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Dubstrand Allstars: Dubbing on the Bay

Es gibt da diese „New Releases“-Sektion auf dubblog.de, in die der Rezensent gerne und regelmäßig reinschaut – und sei’s nur um zu sehen, was die Kollegen da alles zwischen Gut und Böse reinstellen. Das ist die ganz, ganz breite Palette; nur Besonderes und/oder Interessantes (im positiven wie negativen Sinn) findet seinen Weg in die Reviews. Also mutig reingesprungen in die Flut an Neuheiten, stichprobenartig reingehört und tatsächlich fündig geworden: Es ist Dubstrand Allstars‘ Debut-Album „Dubbing on the Bay“ (Dubstrand Music), das ich hiermit ins grelle Rezensions-Licht zerre.

Zugegeben: Es sind wieder mal die Drums, die meine erste Aufmerksamkeit in Anspruch genommen haben; sie erinnern in ihrer Abmischung sehr an Releases aus dem Jahr 1981, als da wären Peter Tosh‘ „Wanted Dread & Alive“, Jimmy Cliff’s „Give the People What They Want“ oder Pablo Mosers‘ „Pave the Way“. Dieser harte Sound, der nicht sonderlich basslastig war, aber mit seinem Punch in entsprechender Lautstärke wahrscheinlich Löcher im Trommelfell hinterlassen hat; diese Kickdrum, die ziemlich martialisch daherkommt und quasi befiehlt, wo’s langgeht. Der damals relativ kurzlebige Trend findet sich jetzt auf dem „Dubbing on the Bay“-Album wieder – ob das beabsichtigt oder Zufall war bleibt offen.

Meine zweite Aufmerksamkeit hat den Dubstrand Allstars selbst gegolten – nie gehört, nie gesehen, wer soll das sein? Die online-Recherche lässt mich vorerst komplett auflaufen; dann findet sich doch noch ein Bruchstück einer Information und weist auf Brizion hin. Der Mann ist mir schon öfters aufgefallen; weniger wegen seiner mediokren Musik denn ob der schieren Menge seines Outputs: Der Kalifornier dürfte einmal Husten und am anderen Ende schießen 5 Alben raus, die dann leider auch so klingen. Klarer Fall von Quantität vor Qualität. Man stelle sich vor, Vaughn Benjamin hätte sich mit Brizion zusammen getan… das wäre wohl eine endlose Flut an dahinbrabbelnden Alben geworden.

Die Dubstrand Allstars hingegen sind dankenswerterweise kein weiteres Soloprojekt von Brizion; er nimmt sich (hurra!) doch glatt einen zweiten Musiker – sprich Drummer – an Bord. Keine Frage, das lässt die Musik aufleben, wenn auch mit Wermutstropfen: Der Mann spielt E-Drums, die per se keine großen klanglichen Varianten bieten. Schläge auf die E-Snare klingen immer ermüdend gleich, eine akustische Snare hingegen klingt bei jedem Schlag eine Nuance anders – je nachdem wo der Stick das Fell trifft. Ein kleiner Unterschied der eine Klangwelt ausmacht.

Zurück zum Album – es ist nicht sonderlich basslastig mit einem gefühlten Cutoff bei 60Hz, aber siehe oben: Was für Tosh und Cliff damals gut genug war, sollte man heute auch den Dubstrand Allstars zugestehen. Letztlich bleibt eine Ansammlung klassisch anmutender Riddims; sparsamst instrumentiert mit unaufdringlich eingearbeiteten Dub-Effekten. Da ist nicht viel falsch gemacht worden, und doch wirkt alles gleichförmig, eintönig. Das ist sicher nicht nur den Drums geschuldet, sondern eher dem, dass da lediglich zwei Musiker ihr Bestes geben: Der eine spielt Schlagzeug, der andere spielt den überschaubaren Rest der Instrumente. Lust kommt da keine auf, musikalische Ideen sind nicht zu finden. Das Ganze wirkt eher wie eine Pflichtübung und ist damit weit von einem Meisterstück entfernt. Wer jedoch gewillt ist seine Erwartungen entsprechend herunterzuschrauben, wird durchaus Freude an „Dubbing on the Bay“ haben. 

Bewertung: 2.5 von 5.

5 Antworten auf „Dubstrand Allstars: Dubbing on the Bay“

Also, es ist bei weitem nicht das erste mal, das mir eine Rezension aus dem Herzen spricht aber diese hier hätte fast eins zu eins von mir sein können, obwohl es mir natürlich schon an der
geübten oder dem Rezensenten angeborenen Eloquenz mangelt. So musste ich „mediokre Musik“ erst mal googeln. Aber das mache ich gern, denn wenn ich solche Worte hier mal in unsreren Werkstattslang mit einbaue, ist es immer wieder schön, daraufhin in die Gesichter meiner Kollegen zu schauen. Also, auch wenn ich an einer Allergie gegen das Lernen „leide“, gestehe ich, das ich auf diesem Wege, durchaus sehr gern etwas dazu lerne. Neues Wissen am konkreten Beispiel erlernen ist wie „Learning by Doing“ und nur so läuft das bei mir.
Ja, auch ich schaue ja manchmal auch aus reiner Pflichterfüllung gegenüber meiner doch niemals enden wollenden Neugier in Sachen Reggae und Dub bei „New Releases“ rein. Und gerade zur Zeit bin ich da natürlich auch über diesen Brizion gestolpert. Da liegen ja ne Menge Steine von ihm, im bzw. auf dem Weg. Naja nun, was soll ich anderes sagen ?!? Es ist Reggae, bzw, Dub und von daher schon mal grundsätzlich mein Ding ! Aber nachdem ich mich durch einen Teil seines Schaffens durchgearbeitet habe, lag mir genau der selbe Satz auf der Zunge.
„Klarer Fall von Quantität vor Qualität“. Alles kann ich mir durchaus anhören aber so richtig prickelt es nicht in meinem Bauchnabel. Bei dieser Art von Dub, könnte ich der ganzen „Sache“
am Ende doch überdrüssig werden und meine Neugier letztendes verlieren. Das ist zwar für das ReggaeBusiness auch nicht neu aber zu viel Produktion ist auch eine Art der Überproduktion. Daran ist bisher jeder gescheitert. Gregory Isaacs genauso wie Sizzla. Und das „Duncehall Ting“ ist der Gipfel dieser Überproduktion. Klar, Bob Marley konnte von einer Scheibe sein ganzes Leben lang leben. So viel hat das eingebracht. Daraus resultierte dann, das er sich ein ganzes Jahr Zeit für eine Scheibe nehmen konnte, was sich dann eben in Qualität und nicht in Quantität äußerte. Das entspricht dann mal einem „positiven Teufelskreis“ um nicht zu sagen, das ist dann eben ein „GottesKreis“.
Aber ich kann auch gut nachvollziehen, das diese Dubstrand Scheibe es dann doch in eine Rezension geschafft hat, denn sie hat auch ganz knackige Riddims, wie ich finde. Und wenn sie
Assoziationen ( boah, manchmal bin ich von mir selbst begeistert, was ich schon für Worte kennne ) zu Peter Tosh, Jimmy Cliff und dann auch noch zu einer meiner „All Time Favorites“ Scheibe „Pave The Way“ von Pablo Moses weckt, kann das nicht so ganz schlecht sein. Geht bei Dub aus meiner Sicht sowieso nicht. Viel fällt mir zu der Scheibe aber auch nicht ein, denn sie hat für meinen Geschmack mal wieder zu wenig „Zisch und Puff“ und hält sich auch mit Hall und Echo zu sehr an „polotical correctness“.

Yeah Mann „Pave The Way Rasta“ !!! „Who Is The Greatest Rastaman Of Them All ?!? J A H !!! ……. Proverbs Extractions ……“
Und dann dieses Intro bei Dig On ! So muss Saxophon ;-) ………………….. lemmi

Schöner Kommentar, lemmi!

Ich meine, dass mit dem unüberschaubar großen Alben-Output von vielen JA-Künstler*innen hat erst begonnen, als sich die Major Labels zurückgezogen hatten – so Mitte der 80er, ungefähr zur gleichen Zeit als computergenerierte und damit leicht und schnell zu produzierende Sounds auftauchten. Man kann von den Majors gut oder schlecht denken, aber sie waren mitunter eine gute Qualitätskontrolle und wichtiges Reglement in der Reggae-Branche. Wer erinnert sich noch an das sehnsüchtige Warten bis das jährliche Album von diesem oder jenem erschienen ist? Das hat dann auch Qualität gehabt – bestes Beispiel: Gregory Isaacs oder Dennis Brown, deren Major-Alben hervorragend waren; die späteren, am Fliessband produzierten Alben hingegen im besten Fall nur noch so-so (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Andererseits waren Singles in JA immer schon mehr musikalische Nachrichten und aktuelle Kommentare zu Politik, Kriminalität, Katastrophen usw. – schnell produziert & als presswarme 45er via Soundsystem in alle Ecken des Landes gebracht. Ein gutes Beispiel dafür ist der „Gilbert“-Sampler, der Singles zusammenfasst, die 1988 unmittelbar nach dem verheerenden Hurrikan Gilbert erschienen sind.

Ob BM zu Lebzeiten gar so gut von den Island-Verkäufen leben konnte… da bin ich mir nicht so sicher. Die Live-Shows waren imo eher seine Cash-Cows… zumindest wird da Island nicht so sehr die Hand aufgehalten haben, denke ich.

Ja gtkriz,

das möchte ich gern noch dazu sagen. Jamaikanische musik als Duncehall zu bezeichnen, steht mir vielleicht auch nicht zu und erscheint eventuell wieder ziemlich arrogant. Aber ich kenne den Begriff von den Jamaikanern selbst und von daher ist er vieleicht doch angebracht. Für die Jamaikaner finde ich das mit den Ex und Hop
Singles auch völlig in Ordnung. Ich als Europäer habe aber täglich die heute- und die tagesshow und sehe Musik nicht als Nachrichtenmagazin oder sogar als Klatsch und Tratsch – Presse. Für mich ist Musik ein bleibendes Manifest, quasi eine Statue
für die Ewigkeit. Songs wie z.B. „Blackheart Man“ von Bunny Wailer bzw. die gesamte Scheibe, sind nix für ex und hopp. Das sind die Rembrandts aus Jamaika !
Die malt man nicht einfach über. Leider ist Bunny Wailer nun auch da, wo Rembrandt schon lange ist. Vielleicht ja auch besser so, wer weiß das schon ?!?

Rest In Peace BUNNY WAILER …………………………… lemmi

die youtube-preview lässt sich besser genießen als die Rezi vermuten lässt.
werde dem Werk eine chance geben.
fehlende tiefe bässe können bei nicht-so-gutem mastering auch für klangliche tightness sorgen.
was ich an rootsreggae immer sehr schätze ist der space im mix… dynamik eben. die Kick kickt, die Snare knallt richtig rein, als stünde man gerade mal paar meter davor (entsprechende Wiedergabelautstärke und geeignete Lautsprecher vorausgesetzt, moderner Consumer-Krempel wie Sonos kann sowas überhaupt nicht).
Hier ist dieser Druck in den Drums vorhanden, auch wenn es e-Drums sind. Zusammen mit dem Bass schon die halbe Miete. Und Brizion ist mir auch schon mal positiv aufgefallen. Dachte bis jetzt der wär Franzose 8)

Ich bin voll bei Dir, ropp auff… die edrums haben auf jeden Fall einen ordentlich Punch, aber die ewig gleichen Sounds… hätte man für jedes Stück individueller gestalten können, sag‘ ich mal.

Brizion lebt/arbeitet in San Diego.

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