Skafandros Orkestra & Victor Rice: Fubah Dub Versão

Eine Frage gleich mal vorweg, ist das (noch) DUB? Ich kann mich noch sehr gut an unsere lebhafte Diskussion bei RazTek vor über einem halben Jahr erinnern: „Was DUB soll, kann, muss, darf und was überhaupt DUB ausmacht.“ Schlussendlich kamen wir zu keiner zufriedenstellenden Definition. Auffallend ist generell, dass die heutigen Dub-Masters wie Adrian Maxwell Sherwood, Prince Fatty und jetzt, wie in diesem Fall, Victor Rice offenbar diese Problematik überhaupt nicht kennen und die Grenzen des Dubs immer wieder gerne in ganz unterschiedliche Richtungen und Genres verschieben. Bei mir laufen sie damit offene Türen ein. Die Rede ist hier vom Skafandros Orkestra, einer 11-köpfigen brasilianischen Musikertruppe, die einen ganz eigenen Sound kreiert. Hier werden Ska mit brasilianischen Rhythmen wie Ijexá, Jongo, Frevo, Maracatu, die aus dem brasilianischen Karneval bekannt sind, meisterlich kombiniert. Den New Yorker Bassisten und Produzenten Victor Rice, der schon viele Jahre in Brasilien lebt und arbeitet, muss ich im Dubblog sicherlich nicht mehr vorstellen. Auf alle Fälle hat er sich das zweite Album der Truppe „Fubah“ nochmal vorgenommen und „Fubah Dub Versão“ (Radiola Records) gemixt, gemastert und produziert. Die neun Tracks wurden nicht, wie im Dub oft Usus, von Victor Rice komplett zerlegt und neu zusammengefügt, nein, er hat hier hauptsächlich und ganz dezent mit Echo und Hall gearbeitet. Herausgekommen ist ein vielschichtiges, (klang)farbenfrohes, tanzbares!?! Instrumental-Dub-Werk, das wirklich in die Beine geht. Beim vorliegenden Album gelingt Victor Rice das Kunststück, die Spielfreude und harmonische Kraft der sechs Blechbläser mit Drums, Percussions und Sanfona (Akkordeon) geschickt ins Gleichgewicht zu bringen. Genau diese Balance zwischen jamaikanischer, afro-brasilianischer und jazziger Musik, kombiniert mit der kraftvollen, harmonischen und orchestralen Struktur, macht das Skafandros Orkestra zu einem einzigartigen und unverwechselbaren Ensemble in der heutigen Musiklandschaft.

Meine Wertung:

11 Gedanken zu „Skafandros Orkestra & Victor Rice: Fubah Dub Versão“

  1. Da wollte ich heute morgen direkt mal reinhören und fand es auf Youtube. Allerdings hab ich mir jetzt ne halbe Stunde Originalalbum reingezogen, was aber auch nicht schlecht ist.
    Praktischerweise ist auch das Dub-Album von Skafandros Orkestra auf Youtube, mit Stand heute gerade mal 42 Aufrufen seit Upload im November (!) und das hat durchaus ein paar schöne Dub-Momente. Vielleicht am meisten bei Caldeirão (track 05)
    https://www.youtube.com/watch?v=uX-x0LRuS78
    Sonst hat es durch die Bläser-Improvisationen für mich was jazziges. Was für Jazz-Kenner vielleicht nicht so ist.
    Weniger gut gefallen mir die an 70er Jahre Bigband-Sound erinnernden Passagen, leider kann ich grad nicht besser ausformulieren was ich genau damit meine…

    Anstatt das jetzt zu kritisieren, oder dass das Mixing recht vorhersehbar ist (ist es nicht immer) oder dass die Produktion leicht verhangen klingt (oder sind das doch eher meine immer noch erkälteten Ohren? die kompromissbehafteten Lautsprecher im Büro?) danke ich einfach mal für die Empfehlung. Das Ding hätte ich wohl nie im Leben einfach so gefunden.

    Dürfte auch ne gute Liveband sein.

  2. Als DubFan, kann ich mich der Scheibe auch nicht ganz verschließen. Könnte durchaus auch bei mir Zuhause Gehör finden.
    Allerdings verfalle ich nicht in Extase.
    Ich finde es auch immer sehr schön, wie viele Worte es so gibt, um die Höreindrücke zu beschreiben. Das geht manchmal von „muffig“ bis hin zu „leicht verhangen“. Klingt auf jeden Fall nicht ganz so schlimm wie, „der Sound ist einfach nur scheiße !!!“.
    Victor Rice hat eine andere Definition von gutem Sound als ich. Aber damit muss ich leben, denn ich finde seine Dubscheiben trotzdem sehr gut.
    Auch diese Scheibe hier, finde ich sehr interressant. Interressant ???? …… ist das nicht auch so ähnlich, wie „die Scheibe ist ganz nett“ ?!? Ja nun, is halt so. Die Riddims erinnern mich nicht gerade an den CussCuss Riddim, was so viel heißen soll wie, der original Dub Riddim kommt aus Jamaica und heist Reggae. Aber es gibt schon auch ganz spannende Pfade, links und rechts des Weges. Ich mag hier natürlich auch sehr, den Einsatz des Akkordeons ( Sanfona ) aber das Gebläse von den „Hörnern“ klingt für mich auch eher nach BigBand Sound im Stile von James Last. Hört sich an, wie der Sound einer Schülerband, in der nur die klassenbesten Streber mit Notendurchschnitt 1,1 mitspielen dürfen. Das muss alles nix schlechtes sein, es sollte auch schlaue
    Schüler geben aber die leben halt nicht in meiner Welt. Ich spiele da, nach wie vor, lieber eine Partie Cricket On The Moon inna
    Rub A Dub Style.
    Normalerweise würde ich mir das Album schon noch mal anhören aber diese artigen Bläser fühlen sich an, als ob ich heute noch
    zum Mathe-Nachhife-Unterricht müsste. Da verspüre ich doch eine „gewisse“ Abneigung. Dennoch ist es ja bei weitem nicht so schlimm, wie wenn ich heute noch zum Zahnarzt müsste.

    ( Die Zahnmedizin ist aber auch echt immer noch hinterm Mond. Ich bin ja froh, das es sie gibt aber die könnten echt mal ein wenig von ihrem Sadismus zuhause lassen ).

    Momentan tut nix weh …………………….. lemmi

    1. Uargh, Zahnarzt.
      Welches Dub-Album war das nochmal mit dem Zahnarzt-Bohrer-Sound? Neulich erst noch gehört und mit nem Kollegen drüber gequatscht, jetzt schon wieder vergessen.

      Ja genau James Last hatte ich auch im Kopf, wollte es aber nicht schreiben weil mir das dann doch zu vulgär vorkam. Dem alten Hans muss man immerhin zugute halten dass er, als Besitzer von Swimmingpool mit Hifi-Anlage, immer für einen technisch guten Sound sorgte und zeitlebens irgendwie sein eigenes Ding machte. Wenn es auch absolut nicht mein Ding ist.

      Ich mag Ska schon mindestens so lange wie ich Reggae mag. Der Zugang zu solcher Randdgruppen-Musik war in der Vor-Internet-Zeit bisweilen ziemlich skurril, ich kannte z.B. zwei lokale Bands und deren Fans und darüber wieder andere Künstler Jahre bevor ich das erste mal die bekannten Namen des Genres zu Gehör bekam. Das war auch eher Ska-Punk – praktisch sowas wie Ska-P, nur etwas weniger geil.
      Dann gab es ne Doppel-CD zu Weihnachten, „best of Ska“ oder so. Was da drauf war klang allerdings voll nach James Last und überhaupt nicht nach Reggae oder Ska-Punk.
      Und so weiß ich auch bis heute nicht haargenau was eigentlich echter ursprünglicher Ska ist, kenne aber diverse Subgenres und natürlich ist mir auch klar dass eine bestimmte Geschwindigkeit und synkopierter Offbeat eine Rolle spielen.

      Oder eben auch Happy-BigBand-Sound a la Hans Last oder Dixieland-artige Bläser :D

        1. Der Anfang geht sogar noch aber so nach ca. 20-30 sek. schlägt der James voll zu.

          Ja und der Vergleich mit „tanze Samba …. “ ist auch gar nicht so weit hergeholt.

          ( James Last soll jetzt aber auch nicht so doll von mir gemobbt werden. Er war mir als Mensch – soweit ich das aus der Ferne beurteilen darf, sehr sympathisch ……. )

          Greetings ………….. lemmi

      1. Jo, ropp auff ! Komm lass uns ein wenig „streiten“ !

        Zunächst mal muss ich allerdings sagen, das mich dieser Satz, „Und so weiß ich auch bis heute nicht haargenau was eigentlich echter ursprünglicher Ska ist, ……. “ komplett verwirrt. Das ist jetzt noch nicht der Punkt, worüber ich streiten möchte. Es verwirrt mich lediglich, das du Dir bei ursprünglichem Ska nicht einfach alles von den Skatalites reinziehst, was es
        auf der Welt und im www so gibt. Für mich ist Ska SKATALITES !!! und im Gunde brauche ich auch keinen anderen Ska, weil Ska einfach nicht genug Abwechsungsreichtum – für mich – bietet. Ska Fans sehen das mit Sicherheit anders aber mir reichen halt die Skatalites. Natürlich habe ich hier und da auch mal einen anderen Ska Tune – auch zum Beispiel von Antony B. Selbstverständlich auf einem recycleten Riddim von den Skatalites. Auch von den Capital Letters habe ich einen Super Ska Tune aber naja, ich will jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, denn ich will mich ja noch „Streiten“ ;-)
        Nur eins noch. Auch die Skatalites haben viel Gebläse am Start, was extrem nerft und eventuell waren die sogar auch etwas wie Vorbilder für James Last. Aber die bieten halt auch jede Menge hammergeilen Ska und eben auch die Blaupause für exzellentes Gebläse. Ganz besonders Johnny „Dizzy“ Moore – mein Held an der Trompete !
        So, jetzt aber ! Du schreibst hier von punk-ska ! Da werde ich zum Stier und diese Mucke ist das knallrote Tuch für mich.
        Ich hoffe ich trete Dir dabei nicht zu nahe aber für mich ist punk-ska einfach nur hyperaktives unmusikalisches rumgemache.
        Ska an sich ist mir schnell genug !!! Da brauche ich keine Interpretation von europäern, die wahrscheinlich wider der Meinung waren, das sie auch den Ska besser hinbekommen als die Origanale. Ich gehe sogar soweit, das viele europäische
        punk-ska-bands gar nicht merken, das sie eigentlich Polka spielen. Das ist mein Streitpunkt ! Auch wenn das mit Polka musikwissenschaftlich vollkommener Quatsch ist, so unterstreicht es doch meine Wahrnehmung von punk-ska.

        Puh, der musste raus, denn wie gesagt …………………… rotes Tuch ;-)

        Damit wir aber wieder auf einen gemeinsamen Nenner zurückfinden, möchte ich noch schreiben, das ich mir wesentlich mehr Dub wünschen würde, der im Ska-Rhythmus daherkommt. Wobei sich der Kreis dann wieder schließt und wir uns über Victor Rice und Dreadzone ( sorry gtkriz ) unterhalten können.

        „So, ich leg mich jetzt ins Bett …….. ach nee ich muss Arbeiten“ ………………………… lemmi

  3. Hi,

    bis heute wusste ich nicht, dass James Last so polyrhythmisch arbeitete und es auch remixed Versions von seinen Aufnahmen gibt. ;-)))
    Aber irgendwo liegt ihr beiden gar nicht so falsch, der Grundstein für Ska wurde unter anderem mit dem Big Band Sound eines Eric Dean Orchestras in den 50ern gelegt. Genau hier spielten fast alle späteren Mitglieder der Skatalites, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.
    Im späteren Ska finden wir dann auch Elemente aus dem Mento, Calypso, Amerikanischen Big Band Jazz und natürlich dem Rhythm & Blues.
    Dass ihr „Samba“ („tanze Samba…“) heraushört, spricht für euer gutes Gehör, immerhin handelt es sich bei den Aufnahmen auch um Rhythmen aus dem brasilianischen Karneval.

    Stay tuned…

    1. High Ras Vorbei !

      Ich hoffe mal, du empfindest es nicht so schlimm, wenn wir durch deinen gut gemeinten Tip nix besseres zu tun haben als über James last zu reden. Der Vergleich ist mir halt mal wieder so rausgerutscht ;-)

      Man könnte ja meinen, das ich die Scheibe überhaupt nicht ab kann. Aber das stimmt nicht, Wie auch ropp auff schrieb, gibt es durchaus auch schöne DubMomente. Und hier und da wird es durch die Überlappung der verschiedenen Rhythmen auch in gewisser Weise magisch. Aber über Samba könnte ich jetzt genauso ablästern wie über punkska. Den Rhythmus empfinde ich als menschlichen Irrtum.

      Ich bin hier ja nicht für Tips zuständig aber ich bin gerade so dermaßen geflasht von der Natural Numbers „Field Reality Dub“,
      das ich es einfach erwähnen muss. Dafür geht mein Dank an gtkriz, der das mal wieder spitzenmäßig für mich rausgesucht hat.

      Ich behaupte mal, die Scheibe darf man sich nicht entgehen lassen. DUB VOM FEINSTEN !!!

      Mein Dank geht an alle, die Dub machen, hören und verbreiten ………………. lemmi

  4. „Ich hoffe mal, du empfindest es nicht so schlimm….“

    Ganz und gar nicht, ich finde es immer erfrischend und spannend, wenn sich verschiedene Geschmäcker und Meinungen zusammenfinden, um ihre Eindrücke und Empfindungen über die jeweilige Musik öffentlich kundzutun. Das macht doch uns Menschen aus, dass wir uns nicht alle unter den selben Hut pressen lassen. Einheitsmucke ist immer ganz große Sche**e, das könnten wir jeden Tag im Radio hören, müssen es aber nicht mehr.
    Ich wusste schon vor der Rezension, dass das, was ich da wieder rausgesucht habe, ganz sicher nicht jedermanns Geschmack sein wird. Das ist/war auch meine Intention. Die Rezension habe ich auch deshalb mit einer ganz wesentlichen Frage begonnen, nämlich: „ist das (noch) DUB?“ Das ist mal wieder Musik, um sich die „bassverseuchten“ Ohren durchzupusten, wie René zu sagen pflegt.

    Natural Numbers „Field Reality Dub“, kenne ich, wenn es sich um das 2015er Album handelt. Schönes Teil…

    1. Freut mich Ras Vorbei !

      Also ich würde deine Frage ganz klar mit JA ! beantworten. Für mich ist das Dub !!!

      Greetings …………….. lemmi

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