Radikal Guru: Dub Mentalist

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Wer radikale Dub-Sounds mag, der sollte sich mal Radikal Gurus neues Werk „Dub Mentalist“ (Moonshine Recordings) anhören. Es ist das inzwischen Dritte Solowerk des polnischen Dubbers und zweifellos sein reifstes. Wieso? Weil es weniger radikal ist als die beiden Vorgänger. Während vor allem sein Debut „The Rootsstepa“ kompromisslos harter Steppas mit gelegentlichen Exkursionen in Dubstep-Gefilde war, und das nachfolgende Werk „Subconscious“ auch noch recht ruppig daher kam, ist „Dub Mentalist“ ausgewogener, differenzierter, ideenreicher und soundtechnisch weniger klischeehaft. Vor allem hat Radikal Guru seine Produktionen entrümpelt. Weniger ist jetzt mehr, die Rhythms sind reduzierter, mehr auf den Punkt, vertrauen auf Drum & Bass, statt Soundlayer über Soundlayer zu stapeln. Wer jetzt weichgespülten Intellektuellen-Dub erwartet, liegt trotzdem komplett falsch. Der radikale Guru ist seinem Namen schon noch treu geblieben. Jeder der Dubs würde im Soundsystem eine gute Figur machen. Die Basslines sind massiv, an Hall und Echo besteht kein Mangel, Bläser schmettern ihre Melodien in die Düsternis des Sounds, und auch die obligatorische Melodika erklingt. Eigentlich die perfekte Form von Steppas, die auch auf Albumlänge funktionieren soll. Wie beim Guru gewohnt, sind wieder Vokalisten mit an Bord: Jay Speaker, Echo Ranks, Solo Banton und Earl 16. Ihre Beiträge fügen sich aber wunderbar in den Dub-Flow des Albums. Besonders nett: Violinbwoy garniert einen der sanfteren Tracks mit süßem Violinenspiel. Auch das macht auf diesem abwechslungsreichen Album Sinn.

Rating 5 Stars

Meine Wertung:

7 Gedanken zu „Radikal Guru: Dub Mentalist“

  1. Von Radical Guru habe ich die beiden Vorgänger. Aber nur weil ich die für 6 Euro mal hier im Laden quasi geschenkt bekam. Und auch für diese Scheibe hier bin ich wohl doch schon immer zu intellektuell gewesen. Ich habe jedenfalls größtenteils das Gefühl, der Sound kommt aus einem Abflussrohr mir dröhnenden Wänden.
    Gibt es eigentlich Beispiele für weichgespülten intellektuellen Dub ?
    Vielleicht sollte ich auch mal in so einen dunklen Keller gehen, wo es anscheinend nur noch
    „auf die Fresse“ gibt. Aber das haut irgendwie nicht hin, denn obwohl ich immer dachte, daß ich über Reggae hinaus auch ein „echter“ Dubfan bin ( Du nanntest mich schon einen Dubconnaisseur ),
    kann ich mich bei Dub-Soundsystems nur langweilen. Also entweder haben die alle kein richtiges Dubfeeling oder ich bin gar kein Fan von Dub-Musik. Ich finde es jedenfalls merkwürdig, daß man als alteingesessener DubFan da nicht ansatzweise auf seine kosten kommt.
    Vielleicht ist mir aber auch der Unterschied von Dub zu Dub-Musik bisher noch nicht so ganz klar gewesen.
    Nunja, ich habe das hier etwas „komisch“ formuliert aber ich verstehe echt nicht, woher Du hier die fünf Sterne nimmst. Oder sollen wir uns langsam alle an ein niedrigeres Grundniveau gewöhnen.
    Sorry, das klingt etwas garstig von mir aber das mit dem „intellektuell weichgespülten Dub“ hat mich provoziert. Vor allem, weil es aus Deiner Feder stammt.

    So richtig schlecht finde ich eigentlich gar nichts, was irgendwie nach Reggae klingt und auch diese Radical Guru Scheibe steht vielleicht irgendwann doch in meinem Regal, falls es die mal für fünf euro neunzig gibt.

    Supporting the Singers and Players of Instruments ……………………… lemmi

    1. Hi Lemmi,
      Dub und Roots-Reggae sollte man in so einem Keller unbedingt schon mal erlebt haben (z. B. im U-Club in Wuppertal) – allerdings bevorzugt dann, wenn ein echtes, gutes Soundsystem dort mit eigener Anlage auftritt. Dann nämlich wird Dub zu einer wahrhaft körperlichen Erfahrung. Musik in dieser Intensität lässt sich an keinem anderen Ort eindrucksvoller „erfahren“.
      Aber natürlich reicht nicht allein der Bass-Sound. Es braucht auch noch gute Musik dazu. Ich finde, dass der Guru hier einen ganz guten Mittelweg findet. Okay, „weichgespülter Intelektuellen-Dub“ ist hier wohl etwas zu pointiert ausgedrückt. Ich selbst mag ja auch komplexen, schrägen Dub, der besser fürs Sofa als für den Keller geeignet ist. Aber letztendlich ist doch nur wichtig, dass es für fast jede Hörsituation den passenden Dub-Sound gibt.

  2. Also ich habe Radikal Guru eben gerade für seinen Radikalen Style sehr geschätzt und geliebt. Dieses Album wirkt mir zu weit weg von seinem „Erfolgsrezept“ ! Mir fehlt hier eindeutig das Schießpulver im Fass um es ordentlich krachen zu lassen. Schade eigentlich… habe mich richtig auf das neue Album gefreut. Nicht falsch verstehen, es ist qualitativ immer noch ein gutes Album. Jedoch fehlt mir einfach etwas…

  3. Moin allerseits !

    Ja, das stimmt natürlich. Es gibt für jede Hörsituation den passenden Dub-Sound. Das Selbe gilt meiner Meinung nach für Reggae allgemein. Deshalb brauch ich auch keinen anderen Musikstil. Bei anderen Musikstilen fehlt mir einfach ( fast ) immer der geniale Reggaerythmus.
    Ich war übrigens mal im U-Club in Wuppertal. Der Keller ist echt die geilste Location, in der ich jemals Reggae genießen durfte. Ich stand neben Mad Professor und mit mir noch einige andere
    Dub Addicts und wir konnten bestaunen wie er zum Beispiel Welcome to Jamrock in seine Einzelteile zerlegt hat, um es dann wieder in einer geballten Form mit Warpantrieb zurück in den galaktischen Soundcosmos zu schicken. Dazu noch der Raum, wo oben drüber fettgedruckt
    „Smoking Area“ geschrieben steht ( oder stand ? ). Da wird mir ganz warm ums Herz.
    Naja, ich weiß ja, das die Sache mit dem Scheißpulver und dem Krachen lassen wohl eher als Metapher gedacht ist. Mir fehlt bei all dem Gekrache aber irgendwie die Substanz. Die Seele der Musik der Groove bleibt auf der Strecke.
    Auch diese ganzen Kino-Streifen, diese Fotofilme – wie ich sie seit neuestem immer nenne – sind meiner Meinung nach schon lang nicht mehr der Anfang vom Ende sondern sie sind das Ende.
    Remakes über Remakes , keine neuen Ideen und nur Hektik und Gekrache. Oft sind die Bilder so schnell hintereinader geschnipselt, das man so gut wie gar nix mehr erkennt bzw. wahrnimmt. Das hat den kleinen Vorteil, das man nicht sieht, wie schlecht die Tricks sind. Das alles hat auf mich keinerlei tiefergehende Wirkung, nervt einfach nur. Aber die jungen Leute finden das geil.
    Bei Papillon oder Apocalypse Now schalten die nicht ab sondern gar nicht erst ein. Ich würde mich freuen, wenn Heutezutage noch solche Filme gedreht werden würden, in denen so ein magisches Gefühl vermittelt wird wie bei Apocalypse Now. Obwohl es ein Film über den Krieg ist, wird da insgesamt bei weitem nicht so fiel dumm rumgeballert wie in den ersten zehn Minuten bei einem James Bond oder Transformer Streifen.
    Mmmmmh ? …. und was wolte ich jetzt wieder mit diesem ganzen Geschreibsel rüberbringen ?
    Nun ich brauch mehr Gefühl in der Musik und in Filmen. Keine reine Effekthascherei, kein rumgeballere kein egoshooterkram.
    Soll jetzt aber auch nicht heißen, das ich gern ne Scheibe von „Rosamunde Pilcher In Dub“ haben möchte.
    Ok Ok ……. sind ja letztlich alles nur Meinungen und Kommentare. Ich kann die Zeit nicht anhalten. Es kommt wie es kommt.

    Greetings …………………… lemmi

  4. Hehe, sorry wenn das jetzt wider so rüberkommt als ob ich immer das letzte Wort haben muss.
    Is ja auch so ;-) …………… Nein, Du darfst natürlich gerne wieder einen draufsetzen, wenn ich Dir das mal in DEINEM BLOCK erlauben darf ? ;-)
    Eigentlich wollte ich Dich auch nur bestätigen. Auch im Dub gibt es ganz schlechte Effekte und einen ganz schlechten Groove. Wobei der Groove hier „äquivalent“ zur Handlung eines Films sein soll.
    Zu den ganz schlechten Dub – Effekten gehört für mich zum Beispiel so ein einfaches stupides Gepiepe, wie es leider bei einigen Dubs, die ich von den Twinkle Brothers habe, vorkommt. Da werden einige der besten Riddims, die es im Reggae überhaupt je gegeben hat, durch dieses Gepiepe lächerlich gemacht. Hab schon die Verschwörungstheorie entwickelt, daß dieses Gepiepe nachträglich vom Babylon System draufgerotzt wurde, damit niemand diese Musik gut findet.
    Auch die ( original ) Version vom Cuss Cuss Riddim wird meiner Meinung nach durch dieses Gepiepe sehr unsympathisch. Mad Professor hat seit ewigen Zeiten diesen komischen Dub-Effekt auf dem Bass. Ich kann mir den Namen für diesen Effekt nicht merken. Wozu auch ?!
    Jedenfalls ist dieser Effekt nicht der Grund, warum ich so auf Mad Professor stehe. Meine Lieblings – Dubs von ihm kommen ohne diesen blöden Effekt aus oder sie sind so dermaßen geil, daß selbst dieser Effekt sie nicht zerstören kann.
    Und ausgerechnet dieser Effekt wird im dub-step noch weiter übertrieben und ausgeweidet, so daß wir ( ich ) uns am Ende fühlen wie in transformer 5.
    Den ersten Transformer fand ich übrigens auch noch geil ;-). War ne neue Idee und hatte schon ganz gute Effekte aber alle fortsetzungen waren unnötig ….. allerdings nicht für die Kinokasse.
    Filmkritiker haben mir den neuesten „StarWars“ – Film auch schon madig gemacht, denn sie meinten, daß die finale Schlacht einfach zu lang geraten wäre. Jo, Baller Baller Ballermann.
    Ich kann und will nicht verstehen, daß man gerade in der heutigen Zeit – wo so viele unschuldige Menschen, vor allem Frauen und Kinder, durch dieses ganze kriegerische treiben ins Elend und in den Tod getrieben werden – noch einen einzigen Schuss im Film ( also quasi in seiner kostbaren Freizeit ) sehen und hören möchte.

    Stop the violence ……………………… lemmi

    1. Zum Thema „Gepiepse“ fällt mir „King of the Dub Rock“ ein, das in der Originalveröffentlichung über und über mit den Sounds aus Space-Invaders übersät war. Inzwischen wurden die Overdubs zum Glück entfernt.

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