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Dub Five Star

The Mighty Diamonds: Deeper Roots (Back to the Channel)

Nichts Brandaktuelles aber „Back to the Roots“:
Eines der schönsten und besten Dub-Alben aus der Blütezeit des Reggae wurde vor über 40 Jahren als Bonus-LP dem originären Vocal-Album beigelegt – Roots Reggae und Dubs par excellence. Zu hören auf: The Mighty Diamonds: „Deeper Roots“ [Back to the Channel] (Vigin Records). Warum Back to the Channel? Die Mighty Diamonds waren seit ihrem brillanten „Right Time” (aka Need a Roof) aus 1976 fast untrennbar mit Channel One und den vier Hookim Brüdern verbandelt. Nach dem Tod von Paul Hookim, der 1977 Opfer eines Raubüberfalls wurde, zogen sich die restlichen drei Hookims (Joseph „Jojo“, Ernest und Kenneth) aus dem Musikgeschäft zurück und verlegten ihren Lebensmittelpunkt nach Amerika. Einige Monate später kehrten sie wieder nach Jamaika zurück, vergrößerten das Studio in der Maxfield Avenue und brachten es soundtechnisch auf den Stand der Zeit.
Der blutigste Wahlkampf mit über 800 Toten war gerade vorüber und langsam kehrte auf Jamaika so etwas wie „Normalität“ ein.
Die Mighty Diamonds waren, nachdem sie woanders ein paar schwächere Alben eingespielt hatten, auch wieder zur Stelle und lieferten im Channel One Studio ein Album mit z.T. ans Herz gehenden Lyrics ab. Nie waren die Mighty Diamonds militanter. Die Texte spiegeln alles wider, was damals guten Suffarah Roots Reggae ausmachte. Für mich ist „Deeper Roots“ auch heute noch eines der schönsten Alben aus dieser glorreichen Ära. Die Riddims sind immer noch eine echte Offenbarung – Rockers in full Flight. Carlton „Santa“ Davis‘ „beckenlastige“ Beats und George „Fully“ Fullwoods pulsierende Basslines legen das Fundament dieser genialen Riddims. Earl „Chinna“ Smith glänzt mit straffen Gitarrenriffs und Winston „Jelly Belly“ Wright liefert funkige Klavier- und Orgelpassagen. Nicht zu vergessen die Hornsection, die wunderschön satte Beiträge abliefert, als wolle sie die Mauern von Jericho einfach wegblasen. Egal wie straff die Arrangements auch waren, Jojo „The Genius“ Hookim an den Reglern bereicherte sie alle mit wunderschönen Melodien, die tatsächlich allesamt aus der Rocksteady Ära stammen.
Kurz: Auf „Deeper Roots“ passt von vorn bis hinten wirklich alles, das gesamte Opus war und ist immer noch ein Meisterwerk und eine Sternstunde des Reggae. Es hat locker den Test der Zeit bestanden. Der bereits leider verstorbene Jojo „The Genius“ Hookim an den Reglern lieferte einen außergewöhnlich warmen, locker flockigen Dub-Mix, der mich auch heute noch jedesmal in echte Begeisterung versetzt. Deeper Roots (Back to the Channel) ist eines der Alben, die endgültig mein Faible für Reggae und Dub zementierten.

Bewertung: 5 von 5.
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Dub Five Star

The Higher Notes: Double Salute

Nein, das ist beim besten Willen kein Dubalbum, aber gleich vorweg eines der besten Instrumentalalben, die ich in letzter Zeit zu hören bekam. Das Album von The Higher Notes: “Double Salute” (Roots Unity Music) wächst mit jedem Hören und ist wortwörtlich ein “Double Salute”, eine ganz tiefe Verbeugung und Ehrenbezeugung an die Anfänge und die Helden unserer Lieblingsmusik. Was The Higher Notes im Amsterdamer Earth Works Studio geschaffen haben, wird sowohl unsere alten, bereits verstorbenen Helden Tommy McCook, Roland Alphonso, Jackie Mittoo als auch die Produzenten dieser Ära Coxsone Dodd, Duke Reid, Leslei Kong und Prince Buster im Jenseits in Verzückung versetzen – falls dies möglich ist. Der Gedanke gefällt mir jedenfalls. Die insgesamt elf Ska- und Rocksteady-Tunes, von denen nur zwei Coverversionen (Smoke Rings; Solitude) sind, strotzen nur so vor Musikalität und Hooklines, denen sich eigentlich nur ein Gehörloser entziehen kann. Was die Earth Works Posse um Jan “King” Cooper, Ras P (Peter Klaasen), Uta J. Maruanaya unter Beihilfe von Richard “High Notes” De Ruige und Milan Van Wingerden hier abliefern, ist aller Ehren wert. Darüber hinaus ist “Double Salute” eine wunderbare Hommage an den herrlich warmen, sorgfältig arrangierten und orchestrierten Bigband-Sound der 1950er Jahre, der von Vertretern wie Duke Ellington, Benny Goodman, Count Basie, Glen Miller und Eric Dean gespielt wurde, um nur ein paar Größen zu nennen. Jan “King” Cooper, Ras P (Peter Klaasen), Uta J. Maruanaya haben so viel Zeit, Perfektion und Herzblut in das Projekt “Double Salute” gesteckt, dass es eine wahre Freude ist, dem Werk zu lauschen. Nichts wurde dem Zufall überlassen, Band und Produzent haben mit größter Sorgfalt die passenden Instrumente, analogen Verstärker und Mikrofone ausgewählt. Selbst auf die Mikrofonplatzierung wurde großes Augenmerk gelegt, um einen möglichst authentischen Klang zu erzeugen. Meines Erachtens ist das perfekt gelungen. Für mich passt auf diesem Meisterwerk jeder kleinste Ton.

Bewertung: 5 von 5.
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2. Meinung Dub Five Star

Manasseh Meets Praise

Die Versuche, Reggae – insbesondere Dub – und klassische „E-Musik“ zu kreuzen, sind zwar rar – dafür aber umso spannender. Der Erste, der die Herausforderung meiner Meinung nach gemeistert hat, war 2006 Matthias Arfmann, als er für die Deutsche Grammophon das Oeuvre von Herbert von Karajan remixte. Seither ist viel geschehen. Ich erinnere nur an die Op’ra-Alben des Opernsängers Uli E. Neuens oder an Matos „Classical Dub“ aus dem letzen Jahr. Ging es bei diesen Alben stets um die Neuinterpretation klassischer Werke, so gibt es auch noch eine andere Form des Crossovers, bei der die Integration „klassischer“ Instrumente wie Geige, Querflöte oder Violine in die Dub-Soundsphäre im Vordergrund steht. Violinbwoy legte vor zwei Jahren ein düsteres Werk vor, das eher vom Kontrast zwischen Violine und Bass lebte, als von deren harmonischer Vereinigung. Aber jetzt gibt es eine neue Klassik/Dub-Benchmark: „Manasseh Meets Praise“ (Roots Garden). Unfassbar sanfte und doch druckvolle Reggae-Beats äußerst harmonisch, ja geradezu kongenial, umspielt von feinsten Violinen- und Viola-Klängen. Manchmal gesellen sich sogar noch eine Flöte und Harmoniegesang dazu. Klingt kitschig und sentimental? Aber nur auf dem Papier. Im Ohr ist es einfach nur schön. Ja, es ist eine im ursprünglichen Wortsinn sinfonische Musik – was sich selbst bei Arfmann nur mit Einschränkung behaupten lässt. Über Manasseh muss ich nicht viele Worte verlieren. Der Mann ist legendärer Dub-Veteran und Producer par excellence. Ich liebe seine Musik, seit ich in den 1990ern sein Album „Dub the Millennium“ gehört habe. Bei Praise handelt es sich um einen klassisch ausgebildeten Violinisten mit einem ausgeprägten Faible für Reggae. Seit rund zehn Jahren verschwinden Nick Manasseh und Praise regelmäßig im Studio und nehmen diese wunderbaren Instrumentals auf. Nun war es endlich an der Zeit, das entstandene Material in die Welt zu entlassen und Menschen wie mich damit zu beglücken. Ich bin mir sicher, dass die Meinungen über dieses Werk weit auseinander gehen werden. Aber wie immer man dazu stehen mag, so ist es doch wunderbar zu sehen, welche stilistischen Extreme unser Lieblingsgenre in sich aufnehmen kann.

Lest auch die Rezension von gtkriz.

Bewertung: 5 von 5.

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Dub Five Star

Tubby Isiah: Rising High

Ich bin hier ja bekanntlich derjenige, der die Steppers-Fahne hoch hält – und ich habe ein neues Lieblingsalbum: Tubby Isiah, „Rising High“ (Moonshine Recordings). Tubby who? Cooler Name, der sofort klar macht, worum es geht – um Dub nämlich. Aber wer steckt dahinter? Im Web findet sich die Info, dass es sich um das neue Projekt von Javon Ives und seinem Dad, Jason Ives handele. Javon Who? Das kann ein so engstirniger Dubhead wie ich natürlich nicht wissen: Javon Ives ist ein Soul-R ‚n’ B-Produzent und -Sänger. Vielleicht steht Paps ja auf Reggae und Dub, was der Grund für „Rising High“ sein könnte. Doch wie dem auch sei, die beiden haben ein wirklich gutes Dub-Album geschaffen. Offenbar wissen sie, was sie tun. Mit „Steppers“ ist übrigens keineswegs alles zu den Tracks gesagt. Es gibt auch schöne, sanfte One Drop-Beats. Sogar ein leicht Dub-Techno-inspiriertes Stück ist zu hören. Insgesamt aber alles maximal harmonisch, weich, warm und bassig. Da das Werk zudem noch ein schickes Cover ziert, vergebe ich hier guten Gewissens fünf Sterne.

Bewertung: 5 von 5.
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Dub Five Star

Zenzile Remixed

Das gelingt wenigen: Stilsicher zwischen Rock und Dub zu oszilieren – und dabei auch noch gelegentlich Elektronik oder Hip Hop unter zu mischen. Normalerweise landet man mit einem solchen Konzept zielsicher zwischen den Stühlen. Deshalb habe ich die französische Band Zenzile auch nie wirklich ernst genommen und Rock-Alben wie „Elements“ geflissentlich ignoriert. Lediglich die „5+1“–EP–Serie mit ihrem Reggae-Schwerpunkt war mir gelegentlich einen Blick wert. Nun aber hat die Band zwischen den Stühlen ein echtes Dub-Meisterwerk abgeliefert: „Zenzile (Remixed)“ (ODGProd). Es handelt sich um den Remix ihres Lebenswerkes, das sich über zehn Alben und sechs EPs erstreckt. Versammelt wurden die dreizehn besten und Dub-kompatibelsten Tracks ihres Oeuvres, um diese dann in die Hände einer spannenden Auswahl aktueller Dub-Koryphäen zu geben, (z. B. an die Dub Shepherds, Mahom, Tetra Hydro K, Alpha Steppa, Panda Dub oder Full Dub). Das Ergebnis ist grandios! Was für eine beeindruckende stilistische Vielfalt. Hier wird das Konzept „Dub“ wirklich ausgelotet – ohne dabei die Grenzen des Genres wirklich zu überschreiten. In jedem einzelnen Track stecken mehr Ideen, als in so manchem kompletten Dub-Album. Unglaublich inspirierte Arrangements, kunterbunter Mix diverser musikalischer Einflüsse, fette Basslines, massive Beats, Melodien und Grooves. Das Album ist die Antithese zu hypnotisch-minimalistischem Steppas-Dub. Ich liebe beides, aber dürfte ich nur ein Album auf eine einsame Insel mitnehmen, es wäre „Zenzile Remixed“. Das Album kann man ein ganzes Jahr lang hören, ohne sich zu langweilen. Kaum zu glauben, dass das vielleicht beste Dub-Album des letzten Jahres (im Dezember veröffentlicht und deshalb nicht in meiner Dub Top Ten 2019!) kostenlos über odgprod.com zum Download bereit steht.

Bewertung: 5 von 5.

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Dub Five Star

Various Artists: !! Dub !! Dub !! Dub !! Vol. 2

Wer dieses Album in einem Streaming-Dienst sucht, kann durchaus verzweifeln. Die Eingabe des Titels fördert alles zu Tage – nur nicht diesen absolut hörenswerten Sampler: Various Artists, „!! Dub !! Dub !! Dub !! Vol. 2“ (Elastica). Eine spannende Sammlung von Dub-Produktionen aus aller Welt, kuratiert von Elastica-Mann TuzZy und Neil Perch von Zion Train/Universal Egg. Was die beiden hier zusammen getragen haben, lässt sich vielleicht als progressiver Sound System-Dub bezeichnen. Hä? Soll heißen: Anspruchsvolle, moderne Dub-Produktionen mit stilistischer Nähe zu Steppers – aber doch viel mehr als Bassdrum-Gestampfe und Basswalze. Also ausgeklügelte, clever komponierte Produktionen, die aber trotzdem bei Dynamik und Drive keine Kompromisse machen. Intellektuelles Sound System-Futter gewissermaßen. Mir gefällt’s ausnehmend gut. Obwohl stilistisch aus einem Guss, erweisen sich die Tracks als überraschend abwechslungsreich. Markante Melodien, inspirierte Arrangements, super Sound und stets treibende Beats haben alle. Mal schöne Gesangseinlagen, mal instrumentale Soli, mal einfach nur ein abgefahrener Mix: Langeweile kommt hier ganz und gar nicht auf. Hätte ich die Aufgabe, jemand Unwissendem zu erklären, was moderner Dub idealerweise ist, ich glaube, ich würde ihm dieses Album vorspielen.

Bewertung: 5 von 5.
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Dub Five Star

Christos DC: Tessera Dub

Es gibt sie tatsächlich noch, die Dub-Alben, denen ein originäres Vokal-Pendant vorausgeht. Die Rede ist von “Tessera Dub” (Honest Music), das Dub-Album eines Christos DC, einem amerikanischen Multiinstrumentalisten mit griechischen Wurzeln. Sowohl für die Gesangsparts des Vocal-Albums “Tessera” als auch für die Dub-Mixes hat Christos DC jede Menge illustre Gäste geladen und das Tolle daran ist, alle haben einen fantastischen Beitrag abgeliefert. Von den insgesamt 12 Tracks des 2017er Albums, wurden fünf Laurent “Tippy I” Alfred fürs Mixing überlassen. Er macht – wie immer (z. B. Dub Chronicles, Akae Beka) – seine Sache perfekt und liefert abgespeckte Tracks mit sattem Bass und Drums. Der relaxte “What Is Happening Dub” überzeugt mit den ätherischen Vokal-Fragmenten eines Akae Beka (Vaughn Benjamin) und den über den satten Riddims schwebenden Effekten. Insgesamt gefallen mir alle Dubs, die unter der Obhut von Tippy I entstanden sind. Aber auch alle anderen Sound-Engineers, wie z. B. Mad Professor (GB), Jah Servant (CDN), Dub Architect (USA), Paolo Baldini (I), Mr. B (CH) begeistern mit gutem Handwerk und liefern allesamt packende, sehr relaxte Dubs – für einige möglicherweise zu relaxt. Paolo Baldini (Ex-Africa Unite) wurde “Boots & Tie” zur Bearbeitung übertragen. Der Riddim aus dem Jahr 1980 stammt unüberhörbar von Sly & Robbie. Paolo Baldini mischt daraus den “Boots & Tie Dub”, als wäre er schon immer Teil der Taxi-Gang. Der crispe Mix erinnert tatsächlich an die frühen Arbeiten eines Scientist. Bei “Desperate Dub”, einem Nina Simone Original, zeigt der in Kanada ansässige Jah Servant (Mark Giles) sein Können.

Christos DCs “Tessera Dub” begeistert mich auf allen Ebenen. Ein brillantes Werk, das unterschiedlichste Dubs aus den verschiedensten Regionen der Erde repräsentiert und dennoch als in sich geschlossenes Gesamtwerk erstrahlt. Meine Hochachtung geht an alle, die an diesem Projekt beteiligt waren und ein solch abwechslungsreiches Album auf die Beine gestellt haben.

Bewertung: 5 von 5.

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Dub Five Star

Youtie & Macca Dread: Nomad Skank

Wenn wir im Reggae von Trompete sprechen, fallen uns spontan zwei, drei Namen ein: Johnny “Dizzy” Moore, Bobby Ellis und David Madden. Seit dem ersten Album “Silver Wind” von Juliette Bourdeix aka Youtie aus 2018, können wir die Liste um eine Interpretin erweitern. Youtie begann mit 6 Jahren das Trompetenspiel und startete mit 17 Jahren das Studium der klassischen Trompete am Pariser Konservatorium, wo sie heute selbst als Professorin arbeitet und das Trompetenspiel lehrt. Bei Ibrahim Maalouf, einem französisch-libanesischen Jazz Trompeter und Komponisten absolvierte sie außerdem eine Jazz- und Improvisationsausbildung. Im Sommer 2019 erschien nun Youtie & Macca Dread “Nomad Skank” (Youtie Records), ein Instrumental-Dub-Album mit vielen Inspirationsquellen: Reggae, Rocksteady, Ska, Jazz, Balkan, orientalische, jüdische (Klezmer), spanisch-andalusische und klassische Musik. Sowohl Youtie mit ihrer Trompete und zahlreichen, melodischen Arrangements, als auch Dubmaster Macca Dread mit seinem Mix, wissen hier zu beeindrucken. Auf den 16 Tracks des Albums sind die orientalischen Einflüsse auf Tracks, wie “Oriental Skank” oder “Monkey Temple” mit wunderschönem Flötenspiel, sehr schön zu hören. Aber auch der klassische Roots-Reggae wie bei “Double Rainbow”, “The Wild Horn” und “Irie Land” kommt keineswegs zu kurz. Andalusisch-spanisch klingt es bei “Al-Andalus”, Swing-jazzig bei “Swing City”, kubanisch bei “Jaruco” und asiatisch bei “Pagoda”. Kurz, eine bunte Mischung verschiedenster musikalischer Stilrichtungen, die jedoch allesamt vom Reggae und Dub inspiriert und geerdet sind. Eine exzellente musikalische Weltreise im Reggaebeat wie aus einem Guss.
Das Album ist extrem gut arrangiert und keine einzige Sekunde langweilig. Mir bereiten vor allem die orientalischen Themen richtig Spaß und machen gute Laune. Youtie mit ihrem berühmten orientalischen Trompeter und Lehrmeister Ibrahim Maalouf zu vergleichen, fällt mir hier nicht allzu schwer. Dennoch trägt “Nomad Skank” die ganz persönliche Handschrift von Youtie & Macca Dread.

Auf dem Album sind übrigens auch die beiden Schwestern von Youtie, Jalaya (Alice Bourdeix) an der Flöte und Clara (Bourdeix) an der Geige vereint. Die Riddims hat Macca Dread in seinem Studio im Alleingang angefertigt. “Nomad Skank” ist ein fast übersehenes Glanzlicht am Reggaehimmel und spiegelt einen kulturellen Mix, der den wahren Reichtum der Menschheit ausmacht.

PS: Yout(h)ie wird mal mit, mal ohne “h” geschrieben. Sie selbst sagt, das “h” auf dem Cover sei falsch!

Bewertung: 5 von 5.
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2. Meinung Dub Five Star

Dubsouls in Session

Passen Dub und Jazz eigentlich zusammen? Ersterer eine super-strukturierte Musik mit eher sanftem Flow, letzterer oft frei flotierendes Chaos und planlose Improvisation. (So weit die Klischees). Aber es gibt ja einige wunderschöne Beispiele, wie beides gut zusammen gehen kann: Angefangen bei Ernest Ranglin über meinen Liebling „Dub på Svenska“, hin zu „Nordub“ von Nils Petter Molvær und zuletzt den „Natural Hights“ des Guiding Star Orchetras. Nun haben wir ein weiteres Paradebeispiel dafür, dass Dub und Jazz füreinander bestimmt sind: „Dubsouls in Session“ (Youth Sounds) von den Dubsouls. Hinter diesem charmanten Namen verbirgt sich ein Septett, geführt von dem britischen Jazzgitarristen Andrew Murphy. Es spielt ungemein entspannten Reggae im lockeren Retro-Style, smooth & easy mit Orgel, Blechbläsern, erstaunlich maximalem Bass und minimalem Dub-Mixing. Der perfekte steady Hintergrund für die hübschen, frei fließenden Jazz-Soli von Murphy & Co. So ein einfaches Rezept! Eigentlich nichts Besonderes – und doch bin ich total hooked. Der Flow ist einfach umwerfend und die Jazz-Gitarrenklänge betörend. Ich kann nur sagen: Dub & Jazz gehören zusammen wie Butter und Brot. Und überhaupt: Ist Dub-Mixing nicht sowieso irgendwie freie Jazz-Improvisation?

Bewertung: 5 von 5.
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Dub Five Star

Mute Beat: In Dub

Guter, gerne auch “schräger” Dub geht bei mir (fast) immer. Heute präsentiere ich einen längst verschollenen Klassiker. Eine 1985 erstmals veröffentlichte Musik-Cassette von Mute Beat, Japans erster Dub-Band, die (leider) nur von 1982 bis 1989 existierte. Das Erstlingswerk “Mute Beat: In Dub” (ROIR; Reachout International Records) wurde im Laufe der Jahre unter den unterschiedlichsten Titeln veröffentlicht: Tra Special Mute Beat (1985); Japanese Dub (1986); No. 0 Virgin Dub (1990) und In Dub (1996). Auf “In Dub” bekommen wir eine Vielzahl von verschiedensten Ingredienzen zu hören, die schon auf das sehr breite musikalische Spektrum der Band hindeuten. Der Sound ist sowohl von traditioneller japanischer Musik, als auch Dub-Einflüssen, Reggae, Funk und elektronischer Musik, gemischt mit Jazz und dem Klang einer marschierenden Blaskapelle stark geprägt. Mute Beat schufen damals einen Klangkosmos, den so noch wenige zuvor gehört hatten und bewegte sich damit am Rande aller bestehenden Musikgenres. Bereits die ersten beiden Titel des Albums: “Metro” und “Fiolina”, eine melancholische, reggaeeske Jazz-Nummer, zeigen die Musikalität und Virtuosität der Band. “Mix Up”, der einzige Track mit Vocals, ist dem Reggae noch am nächsten und verweist eindeutig auf den jamaikanischen Einfluss. Bei “Downtown” sind dann schon wieder der funky Groove und die unverwechselbaren Drum-Patterns eines Roland TR-808 im wahrsten Sinne tonangebend. Diese sechs Japaner passen bis heute in keine Schublade und setzen sich zwischen alle Stühle. Das live entstandene und recht dumpf, wie ein Audience Mitschnitt klingende “Break A Road”, hört sich zu Beginn des Tracks dann eher wie eine ziemlich abstrakte Interpretation von Horace Andys “Money Money” an. Der unangefochtene Höhepunkt dieses einzigartigen Albums ist für mich zweifellos “Dub No. 5”. Mute Beats eigenwillige aber äußerst hörenswerte Interpretation des alten Dave Brubeck Klassikers “Take Five”.
Obwohl auch wegen der fetten Bass-Lines und Drums, die Musik tief im authentischen Reggae/Dub verwurzelt ist, sprudelt dank des Posaunisten und der glasklaren, an Miles Davis erinnernden Trompete von Kazufumi Kodama, dem Kopf der Band, immer wieder Jazz an die Oberfläche. “Mute Beat: In Dub” ist ein unglaublich beeindruckendes Album, das immer noch die Aufmerksamkeit auf sich zieht, die es bereits vor vielen Jahren verdient gehabt hätte.
Übrigens, auf dem gesamten Album gibt es keine einzige Gitarre zu hören. Außergewöhnlich!

Bewertung: 5 von 5.