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The Mikey Dread Show: African Anthem Dubwise

„Him don’t steal, him don’t gamble, talking ‘bout man called Michael Campbell“ heißt es an einer Stelle auf der LP . Michael Campbell (1954 – 2008) alias Mikey Dread kam zu Ruhm, als er 1976 nach einer Ausbildung zum Radio- und Tontechniker eine enorm erfolgreiche Radioshow beim Jamaican Broadcasting Service (JBC) startete, mit der er an sechs Tagen der Woche vier Stunden lang um Mitternacht das Reggae-Radio-Format erfand. Er war der Erste, der im Sound System Style live on air ging. Nach zwei Jahren überwarf sich Campbell mit JBC. Er kündigte, gründete das Dread At The Control (DATC) Label und begann, sich selbst und andere zu produzieren. Die ersten LPs aus dem Jahr 1979 kopierten sowohl das Prinzip wie auch den Titel seiner eingestellten Radiosendung: Auf dem Debüt „Dread At The Controls“ (a.k.a. „Evolutionary Rockers“) präsentierte sich Campbell als eine Mischung aus MC und Deejay. Gleich mit dem Nachfolger „African Anthem Dubwise“ gelang ihm dann nicht nur sein bestes Album überhaupt, sondern auch eine der brillantesten Dub LPs aller Zeiten. Ein Monster der Version-Kultur, das wesentlich zur europäischen Erfolgsgeschichte des Dub beitrug. Als Basis dienten je zwei von Mikey Dread produzierte Songs von Rod Taylor („Behold Him“ + „His Imperial Majesty“) und Edi Fitzroy („Country Man“ + „Miss Molly“) sowie fünf seiner eigenen Titel. Die Riddims wurden von Prince Jammy in einer Nachtsession bei King Tubby gemischt und anschließend nach London verfrachtet. Dort kübelte der 2016 verstorbene, mit Campbell und Jammy eng befreundete Engländer Dave Hendley, auf dessen kurzlebigem Cruise Label „African Anthem Dubwise“ zuerst erschien, eine Wagenladung an Jive Talk, Synthie-, Sound- und Stimmeffekten über die rohen Dubs, was ihnen eine archaische Wildheit verlieh. Im Gegensatz zu den ebenfalls in England vorgenommen Overdubs bei den Greensleeves Alben von Scientist war die Aktion mit Mikey Dread abgesprochen bzw. ausdrücklich von ihm bestellt. Er hatte Hendley dafür ein vorbereitetes Tape mit Gimmix gegeben, die alle aus seiner Radioshow stammten. Darunter viele Jingles wie „Oh my gosh, the music just turns me on“, „Riddim full of culture, ya“ oder „Brandnew – Good For You“, die zu tausendfach gesampelten Klassikern wurden. „African Anthem Dubwise“ erschien zuletzt vor 15 Jahren in einer erweiterten Deluxe Version mit anderem – banalen – Cover. Music On Vinyl hat die LP im Original Artwork wiederveröffentlicht, mit modernem, bauchigen und weniger schrillen Sound. Zuerst erschien sie limitiert auf 1.000 nummerierten Exemplaren in blauem Vinyl, am 29.01.2020 kommt sie in schwarzem Vinyl. Alles was es sonst zu der Platte zu sagen gibt, erklärt Big Youth im Auftakt zu Seite Zwei: „Who is the man who plays Roots Rock Reggae? Michael Campbell, the Dread at the control, to thrill your soul. Alright? Alright!“ (Der Text erschien zuerst in RIDDIM 04/20 und wurde aktualisiert.)

Bewertung: 5 von 5.

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Five Star Review

Clive Hunt & The Hit Team: Blue Lizzard

Zum Glück hat es NUR 12 Jahre gedauert bis uns Clive Hunt ein neues Instrumental/Dub-Album vorlegt. 2008 war ich wegen „Clive Hunt & The Dub Dancers“ völlig aus dem Häuschen und setzte das Album auf Platz drei meiner Jahrescharts. Nun ist sein neues Werk da: „Blue Lizzard“ (VP) – und ich bin schon wieder aus dem Häuschen. Für alle, die Clive Hunt nicht kennen: Er war Studiomusiker auf Hunderten von Tracks (meist in der Horn Section, am Bass oder an den Keyboards) und hat mindestens ebenso viele Tracks produziert. Eine wichtige Station in den 70ern war seine Produktionstätigkeit im Wackies-Studio, wo er u. a. für das legendäre Dub-Album „African Roots Act 1“ aufnahm. Nach 2000 wurde er Hausproduzent von VP Records und verantwortete u. a. das schöne „We Remember Dennis Brown“-Tribut-Album. Nun also „Blue Lizzard“ – benannt nach Hunts Spitznamen. Was für ein superber Sound! Präzise, crisp, tight, volltönend, warm und wohlig. Kein Wunder, wenn die Bläser Bobby Ellis, Nambo Robinson und Dean Fraser, die Keyboarder Robbie Lyn und Bubbler Waul, der Gitarrist Wayne Armond sowie die Drummer Squidley Cole und Kirk Bennet heißen. Ein wahres Hit Team! Sie spielen wunderschöne Evergreens neben neuen Kompositionen, allesamt ausgeklügelt und abwechslungsreich arrangiert – kein Vergleich zu so mancher allzu glatter Taxi Gang-Produktion. Erst im Kontrast zu solch perfektem Handwerk fällt auf, welch erbärmliche Produktionsqualität so manche moderne Dub-Alben bieten (die dann allerdings oft andere Qualitäten haben). „Blue Lizzard“ ist Old School im besten Sinne. Da die Bläser im Zentrum des Geschehens stehen, bemüht VP den Vergleich zu Rico Rodriguez’ „Man From Wareika“. Das ist nicht abwegig. Hätte der Perfektionist Rico sein Album heute aufgenommen, würde es wahrscheinlich klingen wie „Blue Lizzard“. Es ist zu befürchten, dass es nicht mehr lange Reggae-Produzenten und -Musiker geben wird, die diese herausragende handwerkliche und künstlerische Qualität abliefern können. Ein Grund mehr, jetzt ganz aus dem Häuschen zu sein.

Bewertung: 5 von 5.

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Five Star Review

Burning Spear: Living Dub Vol. 2

Die nächste Hiobsbotschaft: Nach Frederick „Toots“ Hibbert hat Corona leider den Nächsten erwischt und viel zu früh ins Grab gebracht. Der bekannte Soundengineer Barry O’Hare verstarb Ende September im Alter von 56 Jahren. Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder. Berichten zufolge starb er nur wenige Tage nachdem er positiv auf COVID-19 getestet worden war im Universitäts-Krankenhaus der West Indies in Kingston. Barry O’Hare könnte vielleicht doch Einigen relativ unbekannt sein, obwohl er auch für Burning Spears Grammy-preisgekröntes Album „Calling Rastafari“ aus dem Jahr 2000 am Mischpult saß. Erst 2018 wurde er von der Jamaica Reggae Industry Association (JaRIA) für seine bedeutende Rolle in der Entwicklung und dem Fortbestand des Reggae geehrt.
Das größte Werk, das Barry O’Hare in meinen Augen der Fangemeinde hinterlässt, ist der Remix von „Burning Spear: Living Dub Vol. 2“ aus dem Jahr 1992. „Living Dub Vol. 2“ wurde ursprünglich 1980 als Dub-Version zu Burning Spears epochaler „Hail H.I.M.“ im Mix von Sylvan Morris auf LP veröffentlicht. Das vorliegende Album ist keine Neuauflage des Original-Dub-Albums, sondern ein völlig neuer Dub-Mix von Barry O’Hare und Nelson Miller (Drummer bei Burning Spear). Die „Hail H.I.M.“ ist für mich das letzte klassische Burning Spear Werk, wenn nicht sein definitives Meisterwerk. Die Backing Band stellte damals ein großer Teil der „arbeitslosen“ Wailers. Bob Marley war gerade sehr schwer erkrankt und befand sich in ärztlicher Behandlung in Dr. Issels Klinik in Bad Wiessee. Also ergriff Burning Spear die Gelegenheit und produzierte zusammen mit Aston „Familyman“ Barrett dieses Glanzstück. Auch das Remix-Album hat keine einzige Schwachstelle. Das Album beginnt mit „Cry Africa“ (Cry Blood Africans) und Burning Spears ein- und ausgeblendeter, klagender Gesang haut mich wieder um, wie bereits beim ersten Kontakt mit diesem Album geschehen. Eigentlich ist „Living Dub Vol. 2“ so homogen, dass es keinen Track gibt, den es lohnt, ausdrücklich hervorzuheben. Jeder Titel hat den perfekten Flow. Die Wailers liefern großartige Musik und Barry O’Hares kongeniale Dubs mit vielen Sound-Effekten sind traumhaft schön. Aus dem Dunst von Echo und Reverb tauchen immer wieder fantastisches „Gebläse“, fließende Keyboards, satte Basslines, komplexes Nyahbinghi-Drumming und Burning Spears klagende Stimme auf. Auch wenn ihr mich vielleicht für verrückt haltet, „Burning Spear: Living Dub Vol. 2“ ist immer noch eines der besten klassischen Dub-Alben aus der Blütezeit. Ein absolutes Muss für jeden Dub-/Reggae Fan. Really well done, Barry! (R.I.P.)

Bewertung: 5 von 5.
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Five Star Review

Dub Spencer & Trance Hill: Tumultus II

PINK FLOYD. Ein ganzes Album schreit Pink Floyd – und ich liebe es vom ersten bis zum letzten Track und zurück: „Tumultus II“ nennt sich der neue Release von Dub Spencer & Trance Hill, und ich bin mir gar nicht so sicher ob für ihn die Kategorien „Dub“ oder gar „Reggae“ passend sind – beide waren für die Schweizer immer schon zu eng gefasst. Die Release-Info verleiht das Prädikat „psychedelischer Dub“ – vermutlich mangels einer besseren Begrifflichkeit, und der Markt verlangt nun mal nach einer Schublade. Fest steht: Die Herren beherrschen ihre Instrumente (dazu zähle ich auch das „Instrument“ Dub) dermaßen gut, dass sie damit nicht nur simpel Musik, sondern epische Klanggemälde erschaffen können. Dazu braucht’s die Freiheit, sich nicht an übliche Musikstrukturen zu halten; sich nicht in der ewigen rhythmischen Wiederholungsschleife auszuruhen, den Klangideen Zeit und Raum zum Atmen zu geben, Konzepte nach Belieben zu erstellen oder aufzugreifen und letztlich gerade auch die Freiheit, sich keinen Deut darum zu scheren was am Markt gerade gang und gäbe ist. So entstand eine Reihe großer Alben und ein ausgezeichneter Ruf, dem selbst konzeptuelle Seltsamkeiten wie „Riding Strange Horses“ und „Christmas in Dub“ nichts anhaben konnten.

Hier also ein weiteres Konzeptalbum, dass sich mehr denn je jenseits jeglicher Dub-Gepflogenheiten bewegt und vielleicht gerade deshalb ein Meilenstein im bisherigen Oeuvre von Dub Spencer & Trance Hill ist: Tumultus II, dessen kurioses Konzept aus nichts Geringerem als dem Alltag in einem antiken römischen Legionslager besteht. Da marschieren Truppen auf, Rüstungen und Waffen klirren und scheppern, Fanfaren eröffnen den Kampf der Gladiatoren und wir hören was die alten Römer sonst noch so für Lärm drauf hatten, bevor sie mutmaßlich von Asterix & Obelix vermöbelt wurden. Das Schweizer Vindonissa Museum hat im Rahmen seiner Soundwerkstatt Tumultus all diese antiken Klänge reproduziert, aufgenommen und verbindet sie mit modernen Sounds – diesmal eben mit dem von Dub Spencer & Trance Hill.

Hausmusik: Dub Spencer & Trance Hill & die Römer (© Museum Aargau)

Das Konzept hätte auch gehörig schief gehen können – etwa in Form eines platten musikalischen Alberto Uderzo und René Goscinny-Comics. Die obgenannten Fanfaren kommen dem gefährliche nahe, aber der Rest der geschätzten Hundertschaft an Geräusch-Samples wurde verfremdet, in Loops gelegt, mit Dub-Effekten bearbeitet und perfekt in eine vom bandeigenen Keyboarder Philipp Greter tadellos produzierte musikalische Reise eingebettet, die über sämtliche Dub-Plattitüden erhaben ist. Mitunter drängt sich allerdings die Frage auf, inwieweit dem Albumkonzept Rechnung getragen wurde – zumal die manipulierte Geräuschkulisse auch losgelöst davon funktioniert und als Soundtrack für vielerlei Stories herhalten könnte. 

Musikalisch kann man „Tumultus II“ als ausschweifend im allerbesten Sinn bezeichnen: Die Herren Trance & Hill nehmen sich Zeit. Das merkt man nicht nur an der Dauer der Tracks, wo man schon mal nahezu 15 spannende Minuten lang eine musikalische Idee entwickelt und sie in den verschiedensten Klangfarben und rhythmischen Facetten darstellt. Die musikalischen Strukturen und Arrangements sind so fein verwoben, dass ich auch nach gefühlten hundert Mal Anhören nicht sicher sagen kann, wann ein Track endet und der andere beginnt – abgesehen von „Gladiator“, der mit seinem platten Fanfaren-Intro die Ausnahme darstellt. Wenn also im Beipacktext zum Album von „Kopfkino“ gesprochen wird, so kann man dem nur beipflichten: Es ist eine abenteuerliche, nahezu minutiös angelegte Reise zu unterschiedlichsten musikalischen Destinationen, die ich für mich nicht fix verorten möchte. 

Um wieder zurück zu Pink Floyd zu kommen: Sie haben viel vom hier Beschriebenen vorgelebt – freilich um Längen epischer und theatralischer, aber ich wage durchaus den Vergleich: Hervorragende Musiker, enormer Ideenreichtum, großartige Umsetzung bzw. Ausführung und exzellenter Sound da wie dort; auch mach(t)en beide Combos nur geringe Zugeständnisse an den Markt und an 03:30 Minuten Radio-Hörgewohnheiten. Das alles wird umso bemerkenswerter angesichts der Größenordnung der jeweils zur Verfügung stehenden Produktionsbudgets. Letzteres könnte sich noch als unvermutet positiv herausstellen, wenn im Gegensatz zu den soundmäßig aufgedonnerten state-of-the-art-high-tech-Hochglanz-Alben von Pink Floyd der relativ trockene und zeitlose Sound von Dub Spencer & Trance Hill einer wesentlich würdevolleren Alterung unterliegt.

Wenn „Tumultus II“ also nicht wirklich als Reggae oder Dub-Release fassbar ist, was ist es dann? Simpel eine hervorragende musikalische Arbeit, die – zur Beruhigung alles Dubheads – natürlich mit jeder Menge Dub-Effekte und laid-back Rhythmik á la One Drop aufwartet. Zugleich gibt es hier aber noch so viel mehr zu entdecken – andere Künstler würden mit all diesen Ideen vermutlich mehrere Alben auffetten. Nicht so Dub Spencer & Trance Hill, und auch deshalb beide Daumen hoch für diesen beeindruckenden Release. 

Bewertung: 5 von 5.
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Five Star Review

The Mighty Diamonds: Deeper Roots (Back to the Channel)

Nichts Brandaktuelles aber „Back to the Roots“:
Eines der schönsten und besten Dub-Alben aus der Blütezeit des Reggae wurde vor über 40 Jahren als Bonus-LP dem originären Vocal-Album beigelegt – Roots Reggae und Dubs par excellence. Zu hören auf: The Mighty Diamonds: „Deeper Roots“ [Back to the Channel] (Virgin Records). Warum Back to the Channel? Die Mighty Diamonds waren seit ihrem brillanten „Right Time” (aka Need a Roof) aus 1976 fast untrennbar mit Channel One und den vier Hookim Brüdern verbandelt. Nach dem Tod von Paul Hookim, der 1977 Opfer eines Raubüberfalls wurde, zogen sich die restlichen drei Hookims (Joseph „Jojo“, Ernest und Kenneth) aus dem Musikgeschäft zurück und verlegten ihren Lebensmittelpunkt nach Amerika. Einige Monate später kehrten sie wieder nach Jamaika zurück, vergrößerten das Studio in der Maxfield Avenue und brachten es soundtechnisch auf den Stand der Zeit.
Der blutigste Wahlkampf mit über 800 Toten war gerade vorüber und langsam kehrte auf Jamaika so etwas wie „Normalität“ ein.
Die Mighty Diamonds waren, nachdem sie woanders ein paar schwächere Alben eingespielt hatten, auch wieder zur Stelle und lieferten im Channel One Studio ein Album mit z.T. ans Herz gehenden Lyrics ab. Nie waren die Mighty Diamonds militanter. Die Texte spiegeln alles wider, was damals guten Suffarah Roots Reggae ausmachte. Für mich ist „Deeper Roots“ auch heute noch eines der schönsten Alben aus dieser glorreichen Ära. Die Riddims sind immer noch eine echte Offenbarung – Rockers in full Flight. Carlton „Santa“ Davis‘ „beckenlastige“ Beats und George „Fully“ Fullwoods pulsierende Basslines legen das Fundament dieser genialen Riddims. Earl „Chinna“ Smith glänzt mit straffen Gitarrenriffs und Winston „Jelly Belly“ Wright liefert funkige Klavier- und Orgelpassagen. Nicht zu vergessen die Hornsection, die wunderschön satte Beiträge abliefert, als wolle sie die Mauern von Jericho einfach wegblasen. Egal wie straff die Arrangements auch waren, Jojo „The Genius“ Hookim an den Reglern bereicherte sie alle mit wunderschönen Melodien, die tatsächlich allesamt aus der Rocksteady Ära stammen.
Kurz: Auf „Deeper Roots“ passt von vorn bis hinten wirklich alles, das gesamte Opus war und ist immer noch ein Meisterwerk und eine Sternstunde des Reggae. Es hat locker den Test der Zeit bestanden. Der bereits leider verstorbene Jojo „The Genius“ Hookim an den Reglern lieferte einen außergewöhnlich warmen, locker flockigen Dub-Mix, der mich auch heute noch jedesmal in echte Begeisterung versetzt. Deeper Roots (Back to the Channel) ist eines der Alben, die endgültig mein Faible für Reggae und Dub zementierten.

Bewertung: 5 von 5.
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Five Star Review

The Higher Notes: Double Salute

Nein, das ist beim besten Willen kein Dubalbum, aber gleich vorweg eines der besten Instrumentalalben, die ich in letzter Zeit zu hören bekam. Das Album von The Higher Notes: „Double Salute“ (Roots Unity Music) wächst mit jedem Hören und ist wortwörtlich ein „Double Salute“, eine ganz tiefe Verbeugung und Ehrenbezeugung an die Anfänge und die Helden unserer Lieblingsmusik. Was The Higher Notes im Amsterdamer Earth Works Studio geschaffen haben, wird sowohl unsere alten, bereits verstorbenen Helden Tommy McCook, Roland Alphonso, Jackie Mittoo als auch die Produzenten dieser Ära Coxsone Dodd, Duke Reid, Leslei Kong und Prince Buster im Jenseits in Verzückung versetzen – falls dies möglich ist. Der Gedanke gefällt mir jedenfalls. Die insgesamt elf Ska- und Rocksteady-Tunes, von denen nur zwei Coverversionen (Smoke Rings; Solitude) sind, strotzen nur so vor Musikalität und Hooklines, denen sich eigentlich nur ein Gehörloser entziehen kann. Was die Earth Works Posse um Jan „King“ Cooper, Ras P (Peter Klaasen), Uta J. Maruanaya unter Beihilfe von Richard „High Notes“ De Ruige und Milan Van Wingerden hier abliefern, ist aller Ehren wert. Darüber hinaus ist „Double Salute“ eine wunderbare Hommage an den herrlich warmen, sorgfältig arrangierten und orchestrierten Bigband-Sound der 1950er Jahre, der von Vertretern wie Duke Ellington, Benny Goodman, Count Basie, Glen Miller und Eric Dean gespielt wurde, um nur ein paar Größen zu nennen. Jan „King“ Cooper, Ras P (Peter Klaasen), Uta J. Maruanaya haben so viel Zeit, Perfektion und Herzblut in das Projekt „Double Salute“ gesteckt, dass es eine wahre Freude ist, dem Werk zu lauschen. Nichts wurde dem Zufall überlassen, Band und Produzent haben mit größter Sorgfalt die passenden Instrumente, analogen Verstärker und Mikrofone ausgewählt. Selbst auf die Mikrofonplatzierung wurde großes Augenmerk gelegt, um einen möglichst authentischen Klang zu erzeugen. Meines Erachtens ist das perfekt gelungen. Für mich passt auf diesem Meisterwerk jeder kleinste Ton.

Bewertung: 5 von 5.
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Five Star Review Zweite Meinung

Manasseh Meets Praise

Die Versuche, Reggae – insbesondere Dub – und klassische „E-Musik“ zu kreuzen, sind zwar rar – dafür aber umso spannender. Der Erste, der die Herausforderung meiner Meinung nach gemeistert hat, war 2006 Matthias Arfmann, als er für die Deutsche Grammophon das Oeuvre von Herbert von Karajan remixte. Seither ist viel geschehen. Ich erinnere nur an die Op’ra-Alben des Opernsängers Uli E. Neuens oder an Matos „Classical Dub“ aus dem letzen Jahr. Ging es bei diesen Alben stets um die Neuinterpretation klassischer Werke, so gibt es auch noch eine andere Form des Crossovers, bei der die Integration „klassischer“ Instrumente wie Geige, Querflöte oder Violine in die Dub-Soundsphäre im Vordergrund steht. Violinbwoy legte vor zwei Jahren ein düsteres Werk vor, das eher vom Kontrast zwischen Violine und Bass lebte, als von deren harmonischer Vereinigung. Aber jetzt gibt es eine neue Klassik/Dub-Benchmark: „Manasseh Meets Praise“ (Roots Garden). Unfassbar sanfte und doch druckvolle Reggae-Beats äußerst harmonisch, ja geradezu kongenial, umspielt von feinsten Violinen- und Viola-Klängen. Manchmal gesellen sich sogar noch eine Flöte und Harmoniegesang dazu. Klingt kitschig und sentimental? Aber nur auf dem Papier. Im Ohr ist es einfach nur schön. Ja, es ist eine im ursprünglichen Wortsinn sinfonische Musik – was sich selbst bei Arfmann nur mit Einschränkung behaupten lässt. Über Manasseh muss ich nicht viele Worte verlieren. Der Mann ist legendärer Dub-Veteran und Producer par excellence. Ich liebe seine Musik, seit ich in den 1990ern sein Album „Dub the Millennium“ gehört habe. Bei Praise handelt es sich um einen klassisch ausgebildeten Violinisten mit einem ausgeprägten Faible für Reggae. Seit rund zehn Jahren verschwinden Nick Manasseh und Praise regelmäßig im Studio und nehmen diese wunderbaren Instrumentals auf. Nun war es endlich an der Zeit, das entstandene Material in die Welt zu entlassen und Menschen wie mich damit zu beglücken. Ich bin mir sicher, dass die Meinungen über dieses Werk weit auseinander gehen werden. Aber wie immer man dazu stehen mag, so ist es doch wunderbar zu sehen, welche stilistischen Extreme unser Lieblingsgenre in sich aufnehmen kann.

Lest auch die Rezension von gtkriz.

Bewertung: 5 von 5.

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Five Star Review

Tubby Isiah: Rising High

Ich bin hier ja bekanntlich derjenige, der die Steppers-Fahne hoch hält – und ich habe ein neues Lieblingsalbum: Tubby Isiah, „Rising High“ (Moonshine Recordings). Tubby who? Cooler Name, der sofort klar macht, worum es geht – um Dub nämlich. Aber wer steckt dahinter? Im Web findet sich die Info, dass es sich um das neue Projekt von Javon Ives und seinem Dad, Jason Ives handele. Javon Who? Das kann ein so engstirniger Dubhead wie ich natürlich nicht wissen: Javon Ives ist ein Soul-R ‚n’ B-Produzent und -Sänger. Vielleicht steht Paps ja auf Reggae und Dub, was der Grund für „Rising High“ sein könnte. Doch wie dem auch sei, die beiden haben ein wirklich gutes Dub-Album geschaffen. Offenbar wissen sie, was sie tun. Mit „Steppers“ ist übrigens keineswegs alles zu den Tracks gesagt. Es gibt auch schöne, sanfte One Drop-Beats. Sogar ein leicht Dub-Techno-inspiriertes Stück ist zu hören. Insgesamt aber alles maximal harmonisch, weich, warm und bassig. Da das Werk zudem noch ein schickes Cover ziert, vergebe ich hier guten Gewissens fünf Sterne.

Bewertung: 5 von 5.
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Five Star Review

Zenzile Remixed

Das gelingt wenigen: Stilsicher zwischen Rock und Dub zu oszilieren – und dabei auch noch gelegentlich Elektronik oder Hip Hop unter zu mischen. Normalerweise landet man mit einem solchen Konzept zielsicher zwischen den Stühlen. Deshalb habe ich die französische Band Zenzile auch nie wirklich ernst genommen und Rock-Alben wie „Elements“ geflissentlich ignoriert. Lediglich die „5+1“–EP–Serie mit ihrem Reggae-Schwerpunkt war mir gelegentlich einen Blick wert. Nun aber hat die Band zwischen den Stühlen ein echtes Dub-Meisterwerk abgeliefert: „Zenzile (Remixed)“ (ODGProd). Es handelt sich um den Remix ihres Lebenswerkes, das sich über zehn Alben und sechs EPs erstreckt. Versammelt wurden die dreizehn besten und Dub-kompatibelsten Tracks ihres Oeuvres, um diese dann in die Hände einer spannenden Auswahl aktueller Dub-Koryphäen zu geben, (z. B. an die Dub Shepherds, Mahom, Tetra Hydro K, Alpha Steppa, Panda Dub oder Full Dub). Das Ergebnis ist grandios! Was für eine beeindruckende stilistische Vielfalt. Hier wird das Konzept „Dub“ wirklich ausgelotet – ohne dabei die Grenzen des Genres wirklich zu überschreiten. In jedem einzelnen Track stecken mehr Ideen, als in so manchem kompletten Dub-Album. Unglaublich inspirierte Arrangements, kunterbunter Mix diverser musikalischer Einflüsse, fette Basslines, massive Beats, Melodien und Grooves. Das Album ist die Antithese zu hypnotisch-minimalistischem Steppas-Dub. Ich liebe beides, aber dürfte ich nur ein Album auf eine einsame Insel mitnehmen, es wäre „Zenzile Remixed“. Das Album kann man ein ganzes Jahr lang hören, ohne sich zu langweilen. Kaum zu glauben, dass das vielleicht beste Dub-Album des letzten Jahres (im Dezember veröffentlicht und deshalb nicht in meiner Dub Top Ten 2019!) kostenlos über odgprod.com zum Download bereit steht.

Bewertung: 5 von 5.

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Five Star Review

Various Artists: !! Dub !! Dub !! Dub !! Vol. 2

Wer dieses Album in einem Streaming-Dienst sucht, kann durchaus verzweifeln. Die Eingabe des Titels fördert alles zu Tage – nur nicht diesen absolut hörenswerten Sampler: Various Artists, „!! Dub !! Dub !! Dub !! Vol. 2“ (Elastica). Eine spannende Sammlung von Dub-Produktionen aus aller Welt, kuratiert von Elastica-Mann TuzZy und Neil Perch von Zion Train/Universal Egg. Was die beiden hier zusammen getragen haben, lässt sich vielleicht als progressiver Sound System-Dub bezeichnen. Hä? Soll heißen: Anspruchsvolle, moderne Dub-Produktionen mit stilistischer Nähe zu Steppers – aber doch viel mehr als Bassdrum-Gestampfe und Basswalze. Also ausgeklügelte, clever komponierte Produktionen, die aber trotzdem bei Dynamik und Drive keine Kompromisse machen. Intellektuelles Sound System-Futter gewissermaßen. Mir gefällt’s ausnehmend gut. Obwohl stilistisch aus einem Guss, erweisen sich die Tracks als überraschend abwechslungsreich. Markante Melodien, inspirierte Arrangements, super Sound und stets treibende Beats haben alle. Mal schöne Gesangseinlagen, mal instrumentale Soli, mal einfach nur ein abgefahrener Mix: Langeweile kommt hier ganz und gar nicht auf. Hätte ich die Aufgabe, jemand Unwissendem zu erklären, was moderner Dub idealerweise ist, ich glaube, ich würde ihm dieses Album vorspielen.

Bewertung: 5 von 5.