Es ist beeindruckend, wie viel fesselnde Musik immer wieder aus der kleinen Alpenrepublik Schweiz kommt. Dublerone, Dubment und natürlich Dub Spencer & Trance Hill sind hier jedem ein Begriff. Wenn ich mit meinen Recherchen richtig liege, denn im Grunde sind über das Album „MARSIAM: Du-b ist alles!“ nahezu überhaupt keine Informationen zu finden, dann liegt der Ursprung dieses Projekts in der 12-köpfigen Brassband Traktorkestar. Eine progressive Blaskapelle aus Bern und Umgebung, die mit ihrer wilden Mischung aus Balkan-Brass, sehnsüchtig schluchzenden Melodien, schnellen Rhythmen und mächtigem »Gebläse« seit 16 Jahren nicht nur in der Schweiz für gehörig Unruhe sorgt. Klingt schräg, ist schräg, ist aber einfach nur gut, weil dieses Dutzend von ausgebildeten Musikern ihr Handwerk wirklich beherrscht.
Aus diesem Konglomerat von Musikern scheint sich MARSIAM zusammenzusetzen, denn drei Protagonisten konnte ich eruieren: den Multiinstrumentalisten Samuel Zingg (SiAM!); den Saxophonisten und Arrangeur Thierry Lüthy sowie den Posaunisten und Hornisten Maro Widmer, der auch auf „Dublerone: Kailash“ die Posaune spielt. Bisher war mir MARSIAM völlig unbekannt. Doch mit den zwölf relativ kurzen und kurzweiligen Tracks, können sie überzeugen, denn „Du-b ist alles“ ist eine wirklich intelligente Weiterentwicklung und eine gelungene Hommage an die bedeutenden Blechbläser der jamaikanischen Musikgeschichte. Warum das Album tatsächlich entstanden ist, keine Ahnung. Möglicherweise wollten Lüthy, Zingg, Widmer und wer sich sonst noch hinter MARSIAM verbirgt – SiAM! steckt definitiv drin – ausgetretene Pfade verlassen und neue musikalische Wege aufzeigen. Das Resultat kann sich hören lassen, es ist ein harmonisches, relaxtes, Brass-lastiges Dub-Album mit leichten Jazz-Anleihen geworden, das vom Bachelor of Arts Thierry Lüthy gemixt wurde.
