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Ronnie Lion: Spanish Town

Vor etwas mehr als zwei Jahren habe ich die Wiederveröffentlichung des Albums „Ambient Warrior: Dub Journey’s“ in den höchsten Tönen gelobt. Noch heute begeistern mich diese wunderbaren Klanglandschaften immer wieder aufs Neue. Auch die Vielseitigkeit dieses 1995er-Albums war schon außergewöhnlich. Hier waren bereits südamerikanische Elemente wie Tango und Bossa Nova zu hören.
Das Kult-Reissue-Label Isle Of Jura veröffentlichte gerade das erste Soloalbum von Ronnie Lion, der einen Hälfte der oben erwähnten Ambient Warrior. Seit einigen Dekaden betreibt Ronnie Lion von Brixton aus sein Reggae-Label »Lion Music«, das seit vielen Jahren für seinen offenen Ansatz bekannt ist, Reggae mit unzähligen anderen Stilen zu mischen. Und welch Überraschung, das Album „Ronnie Lion: Spanish Town“ macht da weiter, wo „Ambient Warrior: Dub Journey’s“ aufgehört hat. Diese bekannten Sounds finden sich auch auf „Spanish Town“ wieder. „Spanish Town“ ist eine tiefe, gefühlvolle Verbeugung vor der Hauptstadt St. Catherine im Südosten Jamaikas. Die Rhythmusgruppe mit Ronnie Lion am Bass und Horseman am Schlagzeug bildet ein solides Fundament für die komplexen und eingängigen Hooks von Sean Wilkinsons spanischer Gitarre. Geschmeidige, lyrische Flamenco-Melodien des Lead-Gitarristen, werden gekonnt über schlendernde Roots- und Dub-Reggae-Grooves gelegt.
Wie vage Erinnerungen an einen erholsamen Urlaub am Meer wirken die neun wunderschön instrumentierten Instrumentalstücke auf „Spanish Town“. Ronnie Lions Basslines unterstreichen die warmen Keyboardsounds und natürlich das erstklassige Fingerpicking von Sean Wilkinson. Die unglaublich schönen Melodien zwischen dem geheimnisvollen, fast nostalgischen Flamenco »Hombre Peligroso« und dem federnden »Alligator Pond« sind dafür wohl der beste Beweis. Allerdings muss ich gestehen, dass die Tracks mit diesen schwülstigen „Synthie-Streicher-Einlagen“ meiner Meinung nach oft knapp an der Fahrstuhlmusik eines Einkaufszentrums vorbeischrammen. Wobei mich der berauschende Skank von „Naranja Colina“ neben dem brodelnden „Grants pen Steppers“ wieder voll überzeugen.

Unterm Strich ein sehr gelungenes, abwechslungsreiches Reggae-Instrumentalalbum mit einem ausgesprochen seltenen Alleinstellungsmerkmal, nämlich der spanischen Gitarre. Ein Album, das geschickt Reggae & Dub mit spanischen Klängen kombiniert, ist nicht nur Dub- und Reggaefans, sondern auch Tango-, Bossa Nova-, Folk- und Weltmusikliebhabern wärmstens zu empfehlen. Sollte man gehört haben.

Bewertung: 4 von 5.

Eine Antwort auf „Ronnie Lion: Spanish Town“

Nicht kommentierte Rezensionen sollte es im DubBlog nicht geben.
Daher fühle ich mich berufen, hier nochmal meine Eindrücke zu der wirklich sehr schönen Scheibe zu schildern.
Ras Vorbei hat zwar alles sehr gut auf den Punkt gebracht und ich kann eigentlich nix mehr ergänzen aber manchmal ist es halt schön, nochmal drüber zu reden, bzw. zu schreiben.
„Naranja Colina“ ist auch eins, wenn nicht das HighLight, für mich auf dieser sehr gelungenen Scheibe. Ich finde hier aber eigentlich alles sehr gut und ich muss gestehen, daß mich hier auch keine schwülstigen „Synthie-Streicher-Einlagen“ nerven. Jedenfalls noch nicht. Eventuell kommt sogar der Akkordeon Sound bei „Central Village“ aus so einem Synthesizer aber das kann auch echt sein. Ich weiß es nicht und ich kann es nicht wirklich heraushören, muss ich gestehen.
Letztenendes ist das auch egal, denn Hauptsache ist, es gefällt.
Und mir gefällt es sehr ! Bei meinem ersten spontanen Kommentar im ReleaseRadar sprach ich davon, daß die Riddims – für mein Gefühl – noch etwas Abwechslungsreicher sein könnten. Inzwischen ist mir aufgefallen, daß bei „Central Village“ und Reunion der selbe Riddim ausgerollt wurde. Und ich meine, daß auch noch mehr Riddims hier ziemlich gleich klingen. Auch wenn sie nicht genau gleich sind, so klingen sie doch oft sehr ähnlich. Ich könnte jetzt schreiben, „warum auch nicht ?!“ Aber ein Aston „FamilyMan“ Barrett hatte da insgesamt schon eine ganze Menge mehr Ideen. Dennoch sind alle BiassLines auf
„Spanish Town“ wieder voll auf meiner Wellenlänge und überzeugen mich im Zusammenspiel mit den Drums auf ganzer Linie. Hier sind mindestens zwei ReggaeMusiker am Werk, die definitiv ihr Handwerk, bzw. ihr Fach vestehen und mir zeigen, wie souverän ein RhythmusTeppich geknüpft werden kann. Und der FlamencoSpieler scheint ebenfalls mein Gefühl für Musik genau zu treffen.
Ein wirklich sehr schönes Album ! Zeitlos und für die Ewigkeit bestimmt.
Darüber hinaus nicht nur für Reggae-Nerds „wärmstens zu empfehlen“, wie Ras Vorbei schon treffend formuliert hat. Diese Musik kann eigentlich nur jedem gefallen, der halbwegs ein Gefühl für Musik hat und wenn man doch zu sehr z.B. im deutschen schlager stecken geblieben ist, könnte diese Musik jeden locker aus diesem Sumpf herausziehen. Wohlgemerkt, sollte ein gewisses Grundgefühl für Musik vorhanden sein. Und selbst, wenn viele von uns am 1.April wieder auf dem Boden der deutschen realität angekommen sein werden, macht das nix, denn diese Musik ist auch ohne Cannabis ein Hochgenuss.

„Wenn ich mich nicht irre“ …………………… lemmi

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