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Java Java Java Java

Nachdem King Tubby in den frühen 70ern mit seinen Dub-Mixes für Furore gesorgt und das Genre „Dub“ auf die musikalische Landkarte Jamaikas gesetzt hatte, erschienen 1973 zaghaft die ersten Dub-Alben. Ihre Auflage war so gering, dass sie im Plattenladen drei bis vier mal mehr kosteten, als ein normales Vocal-Album. Drei Alben machten den Anfang (von denen jedes den Anspruch erhebt, das erste Dub-Album überhaupt gewesen zu sein): Lee Perrys „Blackboard Jungle Dub“, gemixt von King Tubby, Herman Chin Loys „Aquarius Dub“, wahrscheinlich von ihm selbst gemischt und: Clive Chins „Java Java Java Java“ (Impact/17. North Parade), gemixt vom zweiten Dub-Genius jener Tage: Errol Thompson. In Anbetracht jener Fertigkeiten, die Thompson in seiner späteren Zusammenarbeit mit Joe Gibbs an den Tag legte, ist „Java“ nur ganz rudimentär gedubt und klingt in weiten Stücken wie eine Sammlung reiner Instrumentalversionen. Aber die Instrumentals haben es in sich, denn hier begegnen wir den Rhythms von Klassikern wie „Guiding Star“ von den Heptones, „King Of Babylon“ von Junior Byles oder der großartigen Randy‘s-Version von „Swing Easy“ mit Tommy McCooks Saxophon als Lead. Der spektakulärste Track des Albums ist jedoch der Namensgeber: „Java“, ein Recut des Klassikers von Augustus Pablo. Hier hat E. T. kräftig zugelangt und einen faszinierenden Dub aus dem Boden gestampft, der ganz von dem scharfen Kontrast zwischen der reinen Drum & Bass-Spur und dem scheppernden Sound der Vollinstrumentierung lebt – zwei Modi, zwischen denen E. T. virtuos hin und her schaltet. Mein Favorit ist „Ordinary Version Dub“, in dem Errol Thompson die Musik stoppt, um einen unbekannten Störenfried des Studios zu verweisen. Wenn er anschließend (einzeln kommentiert) den Rhythm sukzessive wieder aus seinen Bestandteilen aufbaut, wird er – ganz nebenbei – zum Urheber des ersten Dub-Manifests der Musikgeschichte. Für die Veröffentlichungen von 17. North Parade nicht immer üblich, ist die Klangqualität des Albums übrigens hervorragend. Die Tracks klingen frisch, crisp, voluminös und ausgewogen. Beste Voraussetzungen für ein erneutes Hören, auch weit jenseits eines rein historischen Interesses.

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