
Dub ist kein geschlossenes Genre mit immer den gleichen Protagonisten. Dank seiner stilistischen Offenheit, gibt es permanent einen Strom an „Besuchern“ aus anderen Genres, die ihre Musik mit dem verbinden, was Dub ausmacht – und damit wiederum auf den Dub zurück wirken und den Horizont des Genres erweitern. Daher sind neue Namen, die oft nur ein Album hinterlassen, nicht selten. Doch jetzt ist mir ein Name begegnet, der heraus sticht: Dr. Dubenstein. Abgesehen davon, dass das ein wirklich cooler Name ist, kann er nur zu jemandem gehören, der im Dub wirklich zuhause ist und womöglich schon seit Jahren in einem verborgenen Studio an Hall und Echos schraubt. Die Recherche ergab, dass dieser merkwürdige Charakter angeblich 580 A.D. in Sektion C, Reihe 15, Sitz 23 des Transportschiffes Enigma geboren wurde, während sich dieses auf dem Weg von West Ardevor nach Klacmata befand. Aber ich glaube, das sind Fake-News. Wahrscheinlicher ist, dass es sich tatsächlich um Derrick Parker handelt, einen Studiotechniker, der in Washington DC lebt und bereits mit vielen Bands (von Steel Pulse bis Toots & The Maytals) gearbeitet hat. Nun legt er sein erstes eigenes Album vor: „Conspiracy Theory“ (Echo Beach) – ja, seine erste Veröffentlichung überhaupt, wenn man von je einem Track auf drei alten Dub-Samplern absieht. Die Verschwörungstheorie steckt in einem schwarzweiß illustriertem Cover, das den Doktor an den Controls zeigt und unweigerlich an Mad Professor denken lässt. 17 Tracks gibt’s zu hören, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Offenbar das Werk unterschiedlicher Bands und Musiker. Das legt die Vermutung nahe, dass Dubenstein hier die gesammelten Werke seiner langjährigen Dub-Arbeit im Albumformat veröffentlicht. Hören wir mal rein: Die ersten beiden Tracks können mich nicht überzeugen. Sie klingen mir zu sehr nach hölzernem US-Reggae und nach Lovers Rock. Spannender wird es dann mit „Flabba’s iPad“ und spätestens bei „Illuminati Dub“ bin ich bei der Sache. Was dann folgt, klingt mehrheitlich nach der jamaikanischen Schule des Dub – also dem Gegenteil von Steppers & Co. Nicht ganz mein Lieblings-Style, muss ich zugeben, aber dennoch ein gutes Album von superbem Klang und klassisch virtuoser Mixing-Kunst. Mir fehlt etwas Intensität, Entschiedenheit und jene magische Bass-Atmosphäre, die ich so liebe. Doch wer eher die handwerkliche Qualität von Dub schätzt, wird bedingungslos an die Verschwörungstheorie glauben.
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