Zion Train: „State Of Mind“

Ich war erstaunt zu erfahren, dass ich im Ruf stehe, die Produktionen von Neil Perch grundsätzlich nicht zu mögen. Um ein Haar hätte ich deshalb die Chance verpasst, das neue Album „State Of Mind“ (Universal Egg) von Zion Train zu rezensieren. Was mir diesen Ruf eingebracht hat, sind wohl meine kritischen Bemerkungen zur – nennen wir es mal – „Beständigkeit“ von Neil Perch. Er war einer der ersten Protagonisten des UK-Dub und er ist einer der letzten, der konsequent an diesem Sound festhält, auch wenn die Dub-Evolution das Genre in der Zwischenzeit neu erfunden hat. Das neue Album macht da keine Ausnahme. Würde der Copyright-Vermerk das Datum 1997 tragen, würde ich es keine Sekunde anzweifeln. Aber haben wir es deshalb mit schlechter Musik zu tun? Keineswegs! Neil Perchs Stärke lag stets in der Komposition starker Rhythms und eingängiger Melodien – was er auch hier wieder eindrucksvoll unter Beweis stellt. Jeder Track von „State Of Mind“ ist in seiner eigenen Weise etwas besonderes: mal ist es eine Viola-Melodie, mal das virtuose Spiel einer Posaune, mal ein hinterhältiger Offbeat, mal das halsbrecherische Tempo eines Ska-Beats und mal ist es schlicht ein brachialer Steppers-Groove. Doch wie sehr würde ich es mir wünschen, diese mächtigen Kompositionen in einem moderneren Sound umgesetzt zu hören, mit einem Mastering, das die Kraft dieser Beats geradezu explodieren lässt. Aber vielleicht ist die Konsequenz, mit der Mr. Perch seine Musik produziert, auch eine Tugend. Vielleicht wäre es falsch, sich ganz opportunistisch einem „modischen“ Sound gefügig zu machen. In der bildenden Kunst wird belohnt, wer zeitlebens im gleichen Stil arbeitet. Warum sollte es in der Musik nicht ähnlich sein?

Meine Wertung:

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