
Hatte ich schon mal erwähnt, dass Sly Dunbar und Robbie Shakespeare meine absoluten, unantastbaren, All-time-Reggae-Heroes sind? Bestimmt. Aber wie das mit Helden so ist, hat man ihnen gegenüber eine große Erwartungshaltung. So groß, dass sie eigentlich nicht mehr einzulösen ist. Und obwohl man deshalb schon so manche Enttäuschung hinnehmen musste, so hofft man doch bei jedem neuen Werk aufs Neue. So geht es mir in den letzten Jahren stets mit den Alben der Rhythm-Twins. Cooles Cover, superber Sound, und ja, der unverwechselbare Sly & Robbie-Stil – aber irgendwie fehlt da trotzdem etwas. Atmosphäre? Der geniale Mix? Neue Ideen? Oder schlicht ein Stil-Update? I don’t know. Sly & Robbies neues Album: „Dubocalypse“ (Tabou1) macht da keine Ausnahme. Während mich der erste Track „Good Morning“ noch richtig flasht, fange ich danach schnell an mich zu langweilen. Zu hören gibt es hier neueres Material aus dem unendlichen Sly & Robbie-Fundus, gemischt von Dartanyan Winston. Dartan… who? Berechtigte Frage. Bei Dartanyan Winston handelt es sich um einen unabhängigen Sound-Mixer aus Detroit, der ein paar Sly & Robbie-Tracks durch Adobe Audition gejagt und bei Youtube online gestellt hat. Die Rhythm-Twins waren damit nicht einverstanden, baten ihn die Tracks zu löschen und dachten sich wohl: „Bevor der Bursche noch mehr zweifelhafte Remixes unauthorisiert verbreitet, kontrollieren wir Qualität und Output lieber selbst, indem wir ihn offiziell engagieren“. Und so erschien 2014 das Album „Dubmaster Voyage“, 2016 dann „Free Dub“ und nun die „Dubocalypse“ – allesamt von Winston gemischt und in perfekter Form auf Guillaume Bougards Tabou1-Label veröffentlicht. Allerdings pflegt Winston einen eher konventionellen Mixingstyle, so dass sich seine Arbeit nicht allzu sehr von dem anderen – üppigen! – Output der Zwillinge abhebt. Wer aber genau das mag: jamaikanischen Dub alter Schule in neuem, crispem Sound-Gewand, der ist in der Dubocalypse bestens aufgehoben.
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