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Foreigners Everywhere: If Everything is Possible, Nothing is Necessary.

Dass Dub politische Musik ist, dürfte allen bewusst sein. Dass eine Band den politischen Anspruch so konsequent in jede Pore ihres Schaffens einschreibt wie Foreigners Everywhere aus dem kroatischen Pula, erlebt man hingegen seltener. Das Kollektiv versteht seinen Dub explizit als Werkzeug: anarchistisch, antifaschistisch, solidarisch. Alle Einnahmen fließen in Graswurzel-Projekte für Menschen-, Tier- und Umweltrechte – und das Album erscheint auf Woodland Records aus Bulgarien, einem der konsequentesten Dub-For-Social-Change-Label im europäischen Underground. Das ist kein Beiwerk, sondern Programm. Und es ist gut so. Denn Dub war nie eine Musik ohne Haltung – von den ersten Mischpult-Experimenten in Kingston bis zu Adrian Sherwoods On-U Sound war das Genre immer auch ein Kommentar zur Welt, in der es entstand. Dass Foreigners Everywhere diese Tradition nicht nur fortschreiben, sondern mit echter Überzeugung mit Leben füllen, verdient Respekt. Und das Beste daran: Die Musik hält mit.
If Everything Is Possible, Nothing Is Necessary. (Woodland Records) von Foreigners Everywhere ist handwerklich überzeugend. Was mich sofort packt, ist der Steppers-Sound: wuchtig, manchmal beinahe brachial, klar auf den Einsatz in Sound-Systems ausgelegt – die Basslines sind keine Untermalung, sondern prägnante kleine Melodien mit eigenem Gewicht. Und das ist der eigentliche Kern dieses Albums: Das Ausgangsmaterial ist einfach gut. Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Strukturen seien überschaubar. Aber je länger man hinhört, desto mehr Schichten zeigen sich: das Arrangement ist durchdacht, der Mix klar und lebendig, der Groove kaum zu toppen.
Was das Album darüber hinaus interessant macht, ist seine Netzwerkqualität. Foreigners Everywhere produzieren Dub als kollektives Projekt – nahezu jeder Track trägt den Fingerabdruck eines anderen Mix-Partners. Homegrown Sound, Dubar Sound, Jah Free, Kodama Dub: Das sind keine willkürlichen Kollaborationen, sondern ein europäisches Solidaritätsnetzwerk, das sich im Klang niederschlägt. Track 5, „Pula – Stefan Stambolovo – Southend-on-Sea“, nennt es sogar beim Namen: drei geographische Punkte, die die Koordinaten dieses Projekts markieren – Kroatien, Bulgarien, England. Dub als Kartographie. Den Abschluss bildet „Demokracija“ mit G.U.W. und Zion Train – der vielleicht stärkste Track des Albums.

Bewertung: 4 von 5.

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