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Bazille Noir: Goes Dub

Auf meinen gelegentlichen Streifzügen nach neuer Musik bin ich eher zufällig auf das Album „Bazille Noir Goes Dub“ gestoßen.

Das Projekt besteht in erster Linie aus dem in Hamburg beheimateten Produzenten und Musiker Jens Paulsen, der seit 2001 Musik unter dem Namen „Bazille Noir“ und in den letzten Jahren vermehrt unter „Paulsen & Stryczek“ veröffentlicht hat. Für dieses Dub-Album hat er sich mit dem Bassisten und Keyboarder Matthias Zoeller zusammengetan. Beides sind für mich unbekannte Namen und ich habe nicht näher nach Infos gesucht. Die Musik soll sprechen. Veröffentlicht wurde das Album digital auf dem Label Lemongrassmusic, das für mich bisher eher für Ambient-, Downtempo-, Electronic- oder Chillout-Veröffentlichungen stand. „Goes Dub“ vermag mich dabei sehr zu überzeugen, doch die neun Tracks beinhalten leider auch Musik, die ich gerne wegzappe, aber dazu später mehr. Es ist eher ein experimentelles Herangehen an die Thematik Reggae und Dub, was die beiden machen und genau das gibt durchaus gelungene und reizende musikalische Ergebnisse.

Der Opener „Mutualism“ beginnt mit einem entspannten, deepen Reggae-Groove-Bass, mit Bassdrum-Akkzenten auf 2 und 4, wo mir insbesondere die Hi-Hat-Arbeit sehr positiv auffällt. Auch die Basslinie ist gelungen, einzig die eingespielten Stimm-Samples, bräuchte ich nicht unbedingt. Die vom Baritonsaxophon dominierten Bläser-Arrangements, die ab der Mitte des Songs dezent, aber seidenfein dazukommen sind erste Sahne. Und mein Herz erfreut’s, denn der Song hat ein Ende und kein Fadeout. Weiter geht es mit „Rainmaker“, der in ähnlichem Stil weitergeht, Deepbass vom Feinsten. Dazu muss ich feststellen, dass der Mix und die benutzten Effekte sehr gekonnt, unaufdringlich und songdienlich daherkommen. Als Blasinstrument fungiert hier aber eine Flöte, die eher spärlich zum Einsatz kommt – also genau richtig dosiert. Auch der dritte Track passt. Es wird jedoch vom Sounddesign her etwas elektronischer und Keyboard-Arpeggios und -Delays stechen erstmal heraus, aber auch eine fette Hammond-Orgel, eine fast minimalistisch eingesetzte Trompete und eine schüchterne E-Gitarre haben ihre Auftritte. Bis jetzt bin ich begeistert und erahne bereits Ende Mai einen Anwärter auf das Album des Jahres.

„Blues Skank“ kommt dann, zwar erst nach einem gut einminütigen Intro, mit einem für meine Ohren aber zu plumpen House-Beat daher, ansonsten immer noch okay, die Gitarre ziemlich inspiriert sogar, aber eben, dieser Beat geht für mich gar nicht. Ich weiss, dass das Geschmackssache ist und es wird sicher Hörer:innen geben, die das mögen, vielleicht sogar bevorzugen, egal. So geht es dann (leider) die nächsten zwei Songs weiter.

Die drei abschliessenden Tracks sind wieder ganz in meinem Sinne. Insgesamt ist die Ästhetik des Werks sehr schön ausgewogen und kompakt gehalten. Alles passt zusammen, ich bemerke ein Konzept, ein richtiges Album aus einem Guss, das ich, abgesehen von den erwähnten drei mittleren Songs, mittlerweile schon ziemlich oft durchgehört habe. An zwei drei Stellen fantasiere ich mir sogar Anleihen am Sounduniversum von Dub Spencer & Trance Hill dazu. Durchweg ein bemerkenswert gut gelungenes Werk, das von mir dennoch nicht die Höchstnote bekommt – aber das ist reine Geschmackssache. Meinen Respekt und Goodwill haben die beiden Macher jedenfalls in hohem Maße.

Bewertung: 4 von 5.