
Ich muss zugeben: Ich bin ein Fachidiot. Über die Musik Ugandas weiß ich mehr als über Coldcut! Schande. Und außerdem bin ich verwirrt. Irgendwie hatte ich Coldcut immer als dem Hip Hop nahe stehende Elektroniker im Hinterkopf. Doch was mir jetzt von dem Album Coldcut x On-U Sound: „Outside The Echo Chamber“ (Ahead Of Our Time ) entgegenschallt, ist Reggae! Okay, Adrian Sherwood legt das nahe, aber ich dachte, er gibt hier nur den Dubmixer der letzten sechs (Dub-)Tracks. Weit gefehlt. Offenbar ist „Outside The Echo Chamber“ ein echtes Kollaborationsprojekt der beiden Ninja Tunes-Gründer Matt Black und Jon More und des On U-Sound-Masterminds. Immerhin kauften Black und More schon On-U-Platten, lange bevor es Coldcut gab: „The On-U Sound records were a unique and powerful influence on us. The whole Coldcut mash up thing was partly inspired by On-U“, erklärt Matt Black, „without On-U there would be no Ninja Tune.“ Was lange währt … Und so blicken nun drei ältere Herren vom Pressefoto – „sixty years of shared musical experience“, wie uns das Pressinfo beteuernd aufklärt – und sind stolz auf ihr neues Werk. Eine Mélange aus Reggae, Dancehall, ein klein wenig Hip Hop, Trap und Bhangra-Pop, an der eine durchaus illustre Musikerschar (meist aus dem On-U-Kontext) beteiligt war: Junior Reid, Lee ‚Scratch’ Perry und Ce’Cile, Gitarrist Skip McDonald und Bassist Doug Wimbish sowie der klassische Ninja Tune-Artist Roots Manuva. Abgesehen von dem Intro-Stück des Letztgenannten, gefällt mir das Album außerordentlich gut. Wirklich. Die vielen Köche haben hier einen absolut schmackhaften Brei zusammengerührt. Meine persönlichen Highlights: „Everyda Another Sanction“ – ein ganz klassisches Reggaestück (auf einem dem African Beat zum verwechseln ähnlichen Riddim) mit schöner Melodie von Chezidek, dann auf jeden Fall „Kajra Mohobbat Wala“, jener Bhangra-Klassiker, den Sherwood & Co hier kongenial re-interpretiert haben, und dann natürlich noch das wunderbar dubbige „Divide and Rule“ mit einem winzigen Lee Perry-Sample (die es erlauben, Perrys Namen in die Artist-Liste des Albums aufzunehmen). Tja, und dann wären da ja noch die sechs von Sherwood gemischten Dub-Versions – die eigentlichen Stars des Albums.
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