Prinzipiell gehört Prince Lincoln Thompson mit seinen Royal Rasses nicht zu meinen absoluten Favoriten. Obwohl ich mit seiner Falsettstimme herzlich wenig anfangen kann, schätze ich seine Alben ganz besonders wegen ihrer unglaublichen Musikalität. Immerhin gehören zwei Dub-Alben von Prince Lincoln Thompson and the Royal Rasses zu meinen absoluten Dubs für die einsame Insel. Das wäre zum Ersten: „Harder Na Rass“ von Prince Jammy gemixt, doch um das Album soll es hier nicht gehen. Mein Augenmerk liegt auf „Prince Lincoln Thompson & The Royal Rasses: God Sent Dub“ (Deluxe Edition) von Burning Sounds aus dem Jahr 2023. Ein Album, das vor dem Re-Release viele Jahre in Vergessenheit geraten war, obwohl es für mich insgesamt ein sehr wichtiges Album aus dieser Ära ist. Dem „God Sent Dub“ ging 1980 das Vokal-Album „Natural Wild“ voraus, der verkrampfe Versuch, ein Reggae-Crossover-Album mit dem damals recht populären Joe Jackson auf die Beine zu stellen, um endlich den erhofften kommerziellen Durchbruch zu schaffen. Die Rechnung ging leider nicht auf. Prince Lincoln Thompson wurde nie die Anerkennung zuteil, die ihm zugestanden hätte. Selbst nachdem Bob Marley gestorben war und die Labels panisch auf der Suche nach dem nächsten Reggae Superstar waren, ging der Ruhm an ihm vorbei. Ehrlich gesagt, ist „Natural Wild“ in der Nachbetrachtung und der Patina von heute 46 Jahren insgesamt ein sehr feines Album.
Sein letztes Album nahm Prince Lincoln Thompson 1997 auf und zwei Jahre später war er tot.
Der „God Sent Dub“ (Burning Sounds) gehört zu meinen absoluten Favoriten im Dub-Sektor. Wenn man sich die Band betrachtet, die ihr Können mit ins Album einbrachte, kann man nur zustimmend mit dem Kopf nicken: Mikey “Boo” Richards (Drums), Bertram “Ranchie” McLean (Bass), Ansel Collins (Orgel, Grand Piano), Aswad’s Tony ‘Gad” Robinson (Synthesizer), Radcliffe “Dougie” Bryan und Willie Lindo (Gitarre). Dazu gesellte sich noch Joe Jacksons Band, die jedoch bei den Dubs kaum akustisch auffällt. Ursprünglich wurde der „God Sent Dub“ als White Label mit einer Auflage von 300 Stück gepresst und unter Dub-Musik-Enthusiasten in London verkauft. Danach war das Album unter Sammlern legendär. Viele Jahre wusste ich nicht, wer den „God Sent Dub“ gemischt hat. Auf der handgeschriebenen Matrix steht auf Seite A „BIBO ‚N‘ CHRIS“ und auf Seite B „DUB CITY“. Zwei geheimnisvolle Toningenieure, zwei Reggae Fans, die, wie man heute weiß, Chris Lane (Reggae Redakteur) und Andy Gierus (Toningenieur) waren. Zwei damals relativ Unbedarfte, die sich Studiozeit sicherten, um aus „Natural Wild“ ein Dub-Album zu machen. Die nächste Hürde, welche die Zwei meistern mussten, war die Studiozeit. Statt der angenommenen vier Stunden Studiozeit, standen lediglich zwei zur Verfügung. Also hieß es, schnell zu arbeiten, nicht auf Kleinigkeiten zu achten und zu improvisieren. Chris Lane und Andy Gierus war es unmöglich, wegen des Zeitmangels alle Tracks ausreichend zu überprüfen und anzupassen, was zwangsläufig zu einigen Fehlern und Störungen führen musste. Später soll Chris Lane noch versucht haben, einzelne Fehler durch Ausschneiden und Einfügen à la King Tubby zu korrigieren. Vielleicht macht gerade dieser Zeitmangel das Dub-Album so authentisch und verleiht ihm Charme und viel mehr Seele als dem Original.
Mein Fazit: Wer sich für die CD entscheidet, bekommt insgesamt 13 Tracks – sieben Originale und sechs alternate Mixes. Der alternate Mix von „Smiling Faces“ fehlt komplett, weil er so stark beschädigt war, dass er nicht mehr restauriert werden konnte. Obwohl Chris Lane zuvor kaum oder gar keine Erfahrung im Abmischen und Remixen hatte, ist es ihm dennoch gelungen, ein außergewöhnliches Projekt im klassischen Roots-Dub-Stil zu erschaffen.

2 Antworten auf „Prince Lincoln Thompson & The Royal Rasses: God Sent Dub (Deluxe Edition)“
Eigentlich möchte ich das jetzt noch gar nicht kommentieren, da ich mir selbst noch einen genaueren Durchblick verschaffen muss.
Ich schrieb auch schon bei „Harder Na Rass“, dass ich mit der Stimme von Prince Lincoln Thompson so meine gewissen Probleme habe. Warum nur, dieses komische Falsett ?!? Gelegentlich sticht es immer wieder hervor, dass seine „normale“ Stimme meine volle Sympathie hat. Die Melodien seiner Songs sind oft richtig super und die Band ……… Ich kann jeden Tag mehr heulen, dass es solche Bands nicht mehr gibt. Das waren nicht nur Musiker, sondern Reggaemusiker !!! Das war nicht nur ne Band sondern eine lupenreine ReggaeBand !!!
Es gibt ja immer wieder Sänger, die sich mit Falsett versuchen aber an
EEK A MOUSE wird in dieser Art niemand auch nur ansatzweise herankommen. Irrtum ist in diesem Fall ausgeschlossen ! NEIN ! Und ich habe auch keine Fanbrille auf ! Vielleicht habe ich aber auch schon Mäuseaugen und Ohren, so sehr bin ich von EEK A MOUSE ein FAN !
So ! Das wollte ich dringend nochmal klarstellen !
Ich habe auch noch ein DubAlbum von Prince Lincoln Thompson mit Namen „Vortex Dub“. Und da bin ich jetzt an einem Punkt, wo ich mir noch gar nicht sicher bin. Meine Erinnerung sagt mir, dass da sowohl Dubs von „Harder Na Rass“ als auch von „God sent Dub“ dabei sind. Ob die DubVersions identisch sind und wieviele Überschneidungen es gibt, werde ich in den nächsten Tagen / Wochen oder sogar Monaten überprüfen. Fakt ist, jeder einzelne DubTune ist spitze !!! Ich bräuchte dabei noch nicht mal DubEffekte, so gut spielen die Musiker. Was nicht heißen soll, dass DubEffekte nur bei schlechteren Musikern Verwendung finden sollen. Aber DubEffekte können schon sehr helfen, einen nicht so perfekten Groove bzw. Riddim auf mein Wohlfühl – Niveau zu heben.
Bob Marley meinte ja wohl mal, dass seine Musik mit den Wailers keine DubEffekte braucht und auch keine haben soll. Und so hat er wohl den guten Errol Brown, der oft als Live – Engineer dabei war, sozusagen zurechtgewiesen und ihn ermahnt, keine DubEffekte und keine Dub-Voreinstelung am Mischpult vorzunehmen. Nun, darüber könnte man sicherlich ergiebig streiten. Aber die Wailers haben echt so gut gespielt, das ich DubEffekte nun wirklich nicht vemisst hätte. Trotzdem war der Sound von Errol Brown immer sehr gut und ich bin mir sicher, dass ich das
Live-Dub-Gerüst von Errol Brown heute noch feiern würde. Leider gehört diese Story zu den Geschichten, die ich nur so gelesen habe. Das dubbige Konzert mit Errol Brown würde ich nur zu gern irgendwo nochmal hören. Und dann noch diese Story über Sly Dunbar, der bei Stromausfall auf der Bühne als einziger noch zu hören war und jedem und jeder, die es erleben durften ein unvergessliches Erlebnis beschert hat. Ich beneide jeden Menschen, der das miterlebt hat.
Ok, so viel konnte ich zu dem DubAlbum ja nun wirklich nicht schreiben, außer das es mir sehr gefällt. Aber einen Kommentar, wo ich nur schreibe, „gefällt mir“, wird es von mir in absehbarer Zeit bestimmt noch nicht geben.
In diesem Sinne …………….. lemmi
Also lemmi, auf der „Vortex Dub“ sind meiner Meinung nach die „Alternate Mixes“ vom God Sent Dub zu finden. Auch hier fehlt der „Smiling Faces Dub“. Zusätzlich ist die komplette „Harder Na Rass“ enthalten. Die „Vortex Dub“ CD ist eine echte Empfehlung und lohnt sich immer!