Es gibt Alben, bei denen die spannendste Frage nicht ist, wie sie klingen, sondern ob man dem trauen darf, was man hört. „Think Dubby, Vol. 3“ (Positiv Reality Records) ist so eines – und das macht die Sache kompliziert, aber auch interessant.
Haris Pilton legt also seine dritte Hommage an King Tubby vor. Die Titel lassen keinen Zweifel daran, wo wir uns befinden: „Hometown Hi-Fi Dub“, „Legend Of Dromilly“, „Return To Kingston 11“, „Osbourne’s Magic“ – Osbourne Ruddock, bürgerlich, aus der Dromilly Avenue in Waterhouse. Piltons Begleittext zeichnet Tubby wieder als den Mann, der das Mischpult zum Instrument erklärte und entdeckte, dass Stille härter treffen kann als Klang. Ausdrücklich will er die Vergangenheit nicht nachbauen, sondern ein Gespräch mit ihr führen.
Tatsächlich huldigen die dreizehn Tracks vielleicht weniger Tubby himself als dem Reggae-Sound der 1970er Jahre insgesamt. Einige klassische Studio One-Riddims werden zitiert, andere sind neu, aber ganz im Geiste dieses Sounds gebaut, so dass man beim Hören mitunter ins Grübeln kommt, was man da eigentlich hört. Alles Instrumentals oder Dubs, keine Vocals, keine Ausflüge. Die Instrumente klingen schrammelig, der Studiosound authentisch, alles schön retro und analog.
Und genau hier beginnt die Ironie. Denn es könnte sein, dass das exakte Gegenteil der Fall ist. Haris wird bekanntlich vorgeworfen, seine Musik von KI einspielen zu lassen. Richtig dementiert hat er das nie. Andererseits klingen seine Dubs alles andere als generisch – und wer schon einmal versucht hat, aus einer Maschine etwas herauszuholen, das dermaßen nach Kingston riecht, weiß, dass das nicht mit einem Prompt zu erreichen ist. Beweisen oder widerlegen lässt sich die Sache also nicht. Wir können lange raten, wir werden es nicht erfahren.
Wichtiger scheint mir ohnehin die Frage, wie und in welchem Maße KI zum Einsatz kommt. Wer per Prompt ein ganzes Album generiert, gehört verdammt. Das ist nichts anderes als KI-Slop, den ich nicht hören möchte. Wer KI hingegen als Werkzeug einsetzt – um sich Instrumentalspuren einspielen zu lassen oder um Melodien zu entwickeln – und das entstandene Material anschließend in einem menschlichen, kreativen Prozess zu guten Musikstücken formt, darf in meinen Augen weiterhin als Artist gelten. Dessen Musik höre ich mir gerne an und lasse sie als vollwertiges künstlerisches Werk gelten. „Think Dubby Vol. 1 – 3“ gehören (für mich) dazu.
Insbesondere „Think Dubby, Vol. 3“ macht richtig Spaß. Es ist konzentrierter als vieles aus Piltons ausuferndem Katalog, es bleibt bei seiner Sache, und es klingt nach jemandem, der die Foundation nicht nur zitiert, sondern verstanden hat. Ein gutes Dub-Album. Mehr muss es nicht sein.

2 Antworten auf „Haris Pilton: Think Dubby, Vol. 3 (Tribute to King Tubby)“
Oh gosh
Ich fand die beiden anderen Alben besser. Aber daß ist auch gut.. Und wenn’s ki ist mir egal,es rockt.