Braintheft: Berlintendo

Mit einigen Jahren Verzögerung macht sich der Einfluss von Dubstep auf Dub nun zunehmend bemerkbar. Meist ist es lediglich der verzerrte Bass-Sound, der zitiert wird, aber es gibt auch weitreichenderen Einfluss wie z. B. bei der 2016 gegründeten und aus der Zukunft ins Jahr 2008 nach Berlin zurück gereisten Band Braintheft. Ihr soeben vorgelegtes Album „Berlintendo“ verdankt dem Dubstep rund 40 Prozent seiner Inspiration. Weitere 40 Prozent dürften dem Bass-Sound eines Bill Laswell geschuldet sein. Die verbleibenden 20 Prozent sind schließlich echter Reggae-Dub. Und genau diese, hinsichtlich meiner Lieblingsmusik recht ungünstige Verteilung verleidet mir den ungetrübten Spaß an „Berlintendo“. Das Album besteht aus drei Teilen: dem „Studio Mode“ (Studioaufnahmen), dem „Live Mode“ (Konzertmitschnitt) und dem „Versus Mode“ (Remixes), was insgesamt stolze 28 Tracks ergibt. Allen Stücken gemein ist ein entspannter, dunkler, teils verspielter, elektronischer Sound, der seine handgemachte Herkunft nicht leugnen kann. Doch trotz reichlich Schallwellen aus dem Frequenzkeller, fehlt dem Album der rechte Wumms. Mir ist die Musik zu verkopft, die Soundscapes zu langatmig und die Rhythms zu ideenlos. Wie so oft bei Bill Laswell, fehlt der Musik schlicht der Groove – von Melodien ganz zu schweigen. Alles das, was im klassischen Sinne „schön“ ist an einem Dub, wird hier zugunsten atmosphärischer Klangwelten geopfert. Einfache, aber dadurch vielleicht bestechende, Ideen werden durch komplizierte Kompositionen, reichlich Breaks, Rhythmuswechsel und aufwändige Arrangements ersetzt. Doch viel ist nicht unbedingt mehr, sind die stärksten Ideen doch oft gerade die (scheinbar) einfachsten. Dummerweise sind sie auch am schwierigsten zu bekommen.

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