Alborosie: Freedom Dub

Es ist doch immer wieder das Gleiche mit Alborosie: Retro bis in die (langen) Haarspitzen, liefert er wunderbaren, altmodisch analog produzierten Reggae, der unsere Herzen öffnet und sentimentale Erinnerungen wach ruft. Und natürlich pflegt er auch mit absoluter Zuverlässigkeit die (inzwischen leider weitgehend in Vergessenheit geratene) Tradition, einem Vocal-Album ein passendes Dub-Album nachfolgen zu lassen. Daher war es nur eine Frage der Zeit, wann nach „Freedom & Fyah“, „Freedom Dub“ (Greensleeves) folgen würde. Nun liegt es vor und ist – naja – , genau so, wie zuvor auch schon „Dub Clash“, „Dub the System“ und „Dub of Thrones“. Ich darf mich selbst zitieren: „Wenn Alborosie an den Reglern sitzt, dann ist es keine Frage, wohin die Reise geht: Das Album ist in jeder Note eine Huldigung an den Roots-Sound der späten 1970er Jahre, analog aufgenommen und durchweg handgespielt. Hall, Echo und das Ab- und Anschalten von Tonspuren sind hier die einzig erlaubten Effekte. Ein puristisches Setting, das allerdings schon einiger Ideen bedarf, um mehr als nur die bloße Reinkarnation des 70er-Dub zu sein.“ Diese Sätze sind inzwischen drei Alben alt und immer noch zu hundert Prozent gültig. Und leider muss ich auch meine Kritik wiederholen: Die Kompositionen sind gut, die Arrangements sind auch gut und letztlich ist auch das Dub-Mixing nicht schlecht (ja, sogar noch besser als bei den Vorgängern). Aber dennoch fehlt da noch etwas, um mich wirklich glücklich zu machen. Wenn das Wesen des Dub wirklich darin besteht, einen Track vollständig in seine Bestandteile zu zerlegen und zu seinem Kern vorzudringen, um den Dub von dieser Basis aus neu aufzubauen, „Hörgewohnheiten aufzubrechen, Bekanntes in neuen Verhältnissen darzustellen und bislang Unerhörtes in den Fokus zu rücken“, wie der Dubvisionist es so schön auf den Punkt gebracht hat, dann ist Alborosie nur die Hälfte des Weges gegangen. In dem Versuch „original“ zu sein, wagt er es nicht, die tradierten Regeln zu brechen und einen radikalen Schritt zu neuen, überraschenden Hörerlebnissen zu machen – und damit den Weg des Dub zu Ende zu gehen.

5 Gedanken zu „Alborosie: Freedom Dub“

  1. Als ich hier ins Büro kam lief gerade ein Dub dieser Scheibe. Durch den Service von gtkriz bei Spotify war ich also sofort auf dem Laufenden und fand den Dub richtig gut. Alborosie hat den Fuß wohl in der richtigen Tür. Jedenfalls war ich froh, die Scheibe auch gleich kaufen zu können. Und ja, als ich sie dann Zuhause in meiner Reggaekathedrale gehört habe, war ich zwar nicht enttäuscht aber so ein gewisses Gefühl von Mangelerscheinung hatte ich dann auch.
    Naja, Deine Analyse bringt es eh wieder voll auf den Punkt. Deshalb möchte ich hier jetzt auch nicht mehr so viel drum herum labern. Die Scheibe gefällt mir aber Mad Professor mit JAH 9 is momentan das Maß aller Dinge, meinerseits.

    Ok, bis denne …………………. lemmi

  2. Ich komme auch auf 3/5.Weil mir das Mastering nicht so ganz gefällt. Tracks sind schön, aber nicht innovativ – in einer älteren Kritik stand sinngemäß, hier genauso zutreffend, dass er wohl selbst zu viel Respekt vorm eigenen Werk hat um es kompeltt zu zerfetzen und neu zusammenzusetzen.
    Insgesamt kommt mir der Sound etwas zu vermatscht rüber, da ist zu wenig „Space“. Pupa Albo täte gut daran den „Loudness War“ einfach komplett zu ignorieren – lauter drehen kann man schließlich immer.
    for the record: Die Alben Soul Pirate, Escape From Babylon, 2 Times Revolution, Sound The System, Freedom & Fyah bekommen alle ihre 5 Sterne von mir.

  3. Apropos Zerfetzen. was haltet ihr von Schreddern.
    Es gibt doch da diese Video „Mad Professor shreds Bob Marley“ auf YouTube !
    Ich mach mich wohl lächerlich, weil ihr das längst kennt aber für den Fall, daß doch nicht ……

    Greetings …………… lemmi

  4. Ok, Du als Grafikdesigner ( wenn ich mich Erinnere ) hast da sicher höhere Ansprüche als ich.
    Aber mir hat auch die Optik sehr gefallen.

    Greetings …………….. lemmi

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