musikalischen Einflüssen ist es schon erstaunlich, dass sich das Humble Dubbers Album trotzdem sehr homogen anhört. Dem Hörer bietet der Sampler eine mehr als befriedigende Übersicht auf die Verknüpfung von Nu-Dub und Classic-Dub. Insgesamt fasziniert mich die abwechslungsreiche Humble Dubbers Compilation, denn von den rumpelnden Basslines bis hin zum klassischen Zischen der Hi-Hats und dem Reggae-Offbeat ist hier alles präsent. Bring the rewind, Selectah!

Meine Wertung:

iLLBiLLY HiTEC: King Size Dub Special – Overdubbed by Dub Pistols

Aus uns vorbei! Die iLLBiLLY HiTECs danken ab. Wie schade. Die Welt braucht gute, experimentier- und spielfreudige Reggae-Bands, die auf enge Genre-Grenzen und orthodoxe Stiltheorie pfeifen, Bands, denen es gelingt, die Energie des 90ies-Dancehall mit Dub und Elektronik zu verbinden, die mal so richtig loslegen und echte Party-Musik produzieren – ohne dabei Anspruch und Intelligenz abzuschalten. Kurz: iLLBiLLY HiTEC löst sich auf und hat einen amtlichen Nachruf in Form eines Best-Of-Albums verdient – und genau das spendiert ihnen mit „King Size Dub Special: iLLBiLLY HiTEC (Overdubbed by Dub Pistols)“ unser Hamburger Lieblingslabel Echo Beach. Da es von den iLLBiLLYs nur drei echte Alben gibt, repräsentiert die King Size Dub Spechial-Ausgabe mit sage und schreibe 21 Track einen beachtlichen Teil des Gesamtoevres der deutschen Band. Darunter befinden sich auch etliche Instrumental- und Dub-Versionen, was die ganze Sache auch für uns interessant macht. Ich muss zugeben, beim ersten schnellen Hören hat mich die überbordende Energie des Albums anfangs schon etwas gestresst, doch je länger es lief, desto besser gefiel es mir. In den letzten Wochen klickte ich es immer an, wenn ich einen gute Laune-Boost gebrauchen konnte. Was soll ich sagen: hat jedes mal geklappt. Eingängige Melodien, smarte Arrangements, cleveres Sampling, druckvolle Uptempo-Beats und die ausgeklügelte Dramaturgie des Samplers können nicht scheitern. Ich liebe ja auch die guten alten Jungle-Beats, die hier als Zwischensprint eingestreut sind. Und die drei Dubmatix-Mixe sind sowieso wieder grandios. Ach ja, fast vergessen: Alle Tracks wurden von den Londoner Dub Pistols overdubbed. Ich habe Original und Overdubb zwar nicht mit der Lupe verglichen, kann mich des Eindrucks jedoch nicht erwehren, dass die Pistolen mit eher kleinem Kaliber geschossen haben.

Meine Wertung:

Dreadzone Presents: Dubwiser Vol. 1

Während der 1990er Jahre gehörten Dreadzone für mich zu den progressivsten Geistern der damals noch jungen, europäischen Dub-Szene. Ihr Crossover-Sound zwischen Dub und Club war für mich die Speerspitze der Entwicklung von Dub. Inzwischen ist klar, dass die Reise tatsächlich woanders hin gegangen ist. Ähnliche Bands, wie z. B. Rockers HiFi, sind längst abgetreten und zeitgenössischer Dub hat mit Club-Sounds nicht viel zu tun. Aber Dreadzone sind noch immer dort, wo sie in den 1990ern waren. Nur, dass sie heute nicht mehr nach Avantgarde klingen, sondern eher, wie ihre eigene Revival-Band. Dennoch hat die Musik der Band ihre Qualitäten beghalten. Z. B. eingängige (Folk-)Melodien, treibende Reggae-Beats und ausgeklügelte Arrangements. Der Sampler „Deadzone Presents Dubwiser Vol. 1“ stellt das vorzüglich unter Beweis. Er versammelt 12 Stücke des Dreadzone-Labels Dubwiser, die von Dreadzone und assoziierten Artists stammen und eine idealtypische Verkörperung des Sounds der Briten repräsentieren. War ich vom letzten Album der Band („Dread Times“, 2017) noch regelrecht enttäuscht, so hat sich meine Erwartungshaltung inzwischen angepasst und ich muss zugeben: die Dubwiser-Kollektion gefällt mir richtig gut.

Meine Wertung:

King Cooper: Wood Wind & Roots

Der Saxofonist Jan „King“ Cooper ist bei unseren niederländischen Nachbarn kein Unbekannter. Mit 15 Jahren begann er Saxofon zu spielen und mit 16 Jahren war er bereits erstmals auf einer Schallplatte zu hören. Nach Abschluss des Konservatoriums in Hilversum gründete Jan „King“ Cooper seine eigene Band mit der er drei Alben veröffentlichte. In den letzten Jahrzehnten trat Jan „King“ Cooper auf über 350 Studiotiteln als Saxofonist für Künstler, wie Doe Maar, Sister Sledge und viele andere, in Erscheinung. Jan ist aber nicht nur für seine außergewöhnlichen Saxofonfähigkeiten bekannt, sondern auch ein namhafter Komponist für Theater- und Filmproduktionen (unter anderem: Sesamstraße) in den Niederlanden. Sein musikalisches Spektrum umspannt Jazz, Soul, Funk und sämtliche Spielarten des Reggaes. Mit seinem 2018 erschienen Album „Wood Wind & Roots“ (www.earth-works.bandcamp.com) taucht King Cooper tief in die aktuelle Roots Reggae- und Ska-Szene ein. Wood, Wind & Roots ist ein organisches Klangkonzept, bei dem es darum geht, eine besondere Stimmung im Studio zu erzeugen und einzufangen. King Cooper fügt einer Vielzahl von verschiedenen Rhythmen seinen eigenen, einzigartigen, jazzigen Stil hinzu. Dabei steht er unüberhörbar im Mittelpunkt der Begleitbands: The RAW Rhythm Section (ein internationales Kollektiv von Roots-Musikern), The Signal One Band (Earth Works studio house-band), The High Notes, Rootz Lions, Jah Works und den irischen The Awaiters. Aufgenommen und abgemischt wurde das über 50 Minuten lange Album in King Coopers „Wohnzimmer“, dem Earth Works Studio in Amsterdam. King Cooper hat bis auf zwei Titel, die von Ernest Ranglin und Henry Mancini stammen, das Album selbst komponiert. Ein insgesamt sehr abwechslungsreiches, schönes Werk, das jedoch, wie er bereits selbst sagte, „kein Dub-Album“ ist. Aber ist Instrumental-Reggae nicht auch beinahe Dub, zumindest die Vorstufe? ;-)

Meine Wertung:

J. Robinson (WhoDemSound): More Than Music LP

Ich bin ja bekannt dafür, Soundsystem-Dub und Steppers zu mögen. Oh mein Gott! Wie kann er nur! Aber ich stehe dazu. Ich liebe den hypnotischen Bass-Sound, die minimalistischen Beats und die pochende Monotonie der Bassdrum. Deshalb macht mich auch das neue Album „More Than Music LP“ von J. Robinson (WhoDemSound) momentan recht glücklich. Deep Meditation in einem warmen Bett aus Bass, Bass und Bass. Natürlich aus dem UK, der Wiege des Steppers. J. Robinson bietet hier fünf, meist instrumentale, dubbige Tracks, die dann jeweils von einem echten Dub gefolgt werden. Die Instrumentierung klingt original nach 90er Dub, schön synthetisch und tausendfach gehört. So soll es sein ;-). Mr. Robinson beherrscht den Minimalismus.

Meine Wertung:

Roots Radics: 12 Inches Of Dub

Wir schreiben das Jahr 1980 und die 1978 von Errol „Flabba“ Holt (bass), Lincoln „Style“ Scott (drums) und Eric „Bingy Bunny“ Lamont (guitars) gegründeten Roots Radics waren innerhalb kürzester Zeit die gefragteste Session-Band im Channel One Aufnahmestudio von Kingston. Mit ihrem schweren, extrem verlangsamten Reggae gaben sie von 1980 bis 1984 unangefochten den Ton an. Henry „Junjo“ Lawes war in der Zeit einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste, Reggae- und Dancehall Produzent Jamaikas. Der Sound aus dem Channel One, wo die Roots Radics gerade die Revolutionaries als führende Studioband abglöst hatten, war frisch, neu und unverbraucht. Die Konstellation „Junjo“ Lawes, Roots Radics und ein gerade einmal 20-jähriger Hopeton Overton Brown aka Scientist war eine glückliche Fügung. Da passte wirklich alles perfekt.
Fast 40 Jahre später erscheint nun ein verschollen geglaubtes Album „12 Inches Of Dub„, das Dub-Pendant zu General Echos 1980er Greensleeves-Album „12 Inches Of Pleasure“. Produziert wurde das Set von der Reggae-Ikone Henry „Junjo“ Lawes und an den Reglern saß, wie zu der Zeit fast immer, der ehemalige King Tubby Protegé Scientist. Die Dub-Mixes wurden dann 1980 von „Junjo“ Lawes an Greensleeves geliefert, aber nie veröffentlicht und verstaubten in irgendeinem Archiv.
Jetzt ist endlich das Album doch noch auf dem Markt und zeigt die Roots Radics in der vollen Blüte ihres Schaffens. Sie klingen (noch) unverbraucht, roh, minimalistisch und Scientists Mixing klingt frisch und aufregend neu. Die Riddims zu den Dubs stammen von Künstlern und Alben aus „Junjos“ Stall. Wir hören unter anderem die Dubs zu: Barrington Levy („Fulfillment“), Wayne Jarrett („Dreadlocks Postman“), Flick Wilson („Yallas Pond“) und Little John („Tell Me What You Want To Be“). Übrigens, das Album enthält alternative Mixe zu Scientists „The Dub Album They Didn’t Want You To Hear!“ Jetzt blicke ich auch, weshalb Scientist seinem Album diesen seltsamen Titel gab.

Meine Wertung:

Radikal Vibration: Abaddown

Bei Steppers gehen hier die Meinungen ja stets deutlich auseinander. Ich bin diesbezüglich jedoch völlig open minded und weiß guten Steppers sehr zu schätzen. Ich liebe  Sound System-Nächte, in denen die Bässe über den Köpfen der Tanzenden herein brechen wie Sturmfluten. Nächte, in denen Körper und Rhythmus eins werden. Dazu kann ein Dub gar nicht repetitiv genug sein. Was auf dem Sofa vielleicht langweilig klingt, ist im Sound System gerade recht. Nur wenige Beat-Schmieden beherrschen die Kunst, diese repetitiven, meditativen, magischen Dubs zu bauen, die im Sound System so perfekt funktionieren. Eine davon residiert – nicht im UK, sondern in Genf: Radikal Vibration. Der Name ist Programm. Die vier Beat-Producer und Sound System-Operators Sabu, Son’Ja, Robert Safety & Flegus liefern ultimative Hardcore-Beats, die sie mit illustren Vocal Artists dekorieren, oder auch pur zum besten geben. Letztes Jahr veröffentlichten sie das Brother Culture-Album: „Code Name“, aus dem der Hit „Jump Up Pon It“ hervor ging. Soeben legten sie mit „Abaddown“ (Evidence Music) ein zweites Album mit diversen Vokalisten wie King Kong, Mark Wonder, Micah Shemaiah, Teacha Dee, Wayne Smith, Senham Smith und anderen – aber auch mit vier wuchtigen Dubs nach. Ich bin davon schwer beeindruckt (die Betonung liegt auf „schwer“). Vor allen die Dubs dröhnen in meinen Ohren, dass es eine Wohltat ist. Ich würde sagen: Der diesjährige Heavy-Bass-Prize geht – auf den letzten Drücker – in die Schweiz!

Meine Wertung: