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Gacha Medz: Dub

Dass Dub heute überall auf der Welt produziert wird, nur nicht mehr in Jamaika, ist einer jener Sätze, die man irgendwann nicht mehr sagen möchte, weil sie so entmutigend richtig sind. Frankreich, England, Italien, Spanien, Deutschland – überhaupt Europa, Skandinavien, Amerika, Asien – die Landkarte des zeitgenössischen Dub hat sich längst über den gesamten Globus ausgebreitet. Umso aufmerksamer wird man, wenn aus Kingston wieder etwas kommt. Auch wenn der Mann, der es produziert, ursprünglich aus Sapporo stammt.

Gacha Medz ging 2008 allein nach Jamaika und gründete dort Gachapan Records. Er arbeitete mit Mavado, Konshens und Jesse Royal, zuvor in Japan mit Mighty Crown, Pushim und Chehon. Nach dem Ende von Gachapan folgte 2015 die Gründung von Medz Music. „12pm“ von Alkaline wurde im Jahr darauf zum internationalen Hit. Danach kamen Projekte mit Walshy Fire, Vybz Kartel, Popcaan, Squash. Er lebt und arbeitet heute weiterhin in Kingston, nimmt Dubplates auf und veröffentlicht in einem Tempo, das an Haris Pilton erinnert: Trap-Dancehall-Riddims, Lo-Fi-Instrumentals, Chill-Beats und dazwischen immer wieder Dub-Alben.

Seit 2026 hat dieser Output einen Rahmen: Ninjah Rockerz, ein in Jamaika gegründetes Projekt aus Flabba Holt, dem Bassisten der Roots Radics, dem japanischen Reggae-Veteranen Triga Finga und Gacha Medz als Produzent und Gitarrist. Wie diese Verbindung zustande kam, erzählt niemand – aber wer achtzehn Jahre in Kingston Musik produziert, muss sie sich nicht aus der Ferne organisieren. Die Credits der Band sind aufschlussreich: Bei jedem Track steht Gacha Medz als Producer, Recording, Mixing und Mastering Engineer sowie als Gitarrist, Flabba Holt spielt Bass, Triga Finga singt. Einer macht praktisch alles außer Bass und Gesang.

Das Album „Gacha Medz Dub“ erschien im August 2026, vierzehn Tracks in neunundvierzig Minuten, kreditiert gemeinsam mit Sly & Robbie. Und es ist ein stilistisch sehr uneinheitliches Album. Die Spanne reicht von Roots-Dubs mit Rock-Attitüde bis zu schmalzigem Lovers Rock, und wer die Platte am Stück hört, wird mehrfach die Orientierung verlieren. Der Sound klingt nach handgespielten Instrumenten – was heutzutage schon eine Nachricht ist – ist in seiner Qualität aber wechselhaft. Mir ist er zu glatt, zu poliert. Es fehlt organische Tiefe, es fehlen Ecken und Kanten und ein bisschen fehlt auch die Seele. Die Riddims sind über weite Strecken schlicht langweilig. Gacha Medz hat eigentlich mehr drauf!

Denn dass er es kann, zeigt sich anderswo. Die „Summer of Dub“-EP vom Juli 2026 – sechs Tracks, vierundzwanzig Minuten – besteht ausschließlich aus ikonischen Riddims, und genau das macht sie gut. Es ist ein simples Vergnügen, aber ein zuverlässiges: die großen Riddims wiederzuhören macht immer Spaß – vor allem als Instrumental oder Dub.

Dasselbe gilt für „Badest Bassman“, ebenfalls unter der Ninjah Rockerz-Flagge erschienen. Der Titel ist eine Verbeugung vor Flabba Holt, und die ist berechtigt: Sein Spiel prägte in den frühen Achtzigern die Produktionen von Junjo Lawes und die Dubs von Scientist. Ihn heute wieder zu hören, wie er alte Riddims einspielt, ist mehr wert als ein weiteres Album mit neuen Kompositionen.

Bemerkenswert ist nebenbei, wie gut das in Japan funktioniert. Die EP „Ninja Rockerz“ stand im Juni auf Platz acht der japanischen iTunes-Reggae-Charts, zwei Tracks landeten in den Song-Charts. Vertrieben wird über TuneCore Japan, samt Auslieferung an Reggae-Spezialdienste wie Club Zion. Die Achse Kingston–Sapporo funktioniert.

Und dann gibt es ja noch das Album „Sly Forever“ von derselben Crew. Sly Dunbar starb am 26. Januar 2026 in Kingston, 73 Jahre alt, dreizehnmal für den Grammy nominiert, zweimal ausgezeichnet. „Sly Forever“ ist ein Tribut an ihn, gemeinsam gemacht von Flabba Holt und Gacha Medz. Grundlage sind Drum-Sessions, die Gacha Medz noch zu Slys Lebzeiten mit ihm aufgenommen hatte. Flabba Holt hat darüber neue Basslines gelegt und daraus ein Instrumentalalbum gebaut. Bewusst steht nicht die Melodie im Zentrum, sondern der Groove – das, was Slys Spiel unverwechselbar machte. Das ist mehr als eine Geste: Es ist Archivarbeit an einem Nachlass, zu dem der Produzent selbst beigetragen hat.

Im August folgte mit „Sly Forever Dub“ die Dub-Version, acht Tracks, dreiunddreißig Minuten. Gacha Medz begründet sie mit einem Satz, den Sly ihm zu Lebzeiten gesagt habe: Wenn er ein Album mache, solle er auch immer eine Dub-Version davon machen. Man kann das für eine hübsche Vermarktungslegende halten. Man kann es aber auch als das nehmen, was es vermutlich ist – die Einlösung eines Versprechens.

Ob das musikalisch aufgeht, darüber lässt sich streiten. Lemmi fragte in seinem Kommentar, ob es sich um eine „false flag action“ gegen Sly Dunbar handle, und was mit „Real Rock“ passiert sei. Ganz von der Hand zu weisen ist der Einwand nicht.

Wer wissen will, wie weit dieser Kosmos noch reicht: Ende August erschien „Dub Is My Life“ von Roots Radics, Ninjah Rockerz, Gacha Medz und Triga Finga. Das mit Abstand schlechteste Album dieser Produktions-Crew. Vielleicht sollten sie sich einfach mehr Zeit lassen. Das Material ist da, die Musiker sind da. Es fehlt nur die Geduld.

Bewertung: 3.5 von 5.

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