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Ras Michael & The Sons of Negus: Rastafari in Dub (Re-Release)

Vor über 30 Jahren haben Labels wie Blood & Fire (1993) oder Pressure Sounds (1994) viele sehr gesuchte Klassiker aus unserem Lieblingsmusikgenre in einer atemberaubenden Qualität wiederveröffentlicht. Der „Überlebenskampf“ der beiden Labels ging dann bis ca. 2014, dann war wegen Unwirtschaftlichkeit Schluss. Umso erfreulicher, dass inzwischen zu beobachten ist, wie andere Labels in ihre Fußstapfen treten. So wurde fünfundzwanzig Jahre nach der letzten Veröffentlichung endlich ein wahrer Klassiker, „Ras Michael & the Sons of Negus: Rastafari in Dub“ bei Charly Records Ltd. wiederveröffentlicht. Ein ursprünglich um 1977/78 ausschließlich in Jamaika auf Tommy Cowans „Top Ranking“ Label veröffentlichtes Album, dessen originale jamaikanische Pressungen seit Jahrzehnten als heiliger Gral unter Reggae- und Dub-Sammlern angesehen werden. So weit würde ich nicht gehen, aber bei „Rastafari in Dub“ handelt es sich schon um ein Dub-Set mit seltener Nyahbinghi-Atmosphäre, die bestenfalls auf dem „Herb Dub Collie Dub“ der Skatalites noch zu finden ist. Außerdem hebt sich „Rastafari in Dub“ hörbar von den herkömmlichen Dub-Alben jener Zeit ab. Anstatt sich ausschließlich auf Studiotricks zu verlassen, verschmolzen Ras Michael & The Sons of Negus Nyahbinghi-Trommelklänge, Grounation-Gesänge und tiefe Roots-Rhythmen zu einer reduzierten, meditativen Dub-Ästhetik und schufen so ein einzigartig spirituelles und atmosphärisches Hörerlebnis. Donnernde, hypnotische Percussion und hallende Rhythmen werden zu einer der markantesten Roots-Aufnahmen ihrer Zeit verschmolzen. Den Nyahbinghi Percussions wurden auf Anraten Cowans noch zusätzliche Instrumente beigefügt, die das Album weit über den „Ethnic Market“ bekannt machten. Das Erste, was einem auffällt, ist Robbie Shakespeare am Bass. Robbie spielt nicht nur; mit seinen stoischen, unter die Haut kriechenden Basslines gibt er den Aufnahmen den nötigen Zusammenhalt. Dann sind da noch Chinna Smith an der Lead-Gitarre und Peter Tosh, der Clavinet und Gitarre spielt. Wohl dosierte Saxofonklänge von David Madden und Glen Da Costa schweben herein wie Morgennebel – da quiekt kein Sax wie eine alte Gießkanne. Alle Beteiligten waren nicht nur Session-Musiker, sie waren als Architekten des Sounds wesentlich an den Arrangements beteiligt. Die Aufnahmen entstanden in den Dynamic Sounds Studios, im Harry J’s Recording Studio und Joe Gibbs Studio. Als Dubs abgemischt wurden sechs Tracks von „Rastafari“ sowie zwei Dubs von „Kibir Am Lak“ durch Mervyn Williams, der äußerst selten als Dub-Toningenieur in Erscheinung trat. Die längst überfällige Wiederveröffentlichung stellt die ursprüngliche Gestaltung des Albums originalgetreu wieder her, einschließlich der markanten Cover-Art von Errol „Irie“ Myrie und bietet gleichzeitig die beste Klangqualität, die das Album je erhalten hat.
Wie bereits oben festgestellt: Der „heilige Gral“ des Dub ist „Rastafari in Dub“ meines Erachtens definitiv nicht, aber Minimum ein Meilenstein, der in keiner seriösen Sammlung fehlen sollte!

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