Kategorien
Review

Bob Marley & The Wailers: In Dub Vol. 1

Wie doch die Zeit vergeht. Genau heute vor vierzig Jahren traf mich eine Nachricht im Radio mitten ins Mark. Ich fuhr meinen alten VW-Käfer an den Straßenrand, hielt wie in Schockstarre an und fühlte mich so, als wenn ich gerade die traurige Nachricht erhalten hätte, dass ein sehr guter Freund von mir gestorben wäre. Die Galionsfigur des Reggae, der Tuff Gong, hatte seinen letzten Kampf gegen den Krebs verloren. Nachdem sich Bob Marley beinahe sechs Monate in der Ringberg Klinik in Rottach-Egern hat behandeln lassen, verschlechterte sich Anfang Mai 1981 sein Gesundheitszustand sehr deutlich und er beschloss, zurück nach Jamaika zu fliegen, um dort die letzten Tage seines Lebens zu verbringen. Dieses Ziel sollte er leider nicht mehr erreichen. Bereits auf dem Rückweg in die Karibik kollabierte er auf dem Flughafen in München-Riem. Nach einer Zwischenlandung in Miami am Morgen des 11. Mai war er für einen Weiterflug zu schwach. Er wurde in eine Klinik gebracht, wo er kurze Zeit später verstarb. Einer der charismatischsten und herausforderndsten Interpreten unserer Zeit, eine musikalische, politische und sogar spirituelle Figur mystischen Ausmaßes verstarb 36-jährig und ist und bleibt Reggaes größte Ikone und eine herausragende Figur unserer Zeit. Kein Künstler in der modernen Musik hat sein Genre so dominiert wie Bob Marley den Reggae. Marley sang von Rebellion, Aufständen, Rasta und der Kraft der Liebe. Ein Mann, der sich aus bescheidensten Verhältnissen erhob, um ein Vorbild für die Unterdrückten zu werden. Er war der renommierteste jamaikanische Künstler, der dem täglichen Kampf seines Volkes und der Rastafari-Kultur (s)eine Stimme gab und obendrein der Erste, der globalen Ruhm erlangte.
Bob Marley & the Wailers haben zusammen zu Lebzeiten acht Studio- und zwei Live-Alben eingespielt. Anlässlich seines 65. Geburtstags (6. Februar) – wenn er ihn erlebt hätte – wurde 2010 „Bob Marley & The Wailers – In Dub Vol. 1“ veröffentlicht.
Wenn man einmal von Soul Revolution II absieht, die Lee Perry ursprünglich nur auf seinem Label veröffentlichte, ist „In Dub Vol. 1“ einer der wenigen Versuche Marley Dubs in Albumlänge zu veröffentlichen. Das macht das Album von vornherein interessant, aber auch gewagt. Mit „Roots Rock Dub“ startet das Album und die skanking Rhythmusgitarre in Kombination mit fragmentierten Backing Vocals werden durch jazzige Saxofon Klänge ergänzt. Die „Jamming Version“ verzichtet fast vollständig auf Echo und Hall. „Is This Love Dub“ kommt wesentlich stärker: Die Lead-Vocals werden ein- und ausgeblendet, Echo, Hall und schöne Percussions weißen den Weg. „One Love/People Get Ready Dub“ klingt in meinen Ohren ebenfalls gelungen. Bei „Forever Loving Jah Dub“ übernimmt Aston Barretts unvergleichlicher Bass die Rolle, die ihm im Dub auch gebührt, die Hauptrolle. Beim „Lively Up Your Dub“ wurde mehr von Bob Marleys Stimme beibehalten als bei einigen anderen Tracks. „Three Little Birds Dub“ klingt ein bisschen wie aus den Anfängen des Reggae, vielleicht auch aufgrund der klassischen Instrumentierung. „Crazy Baldhead Dub“ wirkt noch dunkler und dadurch auch interessanter, während „Waiting in Vain“ mir noch wesentlich düsterer erscheint als das Original. „She’s Gone Dub“ enthält einen Großteil des Originalgesangs, bevor es in einen großartigen Old-School-Version/Dub-Stil übergeht. Das Album schließt mit einer „Smile Jamaica Version“ und einem für die damalige Zeit charakteristischen, etwas dumpfen, Produktionssound.
„Lively Up Your Dub“ ist der einzige Track auf diesem Album, bei dem zweifelsfrei zu erkennen ist, dass er von Scientist gemixt wurde. Die restlichen zehn Tracks könnten Bob Marley zusammen mit Aston Barrett oder andere im Tuff Gong Studio tätige Sound-Engeneers gemixt haben. Auf dem Album sind diesbezüglich leider keinerlei weitere Informationen zu finden.
Abschließend kann man feststellen, dass auf „Bob Marley & The Wailers – In Dub Vol. 1“ keine größeren Mischpult Tricksereien stattfinden oder ein Dubfeuerwerk abgebrannt wird. Vielmehr bekommen wir vor Augen und besonders Ohren geführt, dass auch im reduzierten Dubsound Robert Nesta Marleys Songs und Melodien wie Fixsterne im unendlichen Universum erleuchten.

Bewertung: 4 von 5.

7 Antworten auf „Bob Marley & The Wailers: In Dub Vol. 1“

Was für eine schöne Huldigung an den King des Reggae, Ras Vorbei !!!

Jedes Wort deiner Rezension spricht mir aus der Seele ! Ich Banause hätte sowohl seinen TodesTag als auch seinen Geburtstag wie üblich komplett vergessen. Meine Geburtstage vergesse ich allerdings auch immer ( ja sogar den meiner Mutter habe ich schon mal vergessen ). Aber nicht jeder lebt so in den Tag hinein, wie ich und so bin ich sehr dankbar, das Du heute an Bob Marley gedacht hast, Ras Vorbei.
Und das dann mit einer so treffenden DubScheibe zu würdigen, finde ich einfach nur gelungen !
Die Dubs sind so gut beschrieben, das ich da auch nix mehr draufsetzen kann und vor allem auch nicht will. Mag sein, das hier kein „Dubfeuerwerk“ mit „großen Mischpulttricksereien“ vorliegt aber als hättest Du mein Klagen der letzten Tage genau mitempfunden, haben wir hier jetzt eine DubScheibe ( schon allein das ich mal wieder „Scheibe“ schreiben darf bringt mich gut drauf ), mit Basslines, die es weit und breit nicht besser geben kann. The Familyman himself !!! Normalerweise würde ich schreiben „aus meiner Sicht“ aber hierbei lasse ich keine andere Sicht-oder Hörweise zu ;-) !!! Es gibt ja Leute, die mit dem Reggae von Bob Marley nix anfangen können ( ganz besonders die aus der ex-Soundsystem Scene ) aber solche „Querdenker“ kann ich nur bedauern ……
Ich habe diese Scheibe schon ( gefühlt ) mindestens 10 Jahre und ich frage mich immer wieder aufs neue, warum es bisher nur bei Vol.1 geblieben ist. Wenn ich alles zusammenzähle, müsten wir doch insgesamt inzwischen bei Vol.8 sein, plus zwei Live-Dub-Scheiben ;-). Schade, denn auch hier würde ich gern den Wunsch äußern, „Bitte mehr davon“ !!!
Ja Ras Vorbei ! Alle die diese Scheibe noch nicht kennen und ( was noch viel schlimmer wäre ) nicht haben, sollten Dir einen ganzen Berg an Danksagungen schreiben, denn diese Scheibe ist ein SCHATZ !
Du kannst ja nix dafür, das man die ersten fünf Sterne hier nicht sehen kann aber warum hast du den 10ten vergessen ? …. ;-)

„One Good Thing About Music Is, when it hits you feel no pain“ ….. The Prophet ! ………………………… so long ……. lemmi

„…ich frage mich immer wieder aufs neue, warum es bisher nur bei Vol.1 geblieben ist.“

Vielen lieben Dank lemmi!
Diese Frage stelle ich mir auch bereits seit ewigen Zeiten. Zu Bob Marleys Lebzeiten waren auf der B-Seite der Singles meistens Versions oder Dubs zu finden und daraus haben wir uns dann unser Dub-Tape zusammengestellt. Auf der Redemption Song Single ist auf der Rückseite z. B. die Band Version. Auf den Singles war meist ein Schmankerl zu finden.
Vielleicht wird jetzt anlässlich des 40sten Todestages endlich „In Dub Vol. 2“ veröffentlicht. Mich würd’s freuen.

Vor ein paar Tagen war ich mal wieder in meinem Archiv am Stöbern und habe, passend zum 40sten Todestag von Bob Marley, noch das hier gefunden:

https://soundcloud.com/greenlion89/sets/dubwiser-collection-sampler

Die Mixes stammen von Dartanyan GreenLion Winston, der einigen auch durch seine Dubmixes für Taxi Taboo 1 bekannt sein dürfte. Beim Durchhören merkt man erst wieder, was eine wahnsinnig gute Riddim Section wie die der Barrett Brüder leisten kann. Carlys Drums und Astons Basslines sind bis heute unerreicht. Sehr schön finde ich auch die alten Toneinspielungen und Interviewmitschnitte aus der Zeit.

Ich habe schon wieder Schnappatmung !

Die Dubs sind ja noch besser als die auf „Vol. 1“ !!!!!!!!!!!!!!

Radikalere Effekte und eine noch tiefere DubAtmosphäre !

Und ja genau davon versuche ich immer zu reden. Die Riddim Section macht die Musik !
Da kommt einfach wesentlich mehr bei raus, als wenn sich ein Computerprogramm an Loops verschluckt.
Und wenn es sich dann noch um die Barrett Brüder handelt, steht Qualität mal wieder ganz weit über Quantität.

Danrtanyan Green Lion Winston ! Please hear my cry ! I ( we ) need 8 Albums in Vinyl
from this amazing great DubMusic !!!

„So long, so long, so long many People dem a suffer“ …………………..lemmi

Da erinner ich doch gerne an das Album, dreams of freedom v. Marley und
Bill Laswell , der mit viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl Wahnsinnig gute Dubs von Marley Songs geschaffen hat ,die nicht den üblichen reggae-dubhörer bedienen mögen, und sich erst gar nach mehrmaligen hören entfalten werden.
Diese Platte hätte ich gerne mal gehört im Warm up oder Abschlusz einer soundsystemsession.
Wunderschön.

Oh ja Ultrasta, vielen Dank, dass du auch an die „Dreams of Freedom“ erinnerst. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Album trotz seines Untertitels „Ambient Translations of Bob Marley in Dub“ bei vielen Marley Fans im Plattenschrank steht. Verdient hätte es die chillige „Dreams of Freedom“ allemal.
Für die, welche das Album noch nicht kennen:
https://songwhip.com/bob-marley-and-the-wailers/dreams-of-freedom-ambient-translations-of-bob-marley-in-dub

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.