Various: King Size Dub – Reggae Germany Downtown – Chapter 3

Dub hat sich längst von seinen jamaikanischen Vätern emanzipiert und auch die zweite Dub-Generation, die der UK-Steppers, geht schon bald in Rente. Inzwischen haben viele kleine Home-Studio-Frickler das Steuer übernommen und basteln an mal schrägen, mal ordentlich steppenden Dubs. Wie wir alle wissen, ist Frankreich dabei ganz weit vorne, aber wer genau hinschaut erkennt, dass wir hier in Deutschland eine nicht minder kreative Dub-Szene haben – die es allerdings vorzieht, eher im Verborgenen zu werkeln. Also braucht es mutige Kuratoren, die sich auf die Suche begeben, ihre Seismographen auf subsonische Bass-Wellen ausrichten und Offbeat-Witterung aufnehmen. Zwei davon sitzen in Hamburg: Nicolai Beverungen, Echo Beach-Labelboss sowie Karsten Frehe, einer der Betreiber der Irieites-Website. Beide haben schon vor vier Jahren an Chapter 2 zusammen gearbeitet. Bei „King Size Dub – Reggae Germany Downtown – Chapter 3“ (Echo Beach) hat jedoch Karsten die Regie übernommen. „Bei der Auswahl war von Anfang an klar, dass die deutsche Dub-Szene möglichst vielfältig abgebildet werden sollte“, erklärt er. „Neben dem Versammeln altbekannter Strategen, wie Felix Wolter, Aldubb, The Senior Allstars, Umberto Echo u.a., war es mir wichtig, auch mal nach neuen Gesichtern und Sounds zu suchen.“ Okay, hören wir mal, wen Karsten so entdeckt hat: „Zum Beispiel Brian May aka Beam Up, den ich sehr schätze. Er hat einen neuen Dub von seinem erstklassigen Tune „Hanabi Dub“ beigesteuert. Oder Irie Worryah aus Detmold, der schon seit Jahren durch seine frischen Remixe auffällt. Ganz neu in meinen Fokus geraten sind Eddie Domingo und Jah Schulz. Eddie Domingo stammt aus dem Irieites-Umfeld. Er werkelt schon seit Jahren im Stillen vor sich hin und hat mit „Dub Coming“ feat. Italee einen großartigen One Take-Dub hingelegt. Jah Schulz hat interessanterweise bei seinem „Dubrise“ auf den Offbeat verzichtet. Trotzdem pumpt der Tune für meine Ohren ungemein. Mächtig umgehauen hat mich auch die Frost & Wagner Produktion mit Tetrack „In These Times“. Was für eine Stimme und was für ein Flow! Mir fielen sofort Verwandtschaften zu späten Bim Sherman-Tracks auf. Sehr gefreut hat mich auch, eine Jahtari-Produktion mit Roger Robinson dabei zu haben. Zusammen mit Disrupt hat er eine aktuelle Version von Dub Poetry zurück in die Zukunft gebracht, die äußerst kritisch den Finger in heutige Wunden legt.“ Soweit Karsten. Fehlt nur noch mein Urteil. Es lautet: Karsten hat zu hundert Prozent Recht.

Ein Gedanke zu „Various: King Size Dub – Reggae Germany Downtown – Chapter 3“

  1. So, nach einer kleinen Kommentarpause darf ich endlich auch mal wieder ein bischen „Dampf“ ablassen.
    Das was Du da in der riddim so besprochen hast, schreit für mich schon lange danach, daß ich da auch unbedingt noch was dazu schreiben möchte. Unter anderem Cold Cut mixed by Adrian Sherwood. Ne Kostprobe habe ich schon bei on-u.tube abgecheckt. Klingt sehr mystisch zunächst. Was ja auch immer eine Basis für sehr guten Dub ist. Mal schauen, ob die Scheibe zu einer lang ersehnten On-U.Scheibe wird oder doch eher in Richtung Primal Scraem geht, die mich zunächst auch flashte, heute aber nur noch langweilt. Aber darum geht es ja hier gar nicht.
    King Size Dub Scheiben kaufe ich mir immer, ohne vorher reinzuhören. 7 Euro is ja echt ein Benefiz-Preis für die Scheiben.
    Hab se reingelegt ( in den Player ) und sofort auf Anhieb für gut befunden. Die Dubs plätscherten zunächst ganz solide vor sich hin, ohne das ich allerdings dieses „BOAH EY ! Watn DUB !“ – Gefühl hatte. Dann kam irgendwann das Tetrack-Teil und ja, jetzt machte es Boah Ey ! Watn Tune ! Dub is ja nur am Ende so ein bischen aber egal, BIG TUNE Dat !
    Die ganz detaillierte Analyse is natürlich Dein Ding. Ich beschränke mich auf die zunächst markantesten Eckpfeiler. Das Ding von JAH Schulz is auch ne Hausnummer aber dann kommt er wieder, der DUB aus dem meine Träume sind. TVS bzw. Felix Wolter ( soviel ich weiß ). Diese BASSLINE !!! DIESE WAHNSINNIGE BASSLINE !!! Ich nenne diese Bassline immer CussCuss-Riddim Bassline, ohne wirklich zu wissen, ob das auch genau so stimmt. So ganz original scheint sie bei der TVS-Version auch nicht zu sein aber wer will schon immer nur das Plagiat. Egal, auch wenn sie leicht abgewandelt ist, an GROOVE hat sie null komma nix eingebüßt. Jedenfalls hat TVS mit dieser Bassline schon mal alle 5 Sterne für das ganze Album eingespielt. Es ist aber nicht nur die Bassline. Alles an diesem DUB ist erste Schlagobers, wie die Österreicher wohl sagen würden. Danach kommen gleich die Aldubb Sachen, besonders das letzte Stück auf diesem Sampler. Genaueres kann ich jetzt noch nicht schreiben, denn ich hab´ die Scheibe erst einmal ganz durchgehört. TVS dagegen schon ca. 5 mal einzeln angeklickt.
    Schön, das Du hier auch mal über die Jahtari-Roger Robinson Connection sprichst. Die Sache ist nur die : Ich habe zuhause die komplette Scheibe ( Vinyl – vielleicht gibt es ne CD mit „Bonussen“ ) und Die zähle ich zu einem meiner besten Snacks der letzten Jahre. Super Scheibe !!! Allerdings finde ich es „alarmierend“ das sie hier das einzige Stück, welches mir echt nicht so gut gefällt, auf den Sampler gepackt haben. Jeder andere Tune währe meiner Meinung nach besser gewesen. Alarmierend deshalb, weil ich befürchte, das auch die anderen Stücke dann nicht zur Creme de la Creme des jeweiligen Albums gehören. Wie supergut muss dann die TVS-Scheibe sein, wenn der „CussCuss-Dub“ der schlechteste sein soll. Ok, is alles Theorie ………..

    „Die Vocal-Version is für uns nämlich der Bonus liebe Reggaefreunde“ oder wie hattest Du das so schön formuliert ?!? Ich habe jedenfalls köstlich geschmunzelt dabei.

    Greetings ………………………… lemmi

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